Schachparadies Angola

22.04.2012 – Angola: Da denken viele Menschen an Bürgerkrieg und Unruhen, aber nur selten an Schach. Doch seit dem Ende der militärischen Auseinandersetzungen im Jahre 2002 geht es in Angola wieder aufwärts, nicht zuletzt dank der Erdölvorkommen des Landes. Auch das Schachleben blüht auf und das Taca Cuca Turnier in Luanda, der Hauptstadt Angolas, ist mittlerweile eine kleine Institution. Dieses Jahr findet es bereits zum vierten Mal statt und die guten Spielbedingungen, die großzügige Organisation und der gute Preisfonds locken immer mehr Großmeister an. Auch Alina l'Ami konnte dem Reiz der Fremde nicht wiederstehen und schwärmt in ihrem Bericht von einem überraschenden Schachparadies.Ergebnisse auf chess-results...Bericht und viele Bilder...

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Das Taca Cuca Turnier in Angola
Bericht und Fotos: Alina l'Ami

Auch wenn Sie kein großer Reisender sind, so bin ich überzeugt, dass Sie zumindest einmal davon geträumt haben, ein wenig abenteuerlustiger zu sein, in die Welt hinaus zu ziehen, um das Unbekannte zu entdecken und sich von all den Dingen, die so ganz anders sind als das Gewohnte, überraschen zu lassen. Und was könnte für mich als Europäerin reizvoller sein als ...Afrika?!

Uns Schachspielern bietet sich dabei nun eine einfache Lösung: Angola, das neue tropische Paradies! Wenn Bürgerkrieg, Armut und gefährliche Gegend alles ist, was Ihnen zu diesem wunderbaren Land einfällt, dann ist es Zeit, die verzerrte Wahrnehmung zu korrigieren. Ich muss zugeben, dass ich auch lange so gedacht habe und etliche Vorurteile gehegt habe…aber ich habe meine Lektion gelernt. Der durch Unruhen und Bürgerkrieg schlechte Ruf des Landes ist mittlerweile nicht mehr gerechtfertigt und das Land befindet sich stark im Aufwind. Und Schach sei Dank, stehen seine Tore jetzt weit offen!

Ich komme bereits zum zweiten Mal nach Luanda, der Hauptstadt Angolas, um das immer bekanntere 'Taca Cuca' Schachturnier zu spielen, das dieses Jahr bereits zum vierten Mal stattfindet. Ohne die großzügige Einladung der Organisatoren wäre ich jetzt wahrscheinlich auf einem anderen Kontinent; aber nicht, weil Angola abseits der großen Touristenpfade liegt oder weil das Unbekannte oft gefährlich wirkt. Ich habe bereits vergangenes Jahr hier gespielt und weiß, dass dieses afrikanische Land einem viele neue Erkenntnisse und Einsichten beschert. Aber wenn ich bedenke, welche Wahnsinnspreise hier überall verlangt werden, dann würde ich zwei Mal nachdenken, bevor ich mir ein Ticket kaufe.

Und doch bin ich Dank einer Reihe hilfreicher und hart arbeitender Leute hier. Die 270$, die man hier pro Nacht und Person für unsere Unterkunft, die zwar ganz ordentlich, aber doch nicht das Sheraton ist, verlangt, schreckt sie nicht ab. Im Gegenteil: wir bekommen alles, Essen und Getränke, so viel wir wollen, eigentlich eine Pauschalbetreuung! Man muss zugeben, dass so etwas selten ist und man bei einem Schachturnier nicht immer zu jeder Tages- und Nachtzeit dem Genuss frönen kann. Wenn man anfängt, darüber nachzudenken, wie viel das bei all den eingeladenen Großmeistern kostet, dann gehen einem die Augen über!

Aber die Organisatoren tun das für uns, sie tun das aus Liebe zum Schach und weil sie möchten, dass jeder die schönen Seiten ihres wunderbaren Landes sieht. Und die Ergebnisse dieser Anstrengungen sind bereits gut sichtbar, vor allem, wenn ich das Turnier dieses Jahres mit dem Turnier im letztem Jahr vergleiche: mehr und mehr Spieler wollen hier teilnehmen und die Spielbedingungen sind hervorragend. Anders gesagt, das Schachleben Angolas blüht und wächst exponentiell und ich würde mich nicht wundern, wenn sich in Zukunft noch mehr Spieler den April freihalten, um dieses angolanische Traditionsturnier zu spielen. Ich weiß nicht, ob die Hauptattraktion dieses Turniers der großzügige Preisfonds oder der typische terrakottaartige Boden ist…vermutlich beides.


Blick auf die Umgebung unseres Hotels

Letztes Jahr haben wir direkt in der Innenstadt gewohnt und konnten ohne große Mühe die wunderbare Kolonialarchitektur Luandas erforschen (eine interessante Mischung aus Neu und Alt), aber dieses Mal lagen die Dinge ein wenig anders. Wir haben perfekte Bedingungen, eigentlich der Traum aller Profis: wir essen, schlafen und spielen am gleichen Ort. Aber dieser Vorteil hat auch einen Nachteil: wir sind weit entfernt vom pulsierenden Leben der lauten Stadt, die kennenzulernen angesichts dieses exotischen Ortes doch sehr verlockend wirkt. Ich würde sagen, man kann nicht alles haben…allerdings hat man uns am Ruhetag einen Ausflug versprochen! So ist für jeden etwas dabei und die Organisatoren unternehmen große Anstrengungen, um all unsere Wünsche zu erfüllen.

Eine Sache können sie jedoch nicht kontrollieren: die Natur. Meistens herrscht hohe Hitze, aber einer der vier Swimmingpools unseres Hotelkomplexes bietet immer Schutz vor der sengenden Sonne. Viel lästiger sind die aggressiven Moskitos, die offensichtlich kein Problem damit haben, sich bei jeder Gelegenheit den Bauch voll zu schlagen :. Zum Glück hat man uns mit Mückenschutzcremes und -Salben eingedeckt - ein weiterer Beleg, wie sehr sich die Organisatoren anstrengen, das Turnier zu einem schönen Erlebnis für uns zu machen. Doch am besten gefällt mir etwas anderes: die Atmosphäre einer Schachfamilie! Ganz egal, was auf den Brettern geschieht, nach den erbitterten Kämpfen treffen sich alle, um ein Cuca-Bier zu trinken, ein wenig zu blitzen oder sich einfach angeregt zu unterhalten. Wenn doch nur die Moskitos ein wenig höflicher wären…


Vier Großmeister in Luanda - unmittelbar nach der Ankunft. Vom Flughafen aus haben wir ein Taxi genommen und dann auf ein anderes Auto gewartet, um damit zu unserem Hotel zu fahren. Ein Taxi zum Hotel zu nehmen, wäre viel zu teuer gewesen. Das Hotel lag etwas außerhalb und schon die fünfminütige Taxifahrt vom Flughafen in die Stadt hat uns 22$ gekostet!


Viktor Bologan steckten die russische Mannschaftsmeisterschaft und der lange Flug in den Knochen und er gönnte sich ein kleines Päuschen. Der französische GM Thal Abergel steckte hingegen voller Energie :). Aufgenommen wurde das Foto in der Lobby eines Hotels, in dem wir auf das Auto gewartet haben, das uns zu unserem eigentlichen Hotel bringen sollte. Es dauerte jedoch eine Weile, bevor unser Auto kam, denn der Verkehr in Luanda ist zu jeder Tages- und Nachtzeit und an allen Tagen der Woche einfach unmöglich.


Diese Fotos habe ich vom Auto aus gemacht. Hier sieht man die für Luanda typischen Straßenhändler. Matratzen, Obst, Kleidung oder Elektronik, in Luanda kann man fast alles vom Auto aus kaufen und spart so eine Menge Zeit.


Die angolanischen Frauen haben eine gute Haltung. Kein Wunder bei diesem Training. Ich habe immer bewundert, wie sie die großen und schweren Körbe auf dem Kopf transportieren - vor allem, wenn man bedenkt, dass sie oft auch noch Kinder tragen müssen und beide Hände voll haben.


Geröstete Cashewnüsse, die wir bei unserer langsamen Fahrt durch die Stadt gerne gekaut haben.


Hauptstadtverkehr in Angola
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Und hier haben wir gewohnt.




Der Swimmingpool versprach Abkühlung.




Schachspieler auf Expedition


Nach dem Abenteuer der Expedition brauchten wir dringend etwas Abkühlung. Die Badenden von links nach rechts: Viktor Bologan, Thal Abergel, Alina l'Ami, Anzel Solomons und Erwin l'Ami.


Deon Solomons aus Südafrika sucht Schutz vor der Sonne.


Zeit für eine kleine Blitzpartie


Im Freien zu essen ist eine nette Idee, aber auch eine Einladung an die Fliegen. Sie kommen in Scharen und bringen die ganze Familie mit!


Erwin l'Ami, Viktor Bologan und Sergey Tiviakov bei der Eröffnungsfeier


Das 'Taca Cuca Turnier' war offiziell eröffnet!


Ex-Jugendweltmeister GM Ahmed Adly mit Dr. Aguinaldo Jaime.


WIM Catarina Leite aus Portugal ist bei den Frauen die Nummer zwei der Setzliste.


Tshepang Tlale aus Südafrika


Thal Abergel vor seiner Partie gegen IM Soares Erikson Roberto Maurici aus Angola


Epah Tembo aus Sambia


Gabriel Irineia aus Angola


Thsepiso Lopang aus Botswana


Die Botswana-Girls: Boikhutso Mudongo und Thsepiso Lopang


Sonia Rosalino aus Angola


Yvonne Saina aus Zambia spielt gegen Fatima Reis aus Angola.


Fatima Reis


Yvonne Saina aus Sambia


Lorita Mwango aus Sambia


Agostinho Tito Andre Quiela spielte in der ersten Runde gegen Elo-Favorit GM Viktor Bologan, dessen Live-Rating jetzt bei 2719 liegt!


Sergey Tiviakov


Der holländische GM Erwin l'Ami hatte es in der ersten Runde mit dem Südafrikaner Deon Solomons zu tun.


Im Vordergrund: der brasilianische GM Alexandr Fier; Dr. Aguinaldo Jaime verfolgt die Partien aufmerksam.


Tshepang Tlale aus Südafrika bei ihrer Partie gegen Catarina Leite aus Portugal




Der Spielsaal genügte höchsten Ansprüchen: Er verfügte über eine Klimaanlage und war geräumig. Außerdem gab es Getränke und kleine Snacks, was das Schachleben immer schöner macht.


Afrika bei Nacht. Hier die Statue in unserem afrikanischen "Traumland".

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