Schachweltmeisterschaft: Anand verpasst Gewinn in dramatischer 9. Partie

06.05.2010 – In der heutigen 9.Partie der Weltmeisterschaft zwischen Anand und Topalov wählte Anand erstmals nicht die Katalanische Eröffnung, sondern ließ mit 3.Sc3 die Nimzoindische Verteidigung zu. Im Verlauf des Mittelspiels forcierte Topalov den Tausch seiner Türme gegen die weiße Dame. Dem Weltmeister gelang es danch, seine Figuren gegen den schwarzen König in Stellung zu bringen. Bei knapper Bedenkzeit verpasste er jedoch die beste Möglichkeit. Später kam Anand trotzdem in Gewinnvorteil, versäumte aber in neuerlicher Zeitnot vor der zweiten Zeitkontrolle den möglichen Gewinn durch Mattangriff, nachdem sich Topalov zuvor sehr trickreich verteidigt hatte. Am Ende spielte Anand mit Türmen und Bauern gegen die weiße Dame. Ein Gewinn war nun aber wegen Dauerschach nicht mehr möglich. Im 83. Zug endete die Partie mit Remis. Morgen wird die 10.Partie gespielt. Topalow hat Weiß.Offizielle Seite...Bericht, Bilder, Partien...

ChessBase 15 - Megapaket ChessBase 15 - Megapaket

Kombinieren Sie richtig! ChessBase 15 Programm + neue Mega Database 2019 mit 7,4 Mio. Partien und über 70.000 Meisteranalysen. Dazu ChessBase Magazin (DVD + Heft) und CB Premium Mitgliedschaft für ein Jahr!

Mehr...

 

 

 

Schachweltmeisterschaft 2010, Anand-Topalov, Sofia, 9.Partie

 


Vor der Partie


Topalov ist als Erster da


Anand kommt

Zum ersten Mal stand heute bei einer Partie, in der Anand Weiß hat, nicht die Katalanische Eröffnung auf dem Brett. Mit 3.Sc3 ließ der Weltmeister die Nimzoindische Verteidigung zu und wählte als Antwort die Rubinsteinvariante (4.e3). Später entstand einer der Hautvarianten, in der Anand zunächst den typischen Isolani auf d4 und danach die hängenden Bauern auf c3 und d4 hatte. Topalov forcierte dann den Tausch der weißen Dame gegen seine Türme, aber Anand gewann in der Folge mit seinen aktiveren Figuren die Oberhand und drückte Topalov mehr und mehr in die Defensive.

Anand,Viswanathan (2787) - Topalov,Veselin (2805)
World Chess Championship Sofia / Bulgaria, 06.05.2010

1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.e3 0–0 5.Ld3 c5 6.Sf3 d5 7.0–0 cxd4 8.exd4 dxc4 9.Lxc4 b6 10.Lg5 Lb7 11.Te1 Sbd7 12.Tc1 Tc8 13.Ld3 Te8 14.De2 Lxc3 15.bxc3 Dc7 16.Lh4 Sh5 17.Sg5 g6 18.Sh3 e5 19.f3 Dd6 20.Lf2 exd4 21.Dxe8+ Txe8 22.Txe8+ Sf8 23.cxd4 Sf6 24.Tee1 Se6 25.Lc4 Ld5 26.Lg3



Nach 26.Lg3

26... Db4 27.Le5 Sd7 28.a3 Da4 29.Lxd5 Sxe5 30.Lxe6 Dxd4+ 31.Kh1 fxe6 32.Sg5 Dd6 33.Se4 Dxa3 34.Tc3 Db2 35.h4 b5 36.Tc8+ Kg7 37.Tc7+ Kf8 38.Sg5 Ke8 39.Txh7 Dc3

Schließlich schnürte der Weltmeister um den schwarzen König herum ein Mattnetz. Während die Zuschauer auf im Interne der Bewertung ihrer Engines Rybka und Fritz Glauben schenkten, die keine Gefahr für Schwarz sahen und stattdessen die Position als völlig ausgeglichen bewerteten, sah Kommentator Klaus Bischoff Anand klar im Vorteil "Das muss doch Matt werden!"

Der deutsche Großmeister schien recht zu behalten. Kurz vor der Zeitkontrolle war der schwarze König auf der Grundreihe gefangen und sein Ende schien nur noch eine Frage der Zeit. Mit seinem 40.Zug Th8+ und nur noch etwa einer Minute Zeit auf der Uhr ließ Anand den schwarzen König jedoch ins Freie entkommen. Ob die Partie nach dem besser aussehenden 40.Te4 gewonnen war, ist jedoch nicht klar. Zumindest war die Folge nach 40.Te4 (oder 40.Te2) aber vorteilhaft für Weiß und ohne Verlustgefahr.



40.Th8+
[Besser 40.Te4 b4 41.Txa7 b3 42.Tb7 b2 43.Kh2 Dc1 44.Ta4 Sd7 45.Tab4 De1 46.Txb2 Dxh4+ 47.Sh3 g5 48.Tc2 g4 49.Tc8+ Ke7 50.Tcc7 Kf6 51.Txd7 gxh3 52.g3 Dc4 53.Kxh3 mit weißem Vorteil] 40...Kd7 41.Th7+ Kc6 42.Te4 b4 43.Sxe6 Kb6 44.Sf4 Da1+ 45.Kh2

Nach der Zeitkontrolle stand die Partie auf des Messers Schneide. Weiß hatte Chancen, den ungeschützten schwarzen König Matt zusetzen. Schwarz drohte seine Freibauern am Damenflügel zur Umwandlung zu bringen und damit die Partie zu gewinnen.



45... a5 46.h5

Eine weitere kritische Position entstand vor dem 46.Zug. Mit 46.h5! hauchte Anand seiner Position neues Leben ein. Neben einer gefährlichen Öffnung der 6.Reihe für einen Turm drohte auch der Durchmarsch des Bauern. Topalov reagierte mit 46... gxh5, wonach Anands Figuren gegen den schwarzen König bedrohlich ins Spiel kamen. Allerdings geriet der Titelverteidiger in technisch schwieriger Position erneut allmählich in Zeitnot. Nach dem 48.Zug hatte Anand noch 9 Minuten für 11 Züge auf der Uhr, Topalov noch 40 Minuten.

46 ... gxh5 47.Txh5 Sc6 48.Sd5+ Kb7 49.Th7+ Ka6 50.Te6 Kb5 51.Th5 Sd4 52.Sb6+ Ka6 53.Td6 Kb7 54.Sc4 Sxf3+ 55.gxf3 Da2+ 56.Sd2 Kc7 57.Thd5 [57.Thh6+-] b3 58.Td7+ Kc8 59.Td8+ Kc7 60.T8d7+ Kc8



Nach 60...Kc8

Topalov verteidigte sich jedoch sehr trickreich und nachdem Anand das einfachere 57.Thh6+ verpasst hatte, war der Gewinn technisch weiter nicht so einfach. Nach der zweiten Zeitkontrolle wird in Sofia mit 15 Minuten plus 30 Sekunden/Zug Bedenkzeit weiter gespielt.

Anand verpasste schließlich auch 62.Tdd7, was erneut gewonnenen hätte.

61.Tg7 a4 62.Tc5+ [62.Tdd7 Dc2 (62...b2 63.Tc7+ Kd8 64.Tgd7+ Ke8 65.Th7 Kd8 66.Ta7+-) 63.Kg3 Dc1 64.Tdf7 De1+ 65.Kg4 De6+ 66.Kf4 Dd6+ 67.Ke3 Dh6+ 68.f4 Db6+ 69.Kf3 Dc6+ 70.Se4+-] 62...Kb8 63.Td5 Kc8 64.Kg3 Da1 65.Tg4 b2


Nach 65...b2

Schließlich hatte Anand nur noch zwei Minuten auf der Uhr und forcierte in nicht mehr gewinnbarer Stellung ein Remisendspiel.

66.Tc4+ Kb7 67.Kf2 b1D 68.Sxb1 Dxb1 69.Tdd4 Da2+ 70.Kg3 a3 71.Tc3 Da1 72.Tb4+ Ka6 73.Ta4+ Kb5 74.Tcxa3 Dg1+ 75.Kf4 Dc1+ 76.Kf5 Dc5+ 77.Ke4 Dc2+ 78.Ke3 Dc1+ 79.Kf2 Dd2+ 80.Kg3 De1+ 81.Kf4 Dc1+ 82.Kg3 Dg1+ 83.Kf4 ½–½


Schach-Weltmeisterschaft 2010, Anand-Topalov, Sofia

Vishy Anand
2787
0
1
½
1
½
 ½
½
0
½
 
 
 
 4½
Veselin Topalov
2805
1
0
½
0
½
 ½
½
1
½
 
 
 

 4½


 





Topalov stellt seine Uhr




Partiebeginn


Nimzoindisch







Blick aus dem Zuschauerraum


 

 

 

 

 



Discussion and Feedback Join the public discussion or submit your feedback to the editors


Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren