"Wunderkinder"
"Wunderkinder" sind ein
bekanntes Phänomen im Schach. Raoul Capablanca (*1888), der spätere Weltmeister,
lernte das Schachspiel als Vierjähriger, mit etwa 12 Jahren war er schon der
stärkste Spieler Kubas. Der Amerikaner Samuel Reshevsky (*1911) begann
ebenfalls mit vier Jahren, mit sechs gab er bereits Simultanvorstellungen.

Der vierjährige Capablanca spielt gegen seinen Vater (1892)

Sammy Reshevsky spielt gegen Charles Jaffe mit 11 Jahren.
Der beendete das Turnier als geteilter Dritter.
Einige weitere mehr oder weniger bekannte Schachmeister starteten ihre
Karriere als Wunderkind, z.B. Arturo Pomar, Mikhail Tal, Boris Spassky, Robert
Fischer, Gary Kasparov. Die vier letztgenannten wurden Weltmeister. Aber auch
Judit Polgar, Nigel Short oder Peter Leko sind starke Großmeister, die schon
sehr früh mit dem Turnierschach begannen.

Auch heute gibt es einige sehr starke "Wunderkinder" im Schach. Eines ist der
14-jährige Teimour Radjabov. 2001 wurde er zum Großmeister ernannt. Radjabov
lebt in Baku, der Hauptstadt Aserbeidschans, aus der auch Kasparov stammt. Viele
halten ihn für den kommenden Weltmeister. Der Chinese Bu Xiangzhi bekam sogar
schon mit 13 Jahren den GM-Titel verliehen.

Ein Wunderkind in England ist der aus Ceylon stammende Murugan
Thiruchelvam. Er war Englands jüngster Spieler, der jemals eine internationale
Wertungszal bekam (Elo 2020) - mit neun Jahren. Kurz nach seinem zehnten
Geburtstag durfte er eine Simultanpartie gegen Kasparov spielen und wurde vom
damaligen Weltmeister sehr für seine Leistung gelobt. Murugan gehört - wie Anand
- zur Volksgruppe der Tamilen. Außerdem hat er wie Anand am 11.Dezember
Geburtstag. Seltsam.
Die jüngsten Großmeister
| Player |
Final GM norm at |
| Bobby Fischer |
15 years, 6 months, 1 day |
| Judit Polgar |
15 years, 4 months, 28 days |
| Peter Leko |
14 years, 4 months, 22 days |
| Etienne Bacrot |
14 years, 2 months, 0 days |
| Ruslan Ponomaryov |
14 years, 0 months, 17 days |
| Teimour Radjabov |
14 years, 0 months, 14 days |
| Bu Xiangzhi |
13 years, 10 months, 13 days |
The neueste Großmeister
Kandidat

Auf das jüngste Wunderkind wurde die internationale Presse aufmerksam, als
bekannt wurde, dass Ruslan Ponomariov, der gerade Anfang des Jahres die FIDE-WM
gewonnen hat, einen 11jährigen als Sekundanten in seinem Team hatte. Kein Witz.
Es ist der ukrainische IM Sergei Karjakin.Er spielte später beim Aeroflot Open
in Moskau mit und holte dort ohne Probleme eine GM-Norm. 
Nun schaffte er bereits seine zweite Norm beim Kategorie 8- Turnier in
Alushta, wo er 9,5/13 Punkte machte und den ersten Platz mit GM Evgenij
Miroshnichenko teilte.
Es ist offensichtlich, dass Sergei Kariakin in Kürze seine dritte Norm machen
wird, und damit den Anspruch auf den GM-Titel erhält.Wahrscheinlich noch in
diesem Jahr, womit er jüngster Großmeister aller Zeiten werden würde.
Dennoch ist das Phänomen der so genannten Wunderkinder weit weniger
verblüffend, als die breite vielleicht Öffentlichkeit denkt. Früher, als es viel
weniger Turnierschachspieler, war die erfolgreiche Teilnahme eines Kindes sehr
ungewöhnlich, heute ist es das nicht. Viele Kinder sind auf Internationalen
Turnieren am Start, einige davon werden und wurden Großmeister.
Bekanntermaßen lernen Kinder erheblich besser und schneller als Menschen im
erwachsenen Alter. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Sprachen, Schach,
Musik oder anderes handelt. Ist das Interesse erst einmal geweckt, hängt der
spätere Erfolg auf einem bestimmten Gebiet davon ab, wie intensiv sich das Kind
bemüht, seine Zeit dieser einen Sache zu widmen. Bei stark einseitiger
Ausbildung besteht jedoch die Gefahr, dass in vielen anderen Wissens- und
Persönlichkeitsbereichen Defizite entstehen.
Zum Thema Wunderkinder erschien auch ein Themenheft des Schach-Kulturmagazins
Karl (4/2001). Einige der Beiträge sind bei Karl online verfügbar.
Links:
Karl online....
Artikel von Harald Balló...