Schacholympiade: Armenien bleibt vorne, zwei Siege für Deutschland

von André Schulz
05.08.2022 – Mit einem 2:2 gegen die USA verteidigte Armenien seine Führung bei der Schacholympiade. Bei der Frauenolympiade bleibt Indien ebenfalls in Führung. Die deutschen Teams gewannen gegen Serbien und die Türkei (Frauen). | Foto: Gabriel Sargissian, Fotos: FIDE (Madelene Belinki, Lennart Ootes, Stev Bonhage)

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Nach sechs Runden wurden den Teilnehmern der 44. Schacholympiade in Chennai ein Ruhetag gegönnt. Am Freitag ging es dann mit der siebten der insgesamt elf Runden weiter. 

Vor der Pause hatte die armenische Mannschaft - ohne ihren früheren Spitzenspieler Levon Aronian, der in den US-Verband gewechselt ist - das Spitzenspiel gegen die "Young Guns" der Gastgeber, Indien 2 gewonnen und war so als einzige Mannschaft übriggeblieben, die noch keinen Punkt abgegeben hat. Engster Verfolger war das US-Team, mit einem Eloschnitt von 2771 der hohe Favorit auf die Goldmedaille. Die US-Amerikaner hatten in ihren Wettkämpfen bis dato allerdings nicht wirklich überzeugt. Paraguay, Israel und Iran wurden jeweils nur mit 2,5:1,5 besiegt - aber besiegt. Gegen Usbekistan gab es beim 2:2 den einzigen Punktverlust.

Das Spitzenspiel der 7. Runde lautete also Armenien gegen die USA. Levon Aronian wollte dabei nicht gegen seine früheren Kollegen antreten und setzte aus. Gegen Wesley So übersah Hrant Melkumyan in einer eigentlich ordentlichen Stellung einen entscheidenden Schlag, wodurch die USA schon früh in Führung ging.

 

 

 

Gabriel Sargissian glich dann aber aus, indem er Fabiano Caruana besiegte. Leinier Dominguez brachte die US-Großmeister gegen Samvel Ter-Sahakyan erneut in Front. Das Endergebnis hing damit an der Partie zwischen Robert Hovhanissyan und Sam Shankland.  Die Partie nahm einen dramatischen Verlauf. Hovhannissyan stand besser. Shankland rettete die Partie, zog in Erwartung eines Schachs seinen König. Da das Schach nicht kam, zog er den König damit in ein Schach - illegaler Zug und Verlust der Partie. Endstand 2:2.
 


Unter den übrigen Verfolgern in der Gruppe der Mannschaften mit zehn Punkten befanden sich die drei indischen Teams, von denen Indien 2 die besten Feinwertungen aufwies. Die Gukesh-Mannschaft spielte gegen Kuba, während die beiden anderen indischen Teams gegeneinander gelost wurden. Das indische Derby ging mit einem ungefährdeten 3:1 an Indien 1. Die indischen "Young Guns" gewannen klar mit 3,5:0,5 gegen Kuba. 

Frankreich ist in Chennai mit einer Art B-Mannschaft am Start - ohne Alireza Firouzja, Maxime Vachier-Lagrave, Etienne Bacrot und Christan Bauer -, aber dennoch gut unterwegs. Die Franzosen hatten alle leichten Aufgaben in den ersten drei Runden souverän gelöst. Dann gab es gegen Indien und Polen jeweils ein 2:2 und noch einen knappen Sieg gegen die Schweiz.

Frankreich hatte in Runde sieben die Niederlande als Gegner, die ihre zwei Punkte in Runde vier im Wettkampf gegen Israel verloren hatte. Maxime Lagarde punktete für Frankreich. Benjamin Bok glich zum 2:2 aus.

An Tisch vier spielte die deutsche Mannschaft gegen Serbien. Die Deutschen, Neunte der setzliste, mussten bereits in Runde drei eine Niederlage quittieren, gegen Österreich. Vor dem Ruhetag freuten sie über einen etwas glücklichen Sieg gegen Italien. Auch gegen Serbien war Deutschland Favorit mit einem Eloüberschuss an allen Brettern.

Matthias Blübaum und Liviu-Dieter Nisipeanu spielten remis. Dmitrij Kollars stand mit einem Mehrbauern im Endspiel Dame plus Leichtfigur auf Gewinn, während Vincent Keymer gegen Aleksandar Indjic eine Dame mehr hatte, mit der er aber im Endspiel gegen ein starkes Läuferpaar und Freibauern ums Remis kämpfen musste.

 

 


Dmitrij Kollars führte seine Partie zum Gewinn und Vincent Keymer hielt seine remis, so das es für Deutschland zu einem 2,5:1,5-Sieg reichte.

Im letzten Verfolgerduell spielte Peru gegen Usbekistan. Von den peruanischen Spielern kennt man hierzulande eigentlich nur Jorge Cori. Er ist aber in Chennai gar nicht dabei. Das peruanische Team hatte im bisherigen Turnierverlauf etwas Losglück und zumeist recht leichte Gegner. In Runde sechs gab es aber einen 2,5:1,5-Sieg gegen die nominell stärkeren Kroaten. Die Usbeken gehören aber sicher auch zu den Mitfavoriten auf eine Medaille und sind vor allem an den ersten drei Brettern stark besetzt. Den USA und Indien nahmen sie jeweils einen Mannschaftspunkt ab. Der Vergleich ging mit 4:0 schließlich sehr deutlich  zugunsten der Usbeken aus. 

Stand nach 7 Runden

Rg. Team Team
1 Armenia ARM
2 Uzbekistan UZB
3 India 2 IND2
4 India IND
5 United States of America USA
6 Germany GER
7 Kazakhstan KAZ
8 France FRA
9 Iran IRI
10 Netherlands NED
11 Azerbaijan AZE
12 Hungary HUN
13 Brazil BRA
14 Ukraine UKR
15 Czech Republic CZE
16 Turkey TUR
17 Italy ITA
18 Greece GRE
19 India 3 IND3
20 Cuba CUB

 

Partien

 

 

Frauenturnier

Auch in der Frauenolympiade ist Indien mit drei Teams vertreten. Indien 1 ist sogar Elofavorit, weil Russland und China bekanntermaßen nicht am Start sind. Nach sechs Runden traf führten die Inderinnen mit sechs Siegen das Feld an, gefolgt von Aserbaidschan und Rumänien, beide mit nur einem Punkt Rückstand. Im Spitzenspiel gegen Aserbaidschan mussten die Inderinnen dann einen Rückstand verdauen. Ihre Spitzenfrau Humpy Koneru vergab gegen Gunay Mammadzada einen großen Vorteil und verlor die Partie. Vaishali und Tania Schachdev sorgten mit ihren Siegen dennoch für einen 2.5:1,5-Erfolg zugunsten von Indien.

In einem der Verfolgerduelle kam die Ukraine in einem einseitigen Match zu einem deutlichen Sieg über die Niederlande. Georgien gewann mit 2,5:1,5 gegen Rumänien.

Nach der zweiten Niederlage war das deutsche Team auf Platz 25 zurückgefallen, spielte an Tisch acht gegen die Türkei und war klarer Favorit. Mit einem 3,5:0,5 könnten die deutschen Frauen das Treffen souverän für sich entscheiden.
 

 

Partien Frauenolympiade

 

Turnierseite

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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