Schacholympiade Turin: Heute offizieller Beginn

20.05.2006 – Heute beginnt in Turin mit der Eröffnungsfeier die Schacholympiade. Diese nutzt die ehemalige Eisschnelllaufhalle und das Olympische Dorf der letzten Olympischen Winterspiele. Eine reihe von Topstars werden für ihre Länder an den Start gehen. So sind u.a. Anand, Aronian, Leko und Kramnik angekündigt. Bei der deutschen Mannschaft freut man sich neben dem erstamaligen Einsatz von Arkadij Naiditsch über die Rückkehr von Artur Jussupov. Dieser hatte sich zusammen mit Robert Hübner seinerzeit wegen der Einführung von Dopingtests aus der Mannschaft zurück gezogen. Inzwischen hat man auch bei der FIDE eingesehen, dass die Einnahme von anabolen Steroiden beim Schach nicht wirklich nützlich ist und die Vorschriften liberalisiert. Das letzte Mal, als Jussupov noch zur Mannschaft gehörte, holte Deutschland sensationell die Silbermedaille. Das lässt hoffen. Dagobert Kohlmeyer interviewte den Rückkehrer. Schacholympiade Turin - Offizielle Seite... Statistiken bei Wiener Zeitung...Mehr...

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Artur Jussupows 10. Schacholympiade: „Kein neues Gefühl“
Von Dagobert Kohlmeyer

Bei der am Sonntag in Turin beginnenden Schacholympiade gehen Mannschaften aus 141 Nationen an den Start. Schauplatz ist das Oval Lingotto, wo im Februar bei der Winterolympiade die Eissport-Wettbewerbe stattfanden. Künftig soll die riesige Halle in die Messe der Stadt mit eingebunden werden, aber auch weiterhin die Möglichkeit bieten, eine Eisfläche zu unterhalten. Stattfindende Events können nun dank verschiebbarer Tribünen noch immer von 2 000 Zuschauern verfolgt werden.
Jetzt ergreifen erst einmal die Schachspieler aus aller Welt vom Oval Lingotto Besitz. Die Herrenteams spielen an vier Brettern, die Damen an drei. Titelverteidiger bei den Männern ist die Ukraine, bei den Frauen China. Als Favorit im Herrenturnier gilt jedoch Russland, dessen erstes Brett der Weltmeister im klassischen Schach, Wladimir Kramnik, nach längerer Spielpause besetzt. Der andere Weltmeister, Weselin Topalow, rückt zurzeit noch beim M-tel Masters in Sofia die Figuren. Er wird in Italien nicht dabei sein.

Für das deutsche Herrenteam nominierte Bundestrainer Uwe Bönsch die Großmeister Arkadij Naiditsch, Artur Jussupow, Jan Gustafsson, Thomas Luther, Christopher Lutz und Alexander Graf. Im DSB-Team der Damen, das von Großmeister Philipp Schlosser betreut wird, spielen Elisabeth Pähtz, Ketino Kachiani-Gersinska, Jessica Nill und Vera Jürgens. Größter Erfolg in der jüngeren Vergangenheit war die Silbermedaille der DSB-Männer bei der Schacholympiade 2000 in Istanbul.

Am Rande des Turniers der Nationen tagt in Turin traditionell der Kongress des Weltschachbundes FIDE. Wichtigster Tagesordnungspunkt ist die Wahl des FIDE-Präsidenten. Amtsinhaber Kirsan Iljumschinow, im Hauptberuf Präsident der russischen Teilrepublik Kalmückien, leitet seit Ende 1995 die Geschicke des internationalen Schachverbandes. Der wegen seines Führungsstils umstrittene Millionär und Selfmademan wird diesmal vom Holländer Bessel Kok herausgefordert. Spannung ist auch dort angesagt.

Uns interessiert hier erst einmal der sportliche Teil. Man darf neugierig sein, was die beiden Teams des DSB bei der Olympiade, die bis zum 4. Juni geht, leisten können. Wir sprachen darüber mit Großmeister Artur Jussupow, dem dienstältesten Nationalspieler des DSB, der seinen dritten Schachfrühling erlebt. Er spielt am zweiten Brett hinter Arkadi Naiditsch. Bundestrainer Uwe Bönsch hat sein Team nach Leistungskriterien in der weiter oben genannten Reihenfolge aufgestellt. Ganz besonders freut sich der Coach, dass Arkadi Naiditsch erstmalig dabei ist und dass Artur Jussupow nach zweimaliger Olympia-Pause wieder mit im Boot sitzt. Letzterer stand 2002 in Bled und 2004 in Calvia wegen der merkwürdigen Doping-Regel, die auch das Kaffeetrinken (Arturs Lieblingsgetränk) untersagt, nicht zur Verfügung. Das ist jetzt kein Thema mehr. Uwe Bönsch ist jedenfalls happy, dass sein alter Crack wieder zur Verfügung steht und formulierte es kürzlich so: „Nicht nur als Schachlehrer, auch als Großmeister ist Artur Jussupow natürlich das große Vorbild für viele junge Spieler. Er war in der absoluten Weltspitze, stand seinerzeit gegen Anatoli Karpow im Kandidaten-Halbfinale. Ich bin fest überzeugt davon, dass Artur mit seinem Können und seiner riesigen Erfahrung eine große Verstärkung für die deutsche Nationalmannschaft bedeutet.“

Und was sagt der viel Gelobte selbst? Wir riefen Artur Jussupow kurz vor der Abreise nach Turin an.

Artur, was ist das für ein Gefühl, wieder bei der Olympiade die Figuren zu bewegen?

Eigentlich kein neues, weil ich schon so oft beim Turnier der Nationen als Aktiver dabei war. Auch die Mannschaft ist praktisch nicht neu für mich. Mit Ausnahme von Arkadi Naiditsch habe ich schon mit allen anderen in verschiedenen Kombinationen der Nationalmannschaft gespielt.

Wie viele Olympiaden waren es bei dir genau?

Turin wird meine insgesamt zehnte Schacholympiade sein. Von 1982 in Luzern bis 1990 in Novi Sad spielte ich fünfmal für die Sowjetunion. Wir holten immer Gold, das war klar. Seinerzeit hatten wir quasi ein Abonnement auf den Titel.

Du lebst seit 1991 in Deutschland. Wann erfolgte dein Wechsel ins DSB-Team?

Bei der Schacholympiade 1994 in Moskau gab ich meinen Einstand in der deutschen Auswahl. Dann spielte ich 1996 in Jerewan mit, 1998 in Elista und 2000 in Istanbul, wo wir überraschend Silber holten.

Vor Turin gab es noch ein Trainingslager für beide DSB-Teams. Wie war es?

Das war okay. Wir haben in Hockenheim fünf Tage recht intensiv trainiert. Ich hoffe, das hilft uns, in Turin einen guten Platz zu belegen.

Du verfolgst sicher in diesen Tagen auch das M-tel Masters in Sofia. Was sagst du denn zu Gata Kamskys erstaunlichem Auftritt?

Kamskys starkes Spiel in Sofia zeigt, dass es trotz seiner langen Spielpause keinen Klassenunterschied zwischen ihm und den anderen Topgroßmeistern gibt. Sicher hat er Eröffnungsdefizite, keine Frage. Aber bislang spielte das keine so große Rolle. Nur in der Partie gegen Topalow, die er verlor.

Als erfahrener Großmeister hast du schon viel gesehen und erlebt. Nun richtet Dresden in zwei Jahren die Schacholympiade aus. Wie kommentierst du die Wahl der sächsischen Hauptstadt als Spielort?

Ich glaube schon, dass es 2008 eine gute Olympiade wird. Dresden ist eine boomende Stadt. In diesem Jahr war ich nach längerer Pause mal wieder dort und angenehm überrascht, wie sich alles weiter entwickelt hat. Die Spielbedingungen werden ausgezeichnet sein. Und mit Dirk Jordan an der Spitze haben sie ein sehr gutes Organisationsteam. Hinzu kommen die erstklassigen Hotels.

Also wir dürfen uns freuen…

Ja, das sollten wir. Und wir sollten die Olympiade nicht nur als Sache der sächsischen Region, sondern als gesamtdeutsches Anliegen sehen.


 


Die deutsche Mannschaft:

Männer:
Arkadij Naiditsch, Jan Gustafsson, Christopher Lutz, Artur Jussupow, Alexander Graf und Thomas Luther.
Trainer: Uwe Bönsch (Bundestrainer)

Frauen: Elisabeth Pähtz, Ketino Kachiani-Gersinska, Jessica Nill und Vera Jürgens.
Trainer: Phillip Schlosser
 


 


Zeitplan:

 

Chess Olympiad Torino 2006
May 20 2006 H. 21.00 Opening ceremony
May 21 2006 H. 15.00 First round
May 22 2006 H. 15.00 Second round
May 23 2006 H. 15.00 Third round
May 24 2006 H. 15.00 Fourth round
May 25 2006 H. 15.00 Fifth round
May 26 2006 Rest day
May 27 2006 H. 15.00 Sixth round
May 28 2006 H. 15.00 Seventh round
May 29 2006 H. 15.00 Eighth round
May 30 2006 H. 15.00 Ninth round
May 31 2006 H. 15.00 Tenth round
June 1 2006 Rest day
June 2 2006 H. 15.00 Eleventh round
June 3 2006 H. 15.00 Twelfth round
June 4 2006 H. 10.00 Thirteenth round
  H. 20,30 Closing ceremony

 

Zeitplan des 77. FIDE Kongress, 27.Mai bis 4.Juni
 

77º FIDE Congress
27 / 29 May 2006 FIDE Commissions and committees
30 May / 1 June 2006 Executive board/Presidential board
3 / 4 June 2006 Continental Meeting
2 / 4 June 2006 General Assembly

 

 

 



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