Schachweltmeisterschaft, Partie 12: Ein taktisches Remis führt zum Tiebreak

von Johannes Fischer
26.11.2018 – Magnus Carlsen gilt als bester Schnellschach- und Blitzschachspieler der Welt. Und offensichtlich hat er großes Vertrauen in seine Fähigkeiten in Partien mit verkürzter Bedenkzeit. So großes Vertrauen, dass er in der zwölften Partie des WM-Kampfs gegen Fabiano Caruana in bequemerer Stellung und mit mehr Zeit auf der Uhr überraschend Remis anbot. Caruana nahm an und nach dem zwölften Remis in der zwölften Partie fällt die Entscheidung, wer Weltmeister bleibt oder wird, am Mittwoch im Tiebreak. | Foto: World Chess

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Ein taktisches Remis

Die zwölfte Partie des WM-Kampfs in London 2018 bot einige Überraschungen, aber die größte Überraschung war ihr plötzliches Ende. Denn nachdem Carlsen seinen 31. Zug gemacht hatte, bot er unerwartet Remis an. Und das obwohl er besser und bequemer stand und Caruana nicht mehr allzu viel Zeit auf der Uhr hatte. Caruana nahm das Remis natürlich an.

Allerdings nicht aus fehlendem Kampfgeist. Denn in einer zweischneidigen und komplexen Variante der Sveshnikov-Verteidigung verzichtete er im 12. und im 15. Zug auf ein mögliches Remis durch Zugwiederholung.

Caruana kann die Züge wiederholen und denkt über das stille Remisangebot Carlsens nach

Doch im weiteren Verlauf der Partie gewann Carlsen allmählich die Oberhand. Er nahm Weiß jedes Gegenspiel und kam zu einer Stellung, in der ohne großes Risiko auf Gewinn spielen konnte.

Außerdem hatte Carlsen mehr Zeit auf der Uhr, denn Caruana hatte eine halbe Stunde Bedenkzeit investiert, bevor er auf das mögliche Remis durch Zugwiederholung verzichtete und auch die Verteidigung seiner schwierigen Stellung hatte Zeit gekostet.

Doch nach 31 Zügen verzichtete Carlsen darauf, Caruana weiter unter Druck zu setzen und bot überraschend Remis an. Caruana musste dieses Angebot annehmen und wird jetzt hoffen, im Tiebreak für eine Überraschung zu sorgen.

Für viele Fans ist dieses Remis jedoch eine Enttäuschung, denn Carlsen hätte ohne großes Risiko weiterspielen können. Die vorherigen elf Remispartien waren alle ausgekämpft und meist inhaltsreich, spannend und kompliziert. Doch ausgerechnet die zwölfte und letzte Partie des regulären Wettkampfs endete nach spannendem Auftakt mit einem enttäuschenden taktischen Remis. Ein Remis, das umso mehr verwundert, weil Carlsen, der eigentlich als kompromissloser Kämpfer gilt, der auch ausgeglichene Stellungen bis zum Ende weiterspielt, dieses Remis forciert hat. Damit hat er viele Fans enttäuscht, die auf ein spannendes und ausgekämpftes Ende der letzten regulären Partie gehofft hatten.

 

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Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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hinni hinni 29.11.2018 09:47
Schlage folgenden Modus vor: 15 Partien, und der Herausforderer bekommt 8 mal weiß und muss gewinnen. Farbfolge für den Herausforderer: S WW SS WW SS WW SS WW. Vorteile dieses Modus:

– Mehr Partien (15 statt 12) führen zu mehr Risikobereitschaft, weil man mehr Chancen hat, einen Partieverlust auch wieder auszugleichen.

– Wie früher, muss der Herausforderer zeigen, dass er den WM schlagen kann. Dem WM reicht also ein 7,5 : 7,5, dafür aber hat der Herausforderer eine Weißpartie mehr.

– Die vorgeschlagene Farbfolge wird in vielen Fällen Spannung bis zum Schluss bieten, weil der Herausforderer ggf. mit seinen letzten beiden Weißpartien den Wettkampf noch drehen kann.
Rheingauer Rheingauer 27.11.2018 06:22
Money makes the world go round..... ist die passende Antwort auf die meisten Posts hier. Es wird m.M zurecht über den viel zu kurzen Wettkampfmodus incl Overtime gewettert. Das Argument, dass die Spieler nicht zu unserem Vergnügen spielen, sondern nur für sich und das optimale Ergebnis, zeigt den sportlichen Offenbarungseid für dieses System. Alle beteiligten Organe, wie Fide, die Spieler, Organisatoren und die Medien verdienen mit 12 Partien doch genauso gut ihre Moneten, als wenn man über die historische Distanz gehen müßte. Für alle ist es finanziell unherheblich und wesentlich lukrativer, die kürzere Alternative zu wählen. Freilich bleibt dabei die Qualität des Matches und des Schachs an sich, die durch die Dynamik eines längeren Wettkampfes entstehen würde, auf der Strecke und der Zuschauer und Schachfan mit ihr!
Chessiszen Chessiszen 27.11.2018 02:51
@Grandsleeper ... und ihre seltsamen Verschwörungstheorien von wegen "einflussreiche Hintergrundkreise" gemischt mit der Aussage "Die Welt steht kurz vor dem letzten Zeitalter der totalen Täuschung, aber auch des geistigen und moralischen Verfalls"

Sie müssen eher zum Psychiater.
Chessiszen Chessiszen 27.11.2018 02:44
@ Grandsleeper Carlsen stand eben NICHT klar im Vorteil, sondern eher dezent.

Für die beiden ist das nur EIN Kampf und nicht 12 plus Tiebreak.
Er will dieses Match gewinnen und wenn er der Meinung ist die WM in den Tiebreaks für sich entscheiden zu können und er morgen gewinnt, dann war das Remis gestern die richtige Entscheidung!
BMuntz BMuntz 27.11.2018 02:27
Man kann nur vermuten, dass Carlsen von vornherein so sehr auf ein Remis und damit die Stichpartien fokussiert war, dass er nicht mehr auf ein Spiel auf Gewinn umschalten konnte. Schade für Carlsen, schade fürs Schach, schade auch für den Sweschnikow-Sizilianer, schade für die Zuschauer ...
zacharel zacharel 27.11.2018 01:29
Ich war gestern auch einigermaßen verblüfft, als die Punkteteilung auf dem Bildschirm auftauchte. Finde es jetzt aber auch nicht richtig, wie auf die Kontrahenten eingedroschen wird und je nach eigener Fanzugehörigkeit ein Schuldiger ausgemacht ist. Die Spieler selbst haben ja in der PK gut zusammengefasst, dass es überhaupt nicht Ihr Job ist, das Reglement für den Titelkampf zu bestimmen. Sie spielen das Spiel, was sie vorgesetzt bekommen. Daher ist die Debatte auch recht sinnfrei, ob der Gewinner sich dann nur "Schnellschachweltmeister" nennen kann, denn andere haben die Regeln gemacht die zum WCH Titel führen...

Dagegen finde ich total daneben, wie 99,99% der Beobachter der Spiele nur auf Basis von Engine Bewertungen, das Maul aufreissen, als wäre die Einschätzung der Position auf Ihrem Mist gewachsen. Richtiges Fremdschämen kommt auf, wenn Journalisten in den PK´s explizit die Züge aufrufen bei denen die Maschine die Ungenauigkeiten ausgemacht hat. Bis zum Remis war die Diskussion zwischen Giri, Svidler und Grischuk im Gange ob denn eine der Seiten Vorteile hat, aber jeder Durchschnittsspieler weiß es natürlich besser...

PS. Und noch ein wenig Off-Topic in Richtung Chessbase... ich ziehe die Frage auch wirklich zurück, wenn ich der einzige bin, den so etwas interessiert... Die downloadbaren PGN´s nach jedem Partietag sind eine schöne Sache für die Pflege der eigenen Datenbanken. Aber warum herrscht bei der Pflege der Stammdaten innerhalb eines Turniers so ein Chaos?. In den 12 WM Partien gab es verschiedene Schreibweisen der SPielernamen, die Chessbase15 unterschiedlich interpretiert, zwei verschiedene Turnierbezeichnungen und teilweise das Endergebnis der Partie nicht in den Daten...
HoJoKo HoJoKo 27.11.2018 12:41
Im frühesten Fall gäbe es nun also einen Schnellschach-WM. Aber, Moment, den haben wir doch schon: Vishy Anand. Folglich müsste korrekterweise auch diese Phase remis enden. Bleibt also noch der Titel Blitz-WM, im Extremfall Armageddon-WM. Ein absurder Modus. Niemand käme auf die Idee, eine Blitz-WM – falls notwendig - durch eine Reihe von Partien mit klassischer Bedenkzeit zu entscheiden.

Also in Zukunft entweder die WM im klassischen Schach durch ein fettes Rundenturnier ausspielen (doppelrundig, mit z. B. 10 Spielern inklusive WM), oder aber (noch besser) man geht zurück zum alten 24-Partien-Modus. Der angebliche Vorteil für den Titelverteidiger (er bleibt bei Gleichstand WM) lässt sich, betrachtet man die FIDE-Ergebnisse seit 1951 (Botwinnik-Bronstein) bis Kasparow-Karpow, nämlich nicht belegen. Andere Möglichkeit: Man bleibt bei 12 Partien, hängt aber bei Gleichstand jeweils weitere vier, bis max. z.B. 24 Partien insgesamt, an. Steht’s dann immer noch gleich, hat man entweder 2 Co-Weltmeister oder aber man erklärt den Titel für vakant - was den Vorteil hätte, das der amtierende WM nicht einfach nur auf Gleichstand spielen kann.

Nur zur Erinnerung: Einst gingen selbst Kandidaten-Viertelfinals bisweilen über mehr als 12 Partien (z. B. Petrosjan-Portisch 1974, Spasski-Hort 1977 oder Portisch-Spasski 1981).
Grandsleeper Grandsleeper 27.11.2018 09:55
Korrcktur meines vorigen Posts: Mich hatte aber bereits die im Gewinnsinne armselige Eröffnungsbehandlung Carlsens in der 11. Partie verwundert ...
Crimsonseahawk1 Crimsonseahawk1 27.11.2018 09:51
Am Besten wieder Interzonenturnier zur Qualifikation, dann Kandidatenkämpfe fürs Achtelfinale, Viertelfinale und Halbfinale, dann das WM-Endspiel um 24 Partien mit mehreren Monaten Spielzeit. So wie um 1972 rum. Dazu noch einen aggressiven Spieler wie früher Fischer oder Kasparov die notfalls in jeder Partie bis zum blanken König kämpfen gegen einen mehr vom positionellen kommenden Weltmeister oder Herausforderer wie früher Karpow oder Kramnik und fertig ist eine packende und fesselnde Konstellation. Leider gibt es solche Konstellationen nicht immer, ist halt kein Wunschkonzert und stattdessen wird sich totremisiert. Es lebe der neue Blitzschachweltmeister !
Grandsleeper Grandsleeper 27.11.2018 09:51
Dieses Ende von Spiel 12 ist wirklich unglaublich und beschämend. Wie ist diese Entscheidung von Carlsen vernünftig zu erklären? Es macht keinen Sinn, an diesem Punkt remis zu geben (immer noch klarer schwarzer Vorteil, risikolose Gewinnversuche möglich, Caruana in Zeitknappheit - Carlsen versuchte es typischerweise oft in viel weniger versprechenden Stellungen und Situationen). Das ist noch schlimmer als Carlsens Fehler in der 1. Partie, wo er den Sieg regelrecht wegwarf.
In der 12 Partie verwunderte schon der "milde", einigen Vorteil weggebende Zug 25. ... a5 (statt ...b5), der vielleicht noch mit stilistischen Vorlieben zu erklären wäre. Mich hatte aber bereits die im Gewinnsinne armselige Eröffnungsbehandlung Carlsens in der 1. Partie verwundert, und ich schloß daraus, daß er sich darauf vorbereitet habe, mit Schwarz in der 12. Partie alles zu versuchen. Sonderbar war das Ganze aber auf jeden Fall, und das Ende der 12. Partie ist die unerklärliche Krönung.
Man muss sich also fragen, was heute an der Spitze des Schachspiels los ist, angesichts dessen, was usn jetzt in London geboten wurde. Ist es nur etwas mit Carlsens Haltung oder geistigem / moralischem Zustand? Die Welt steht kurz vor dem letzten Zeitalter der totalen Täuschung, aber auch des geistigen und moralischen Verfalls. Wird die Schachwelt jetzt durch einflussreiche Hintergrundkreise vergiftet, die die Dinge nach ihrem Willen lenken, wie es in der heutigen Welt generell der Fall ist?
Und wie wir jetzt hören, wird das Wettgeschäft Teil der Schachwelt (falls nicht schon geschehen). Das passt perfekt zu dem, was ich gerade darlegte...
Doch wie auch immer, erklären und rechtfertigen Sie sich, Mr. Carlsen, für Ihren absurden und schändlichen Abschluss der 12. Partie! Was ist Ihr Problem??? - Oder ist das Problem heutzutage auf der Seite dessen, der sich über so etwas empört und den es nach einer rechtfertigenden Erklärung dafür verlangt? Carlsen hat keine solche geliefert. Was ist also los?
Nihil Baxter Nihil Baxter 27.11.2018 08:10
Gefühlt die langweiligste WM aller Zeiten. Jedenfalls für mich und ich spiele nicht sonderlich gut. Ich hab das subjektive Gefühl, dass das Spiel der Beiden immer mehr vom Computerschach inspiriert ist. Wie gesagt ist das nur mein subjektiver und womöglich falscher Eindruck.
littleGarry littleGarry 27.11.2018 08:08
Carlsen ist dann nur noch Schnellschachweltmeister. Gegen Karjakin schon nur im Schnellschach gewonnen und jetzt vielleicht wieder.
Arelius Arelius 27.11.2018 05:44
Der Modus der Schach - WM ist einfach falsch. Es müssen wieder 24 Partien her und bei 12:12 bleibt der Alte Weltmeister. Ansonsten war das Match einfach langweilig und verjagt die Kiebitze. Abgesehen von einigen Partien ist es für das Schach auch nicht dienlich. Der Rest welcher jetzt noch kommt gehört da erst gar nicht hin. Man könnte da ebenso den Sieger auswürfeln. Was für ein Unsinn!
Falk Falk 26.11.2018 11:02
@fjordfish - evtl. kann er sich diese Erfahrung auch für später aufsparen. Vorfreude ist doch die schönste Freude.
Beim Rest, den du geschrieben hast, bin ich eher bei dir ;-)
fjordfish fjordfish 26.11.2018 10:55
Ein Satz noch und dann bin ich raus,
Vielleicht wäre es für den Menschen Carlsen noch nicht mal das Schlechteste,
er würde seinen Titel abgeben,der beste Spieler ist er allemal und möglichweise
würde es sein Leben auf eine wunderbare Weise befreien!
fjordfish fjordfish 26.11.2018 10:49
@Falk,
Er hat es ja erklärt,die Stellung war ausgeglichen,
er hat leider nicht das fundierte Schachwissen von grandsleeper,der die Stellung ja als klar besser erkannt hat 😂
Falk Falk 26.11.2018 10:39
@gerreg oder im Elfmeterschießen?
Falk Falk 26.11.2018 10:38
Eventuell ist auch Möglichkeit der Mauerei selbst das Problem. Wer eine Partie verliert, muss danach extrem viel riskieren, um wieder auszugleichen. Ich denke deshalb, dass nur das Zählen von Gewinnpartien mit einer gelegentlichen Verkürzung der Bedenkzeit bzw. auch einer Verringerung der Pausen besser wäre. Dass es einen Sieger geben muss, das muss nicht schlecht sein.

Aber ihr habt recht - wenn der Weltmeister nach einer bestimmten Anzahl von Partien bestehen bleibt, dann würde das den Herausforderer auch stark fordern, eine Entscheidung herbeizuführen.

@claudius rex - wie erklärst du dir dann, dass Carlsen im Match viel mehr riskiert hat als der Herausforderer?

@all - Wenn er es einmal nicht macht, dann ist das sein gutes Recht. Wir haben durch ihn viele verschiedene Eröffnungen und mit Schwarz auch taktische Erwiderungen gesehen. Man sollte sich auch nicht anmaßen, hier über Carlsens Psyche zu spekulieren. Könnte man die Eröffnungstheorie noch abschaffen, wäre sein Vorsprung noch größer. Aber hier wissens die Leute natürlich besser. Ich glaub, ich muss mal wieder Fußball schauen, um ein paar intelligente Sprüche zu hören.

Eventuell wird Carlsen ja nach dem Match erklären, warum er Remis geboten hatte.
gerreg gerreg 26.11.2018 10:35
@rgorn: Sehe ich auch so! Man kann doch Carlsen nicht vorwerfen, dass er das für sich Optimalste aus den geltenden Regeln des WM-Kampfs herausholt! Mein Vorschlag: Mindestens 16 Partien, besser 20 oder 24 Partien. Bei einem Unentschieden behält der Weltmeister den Titel. Auf keinen Fall einen Tiebreak! Das "Ungerechte" aus meiner Sicht: Jetzt wird der Weltmeister im klassischen Schach in einer "anderen Disziplin" ermittelt, in der es auch eine eigene Weltmeisterschaft gibt. Das wäre so, als wenn beim Fußball die Verlängerung als Handball gespielt werden müsste.
Monxxta Monxxta 26.11.2018 10:35
@Grandsleeper

Bei manchen Menschen fragt man sich wo sie die ganze Zeit waren. Und warum sie nicht dort geblieben sind.
Irgendwie aus der Aluhut-Freimaurer-Echokammer bei Facebook rausgestolpert?
rgorn rgorn 26.11.2018 10:27
gerreg schrieb: "Er ist bei seiner Risikoabschätzung zum Schluss gekommen, dass er im Tiebreak die höheren Chancen zum Sieg hat."

Genau mein Punkt. Der ausgespielte Tiebreak ist der groesste Fehler im Regelwerk. Die Entscheidung muss zwingend spaetestens mit der zwoelften Partie gefallen sein. Keine Verlaengerung und kein Elfmeterschiessen.

Hat schon mal eine Mannschaft alles auf eine Karte gesetzt, um Verlaengerung und Elfmeterschiessen zu verhindern? Nicht mal die Englaender. Und dieses Jahr hatten sie sogar Glueck damit.
claudius rex claudius rex 26.11.2018 10:27
Welchen Reitz hätte der amtierende Weltmeister denn zu gewinnen, wenn nach Gleichstand er selbst seinen Titel behalten könnte?
Spannende WM so ein Szenario. Alles remisieren und Weltmeister bleiben. Da wird nur der Herausforderer gefordert und der Weltmeister hat einen Bonus, nein Danke.
Es geht um zu viel für die Kontrahenten um viel zu riskieren und euch spannende Unterhaltung zu bieten.
Auch ein Carlsen kann nicht in jeder Lebensphase alles geben.
gerreg gerreg 26.11.2018 10:17
Carlsen hat sich professionell verhalten, wo ist das Problem? Er ist bei seiner Risikoabschätzung zum Schluss gekommen, dass er im Tiebreak die höheren Chancen zum Sieg hat. Direkt im Interview danach und auf der Pressekonferenz hat er es einleuchtend erklärt: Die Stellung von Schwarz ist zum Zeitpunkt des Remisangebots optisch besser, als sie es tatsächlich ist. Einen einfachen, risikolosen Weg zu einem Gewinn gibt es nicht. Das wurde von Caruana bestätigt. Dieser meinte sogar, da schon dass Schlimmste überstanden zu haben.
Man darf auch nicht den unglaublichen Druck vergessen, unter dem die beiden Finalisten stehen. Die Kritik hier erinnert mich stark an die Boxkämpfe von Klitschko *g*
fjordfish fjordfish 26.11.2018 10:09
Auch meine Meinung rgorn,
Der Herausforderer muss beweisen das er der bessere ist,
Aber diese ganze rumgejammere hier“ ich gucke kein Schach mehr,wir wurden betrogen“
geht mir dermassen auf den Zünder!
rgorn rgorn 26.11.2018 10:02
Also meine Meinung ist ja immer noch, dass der Herausforderer beim WM-Kampf zeigen muss, dass er der Bessere ist. Bei 6:6 wird das Preisgeld geteilt, und der Weltmeister behaelt seinen Titel. Wie frueher auch. Dann haette Caruana das Remis abgelehnt und die Partie waere bis zum bitteren Ende weiter gegangen. Und Carlsen haette gar keines angeboten, weil ein echter Sieg im Wettkampf mehr hermacht als nur ein Unentschieden, und Caruana es ja sowieso nicht annehmen kann.

Ein ausgespielter Tiebreak ist Kaese. Dass es ueberhaupt einen gibt, ist der Grund dafuer, dass die Spieler so zoegerlich und risikoarm vorgehen. Es haben ja beide noch alle Chancen auf den Titel. Das ist der Fehler im Regelwerk: nach der zwoelften Partie kann ja noch was kommen! Es sollte stattdessen spaetestens mit der zwoelften Partie alles entschieden sein.
fjordfish fjordfish 26.11.2018 09:59
Oh Gott,
diese Moralapostel....,
Ich hoffe nur, auch in Euren realen Leben gelten diese absoluten Moralansprüche.
Da gab es jetzt eine spannende WM und der WM erdreistet sich in ausgeglichener,
ja ausgeglichener, Stellung ein Remis anzubieten und alle laufen Amok.
In was für einer Welt leben wir
tuvorg tuvorg 26.11.2018 09:43
Ich bin für eine Regeländerung.....

Wenn alle angesetzten Partien remis ausgehen gibt es keinen Tiebreak, sondern es wird gelost.....

Jede Wette, es hätte in den regulären Partien einen Sieger gegeben. Mein Interesse an diesem Wettkampf ist heute endgültig auf Null gefallen. Werde mir den Rest nicht mehr ansehen und den Namen des "Siegers" aus den Nachrichten entnehmen.

Schon jetzt meine Gratulation an den neuen Weltmeister.... ist egal wer gewinnt. Ich fühle mich heute nur verschaukelt, um es mal vorsichtig zu formulieren. Dieses Remis, vollkommen unabhängig von dem hervorragenden Spiel an sich, ist keine Werbung für unseren Sport. Nicht, dass die Partie zwingend gewonnen war, aber darum geht es auch nicht.....
fjordfish fjordfish 26.11.2018 09:34
Du meine Güte,
das ist doch Carlsen Sache ,wenn er Remis macht
Caruna hätte doch nicht anzunehmen brauchen,regt ihr euch auch so auf ,wenn eure Fussballmannschaft mal ein Rückpass spielt??
Jetzt hat er verdient zu verlieren...........?.
Sagt mal gehts noch??

Also Leute gibts............
Klaus Wockenfuß Klaus Wockenfuß 26.11.2018 09:27
8.-Sb8 (was Magnus bisher in der WM immer spielte) galt früher als schlecht- heute wohl nicht mehr. Daher
spielte ich bei der OL Haifa 1976 gegen John Nunn wie Magnus 8.-Se7
mit der Folge 9.c4 Sf5 10.Ld3 Le7 11.0-0 a6 und remis im 29.Zug, zum Ende glücklich für W.

Magnus hat nach wie vor meinen hohen Respekt.
Blitz2010 Blitz2010 26.11.2018 09:16
Ja, dass diese WM zum Teil tolles Schach und viele spannende Phasen hatte, meine ich auch. Nur scheint mir, wenn man das so sieht, dann sollte man auch die vorige WM neu bewerten. Auch die Partien mit Karjakin waren doch zum Teil großartig und sogar noch ästhetisch sehr ansprechend - vor allem einige studienartige Endspiele (wirklich wert, in die Lehrbücher einzugehen). Aber dass die letzte WM und der Herausforderer Karjakin so schlechtgeredet wurden, könnte vielleicht u.a. politische Gründe haben - Kasparovs Urteil über Karjakin z.B. mag von politschen Codierungen wohl nicht ganz frei gewesen sein. Die letzte WM war jedenfalls für mich viel, viel spannender, als viele sie abtun. Carlsens Titel war damals schon sehr gefährdet...
habäidä habäidä 26.11.2018 09:14
Carlsen hat es nun verdient, das Finale zu verlieren!
BornToulouse BornToulouse 26.11.2018 08:58
Vielleicht sollte man sich nicht sofort den Aluhut aufsetzen ...
Martin Erik Martin Erik 26.11.2018 08:57
Ich kapiere es beim besten Willen nicht. Leichte Initiative, Plan, Bedenkzeitvorteil – das ist doch traumhaft. Schwierigkeiten mit dem Selbstvertrauen? Das ist die schlechtestmögliche Ausgangsbasis für den Tie-Break. Grandsleeper mag dick auftragen – aber beim Boxen würde ich tatsächlich an sowas denken. Hier glaube ich nicht daran, dennoch: Ich verstehe es nicht.
Grandsleeper Grandsleeper 26.11.2018 08:53
Ich wollte sagen: Ist das Spitzenschach nun genauso manipuliert wie der Spitzenfußball, die angeblich "nationale und demokratische" Politik, der gesamte Medien-Mainstream usw.?
Grandsleeper Grandsleeper 26.11.2018 08:49
Wie soll das zu erklären und zu rechtfertigen sein? Mal vorausgesetzt, an der Spitze der "Schachwelt" geht noch mit rechten Dingen zu: Wie kann Carlsen, der sonst jede Stellung bis zum Äußersten auskämpft, eine klar bessere Stellung, in der er risikolos Gewinnversuche unternehmen kann, zudem bei sehr knapper Zeit des Gegners, einfach remis anbieten? In dieser höchst wichtigen Partie von WM-entscheidendem Charakter? Das macht absolut keinen Sinn und ist auf jeden Fall eine Schande!
Was steckt dahinter? Ist das Spitzenschach nun genauso manipuliert und zum gesteuerten Betrug verkommen? Es würde mich nicht wirklich wundern, denn die Schachwelt ist Teil einer Welt, die in unserer Zeit von ihren Hintergrundmächten an allen Fronten in die "One World" überführt wird. Die freimaurerische Symbolik des Organisations-Monopolisten "World Chess" paßt dazu!
BornToulouse BornToulouse 26.11.2018 08:33
Carlsen scheint mir - wenn ich die letzten Spiele und die Pressekonferenzen ansehe - in der klassischen Zeitkontrolle sehr viel Selbstvertrauen (und Vertrauen in sein Team?) gegen Caruana verloren zu haben. Die Hoffnung, dieses Selbstvertrauen im Tiebreak irgendwie wiederzugewinnen, könnte trügerisch sein. Caruanas Moral dürfte gegen einen offensichtlich zaudernden Gegner dagegen gewachsen sein.
Krennwurzn Krennwurzn 26.11.2018 08:08
Carlsen hat heute viel Respekt bei mir verloren!

Bisher hat er zu Recht relativ fade Remisendspiele immer ausgespielt - warum heute Remis in einer Stellung, die er kaum mehr verlieren konnte?

ABER dennoch war die WM bisher SUPER und spannend
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