Schachspieler als Läufer

07.06.2005 – Vladimir Kramnik har kürzlich in einem Interview die Frage aufgeworfen, ob es außer Schach eine anderen Sport gibt, bei dem Sportler an mehreren Tagen hintereinander fünf und mehr Stunden Höchstleistungen bringen müssen. Man könnte auch anders herum fragen: Gibt es außer Schach eine Sportart, die man vollständig sitzend und praktisch bewegungslos ausüben kann, und bei der es nicht das Ziel des Sportlers ist, das Gerät auf dem er sitzt, möglichst schnell oder geschickt zu einem anderen Ort zu befördern? Und es gibt ein weiters Indiz dafür, dass Schach und andere Sportarten Dinge sind, die wenig gemein haben. Während dort ein Gefühl der Mattigkeit am Ende unvermeidlich ist, kommt es beim Schach ja gerade darauf an, dies zu vermeiden. Dennoch sind auch Schachspieler ausnahmsweise in der Lage, sich an Bewegungssportarten erfolgreich zu beteiligen. Der Hamburger Schachklub trat mit einem Lauf-Team (Foto) beim Nordbank Run 2005 den Beweis an. Evi Zickelbein berichtet. Bericht und Fotos...

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Laufen für einen guten Zweck – der HSH Nordbank Run 2005
Von Eva Maria Zickelbein

Am 04.06.05 lud die HSH Nordbank in der Hamburger HafenCity zum 4. HSH Nordbank Run und 9241 Läufer hatten sich angemeldet! Die Teams spulten mehr als 36.000 Kilometer ab und sammelten so eine große Spende für den Verein „Kinder helfen Kindern“ vom Hamburger Abendblatt.

Der Hamburger Schachklub versuchte in diesem Jahr aktiv die These zu widerlegen, dass Schachspieler zu den Bewegungsmuffeln gehören: Eine Gruppe von 12 Spielern des in diesem Jahr 175 Jahre alten Traditionsklubs startete im Rahmen des Projektes „Kids in die Clubs“ der Hamburger Sportjugend. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll die Chance in Hamburg haben, in seiner Freizeit Sport zu treiben – am besten im Verein. Dies ist das Ziel einer umfassenden Partnerschaft zwischen dem Hamburger Abendblatt und der Hamburger Sportjugend. Dieser Idee können wir uns natürlich uneingeschränkt anschließen und deshalb versuchten wir, die Farben des Hamburger Schachklubs auf dem HSH Nordbank Run IV würdig zu vertreten. Auch einige Schachkids konnten dank der Aktion „Kids in die Clubs“ Mitglieder im Schachklub werden und zugleich wollten wir der HSH Nordbank für ihr Sponsoring zum 175jährigen Jubiläum danken: Die Ausstellung „Schachpartie – durch Zeiten und Welten“ im Museum für Kunst und Gewerbe läuft noch bis zum 28. August 2005 – und wir laden alle Läufer des HSH Nordbank Runs ein, bei uns im Schachraum im Museum ihre grauen Zellen zu bewegen!

Am Treffpunkt am Baumwall und auch unterwegs auf der Strecke hinterließen wir Spuren:


Chess For fun mit dem HSK – unser Treffpunkt am Baumwall
und Andreas Albers, der der Streckenführung zusätzliche Impulse verleiht.

Zum Start- und Zielpunkt des Runs führte uns der Weg durch die HafenCity, die wohl zur Zeit dynamischste Region Hamburgs. Sie liegt in direkter Nachbarschaft zur Speicherstadt im Zollgebiet des Freihafens, die zu Recht eine der Touristenattraktionen Hamburg ist. Sie wurde 1888 eröffnet und ist der größte erhaltene Speicherkomplex der Welt und steht seit 1991 unter Denkmalschutz. Die Speicherstadt ist ca. 1,5 Kilometer lang und darf auf keiner Hafenrundfahrt fehlen. Die engen Fleete und die in der norddeutschen Backsteingotik gehaltenen Speicher lassen erahnen, wie es vor über 100 Jahren im Hafen zuging. Sie bilden einen interessanten Kontrast zur heutigen Technik im Hamburger Hafen, der heute natürlich der Hauptumschlagplatz ist. Doch wird in der Speicherstadt noch heute gelagert und gehandelt, es finden sich noch immer traditionelle Kaffee- und Teefirmen und heute vor allem viele Teppichhändler, aber auch viele Dienstleistungsunternehmen und kulturelle Einrichtungen, das Speicherstadtmuseum, das Deutsche Zollmuseum, das Gewürzmuseum, eine große Modelleisenbahnlandschaft und der Hamburg Dungeon. Am Pickhuben 2 hatte übrigens auch Emil Dähne, ehemaliger Vorsitzender des Hamburger Schachklubs von 1830, des Deutschen Schachbundes und Honorarkonsul von Mexiko in den 50er und 60er Jahren sein Kakao-Domizil.


Die Speicherstadt und die HafenCity


Blick in eines der historischen Fleete in der Speicherstadt….


…auch die Neubauten fügen sich harmonisch ins Bild.


Gilt für die Seemänner von früher und für uns
– auch wir wollen im nächsten Jahr wieder mitlaufen!


Firmen in der Speicherstadt


Blick auf die Kehrwiederspitze und das Hanseatic Trade Center
 


Besonders eindrucksvoll ist das Nebeneinander zwischen historischen Gebäuden und moderner Architektur in Speicherstadt und HafenCity.


Weg zum Hamburg Cruise Center –
noch sind wir nicht als Schachspieler zu erkennen… im Gegenteil:


The late Van Nistelroy


Blick auf das Hamburg Cruise Center – die Ruhe vor dem Sturm der fast 10.000 Läufer,
denn wir sind schon die zweiten Starter! Von 12 Uhr 30 bis 19 Uhr begaben sich die
Teams von hier auf die Strecke und dies ist die Zielgerade.
 


Guter Ausblick auf den Hafen und das Geschehen während des HSH Nordbank Runs Der neudeutsche „View Point“.  

Hamburg: City of Sports - das Hoffen auf das olympische Feuer :in Hamburg ist noch nicht ganz erloschen…!


Showbühne vor dem Hamburg Cruise Center

Treffpunkt für unser Team war das Zelt des Hamburger Abendblatts, das zu diesem Zeitpunkt allerdings leider noch unbesetzt war. Unsere Trikots sollten natürlich trotzdem zum Einsatz kommen und deshalb schmissen wir uns so langsam bei starkem Wind und ständig drohendem Platzregen in unsere HSK-Shirts:


Schatzmeister Reinhard Ahrens ist trotz nicht idealen Wetters gut drauf…


…während Vadym Salenko und Andrej Martens noch etwas skeptisch blicken.


Warten auf die Startnummern.


Dann war es endlich soweit: Mit Sicherheitsnadeln wurden die Startnummern
angebracht: Alexander Hamburg und Merijn van Delft


Die Zeit vor dem Start wurde von Philipp Müller noch sehr medienwirksam
zu einem kleinen Interview für den Fernsehsender Hamburg 1 genutzt:


Philipp beantwortete alle Fragen souverän und ist nach diesem Auftritt prädestiniert, unser Team für das nächste Jahr zusammenzustellen und zudem das Vorbereitungstraining zu organisieren, das ja auch in diesem Jahr schon sehr gut gelaufen ist, stimmt’s Philipp?


Das Dienstauto des Senders




Vor dem Start konnten wir uns noch vergewissern, dass wir nach dem Lauf nicht aufgrund Flüssigkeits- oder Energiemangel zusammenbrechen würden und dann kamen auch schon die zahlreichen Fotografen, um unser gutgelauntes Team abzulichten:


Das Team des Hamburger Schachklubs:
Reihe hinten von links: Reinhard Ahrens, Hans Christian Stejskal, Andrej Martens, Eike Schwede, Philipp Müller, Vadym Salenko, Merijn van Delft, Sebastian Meinßen, Matthias Schulte
Reihe vorn von links: Eva Maria Zickelbein, Andreas Albers, Alexander Hamburg


Für letzte Dehnübungen vor dem Start blieben nur noch wenige Momente…



…denn dann ging es los:
 


Eröffnung des HSH Nordbank Runs durch den Vorstandvorsitzenden der HSH Nordbank Alexander Stuhlmann, hier im Interview mit Lou Richter. Von Links: Renate Schneider, Initiatorin und Mitbegründerin des Projektes "Kinder helfen Kindern", Michael Freytag, Stadtentwicklungs- und Umweltsenator und Jürgens Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity GmbH.


Als erstes Team macht sich Experian Deutschland GmbH startklar:

Und dann gab Renate Scheider den Startschuss für unser Team:



Zuversichtlich vor dem Start – 4 Kilometer müssen doch zu schaffen sein: Andreas Albers, Merijn van Delft, Eva Maria Zickelbein, Matthias Schulte und Philipp Müller…

…und los:





Die ersten 500 Meter blieb unser Team noch zusammen, dann trennte sich die Spreu vom Weizen, bis ich schließlich als „Arrière de la Course“ folgende Impression festhalten konnte:


Ende des Feldes vor der malerischen Kulisse der Speicherstadt.


Während sich die Mehrheit des HSK-Teams an der Spitze des Feldes einen harten Kampf um die Führung lieferte, konnte ich an einigen wunderschönen Hamburger Postkartenansichten nicht vorbeilaufen:


Barkassenanlegeplatz, Baumwall und im Hintergrund, das Hamburger Wahrzeichen, der Michel.


Die Deichstraße: Im Hinterhaus der Deichstraße Nr. 42 brach im Jahre 1842 der Große Brand aus, der ein Drittel der Stadt vernichtete. Heute ist die Straße eine der ältesten erhaltenen Häuserzeilen in Hamburg aus dem 17. und 18. Jahrhundert.


Hamburg, meine Perle...


St. Katharinen, eine der fünf Hauptkirchen Hamburgs,
die die unvergleichliche Silhouette der Stadt prägen.


Während ich diese Bilder schoss, waren einige unserer Läufer schon im Ziel:
HSK-Schatzmeister Reinhard Ahrens




Während Matthias Schulte die 4 Kilometer problemlos meisterte, das HSK-Feld anführte und danach noch einige Runden hätte dranhängen können, ging Merijn van Delft mit einer starken Erkältung an den Start und ging bis an die Leistungsgrenze…

Philipp Müller lief gewissermaßen „simultan“: Er spielte mit einem Mitglied des Teams „Experian Deutschland GmbH“ eine Blindpartie -„Kopfschach“, wie sein Partner es nannte! Das hätte Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank auch gekonnt – läuft er im nächsten Jahr vielleicht im HSK-Team?


Im Ziel gab es nicht die durch den FC Bayern und andere Vereine neuerdings zum Kultobjekt stilisierte Bierdusche, sondern die HSK-Nordbank-Wasserdusche. Hier auf frischer Tat ertappt: Jugendwart Hans Christian Stejskal und sein Opfer Andrej Martens.

Im Zielbereich hatten wir dann Gelegenheit, viele andere Teams bei den Startvorbereitungen zu beobachten:


Zirkus Roncalli: Direktorin und „Artistin“


Jedes Team wurde für die Homepage www.hsh-nordbank-run.de abgelichtet.


Aktive Wahlkampfvorbereitung bei den Liberalen…


…und auch die SPD zeigte Flagge.


Doch ist dies doch eher ein Fall für den Tierschutzbund…!?



Ein gutes Motto – auch für uns Schachspieler!
Im nächsten Jahr möchten wir natürlich auch die
Hamburger Softwareschmiede ChessBase am Start sehen!




Die letzten Meter bis zum Ziel…


Ahhh…! Noch vor dem nächsten Guss von oben geschafft!



Für jeden Läufer gab es zur Erinnerung T-Shirts…


…und, passend zum Hamburger Wetter,

Regenschirme!

Dem Team vom Hamburger Schachklub von 1830 e.V. bzw. „…und los! Kids in die Clubs“ hat der HSH Nordbank Run viel Spaß gemacht und wir hoffen, im nächsten Jahr mit einem noch größeren Team am Start zu sein: 32, 64 Läufer – mal sehen! Zum Schluss hatten einige aber erstmal mächtig Hunger...



Und bitte keinen Abfall liegen lassen

Eva Maria Zickelbein




 

 

 

 

 

 



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