13.09.2016 – Heute endete die 42. Schacholympiade in Baku mit dem Gewinn der Goldmedaille für die USA. Im Frauenturnier gewann China. Hinter den USA holte sich die Ukraine mit gleicher Punktzahl Silber. Bronze geht an Russland. Die chinesischen Frauen hielten in der Schlussrunde Titelverteidiger Russland auf Distanz. Russland wurde nur Vierte. Polen gewann Silber, die Ukraine holte Bronze. Die deutsche Mannschaften landeten im Mittelfeld. Mehr...
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IM Harald Schneider-Zinner widmet sich in diesem ersten Band ausführlich der Frage, warum wir klar bessere Stellungen oft nicht in einen Sieg umwandeln können – und wie wir das ändern.
Die Würfel sind gefallen. Mit den USA hat einer der Favoriten die Goldmedaille bei der 42. Schacholympiade in Baku gewonnen. Vor der heutigen Schlussrunde lagen die USA und die Ukraine gleich auf. Mit der besseren Zweitwertung konnten die US-Großmeister beruhigt in die Finalrunde gegen Kanada gehen. Eric Hansen zeigte mit seinem Sieg über Samuel Shankland, dass Kanada nicht mehr zu den Schachentwicklungsländern gehört. Aber Wesley So und Fabiano Caruana sicherten den Sieg .
Hikaru Nakamura
Wesley So
Samuel Shankland
Eric Hansen (Kanada)
Caruana spielte eine schwungvolle Vorstoßvariante im Caro-Kann gegen den Neukanadier Evgeny Bareev.
Caruana: Foto: Eteri Kublashvili
Caruana gegen Bareev
Der letzte Sieg der USA bei einer Schacholympiade liegt weit zurück, 1976 in Haifa, in Abwesenheit der Ostblockländer, die das Turnier in Israel boykottiert hatten. Davor gewann man in Stockholm 1937. Aber in jüngerer Zeit gab es einige Achtungserfolge, mit den Bronzemedaillen 2006 und 2008. Der Aufstieg des US-Schachs ist eng verbunden mit den Aktivitäten rund um das Schach-Center in St. Louis, aber auch das Schulschach ist in den USA inzwischen hoch angesehen. Mit Nakamura, Caruana und So hat man drei absolute Weltklassespieler im Team und die nachrückenden Talente, Shankland und Robson sind dabei, den Anschluss zu schaffen.
Auch die Ukraine kann auf eine erfolgreiche Schacholympiade zurückblicken. Heute wurde Slowenien glatt geschlagen. Im Verlauf des Turniers hat die Ukraine - ohne ihren Star Vassily Ivanchuk, der ein Dameturnier spielte - gegen fast alle starken Teams gespielt - und alle geschlagen, mit einer Ausnahme: Das Match gegen die USA wurde verloren. Die Ukraine landete punktgleich mit den USA auf Platz zwei und gewinnt Silber.
Die russische Mannschaft begann das Turnier als Erster der Setzliste, aber zur Goldmedaille reichte es wieder nicht. Als "Schicksalsspie" erwies sich das Match gegen die Ukraine und das ging verloren. Außerdem gab es mit den Unentschieden gegen die USA und gegen Indien ein Remis zuviel. In der Schlussrunde wurde Italien besiegt und Russland gewinnt Bronze - weniger als 2012 und 2014 als es Silber gab, aber mehr als 2014. Da gingen die russischen Männer leer aus.
Russland gegen USA
Indien verpasste zwar eine Medaille, bestätigte aber in etwa den Erfolg der letzten Schacholympiade. Wie würde Indien wohl mit Anand abschneiden?
Den größten Erfolg seiner Olympiadegeschichte feiert die norwegische Mannschaft mit dem fünften Platz, punktgleich mit Indien, gegen das es heute ein 2:2 gab, und einigen anderen Mannschaften.
Magnus Carlsen sollte diesmal zufrieden sein.
Überraschend stark präsentierte sich Peru. Die Südamerikaner nahmen England heute einen Mannschaftspunkt ab und belegten Platz zehn, ebenfalls mit 16 Punkten. Auch die Türkei, Polen, Frankreich und England kamen auf 16 Punkte.
Die aserische Mannschaft galt bei der Heimolympiade als einer der Favoriten, und insgeheim hatte man sicher von einer Medaille, am besten Gold, geträumt. Es reicht aber nur zu Platz 12. Ebenfalls unter Wert platzierten sich China und die Niederlande.
Ding Liren und China gingen leer aus
Enttäuschend ist sicher auch das Abschneiden der deutschen Mannschaft. Heute gab es zwar einen Sieg über Estland, aber der 37ste Platz ist nicht das, was man angestrebt hatte. Matthias Blübaum ragte mit seinen 7,5 Punkten und sechs Siegen aus dem Team heraus.
Ergebnisse der deutschen Mannschaft:
Br.
Name
Elo
Land
Pkt.
Anz
Rp
1
GM
Nisipeanu Liviu-Dieter
2687
GER
5,5
10
2684
2
GM
Meier Georg
2654
GER
5,0
9
2596
3
GM
Bluebaum Matthias
2626
GER
7,5
10
2744
4
GM
Buhmann Rainer
2640
GER
4,0
7
2551
5
GM
Fridman Daniel
2618
GER
3,0
8
2392
Partien
Ergebnisse der 11. Runde
Nr.
Snr
Team
Team
Pkt.
MP
Erg.
:
Erg.
MP
Pkt.
Team
Team
Snr
1
2
USA
United States of America
29
18
2½
:
1½
15
29
Canada
CAN
25
2
5
UKR
Ukraine
27½
18
3½
:
½
15
26½
Slovenia
SLO
29
3
1
RUS
Russia
29
16
3
:
1
15
25
Italy
ITA
36
4
62
TKM
Turkmenistan
22
13
1
:
3
13
25½
Azerbaijan 1
AZE
4
5
9
IND
India
25½
15
2
:
2
15
24½
Norway
NOR
12
6
34
PER
Peru
24½
15
2
:
2
15
24½
England
ENG
6
7
19
TUR
Turkey
27½
14
2½
:
1½
14
25
Georgia
GEO
20
8
27
GRE
Greece
23½
14
2
:
2
14
27
Hungary
HUN
10
9
8
FRA
France
27
14
3
:
1
14
23
Czech Republic
CZE
17
10
7
POL
Poland
26½
14
3
:
1
14
23
Spain
ESP
14
11
32
VIE
Vietnam
24
13
1
:
3
13
26
China
CHN
3
12
15
CUB
Cuba
25½
13
2
:
2
13
23
Romania
ROU
30
13
18
CRO
Croatia
23½
13
2½
:
1½
13
26
Moldova
MDA
35
14
23
BLR
Belarus
24½
13
3
:
1
13
28½
Uzbekistan
UZB
31
15
60
POR
Portugal
26
13
½
:
3½
13
23
Latvia
LAT
21
16
46
IRI
Iran
24½
13
3½
:
½
13
26½
Chile
CHI
47
17
48
SUI
Switzerland
26
13
1
:
3
13
23½
Paraguay
PAR
39
18
40
AUT
Austria
26
13
1½
:
2½
13
23½
Brazil
BRA
33
...
Einer der großen Helden nicht dieser Schacholympiade ist Eugenio Torre.
Foto: David Llada
1951 auf den Philippinnen geboren, spielte er 1970 seine erste Schacholympiade. Die Schacholympiade in Baku ist sein 23ste. Das ist Rekord Heute gewann er am 3. Brett der Philippinnen gegen Ly und ist mit 10 aus 11 der beste Spieler der Schacholympiade nach Punkten.
Susan Polgar führte während es Turniers ein Interview mit dem Rekordhalter.
Bester Spieler nach Eloperfomance ist Andrei Volokitin.
Nicht nur im Frauenturnier spielen Politiker mit. Utut Adianto ist hauptberuflich eigentlich Abgeordneter des indonesischen Oberhauses.
Frauenolympiade
Im Frauenturnier hatte Russland heute Gelegenheit, durch einen Sieg im direkten Vergleich mit China gleichzuziehen. Nach einem umkämpften Match sorgten Ju Wnjun und Tan Zonqui für die Siegpunkte zugunsten der Chinesinnen. China gewinnt Gold. Titelverteidiger Russland fällt auf Platz vier zurück und geht diesmal leer aus, nachdem man zuletzt dreimal in Folge Gold gewonnen hatte. In den Verfolgerkämpfen setzte sich Polen gegen Ungarn und die Ukraine gegen Bulgarien durch. Polen gewinnt Silber, die Ukraine Bronze.
Foto: Rasim Huseynov
Die deutschen Frauen spielte zumeist in dem Tabellenbereich, der ihrer Rolle als Zehnte der Setzliste entsprach. Doch in den letzten beiden Runden gab es Niederlagen gegen Bulgarien und heute gegen Frankreich. Damit belegt die deutsche Mannschaft am Ende leider nur Platz 31.
Die Einzelergebnisse der deutschen Mannschaft
Br.
Name
Elo
Land
Pkt.
Anz
Rp
1
IM
Paehtz Elisabeth
2474
GER
5,5
10
2346
2
WGM
Michna Marta
2383
GER
5,5
9
2388
3
WGM
Levushkina Elena
2342
GER
6,0
9
2322
4
WGM
Lubbe Melanie
2324
GER
3,0
7
2109
5
WIM
Fuchs Judith
2287
GER
5,5
9
2236
Die besten Spielerinnen der Schacholympiade nach Punkten:
Man darf gespannt sein welche Konsequenzen der DSB aus dem Abschneiden bei dieser Olympiade ziehen wird. Oder anders ausgedrückt, wann sieht der DSB ein, dass die Konkurrenzfähigkeit bei den Herren bei einer ELO-zahl größer 2700 beginnt und bei den Frauen bei einer ELO-zahl größer 2400. In dieser Kategorie ist man bei den Herren garnicht und bei den Frauen lediglich durch Elisabeth Paehtz vertreten. Von den ehemaligen "Prinzen" hat Matthias Bluebaum überzeugt, aber ein Bluebaum alleine reicht eben nicht. Ebenso wenig wie die Überraschung aus Dresden 2008, Georg Meier, bei diesem Turnier überzeugen konnte. Fakt ist, dass die Basis in Deutschland, die m.E. bei DWZ 1700im Durchschnitt liegt, deutlich zu schlecht ist. In anderen osteuropäischen Länder dürfte die durchschnittliche Spielstärke eines Vereinsspielers deutlich höher liegen. Hier muss der Hebel angesetzt werden, da nur eine starke Basis (siehe Deutscher Fußballbund, Deutscher Handball Bund und Deutscher Hockey Bund) eine starke Spitze hervorbringen kann. Das Leistungssportkonzept des DSB hat aber Spitzensportler hervorgebracht, die sich zu weit von der Basis entfernt haben und somit nach Gegnern in Deutschland händeringend suchen müssen. Diese Situation ist erstens fatal und zweitens kontraproduktiv. Wann sieht der DSB endlich ein, dass er sich eine starke Basis schaffen muss. Kinder- und Jugendschach alleine hilft nicht, wenn die Förderung ab 18 abrupt endet. Aber vielleicht muss der DSB bei den Herren bei der nächsten Olympiade erst von Singapur überholt werden bevor sich etwas ändert. Marketing ist ein weiterer Schwachpunkt, der bei den Ergebnissen von Baku nicht bearbeitet werden, da diese deutlich zu schlecht waren.
Agan 14.09.2016 08:40
In der Süddeutschen Zeitung von heute (14.9.) wird im Sportteil am Beispiel Basketball die Rolle der Nationalmannschaften thematisiert: "..Nationalmannschaften sind die Zugpferde und Lokomotiven...." und "Erfolge des Nationalteams wecken Interesse am Alltagsbetrieb....".
Die letzten Erfolge der Nationalmannschaften im Schach gab es mit dem 2. Platz bei der Schacholympiade in Istanbul 2000 und dem Sieg bei der Europameisterschaft 2011. Einen Schachboom haben diese Erfolge m.W. nicht ausgelöst. Darum wird das enttäuschende Abschneiden diesmal umgekehrt auch keine negativen Auswirkungen auf den Schachbetrieb in Deutschland haben. Für Schach gelten vielleicht doch andere Gesetze als für andere Sportarten. Die Nationalmannschaften spielen weder in der Öffenlichkeit noch bei den Schachspielern eine besondere Rolle.
Mazel_tov 13.09.2016 07:34
Damit haben wir für die Männer 13 MP, Platz 37/180 und in Summe -19,9 Elopunkte. Für die Damen stehen ebenfalls 13 MP, Platz 31/140 zu Buche, bei einer Eloänderung in Summe von -63,0.
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