Sergey Karjakin: Der Film

von Sagar Shah
23.11.2016 – "Magnus - Der Mozart des Schachs" ist der Titel eines Dokumentarfilms über Magnus Carlsen. Der Film startete kurz vor Beginn der Schach-WM in den deutschen Kinos. "Sergey - The Chess Prodigy", ein Film über Herausforderer Sergey Karjakin, läuft nicht im Kino, sondern nur im Internet. Der 22-minütige Film ist das Regiedebüt des Schweden Alexander Turpin und liefert interessante Einblicke in Kindheit und Leben Karjakins. Sagar Shah hat sich den Film angeschaut. Mehr...

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Sergey Karjakin war 12 Jahre und 212 Tage alt, als er jüngster Großmeister aller Zeiten wurde.

2002 wurde Ruslan Ponomariov FIDE-Weltmeister. Einer seiner Sekundanten war der damals 12-jährige Sergey Karjakin

Ein paar Monate nachdem Karjakin jüngster Großmeister aller Zeiten wurde, gab er Alexei Shirov das Nachsehen. Karjakin erklärte daraufhin, dass er gerne mit 16 Weltmeister sein würde. Das war vor 14 Jahren und er hat gute Chancen, tatsächlich Weltmeister zu werden: Nach acht Runden liegt er beim WM-Kampf gegen Magnus Carlsen mit 4,5-3,5 in Führung.

Vielleicht ist Karjakin in ein paar Tagen neuer Weltmeister, vielleicht rettet Carlsen seinen Titel. Eine Reihe von Fragen bleiben in jedem Fall interessant: Wie wurde Karjakin zum jüngsten Großmeister aller Zeiten? Warum hat er sich nicht früher für das WM-Finale qualifiziert? Und welche Auswirkungen hat der politische Konflikt zwischen Russland und der Ukraine (insbesondere die Annexion der Krim durch Russland) auf Karjakin, der am 12. Januar 1990 in Simferopol auf der Krim geboren wurde?

Diese Fragen stellte sich auch Alexander Turpin, Regisseur eines Dokumentarfilms über Sergey Karjakin

Warum ist Sergey Karjakins Schachkarriere ein gutes Thema für einen Film?

Alexander Turpin wurde in Stockholm geboren und hat an der "Norwegian Film School" (NFS)  Regie studiert und dieses Jahr seinen Abschluss gemacht. Auf der Suche nach interessanten Themen ist er jedoch immer. Schach lag nahe, denn Turpin spielt selber und hat eine Elo-Zahl von 2127. Den Namen Karjakin hat er schon als Jugendlicher gehört.

Turpin interessierte sich auch für die Schachschule in Kramatorsk und den Schachklub A. V. Momot. Außerdem wollte er wissen, welche Auswirkungen der politische Konflikt zwischen Russland und der Ukraine auf den in der Ukraine geborenen, aber jetzt für Russland spielenden Karjakin hatte und hat. Als Karjakin sich durch seinen Sieg im Kandidatenturnier für den WM-Kampf gegen Magnus Carlsen qualifiziert hatte, bot sich ein Film über das Leben Karjakins geradezu an.

Wie wurde der Film gemacht?

Die Anschubfinanzierung für den Film waren die 2.000 Euro, die Turpin nach Ende seines Studiums gespart hatte. Freunde, die an sein Projekt glaubten, liehen ihm kostenlos ein Großteil der technischen Ausrüstung, die man braucht, um einen Film zu drehen.

Aber Geld und Ausrüstung waren nicht das einzige Problem. Wie Turpin berichtet, "fing ich im Sommer 2016 damit an, Material über Sergey zu sammeln. Außerdem hatte ich Karjakins Manager gefragt, ob Sergey mir ein Interview geben könnte, aber die Antwort auf diese Anfrage blieb lange aus. Im September wusste ich immer noch nicht, ob das Projekt überhaupt zu realisieren war. Aber ich entschied mich dann dafür, einfach mit dem Filmen anzufangen und zu hoffen, dass Sergey Zeit für mich finden würde. Alexander Martynkov vom A. V. Momot Schachklub in Kramatorsk war von Beginn an sehr hilfreich und mit seiner Unterstützung konnte ich im September in die Ostukraine fahren, um dort Sergeys alte Trainer zu sprechen. Seitdem habe ich nonstop an dem Film gearbeitet. Ende September habe ich Ruslan Ponomariov in Getxo, Spanien, interviewt. Im Oktober habe ich Sergey dann in Moskau getroffen und seine Eltern auf der Krim besucht. Man könnte sagen, der Film wurde in drei Monaten gedreht, von Mitte August bis November."

Was zeigt der Film?

Der Reiz dieses 22-minütigen Dokumentarfilms besteht in seiner Einfachheit. Fotos, Videos und die Geschichte, die erzählt wird, bilden eine faszinierende Einheit.

Karjakins erstes Interview!

Wie viele kommende Großmeister erkennen Sie auf diesem Bild?
Die Schachschule Kramatorsk in der Ukraine war berühmt.

Sergeys Vater Alexander Karjakin

Sergeys Mutter erzählt, wie die Eltern die Schachkarriere ihres Sohnes gefördert haben.

Harte Arbeit kam dazu

Karjakins ehemaliger Trainer Alexander Alexikov erzählt, wie der junge Sergey Schachmaterial verschlungen hat:
"Wie ein Drachen, der alles verschlingt, was ihm vor die Augen kommt, und den man immer weiter füttern muss."

 

Karjakin war erst 12, aber hatte schon ausgeprägte taktische Fähigkeiten, als er Sekundant von Ponomariov wurde.

GM Vladislav Borovikov half Karjakin, jüngster Großmeister aller Zeiten zu werden

Auch die Frage, was Karjakin über die Annexion der Krim durch Russland denkt, wird nicht ausgespart.

Sergey Karjakin mit seiner Frau Galia Kamalova

Für Karjakins Trainer könnte bald ein Traum in Erfüllung gehen!

"Ich werde Weltmeister. Wenn nicht jetzt, dann später."

Der Film gibt faszinierende Einblicke in Karjakins Leben. Turpin interviewt Karjakings Eltern, seine ersten Trainer und man erfährt viel über Karjakins Kindheit, die Anfänge seiner Schachkarriere und die Anstrengungen, die er auf sich genommen hat, um einer der besten Spieler der Welt zu werden. Der Film zeigt, wie viel harte Arbeit notwendig ist, um im Schach an die Spitze zu kommen, und wie man Geduld braucht, wenn man sich für diesen Weg entschieden hat.

Wie und wo kann man den Film sehen?

Der Trailer zum Film

Der Film läuft bei Vimeo. Die Leihgebühr beträgt 1,83€, zu kaufen ist er für 3,48€.

(Die englischen Untertitel bekommt man mit Hilfe von "Closed Captions (CC)"

Der Regisseur des Films

Alexander Turpin wurde 1989 in Stockholm geboren. 2013 zog er nach Norwegen, um dort an der "Norwegian Film School" Regie zu studieren. "Sergey" ist sein erster Dokumentarfilm. Turpin hat bereits eine Menge Ideen für weitere Filmprojekte, und glaubt, ein Film über die Idee des "Patts" könnte interessant sein.

Übersetzung: Johannes Fischer



Sagar Shah ist ein junger Internationaler Meister aus Indien. Er ist zugleich ausgebildeter Wirtschaftsprüfer und würde gerne der erste indische Wirtschaftsprüfer sein, der Großmeister wird. Sagar berichtet leidenschaftlich gerne über Schachturniere, denn so begreift er das Spiel, das er so liebt, besser. Aus Leidenschaft für das Schach betreibt er auch einen eigenen Schachblog.
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