Schachweltmeisterschaft: Carlsen im Glück

von André Schulz
19.11.2018 – Zum ersten Mal wählte Fabiano Caruana heute die Offene Variante gegen Carlsens Sizilianische Verteidigung. In der Sveshnikov-Variante erzielte Caruana einigen Vorteil, verpasste aber im 20. Zug eine starke Möglichkeit. Im Endspiel konnte Carlsen das Spiel ausgleichen. Im 38. Zug endete die Partie remis. | Fotos: Nikolai Dunaevsky (Agon)

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Rekord eingestellt

Sieben Partien, sieben Remis. Das Schachvolk murrt und hätte gerne ein paar Entscheidungen im Wettkampf um die Weltmeisterschaft zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruana gesehen. An einigen Tagen standen die Partien allerdings auf des Messers Schneide. Magnus Carlsen erarbeitete sich in der 1. Partie eine klare Gewinnstellung, die er jedoch nicht verwertete. Fabiano Caruana war am letzten Freitag in der 6. Partie dem Sieg nahe. Tatsächlich war an einer Stelle ein forcierter Gewinn möglich, doch für einen Menschen nur schwer zu sehen - wenn überhaupt.

Robert Hübner schrieb heute in seiner Zwischenbetrachtung, hier auf der ChessBase News-Seite: 

"Es ist jedoch nicht das Ziel der Teilnehmer an der Weltmeisterschaft, die Zuschauer möglichst wirksam zu unterhalten; sie sind damit befaßt, das bestmögliche Resultat zu erzielen. Es scheint mir ein seltsamer Widerspruch darin zu bestehen, daß man einerseits Forderungen an die inhaltliche Gestaltung der Partien stellt – sie sollen „spannend“ sein – andrerseits dem Wettkampfelement höchste Bedeutung beimißt. Wenn das Ergebnis das Wichtigste ist, muß man es den Spielern überlassen, wie sie ihr Ziel anzustreben gedenken; sie werden dies am besten wissen."

Heute stand nun die achte Partie auf dem Programm. Mit dem achten Remis würde man den Rekord aus dem Wettkampf Kasparov-Anand, New York 1995, einstellen.

Der erste Zug

Diesmal hatte Caruana wieder die Bürde der weißen Steine zu tragen, nachdem Carlsen zur Wettkampfmitte zweimal mit Weiß spielen "musste". Früher dachte man, mit dem Anzugsvorteil sei es günstiger mit Weiß spielen zu dürfen, aber bei diesem Wettkampf der beiden besten Spieler der Welt sah es bisher nicht so aus. In keiner einzigen Partie konnte Weiß bisher einen Vorteil herausholen, im Gegenteil: in einigen Partien geriet Weiß in Nachteil und musste ums Remis kämpfen.

Nachdem Fabiano Caruana Carlsens Sizilianische Verteidigung dreimal mit der Rossolimo-Variante 3. Lb5 bekämpft hatte, und dreimal ohne Erfolg, kam heute endlich 3. d4 aufs Brett.

Zum ersten Mal ein Offener Sizilianer

Nicht ganz unerwartet hatte Magnus Carlsen die Sveshnikov-Variante vorbereitet. Diese ist tief analysiert und bietet in den Hauptvarianten nach 7.Lg5 Weiß wohl kaum irgendwo einen nennenswerten Vorteil.

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Fabiano Caruana wählte mit 7.Sd5 einen anderen Weg und zeigte sich exzellent vorbereitet. Zum ersten Mal in diesem WM-Kampf kam Weiß aus der Eröffnung heraus zu einem spürbaren Vorteil. Carlsen antwortete auf die weiße Bauernmajorität am Damenflügel mit dem aggressiven Vorstoß 8...g5, hinterließ damit aber auch ein paar Löcher am eigenen Königsflügel.

 

Caruana ging am Damenflügel weiter vor, verschaffte sich einen Freibauern auf der d-Linie und verpasste im 24. Zug eine gute Möglichkeit.

 

An dieser kritischen Stelle spielte der Herausforderer zu zahm 24.h3, wonach Carlsen mit 24...De8 sofort die Möglichkeit Dh5 aus der Stellung nahm. Bald danach kam es zum Damentausch und zu einem Endspiel, in dem die ungleichfarbigen Läufer einen starken Remisfaktor bildeten. Im 38. Zug bot Caruana remis an und Carlsen willigte ein.

Damit ist der Rekord von acht Remisen zum Auftakt einer Schachweltmeisterschaft aus dem Wettkampf Kasparov gegen Anand von 1995 eingestellt. Vielleicht wird er ja am Mittwoch in der 9. Partie überboten.

The Sveshnikov Variation of the Sicilian

The Sveshnikov Variation of the Sicilian – 1.e4 c5 2.Nf3 Nc6 3. d4 cxd4 4.Nxd4 Nf6 5.Nc3 e5 – also known as Lasker-Pelikan or Cheliabinsk Variation – is one of the most popular and fascinating replies to 1.e4. Right from the beginning,

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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Pemoe6 Pemoe6 21.11.2018 02:07
Wem auch immer das hier zu langweilig ist - warum schaut ihr nicht das Finale der Frauen-WM, das gerade läuft? Da fliegen die Fetzen, und Schwarz steht nach der Eröffnung irgendwie fast jedes Mal nahezu auf Verlust. Für jeden Geschmack ist also was dabei!
gerreg gerreg 21.11.2018 02:05
@Mazel_Tov: Das ist keine Legende sondern eine anerkannte untere Schranke für die theroetisch mögliche Anzahl unterschiedlicher Pfaddurchläufe durch einen vollständigen Spielbaum für Schach bei 40 Zug Partielänge. (Stichwort u.a. Shannon number) Die 10^40 resultieren aus der Annahme, dass pro Stellung lediglich 3 _sinnvolle_ Züge möglich seien. Die Frage nach dem Sinn eines Zuges spielt aber bei der Betrachtung der Anzahl aller möglicher Partien (= Anzahl unterschiedlicher Pfade durch den Spielbaum) keine Rolle.
Gute Schachspieler beschneiden den Spielbaum intuitiv. Man weiß bis heute nicht, wie das geschieht. Das kennt man aus der eigenen Schachentwicklung: Als Anfänger schaute man sich viele unnütze Züge an. Je mehr Erfahrung man hatte, desto weniger Zugkandidaten kamen bewusst in die Auswahl. GMs sehen (Psychologie und Zeitnot ausgeklammert) keine schlechten Züge mehr. Wie das genau geschieht, ist nicht geklärt. Hat viel mit Mustererkennung zu tun. Aber das allein reicht nicht aus. Ein guter Pianist muss sich nicht darauf konzentrieren, Noten des Stücks zu treffen, er/sie achtet auf die Interpretation, ein Verspielen (im Sinne von falschen Tasten) ist so gut wie unmöglich. Eine vergleichbare Situation.
Chess Engines suggerieren eine Objektivität, die es im Schach praktisch i.A. nicht gibt und gar nicht geben kann. Leider führt der Einsatz der Chess Engines dazu, dass der Respekt vor den hervorragenden Leistungen von Carlsen, Caruana oder anderen Super-GMs verloren geht. Das finde ich sehr schade!
Krennwurzn Krennwurzn 21.11.2018 08:55
Da jede legale Schachstellung eine eindeutige Bewertung (1,0,=) hat, sind die Partieverläufe irrelevant. Es genügt die 10^54 zu bewerten - da ist man dann weit unter den Elementarteilchen angesiedelt, aber immer noch im astronomischen Bereich. Auch diese ""kleine"" Zahl wird in absehbarer Zeit nicht vollständig berechenbar sein, aber es besteht die Möglichkeit, dass Computer nahezu perfekt spielen und die Partien immer Remis enden - mit einer sehr kleinen Restunsicherheit.

ABER das alles ist für das menschliche Schach ohne jegliche Bedeutung - solange wir nicht auf diese Informationen während der Partie zugreifen können, bleibt Schach ein spannendes Spiel, denn wir wissen, dass es ein definiertes Ergebnis gibt, dass wir mit all unseren Fähigkeiten dennoch nicht finden können - und das ist schön und spannend!!
Mazel_tov Mazel_tov 21.11.2018 07:43
Hier mal "für Dich als Wissenschaftler" ein kurzer Beitrag eines Mathematikers zur Legende zur Anzahl an möglichen Stellungen: https://www.youtube.com/watch?v=Km024eldY1A
gerreg gerreg 20.11.2018 10:30
Computer kratzen nur an der Oberfläche von Schach, zeigen eine Momentaufnahme von Wissen über dieses tolle Spiel. Es wird niemals möglich sein, Schach in Gänze zu berechnen. Es gibt noch nicht einmal i.A. einen besten Zug pro Stellung. Weder spieltheoretisch (hier gibt es ggf. eine Äquivalenzklasse von besten Zügen) noch praktisch (hier kann der beste Zug in einer Stellung vom Gegner abhängen) Allein die Definition von "Der beste Zug in einer Stellung" bereitet i.A. Probleme.
Ein Gedankenspiel: In der Literatur findet man übereinstimmend als Anzahl unterschiedlicher Schachpartien mit 40 Zügen die unglaubliche Zahl von 10^120 als Untergrenze. Das bekannte Universum besitzt aber "nur" 10^80 Elementarteilchen. Schach wird daher niemals praktisch berechenbar sein! Eine große Beruhigung. Es werden noch viele Überraschungen auf uns warten :-)
Für mich als Wissenschaftler macht die Verbindung aus der strengen Welt der Logik und der menschlichen Lebendigkeit und "Unberechenbarkeit" das Faszinierende beim Schach aus. Und das wird mir kein Computer nehmen. Denn die werden niemals Schach als Ganzes verstehen oder gar lösen können.
Weserberglander Weserberglander 20.11.2018 08:30
"Es ist jedoch nicht das Ziel der Teilnehmer an der Weltmeisterschaft, die Zuschauer möglichst wirksam zu unterhalten; sie sind damit befaßt, das bestmögliche Resultat zu erzielen."

Nun ja, es gab in der WM-Geschichte Spieler, die hier keinen Zielkonflikt sahen und in dieser Auffassung dann auch bestätigt wurden.

Grundsätzlich sollte die oben angedeutete Ambivalenz aber schon systemisch nicht existieren, damit pflichtbewußte Spieler keine Gewissensbisse nach dem Titelgewinn haben müssen ... Also muß doch wieder am Regelwerk gefeilt werden.
Krennwurzn Krennwurzn 20.11.2018 06:57
@Grandsleeper: Da haben die Gefühle wohl über den Verstand gesiegt - wie sollte der Computer das menschliche Schach "verschmutzen"?? Meiner Meinung ist durch den Computer vieles klarer und ehrlicher geworden: Schach ist keine magische Kunst (es fehlt die künstlerische Freiheit sich über Gesetze hinwegzusetzen) sondern ein endliches Rätsel mit einer definierten Lösung für jede einzelne Stellung. Das mag unromantisch sein und ebenso unromantisch ist, dass uns Computerinformationen ab einem gewissen Zeitpunkt nichts mehr nützen (können), weil wir den Sinn dahinter nicht mehr erfassen können. Siehe die ""Patzer"" der Super-GMs auch bei dieser WM, siehe die 5,6,7 Steiner … das ist zu hoch für uns Menschen und fertig. Das mag unromantisch sein, aber niemals schmutzig!
Karl Hackenmeier Karl Hackenmeier 20.11.2018 05:18
Die Diskussion über den Modus gab es schon bei der letzten WM. Im Grunde wird nach den 12 Partien der Wettbewerb abgebrochen und ein neuer gestartet, weil man zu faul ist, den wahren Weltmeister im klassischen Schach ermitteln zu wollen. Dass Carlsen sich mit fortschreitendem Match seinem Ziel näher kommen sieht, kann man ihm nicht verdenken, genauso wenig kann man Caruana einen Vorwurf machen, nicht das letzte Risiko gegangen zu sein, denn eine verlorene Partie kann man bei diesem Modus gerade noch ausgleichen, aber was nützt ein Ausgleich mit der 12. Partie, wenn es dann doch nur in die Verlängerung geht bei der die Trümpfe dann auf Carlsens Seite liegen...
Grandsleeper Grandsleeper 20.11.2018 04:25
rinasky, Dr. Hübner faßt Schach nicht als Sport auf, und sicher erst recht nicht als einen gladiatorenartigen Arena-Kampfsport, obwohl viele andere Schach vielleicht so sehen wollen.
Für mich hat es den Anschein, als hätte der Computergebrauch der Spitzenspieler in Training und Vorbereitung und beim Lernen überhaupt zu einer gewissermaßen "tötenden" (bezügl. Kreativität und Individualität) Angleichung des Nieveaus in Wissen und Spielstärke geführt.
Möglicherweise sollten mich aber schon die alles andere als toten Partien des Kandidatenturniers in Berlin eines besseren belehren.
Mein Gefühl ist jedoch, daß der Computereinfluß das menschliche Schach verschmutzt und irgendwie entfremdet hat. Die Entwicklung ist jedenfalls m.E. keine gesunde, wie auch die der ganzen Menschheit, die kurz davor steht, in einer sog. "Transition" mit der Welt der Computer und Maschinen vereinigt zu werden (RFID-Chips, Internet der Dinge ...)
Diese Dinge sind wahrhaft endzeitlich - und das ist in der Tat die Zeit, in der wir uns befinden.
Fox12345 Fox12345 20.11.2018 11:15
Ja, es ist richtig. Die vielen Remis sehen für uns Zuschauer blutleer aus. Aber was in der Köpfen der beiden Spieler vorgeht wissen wir nicht. Außerdem muß man berücksichtigen, daß Magnus Carlsen weiß, was sein Weltmeistertitel wert ist. Den setzt man nicht einfach so aufs Spiel und verliert diesen womöglich durch riskante Spielweise. Das gleiche gilt für Caruana. Man braucht doch nur in die Vergangenheit schauen (Gelfand, Karjakin usw.). Wer weis denn, ob er nochmal ein Chance auf den WM-Titel bekommt. Jetzt ist der Titel zum Greifen nahe, anschließend muß er wieder durch die Ochsentour der Qualifikation. Aber mal ehrlich: Wie oft sitzen wir Amateurspieler vor unseren Partien, wenn es kompliziert wird und denken: Mache ich diesen oder jenen Zug oder nicht. Richtig abschätzen kann ich das nicht (ich bin schließlich kein Großmeister) und oft sagt man sich, dann wickle ich mal wenn es geht auf Remis ab, bevor der ganze Punkt verloren geht. Hinterher sagt man sich, die Remiscchance habe ich gehabt, aber ich "Blödmann" mußte ja unbedingt etwas riskieren. In der nächsten Partie macht man das nicht mehr. Und da es hier um den WM-Titel geht, kann man den beiden ihre Vorsicht nicht verübeln..
gerreg gerreg 20.11.2018 10:34
Liebes Chessbase-Team,

in Eurem Bericht schreibt Ihr mehrfach vom 20. Zug, meint aber den 24.

Viele Grüße!
Falk Falk 20.11.2018 10:12
Upps - hier hat eine Rechtschreibkorrektur im Firefox 'unbalansierten' statt 'unbalancierten' vorgeschlagen (jetzt unterstreicht er beides). Es gibt da keine neue Rechtschreibung. Es heißt weiterhin balanciert.
fjordfish fjordfish 20.11.2018 06:38
Rinasky:
Wenn Du zu lange am Rande stehst und in die Wüste siehst,dann sieht die Wüste Dich an.
Du bist müde vom Schach.
Such Dir ein anderes Hobby!
Falk Falk 20.11.2018 12:20
Ich bin da eher auf der Seite von Robert Hübner.

Mit Computern wird das Spiel leider immer technischer. Man kann Schwarz wohl kaum vorwerfen, dass er sofort den taktischen Ausgleich anstrebt (und wir haben hier nicht viel Russisch und gar keine Berliner Verteidigung gesehen). Caruana hat mit seinem Team in der Eröffnung bisher ziemlich viel richtig gemacht und das ist der, dem man das eventuell vorwerfen kann. Carlsen spielt abwechslungsreich. Und dass er im heutigen Computerzeitalter Angst vor einer Computervorberitung hat und dadurch eventuell eine unbekannte Verwicklung direkt nach der Eröffnung nicht eingeht, kann man ihm nicht vorwerfen. Maximal, dass er so was nicht auch selbst mit seinem Team ausgearbeitet hat - was aber auch etwas seinem Spielstil widerspricht. Und irgendwie ist er so Weltmeister und der beste Spieler der Welt geworden.

Eventuell wäre auch ein anderer Modus von nicht nur 12 Partien ohne eine weitere Einschränkung hilfreich.
Z.B.
Maximal 24 Partien vor einer Bedenkzeitverkürzung. Nach 10 Partien mit 2 Partien pro Tag. 4 Punkte sind zum Gewinn nötig, wobei nur Gewinne gezählt werden. Das würde evtl. für mehr Unternehmungslust sorgen. Man könnte mit einem Remis zum Schluss nicht Weltmeister werden und außerdem wären verlorene Partien auch nicht ganz so dramatisch.

Ansonsten noch ganz allgemein

Für Caruana spricht, dass er schon einige Male nach der Eröffnung in Vorteil gekommen ist.

Für Carlsen spricht, dass Caruana mit den Vorteilen nichts anfangen konnte und Carlsen einige Male daraus noch eigenen Vorteil generieren konnte, der jedoch auch nicht entscheidend verdichtet werden konnte. Es wäre interessant, wenn Carlsen auch mal mit Vorteil aus einer unbalansierten Eröffnung kommen sollte.
rinasky rinasky 19.11.2018 10:17
Betr.: Betrug am Schach

Sehr geehrtes Chessbase-Team!

An dieser Stelle möchte ich Herrn Dr. Hübner widersprechen. Sport ist ein Kampf. Und der Laie hat ein gutes Gespür dafür, ob gekämpft oder abgetastet wird, ob Angst oder Mut vorherrscht. Wir sind zwar nicht im Zirkus, wohl aber in einer Arena. Und hier zählt das Risiko, der Kampf: der Einsatz. Schließlich zahlen dafür auch die Menschen. Wie kann ein Film oder ein Roman ohne Spannung bestehen? Nur in der Spannung liegt der Gewinn. Anders geht es nicht (abgesehen davon, daß die meisten Partien dieser WM inhaltlich weitgehend wertlos sind).
Natürlich können die Spieler machen, was sie wollen. Aber auch der User kann machen was er will. Und ich sage, was ich mache: Ich werde mir in Zukunft weder eine Ticket zur Live-Show besorgen noch einen Account für Live-Kommentare anlegen oder, falls nicht schon vorhanden, einen Premium-Account kurzfristig anlegen etc. Ich passe einfach. So wie die Spieler.
Diese Rechnung ist schlicht. Und ein Denker wie Robert Hübner wird der Stringenz dieser Logik nicht viel entgegensetzen können.
Es geht nicht um Effekt. Es geht nicht um Lärm. Es geht um Inhalt. Remis-Partien können Kunstwerke sein! Doch in 2018 sehe ich keine Kunst. Ich sehe eine Wüste auf 64 Feldern. Und das hat Konsequenzen.

Besten Gruß!

Markus Rüther
Krennwurzn Krennwurzn 19.11.2018 09:08
Hab mal die wichtigsten Sesse-Varianten in die Partie eingefügt … triviale Gewinne sehen wohl anders aus

[Event "World Chess Championship 2018"]
[Site "London"]
[Date "2018.11.19"]
[Round "8"]
[White "Caruana, Fabiano"]
[Black "Carlsen, Magnus"]
[Result "1/2-1/2"]
[ECO "B33"]
[WhiteElo "2832"]
[BlackElo "2835"]
[Annotator "nach Sesse"]
[PlyCount "75"]
[EventDate "2018.10.20"]
[EventType "match"]
[EventCountry "ENG"]

1. e4 c5 2. Nf3 Nc6 3. d4 cxd4 4. Nxd4 Nf6 5. Nc3 e5 6. Ndb5 d6 7. Nd5 Nxd5 8.
exd5 Nb8 9. a4 Be7 10. Be2 O-O 11. O-O Nd7 12. Bd2 f5 13. a5 a6 14. Na3 e4 15.
Nc4 Ne5 16. Nb6 Rb8 17. f4 exf3 18. Bxf3 g5 $2 (18... f4 19. Ra4 Bg5 20. Nxc8
Qxc8 21. Bc3 Qc5+ 22. Kh1 Nc4 23. Qd3 Ne3 24. Rb1 Bf6 25. Rxf4 Bxc3 26. Rxf8+
Rxf8 27. Qxc3 Rc8 28. h3 Rc7 29. Qxc5 Rxc5 30. b4 Rxc2 31. b5 axb5 32. Rxb5 Ra2
33. Kh2 Nf1+ 34. Kg1 Ne3 35. Rxb7 Rxa5 36. Rd7 Nxd5 37. Rxd6 Nf6 38. Rc6 Ra2
39. Kh2 Rb2 40. Re6 Kf7 41. Re1 g6 42. Kg3 Kg8 $11) 19. c4 f4 $2 (19... Bf6 20.
Bc3 Qc7 21. Rc1 f4 22. Bxe5 Bxe5 23. b4 Bf5 24. Bg4 Qg7 25. c5 dxc5 26. bxc5 f3
27. Qxf3 Bd7 28. Nxd7 Rxf3 29. Rxf3 Re8 30. Be6+ Kh8 31. Rf7 Bd4+ 32. Kh1 Qg6
33. Nf8 Qxf7 34. Bxf7 Rxf8 35. Be6 Bxc5 36. g3 Bd6 37. Rb1 Rb8 38. Kg2 Kg7 39.
Kf3 Bc7 40. Ke4 b5 41. axb6 Rxb6 42. Rxb6 Bxb6 43. d6 a5 44. Bb3 $11) 20. Bc3
Bf5 (20... Qc7 21. b4 Bf6 22. Bxe5 Bxe5 23. Rc1 Bf5 24. Bg4 Qg7 25. Kh1 Bxg4
26. Qxg4 h5 27. Qd1 g4 28. c5 Rf7 29. Qc2 Qh7 30. Qxh7+ Kxh7 31. Rfe1 Rd8 32.
c6 Rc7 33. Nd7 Bd4 34. Re7+ Kh6 35. Rc4 bxc6 36. dxc6 Be5 37. h4 gxh3 38. gxh3
f3 39. h4 Rg8 40. Re6+ Rg6 41. Nf8 Rxe6 42. Nxe6 d5 43. Nxc7 dxc4 44. Nxa6 c3
45. Nc5 $18) 21. c5 Nxf3+ (21... Bf6 {bester laut Sesse und +2} 22. c6 Qc7 23.
Rc1 Nd3 24. Bxf6 Rxf6 25. Nd7 Bxd7 26. Qxd3 Bc8 27. Be4 Rf8 28. Kh1 Qe7 29. c7
Ra8 30. Qd4 Qf6 31. Qxf6 Rxf6 32. g3 Bh3 33. gxf4 Rc8 34. Rf3 Bf5 35. Bxf5 Rxf5
36. Rb3 Kf7 37. fxg5 Rxd5 38. Rxb7 Ke7 $18) 22. Qxf3 dxc5 23. Rad1 (23. Rae1
Bf6 24. h4 Rf7 25. hxg5 Bxc3 26. bxc3 Qxg5 27. Qxf4 Qxf4 28. Rxf4 Rd8 29. Ref1
Bg6 30. Rxf7 Bxf7 31. Re1 Kf8 32. c4 Be8 33. Re6 Bf7 34. Re5 Be8 35. Kf2 Rd6
36. Rf5+ Kg7 37. Kf3 Rg6 38. g4 Rf6 39. Ke3 h6 40. Kf4 Rg6 41. Re5 Rf6+ 42. Kg3
Kf8 43. Re1 Kf7 44. Re3 Rd6 45. Kf4 Rf6+ 46. Ke5 Rg6 47. Nc8 $18) 23... Bd6 24.
h3 (24. Qh5 Qe8 25. Qxg5+ Qg6 26. Qxg6+ hxg6 27. Nc4 Rbd8 28. Nxd6 Rxd6 29. Be5
Rd7 30. Rxf4 Bc2 31. Rd2 Rf5 32. Bb8 Bb1 33. Rd1 g5 34. Rxf5 Bxf5 35. d6 Rf7
36. Ba7 c4 37. Rd5 g4 38. Bc5 Bd3 39. Bf2 Bf5 40. Re5 Kf8 41. Bc5 Kg7 42. Kf2
Be6+ 43. Kg3 Kf6 44. Re1 Rd7 45. Rd1 Kf5 46. Rd2 Rd8 47. Bb4 Rg8 48. Bc3 Bd7
49. Rd4 Ke6 50. Bb4 Bc6 51. Rxc4 $18) 24... Qe8 25. Nc4 Qg6 26. Nxd6 Qxd6 27.
h4 gxh4 28. Qxf4 Qxf4 29. Rxf4 h5 30. Re1 Bg4 31. Rf6 Rxf6 32. Bxf6 Kf7 33.
Bxh4 Re8 34. Rf1+ Kg8 35. Rf6 Re2 36. Rg6+ Kf8 37. d6 Rd2 38. Rg5 1/2-1/2
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