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Der laut Henderson beste Ritchie-Film mit einer Schachszene ist Sherlock Holmes: Spiel im Schatten aus dem Jahre 2011, in dem Robert Downey Jr. den in dieser Verfilmung physisch sehr robusten Meisterdetektiv verkörpert.
In der Schachszene spielt Holmes – wie sollte es anders sein? – gegen seinen Erzfeind und ewigen Gegenspieler, Professor Moriarty. Moriarty ist ebenso klug wie Holmes, aber er nutzt seine Intelligenz nicht, um Verbrechen aufzuklären, sondern um sie zu begehen. Die Szene spielt 1891 in einem Schweizer Schloss über den Reichenbachfällen, die in der Welt von Sherlock Holmes eine ganz besondere Bedeutung haben, denn hier ließ Arthur Conan Doyle, der Schöpfer von Sherlock Holmes, seine berühmte Figur 1893 sterben.
Die Idee, Geschichten über einen Detektiv zu erzählen, der Verbrechen wissenschaftlich und mit Hilfe von aufmerksamer Beobachtung und logischen Schlussfolgerungen aufklärt, hatte Conan Doyle 1886, und ein Jahr später machte er die Welt in dem Roman "A Study in Scarlet" mit Sherlock Holmes bekannt. 1890 folgte der zweite Roman, "The Sign of the Four", doch erst die 1891 veröffentlichte Erzählung "A Scandal in Bohemia" brachte den Durchbruch und machte die Figur von Holmes populär. So populär, dass sie Conan Doyle bald zur Last wurde.
Arthur Conan Doyle, *22. Mai 1859 in Edinburgh, Schottland; † 7. Juli 1930 in Crowborough, Sussex, England) | Foto: Arnold Genthe, Public domain, via Wikimedia Commons
Conan Doyle verdiente viel Geld mit dem Schreiben von Geschichten über den Meisterdetektiv, doch sie raubten ihm auch Zeit und hielten ihn von seinen vielen anderen Interessen ab. 1893 beschließt er deshalb, Holmes sterben zu lassen und so kommt es in der letzten Geschichte der Anthologie "The Memoirs of Sherlock Holmes" bei den Reichenbach-Fällen in der Schweiz zum Showdown zwischen Holmes und Moriarty, bei dem beide nach einem dramatischen Kampf die Wasserfälle hinabstürzen und ertrinken. Oder auch nicht.
Denn 1901 lässt Conan Doyle Sherlock Holmes in dem Roman Der Hund von Baskerville wieder auferstehen. Dieser Roman ist zeitlich vor Holmes’ Sprung in die Reichenbach-Fälle angesiedelt, aber 1903 erweckt Conan Doyle seinen Detektiv mit ein paar erzählerischen Wendungen endgültig wieder zum Leben. Danach bleiben sich die beiden fast drei Jahrzehnte lang treu und erst 1927 erscheint Conan Doyles letzte Sammlung mit Geschichten über Holmes. Drei Jahre später, am 7. Juli 1930, stirbt Conan Doyle.
In Guy Ritchies Film liefern sich Holmes und Moriarty ein geistiges Duell bevor sie aufeinander losgehen, auf Leben und Tod gegeneinander kämpfen, um sich am Ende gemeinsam in die Reichenbachfälle zu stürzen. Sie spielen Schach gegeneinander und erzählen sich dabei, wie sie einander im bisherigen Verlauf der Geschichte übertrumpft und ausgetrickst haben.
Als Schachliebhaber wollte Ritchie diese Szene möglich authentisch gestalten und wie Henderson schreibt, hat er die beiden mit "einem Staunton-Set aus der damaligen Zeit und einer Schachuhr, die von Fattorini & Sons of Bradford, England, hergestellt worden war und erstmal beim Londoner Turnier 1883 eingesetzt wurde" spielen lassen.
Guy Ritchie at the Los Angles Premiere of "King Arthur: Legend of the Sword on May 8, 2017" | Foto: Kathy Hutchins via Wikimedia Commons
Auch die Partie hat Klasse: Im Film spielt Holmes mit Schwarz, aber von den vertauschten Farben abgesehen folgen Holmes und Moriarty einer Begegnung von Bent Larsen und Tigran Petrosian aus dem 2. Piatigorsky Cup in Santa Monica 1966. Larsen besiegte den damaligen Weltmeister mit einem hübschen Damenopfer.
Natürlich findet man die Schachszene aus dem Film auch in unterschiedlichen Varianten auf YouTube. Hier ein Video mit ausführlichen Erklärungen zum Film und zur Partie.
Johannes FischerJohannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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