Selbstbewusste Jugend

25.08.2011 – Vor dem Metropolitan International Tournament in Los Angeles fand eine Schach-Trainingslager für Kinder und Jugendliche statt. Organisatorer Ankit Gupta nutzt die Gunst der Stunde und engagierte Michael Adams und Loek van Wely für das Jugendtraining. Die war auf vielerlei Weise anstrengend, besonders für die Großmeister. Zum Einen wurde 8 Stunden am Tag trainiert, zum Anderen mussten die Spitzenspieler sich gegenüber der selbstbewussen Jugend den rspekt erst erkämpfen. So achteten beispieslweise zwei anlysierende Nachwuchsspieler nicht auf die Vorschläge ihres englischen Trainers und wischten sie mit der Bemerkung - "Das ist Theorie" - weg. Noch schlechter erging es dem Kollegen aus den Niederlanden: Dieser wurde aufgefordert, erst einmal sein Großmeisterpatent vorzulegen. Immerhin hat sich das Training gelohnt. Adams gewann das folgende Turnier. Der Niederländer ohne GM-Urkunde im Reisegepäck wurde Zweiter. Dejan Bojkov berichtet.Turnierseite...Bericht, Bilder, Partien, Tabelle...

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Harte Woche für Adams
Von Dejan Bojkov
Fotos: Betsy Danako und Dejan Bojkov


Dem Metropolitan International (17. bis 21. August) in Los Angeles ging ein Schachlager voraus. Der Organisator Ankit Gupta nutzte die Gelegenheit und verpflichtete Michael Adams und Loek van Wely als Trainer und Vortragsredner bei einer fünftägigen Veranstaltung, an der 34 Kinder teilnahmen, darunter einige der talentiertesten im gesamten Gebiet. Am ersten Tag des Turniers traf ich Adams und fragte ihn, wie das Schachcamp gelaufen war. „Oh, das war anstrengend, wirklich anstrengend, ich bin richtig erschöpft.“

Intensiv war das Training tatsächlich, denn die jungen Schachspieler trainierten jeden Tag etwa acht Stunden. Manche von ihnen hatten bereits großes Vertrauen in ihr Schachwissen und zollten ihren berühmten Lehrern nicht viel Respekt. Einmal konnte man sehen, wie zwei der jungen Herren ihre Partie analysierten, ohne auf Adams Versuche zu achten, einen Vorschlag zu machen. „Das ist korrekt, das ist Theorie“, lautete ihre Antwort und sie fuhren mit ihrer Analyse fort, ohne sich weiter um die Vorschläge des Großmeisters zu kümmern.

Damit ging es dem englischen GM allerdings immer noch besser als seinem holländischen Kollegen, der von einem seiner Schüler aufgefordert wurde, sein GM-Zertifikat vorzuweisen.



Nach einer solch guten Schule verwundert es nicht, dass Adams zu Beginn des Turniers gut gerüstet und hoch motiviert schien. Sein Tempo in den ersten sechs Runden war jedenfalls zu hoch für seine Konkurrenten – er kam auf 5,5/6 (und gab nur ein Remis gegen Van Wely ab). Sein gefährlichster Verfolger war der usbekische GM Gareev, der ein starkes Turnier spielte, in dem er sowohl gegen Akobian als auch Van Wely gewann (gegen den Holländer gelang ihm eine Kurzpartie). In Runde 7 trafen Adams und Gareev aufeinander und trennten sich Remis. Dadurch kam es in der nächsten Runde zu einer seltenen Situation, da Adams bereits gegen seine fünf größten Konkurrenten gespielt hatte. So hatte ich das Glück, zwei Mal hintereinander mit Schwarz spielen und gegen den Super-GM antreten zu dürfen. Solche Gelegenheiten sind sehr selten und ich bin immer dankbar, wenn ich gegen Gegner dieses Kalibers spielen kann. Außerdem entwickelten sich die Dinge nicht so schlecht wie erwartet.


Van Wely und Adams


"King Loek"


Freundin Lorena Zepeda



Vor der letzten Runde hatte Adams dann einen halben Punkt Vorsprung. In der letzten Runde waren schon ein paar Stunden gespielt, als Adams’ Konkurrenten an den Brettern zwei und drei Frieden schlossen – damit brauchte er nur ein Remis (mit Schwarz), um sich Platz Eins und die wunderbare Svarowsky-Trophäe zu sichern. Allerdings musste sein Gegner, IM Hungasky, unbedingt gewinnen, um eine GM-Norm zu erzielen. Doch der Engländer behielt die Dinge unter Kontrolle und gewann die Partie mit einem hübschen Turmopfer und landete so am Ende mit 7,5 aus 9 einen ganzen Punkt vor dem Verfolgerfeld.


Akobian



Sechs Spieler teilten sich Platz Zwei: GM L. van Wely, M.Amanov, R.Ruck, T.Gareev, D.Bojkov und der junge aufstrebende amerikanische IM Conrad Holt. Holt schrammte haarscharf an einer GM-Norm vorbei, da sein Elo-Schnitt nicht hoch genug war. Tatsächlich konnte nur ein einziger Spieler eine Norm erzielen: Michael Lee aus Washington. Mit 5,5 aus 9 machte er eine IM-Norm. Er spielte das ganze Turnier hochkonzentriert, nicht zuletzt dank seiner Kopfhörer.




Ruck gegen Wang


Amanda Meteer


IM Molner














Für Adams war es eine harte, aber erfolgreiche Woche, und wenn in ein paar Tagen der World Cup beginnt, werden die Dinge nicht leichter. Eigentlich war das nicht geplant, aber da die FIDE die Daten des World Cups änderte, nach der Super-GM bereits zugesagt hatte, in L.A. zu spielen, ließ sich das nicht ändern. Interessant ist allerdings, dass Adams in der ersten Runde des World Cups gegen M. Paragua antreten wird, einem Spieler, der sich auch zum Metropolitan International angemeldet hatte, aber dann beschloss, sich vor dem wichtigeren Turnier ein bisschen Ruhe zu gönnen.

Die Terminänderung wirkte sich auch auf eine andere Idee Guptas aus. Das gesamte Turnier hindurch gab es jede Runde einen Preis für die Partie des Tages. Remispartien wurden dabei nicht berücksichtigt, da als Preise eine Reihe von Apple-Produkten ausgelobt wurden (iPads, Shuffles und Nanos). Eigentlich sollten zwei berühmte junge Großmeister – Anish Giri und Fabiano Caruana – über die Preisvergabe entscheiden, aber auch sie mussten im letzten Moment wegen des World Cups umdisponieren. So entschied IM David Pruess zusammen mit dem Turnierorganisator, an wen der jeweilige Tagespreis ging.

Trotz aller Schwierigkeiten war dies wohl das stärkste Turnier in Los Angeles seit 1988 (wie IM Jack Peters, einer der Teilnehmer, meinte) und krönte die Bemühungen Guptas, dem Schachleben in der Mega-City neues Leben einzuhauchen. Für seine harte Arbeit verlieh ihm der USCF den Preis für den „Organisator des Jahres“.







Professionell dokumentiert wurde das Turnier von Christine Hartman und Christian Glawe von IceHat Creative (Videos) und Betsy Dynako (Fotos). Erfreuen Sie sich an Ihren großartigen Bildern:
 

GM Dejan Bojkov- www.dejanbojkov.blogspot.com




Endstand nach 9 Runden

1. Metropolitan Int. Los Angeles 17.- 21. August 2011
Rk Name FED Rtg Pts
1 Michael Adams ENG 2715 7.5
2 Loek Van Wely NED 2683 6.5
3 Timur Gareev UZB 2613 6.5
6 Robert Ruck HUN 2569 6.5
7 Dejan Bojkov BUL 2544 6.5
8 Mesgen Amanov TKM 2544 6.5
16 Conrad Holt USA 2438 6.5
4 Varuzhan Akobian USA 2613 6
17 Darwin Yang USA 2434 6
10 Robert Hungaski USA 2495 5.5
11 Enrico Sevillano USA 2492 5.5
12 Salvijus Bercys USA 2487 5.5
13 Dmitry Gurevich USA 2479 5.5
14 Andranik Matikozyan ARM 2451 5.5
15 Mackenzie Molner USA 2447 5.5
18 Levon Altounian USA 2431 5.5
21 Daniel Rensch USA 2410 5.5
22 Michael Lee USA 2395 5.5
23 Mark Ginsburg USA 2387 5.5
24 Siddharth Ravichandran IND 2387 5.5
25 Zhanibek Amanov KAZ 2382 5.5
30 William Duckworth USA 2352 5.5
31 Keaton Kiewra USA 2351 5.5
38 Garush Manukyan ARM 2292 5.5
41 Kayden Troff USA 2282 5.5

... 86 Spieler

  Partieauswahl:

 

 

Bilder aus L.A.
Von Dejan Bojkov









George Cloony und Dejan Bojkov








Asien ist nicht weit entfernt


Hier kann man sich in die Luft pusten lassen

 

 

 

 

 


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