Schachturnier in der Pfennigparade

15.05.2014 – Die "Pfennigparade" wurde Anfang der 1950er Jahren von Münchner Bürgern ins Leben gerufen, um Menschen mit Behinderungen bei der Bewältigung des Lebens zu helfen. Zusammen mit der Münchner Schachstiftung wird zudem regelmäßig mit einem Schachturnier eine Menge Spaß vermittelt. Mehr...

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Teilnehmerrekord beim Schachturnier in der Stiftung Pfennigparade

(München, 5.5.1014) Bereits zum sechsten Mal waren in der Stiftung Pfennigparade am vergangenen Montag Geistesblitz und Taktikwitz gefragt: Die Münchener Schachstiftung veranstaltete in Zusammenarbeit mit der Stiftung Pfennigparade zum sechsten Mal in Folge das große Schachturnier – diesmal mit 58 Mitspielern, ein neuer Teilnehmerrekord! Die Siegerehrung übernahmen Prof. Dr. Angelika Speck-Hamdan und der Münchener Immobilien-Unternehmer Alfred Krulich: Er hat nicht nur vor vielen Jahren den Bau der Pfennigparade finanziell unterstützt. Alfred Krulich gehört zu den großen Förderern der Münchener Schachstiftung.

Siegehrung mit Dr. Walter und Prof. Speck-Hamdan von der Stiftung Pfennigparade

Vor dem Clubraum der Stiftung Pfennigparade herrschte bereits eine halbe Stunde vor Turnierbeginn großer Andrang: Viele Schachspieler konnten den Start kaum erwarten, war doch der Tisch mit den zu erringenden Preisen reich gedeckt, unter anderem mit zahlreichen Premium-Mitgliedschaften für den Fritz-Server und DVDs, die die Firma Chessbase spendete.

Alexander Bassarini, der als Einziger aus dem engeren Organisationsteam der Pfennigparade, dem noch Werner Schwarz und Roman Hanig angehören, auch mitspielen konnte beschrieb seine Gefühle: „Das Besondere am Turnier für mich und die übrigen Schachspieler ist: Wir haben hier eine echte Turnieratmosphäre. Das Turnier ist ein Wettkampf mit allen Regeln, die bei einem Schachturnier gelten und es spielt dabei keine Rolle, ob man eine körperliche oder geistige Behinderung hat. Dazu kommt, dass das Turnier die Organisationsstruktur der Pfennigparade widerspiegelt: Bewohner, Werkstattbeschäftigte, Lehrer und Schüler machen mit – teils mit, teils ohne Assistenz, je nach Behinderung“.

Dijana Dengler im Gespräch mit Lili und Yannick

Yannick, Baba und Kadir bei den letzten Vorbereitungen vor Turnierbeginn

Yannick und sein Betreuer

Lilli mit dem besten Gefährt

Lilli am Brett...

... und mit Pokal, Urkunde und Preisen

Das von der Vorsitzenden der Münchener Schachstiftung Dijana Dengler bunt zusammengewürfelte Team aus Assistenten und Helfern bahnte vor jeder Runde den Rolli-Fahrern den Weg zu ihrem Tisch und es kam auch vor, dass Großmeister wie der Geschäftsführer der Münchner Schachakademie Stefan Kindermann einen Tisch versetzen oder Dr. Helmut Pfleger aufgrund körperlicher Einschränkung für einen Spieler Züge ausführen mussten.

Markus hilft Tobias bei der Zugausführung

Turnierleiter Peter Dengler schreibt die Partie zwischen Jan-Philipp Heller und Oswaldo Nickel mit

Michael Hans mit seinem Helfer, im Hintergrund Prof. Angelika Speck-Hamdan

Dijana mit Maxi

Auch der Bundesturnierdirektor Ralph Alt gab sich erneut die Ehre und nahm dem Anlass entsprechend die ein- oder andere Unkorrektheit bei der Zugausführung mit einem Schmunzeln zur Kenntnis.

Spannende Partie der Schlussrunde. Unter den Zuschauern der Bundesturnierdirektor Ralph Alt

Jan-Philipp Heller kommuniziert über einen Sprachcomputer

Werner Steinmann, Christoph Wagner

GM Stefan Kinderman analysiert mit

Dijana Dengler im Gespräch mit Werner Schwarz und Viktor Anderson

Pokale

Schach wirkt wie eine Therapie

Dass Schach in der Pfennigparade so gut ankommt, liegt auch am Charakter des Spiels: „Schach hilft vielen Menschen mit Schädel-Hirn-Trauma, ihr Gedächtnis und das logische Denken zu schulen und das nicht in einer Therapie, sondern im Spiel mit einer großen Portion Spaß!“ hebt Gernot Steinmann, der scheidende langjährige Vorstand der Stiftung Pfennigparade hervor. Sein Nachfolger, Prof. Dr. Wolfgang Wasel ergänzt: „Es ist sehr beeindruckend zu sehen, was Menschen schaffen, die körperlich nicht alle Fähigkeiten haben, aber geistig in vollem Umfang leistungsfähig sind.“

Das Turnier wurde in zwei Gruppen durchgeführt in sieben Runden mit jeweils 20 Minuten Bedenkzeit. In Gruppe A siegte Alexander Popow hinter dem außer Konkurrenz spielenden Lehrer Michael Martin und vor Jan-Philipp Heller. In der Gruppe B erzielte Laurenz Steffan die maximale Punktzahl und setzte sich vor Baba Kamilov und Sami Oktay durch.

Ivan Jovanovic

Alfred Krulich überreichte mit seinem Sohn Roman bei der Siegerehrung die Preise und beschrieb seine Eindrücke:

Roman Krulich, li., Alfred Kulich, re., bei der Preisverleihung

„Der Pfennigparade bin ich seit Jahrzehnten verbunden. Als die Gebäude der Pfennigparade Mitte der 1970-er Jahre errichtet wurden, habe ich einen größeren Betrag gespendet. Es ist eine schöne Fügung, dass ich heute die Räume zum ersten Mal überhaupt betrete und als Ehrengast die Preisverleihung beim Schachturnier übernehmen darf. Ich entstamme einer schachbegeisterten Familie und erinnere mich noch genau an meine Kinderzeit, da es weder Fernsehen noch Radio gab, und meine Eltern bei jeder sich ergebenden Gelegenheit Schach spielttn.

Auch mein älterer Bruder war ein sehr guter Spieler, der leider mit 19 Jahren in russischer Gefangenschaft verstarb. Sein Kamerad, der mit ihm im Lazarett lag, schrieb uns später, mein Bruder habe trotz hohen Fiebers mit den russischen Ärzten Schach gespielt und sie alle besiegt. Meinem Sohn, der Mitbegründer der Schachakademie und größte Sponsor der Schachstiftung ist, hat noch mein Vater in den Ferien das Schachspielen beigebracht und damit die Begeisterung für Schach geweckt. Immerhin war er schon nach einigen Jahren Münchner Jugendschachmeister.

Nicht nur mein Sohn Roman fördert die Schachstiftung. Auch ich unterstütze dieses Werk und seine Arbeit finanziell und werde mich auch weiterhin dafür einsetzen, weil ich gerade heute gesehen habe, mit welcher Begeisterung und Freude auch Behinderte – samt und sonders liebe und freundliche Menschen – sich dem Schachspiel hingeben.“

Über die Münchener Schachstiftung

Die Münchener Schachstiftung engagiert sich seit vielen Jahren für Behinderte: An der Stiftung Pfennigparade erhalten seit 2007 Behinderte aller Altersstufen Schachunterricht, seit 2010 fördert die Münchener Schachstiftung in Zusammenarbeit mit der Autismus Initiative junge Menschen mit selbiger Diagnose.

Die Münchener Schachstiftung wurde 2007 von Roman Krulich gegründet, ist eine gemeinnützige Stiftung und seit Anfang 2014 als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt. Sie engagiert sich im Bereich Bildungsförderung für Benachteiligte und bietet Schachtrainings für Kinder und Jugendliche in Brennpunktschulen, für Behinderte aller Altersstufen sowie für junge unbegleitete Flüchtlinge. Vorsitzende der Münchener Schachstiftung ist Schachnationalspielerin Dijana Dengler.

Prof. Wolfgang Wasel,Gernot Steinmann,Dijana Dengler, Stefan Kindermann

Schirmherr der Münchener Schachstiftung ist der Münchener Oberbürgermeister Dieter Reiter.

Information und Kontakt:
Münchener Schachstiftung
Zweibrückenstraße 8
Rückgebäude A4
80331 München
+49 (0)89 37 91 17 97
E-Mail info@schachstiftung-muenchen.de
Internet: http://www.schachstiftung-muenchen.de

Stimmen zum 6. Pfennigparaden-Schachturnier

Prof. Dr. Wolfgang Wasel, Vorstand der Stiftung Pfennigparade

Prof. Wolfgang Wasel, Gernot Steinmann mit Michael Hans

Ich freue mich, dass ich hier zum ersten Mal beim Schachturnier dabei sein kann. Es ist sehr beeindruckend zu sehen, was Menschen schaffen, die körperlich nicht alle Fähigkeiten haben, aber geistig in vollem Umfang leistungsfähig sind. Das Schachspiel macht transparent, wie viel intellektuelles Potenzial in den Menschen mit körperlichen Behinderungen steckt.

Gernot Steinmann, scheidender langjähriger Vorstand der Stiftung Pfennigparade

Als Frau Dengler, Herr Kindermann und Herr Krulich von der Münchener Schachstiftung mir vor rund sieben Jahren den Vorschlag gemacht haben, eine Schachgruppe mit regelmäßigem Schachtraining zu gründen, war ich von der Idee sehr angetan. Ich wusste, dass bei uns an der Pfennigparade das Interesse an Schach groß ist. Wir hatten sogar früher einen eigenen Schachverein. Als die Schachtrainings bei uns starteten, war die Begeisterung groß – und sie ist es noch immer: Unsere Schachspieler sind hoch motiviert. Besonders freut es mich, dass jedes Jahr neue Teilnehmer aus unseren Schulen dazu kommen – für Schach-Nachwuchs ist also gesorgt! Viele unserer Patienten haben durch einen Unfall Hirnschäden erlitten. Für Menschen mit Schädel-Hirn-Trauma ist Schach in vielerlei Hinsicht förderlich. Dabei kommt es sehr darauf an, welche Hirnregionen in Mitleidenschaft gezogen sind. Schach hilft vielen von ihnen, ihr Gedächtnis und das logische Denken zu schulen und das nicht in einer Therapie, sondern im Spiel mit einer großen Portion Spaß!

Alexander Bassarini, Schachspieler und Mit-Organisator des Pfennigparadenturniers

Dieses Jahr haben wir 58 Teilnehmer beim Turnier – ein Rekord! Mittlerweile haben wir die Kapazität der Räumlichkeiten gut ausgereizt. Natürlich, das Schönste ist, mit dabei zu sein. Ich bin leidenschaftlicher Schachspieler, ich spiele sehr gerne und bin seit vielen Jahren beim Schachtraining und beim Turnier dabei. Das Besondere am Turnier für mich und die übrigen Spieler ist: Wir haben hier echte Turnieratmosphäre. Das Turnier ist ein Wettkampf mit allen Regeln, die bei einem Schachturnier gelten und es spielt dabei keine Rolle, ob man eine körperliche oder geistige Behinderung hat.

Dazu kommt, dass das Turnier die Organisationsstruktur der Pfennigparade widerspiegelt: Bewohner, Werkstattbeschäftigte und Schüler machen mit – teils mit, teils ohne Assistenz, je nach Behinderung.
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass das Turnier noch größer wird und dann eventuell in anderen Räumen stattfindet. Ich kann mir auch vorstellen, dass wir mit einer anderen Organisation, z.B. mit der Landesschule, wo die Schachstiftung ebenfalls mit Schachkursen vertreten ist, ein Turnier organisieren. All das wird zwar neue Herausforderungen mit sich bringen, aber wir haben viel an Erfahrungen in den letzten Jahren gewonnen. Ich wäre auf jeden Fall mit dabei – als Spieler und auch als Mit-Organisator wie bisher bei den Turnieren in der Stiftung Pfennigparade.

Alfred Krulich, Münchener Immobilien-Unternehmer, Förderer der Stiftung Pfennigparade und langjähriger Förderer der Münchener Schachstiftung

Alfred Krulich, li., mit Peter Stötter

Der Pfennigparade bin ich seit Jahrzehnten verbunden. Als die Gebäude der Pfennigparade Mitte der 1970-er Jahre errichtet wurden, habe ich einen größeren Betrag gespendet. Es ist eine schöne Fügung, dass ich heute die Räume zum ersten Mal überhaupt betrete und als Ehrengast die Preisverleihung beim Schachturnier übernehmen darf. Ich entstamme einer schachbegeisterten Familie und erinnere mich noch genau an meine Kinderzeit, da es weder Fernsehen noch Radio gab, und meine Eltern bei jeder sich ergebenden Gelegenheit Schach spielten. Auch mein älterer Bruder war ein sehr guter Spieler, der leider mit 19 Jahren in russischer Gefangenschaft verstarb. Sein Kamerad, der mit ihm im Lazarett lag, schrieb uns später, mein Bruder habe trotz hohen Fiebers mit den russischen Ärzten Schach gespielt und sie alle besiegt.

Meinem Sohn, der Mitbegründer der Schachakademie und größte Sponsor der Schachstiftung ist, hat noch mein Vater in den Ferien das Schachspielen beigebracht und damit die Begeisterung für Schach geweckt. Immerhin war er schon nach einigen Jahren Münchner Jugendschachmeister.

Nicht nur mein Sohn Roman fördert die Schachstiftung. Auch ich unterstütze dieses Werk und seine Arbeit finanziell und werde mich auch weiterhin dafür einsetzen, weil ich gerade heute gesehen habe, mit welcher Begeisterung und Freude auch Behinderte – samt und sonders liebe und freundliche Menschen – sich dem Schachspiel hingeben.

Roman Krulich, Münchener Immobilien-Unternehmer, Gründer und langjähriger Förderer der Münchener Schachstiftung

Roman Krulich schaut bei der Partie Jan-Phillip Heller gegen Oswaldo Nickel zu

Ich bin in Schwabing, nicht weit von der Stiftung Pfennigparade, aufgewachsen und habe mich immer mit der Pfennigparade verbunden gefühlt. Besonders freut es mich, dass das Schachturnier über die Jahre eine feste Institution mit vielen freiwilligen Helfern an der Pfennigparade geworden ist. Die Zusammenarbeit der Schachstiftung und der Pfennigparade funktioniert wunderbar. Kein Wunder also, dass sich die Schachspieler das ganze Jahr auf das Turnier freuen!

Dr. Helmut Pfleger, Schach-Großmeister, Kolumnist bei DIE ZEIT, Deutsches Ärzteblatt und Schachkolumnist für Die Welt am Sonntag

Helmut Pfelger mit Dijana Dengler

Das Schachturnier an der Pfennigparade ist eine feine Sache: Hier können Menschen mit schweren Behinderungen zeigen, was in ihnen steckt. Nur im Schach können sie sich – abgesehen von der Kondition, die bei vielen vermindert ist – gleichberechtigt mit Nicht-Behinderten messen.  Doch beim Schach geht es nicht nur um Wettkampf. Schach führt Menschen zusammen: Gerade Jugendliche mit Problemen bei der Kontaktaufnahme können über das Schachbrett miteinander Kontakt aufnehmen. So gesehen, ist Schach eine Therapie für sie.  Häufig wird aus einem Schach-Kontakt sehr viel mehr: Ich habe über das Schach viele Freunde gefunden. Dazu zählen Alexander Bassarini und Werner Schwarz, beide hervorragende Schachspieler an der Stiftung Pfennigparade, mit denen ich inzwischen befreundet bin.

Die Stiftung Pfennigparade

Erfolg seit 60 Jahren

Einen Schulabschluss schaffen. Arbeiten können. In einer eigenen Wohnung leben. Drei ganz normale Wünsche, die aber manchem Menschen mit einer Körperbehinderung unerreichbar erscheinen. Wir, die Stiftung Pfennigparade und unsere 13 Tochtergesellschaften, helfen diese Wünsche zu verwirklichen.

Anfang der 50-er Jahre wurde der Verein Pfennigparade e.V. ins Leben gerufen, als sich engagierte Münchner Bürger für die Belange von Betroffenen der Polio-Epidemie einsetzten. Was vor mehr als einem halben Jahrhundert mit Spendenaufrufen begann, entwickelte sich zu einem der größten deutschen Rehabilitationszentren für körperbehinderte Menschen. Damals wurde der Grundstein für die Zielsetzung der Pfennigparade gelegt: Chancen eröffnen – Zukunft gestalten, um Menschen mit einer Körperbehinderung zu einem erfüllten und aktiven Leben zu verhelfen.

Wir betreiben Kindergärten, Schulen, ambulante und stationäre Wohneinrichtungen, Pflegedienste, Werkstätten, eine Integrationsfirma und spezielle Förderangebote, so beispielsweise für schädelhirnverletzte Menschen. Mehr als 1.500 körperbehinderte und über 1.000 nicht behinderte Menschen wohnen, arbeiten und lernen in der Pfennigparade zusammen.
 

 

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Don Claudio Don Claudio 16.05.2014 11:22
Schach als Sport sollte mehr unterstützt werden, allerdings sollte man zuvor auch einen Sport aus Schach machen, indem man wie bei anderen Sportarten den Sportwettkampf auch bis zum Ende ausführt und nicht einfach eine Vereinbarung einer Punkteteilung erlaubt, was sich zwar so eingebürgert hat, aber geradezu als unsportlich bezeichnet werden sollte aus einer Vielzahl von Gründen, u.a. auch weil dadurch z. B. jemand ein Turnier gewinnt, der bei regulärem Spiel nicht gewonnen hätte.
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