Shimanov gewinnt Rilton Cup

09.01.2012 – Aleksandr Shimanov ist der Sieger des Rilton Cups in Stockholm. Shimanov holte als einziger Spieler 7,5 Punkte und gewann das Turnier sogar mit einem ganzen Punkt Vorsprung vor seinen Verfolgern , von denen Slavko Cicak (Schweden) und Dragan Solak (Türkei) mit der besten Zweitwertung die Plätze belegten. Ganz so glatt wie das Endergebnis es erscheinen lässt, war der Turnierverlauf jedoch nicht. Gegen Erwin L'Ami stand Shimanov auf Verlust, profitierte dann jedoch von einem Anfall von Schachblindheit bei seinem Gegner, der die Partie erst zum Remis verdarb und dann zum Verlust. Alina L'Ami berichtet, wie das passieren konnte und ist im Übrigen nicht nur von Stockholm begeistert.Turnierseite...Bericht, Bilder, Partien...

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Rilton Cup-Stockholm: Eine Rückblick
Von Alina L'Ami

 
 

10-9-8…3-2-1-Gott Nytt Ar!!!, wie die Schweden zu Beginn eines neuen Jahres sagen, immer mit der Hoffnung, dass dieses Mal alles klappt. Wahrscheinlich wurden einige der ganz ehrgeizigen und leidenschaftlichen Vorsätze bereits vergessen und die alten Gewohnheiten schwingen wieder das Zepter… dennoch, vor ein paar Tagen, um Mitternacht, verband uns alle ein unsichtbares Band: 2012 werde ich ___ und was hier bei Ihnen steht, entscheiden Sie selbst. Was mich betrifft: neues Jahr, gleiches Ziel. Aber dieses Mal habe ich mir das Versprechen gegeben, gleich etwas zu verändern, wenn die guten Ideen in meinem Kopf zu sprudeln beginnen.

 

Gesagt, getan: als wirkliche Schachspielerin habe ich die Nacht zum 1. Januar ‘gefeiert’ und mich ein bisschen mit Nimzo-Indisch beschäftigtJ. Ein Grund dafür ist meine Liebe zum Spiel, aber der Hauptgrund war der, dass am 1. Januar die fünfte Runde des Rilton Cups, der vom 27. Dezember 2011 bis 6. Januar in Stockholm ausgetragen wurde, auf dem Programm stand.
 


Gleich am 1. Januar war GM Ulf Andersson schon zur Stelle und kommentierte Partien fürs dankbare Publikum.



Wenn es um die Bretter zu eng wurde, dann konnte man die Partien
auch live auf diesem riesigen Bildschirm verfolgen, und glauben Sie mir,
manchmal wurde es wirklich eng, vor allem in der Zeitnotphase.

 

Bevor Sie jetzt die Augenbrauen hochziehen und sich fragen, welches Vergnügen denn darin liegt, an einem Tag Schach zu spielen, an dem jeder ‘normale’ Mensch sich nach einer denkwürdigen Party Ruhe gönnt, sollten Sie intuitiv wissen, dass es für die seltene Spezies der Schachspieler kein größeres Vergnügen als eine Partie Schach gibt – vorzugsweise eine gewonnene :-). Doch was passiert, wenn eine fette Null zum Thema wird?! Geschieht das bei diesem wunderbaren Turnier, das in Stockholm jedes Jahr zur gleichen Zeit ausgetragen wird, dann ist das nicht allzu schlimm.



Monika Socko vor der Partie gegen ihren Ehemann Bartosz. Immerhin bleiben die Punkte so in der Familie :-)
 



Sergey Ivanov gegen Juan Bellon


Und Grzegorz Gajewski gegen Axel Smith


Erwin l'Ami

 







 

Die Stadt, das Hotel, der Turniersaal, die Organisation, all das hat dazu beigetragen, eine einzigartige Schachatmosphäre zu schaffen. Und hat mir sehr geholfen. Zu Beginn lief zwar nicht alles glatt, aber nach der Ergebnisfolge 1-0-1-0-1-0-1 (was mehr wie Tic Tac Toe und weniger wie Schachergebnisse aussieht) konnte ich den Negativtrend in Runde 8 mit einem Remis stoppen, um anschließend in der letzten Runde zu gewinnen. Dank dieses Schlussspurts konnte ich mit meiner dritten IM-Norm im Gepäck nach Holland zurückreisen und das trägt natürlich auch zu dem guten Gefühl bei, das ich für dieses Turnier hege.
 

Aber das ist nicht alles: Hätte ich mich in Stockholm nicht wohl gefühlt, hätte ich mich nicht immer wieder von Rückschlägen erholen und immer wieder mein Gleichgewicht finden können. Der Rilton Cup ist einfach ein wunderbares Turnier – kein Wunder, dass er zum 41. Mal stattfindet! Dieses Mal gingen mehr als 200 Spieler an den Start und traten in drei Rating-Gruppen an: Rilton Cup, Rilton Elo und Rilton Open.

 


Die Kinder der GMs haben das Turnier ebenfalls genossen: oben Szymon und Weronika Socko; unten Anna Cramling Bellon


 

Der Rilton Cup ist das Hauptturnier, an dem man teilnehmen kann, wenn man eine nationale oder internationale Wertungszahl über 2200 hat – mithin war das Turnier alles andere als ein Spaziergang. In diesem starken Feld wurde Aleksandr Shimanov aus Russland mit 7,5 aus 9 alleiniger Erster!
 




  

Aber sein Sieg verlief nicht so glatt und leicht, wie man denken könnte. Im Gegenteil, zur Freude des Publikums gab es dabei jede Menge Spannung und Drama. Besonders kritisch für ihn war Runde sechs, in der Aleksandr mit Schwarz gegen …Erwin l’Ami spielte, meinen Mann. Ich verfolgte die Partie frohen Mutes online – bis ich irgendwann fast vom Stuhl fiel: nach einer langen und schönen Partie kam es in der sechsten Stunde zum entscheidenden Fehler: Erwin übersah eine teuflische Mattdrohung seines Gegners und verlor am Ende noch.

 

Hier hätte Weiß mit 66.d6 einen Bauern verwandeln oder eine Menge Material und die Partie gewinnen können; stattdessen entschied sich Erwin für 66.De6??, wonach Schwarz mit 66…Txf3 tödlich Matt auf a3 drohen konnte. In der Partie folgte 67.Dxe5+ Kg8 und hier hätte sich Weiß immer noch mit Dauerschach ins Remis retten können: 68.De6+ Kf8 69.Dc8+ Kf7 70.De6+ und der schwarze König kann nicht entkommen, da auch der Turm auf f3 gefährdet steht. In Zeitnot und konsterniert von den letzten beiden Zügen gab Weiß das falsche Schach: 68.De8+, wonach Schwarz mit seinem König fliehen und die Partie gewinnen konnte.

 

Kein glücklicher Moment für unsere Familie, aber Müdigkeit war und ist ein Teil des Spiels, ganz zu schweigen von dem Glück, das man einfach braucht, wenn man Erster werden will. Das Wichtigste ist natürlich die Spielstärke und in den folgenden Partien hat Aleksandr seine Klasse bewiesen und das Turnier überzeugend gewonnen.




Wir hatten außerdem das Vergnügen, eins von Aleksandrs verborgenen Talenten zu entdecken: das Singen :-). Die Abschlussfeier verlief am Ende ziemlich informell und wir kamen in den Genuss eines wunderbaren Songs, vorgetragen von keinem Geringeren als dem Turniersieger. Ein schöner Moment.

 

 

 



Endstand

 

Rg.   Name FED Elo EloI EloN Verein/Ort Pkt. Wtg1 Wtg2 Rp K rtg+/-
1 GM Shimanov Aleksandr RUS 2549 2549 2626 Sollentuna SK 7.5 40.5 0.0 2793 0 0.0
2 GM Cicak Slavko SWE 2566 2566 2581 Eksjö SK 6.5 36.5 0.0 2669 0 0.0
3 GM Solak Dragan TUR 2629 2629 0   6.5 34.0 0.0 2647 0 0.0
4 GM Rozentalis Eduardas LTU 2586 2586 0   6.5 34.0 0.0 2589 0 0.0
5 GM Ivanov Sergey RUS 2537 2537 2615 Sollentuna SK 6.5 34.0 0.0 2591 0 0.0
6 GM Socko Bartosz POL 2635 2635 0   6.5 32.5 0.0 2591 0 0.0
7 GM Gajewski Grzegorz POL 2616 2616 0   6.0 33.0 0.0 2582 0 0.0
8 GM Tikkanen Hans SWE 2586 2586 2662 Lunds ASK 6.0 32.5 0.0 2576 0 0.0
9 GM Brynell Stellan SWE 2486 2486 2555 Limhamns SK 6.0 32.0 0.0 2574 0 0.0
10 GM L'Ami Erwin NED 2594 2594 0   6.0 31.5 0.0 2552 0 0.0
11 GM Bakre Tejas IND 2509 2509 0   6.0 31.0 0.0 2536 0 0.0
12 GM Volkov Sergey RUS 2626 2626 0   6.0 30.5 0.0 2511 0 0.0
13 FM Sipilä Vilka FIN 2316 2316 2395   6.0 30.0 0.0 2505 0 0.0
14 IM Nithander Victor SWE 2423 2423 2494 SS Manhem 6.0 29.0 0.0 2483 0 0.0
15 GM Karlsson Lars SWE 2485 2485 2541 SK Rockaden 6.0 28.0 0.0 2471 0 0.0
16 IM Smith Axel SWE 2480 2480 2560 Lunds ASK 5.5 31.5 0.0 2531 0 0.0
17 IM Lindberg Bengt SWE 2415 2415 2466 Solna SS 5.5 30.0 0.0 2427 0 0.0
18 GM Socko Monica POL 2479 2479 0   5.5 27.0 0.0 2403 0 0.0
19 WGM L'Ami Alina ROU 2364 2364 0   5.5 26.0 0.0 2459 0 0.0
20 IM Nielsen Fries Jens Ove DEN 2387 2387 2404   5.5 25.5 0.0 2357 0 0.0


.. 77 Spieler


Quelle: Chess-results

 

Ob man am Brett Erfolge feiert oder nicht, in anderer Hinsicht kann man nur gewinnen. Stockholm ist eine phantastische Stadt und ich versichere Ihnen, wenn man einmal da war, will man immer wieder dorthin zurück, am besten zu verschiedenen Jahreszeiten. Dieser Winter war ziemlich warm, kein Schnee und keine 20° Minus, aber dafür gab es die kurzen nordischen Wintertage, in denen es schon um 15 Uhr dunkel wird!
 


13 Uhr, da ist es noch immer hell.



 

Stockholm ist auf 14 Inseln (ich würde sie ‘Schatzinseln’) erbaut und hat mich immer wieder mit seinem spinnenartigen Infrastrukturnetz fasziniert, mit seinen Zügen, Bussen, Straßenbahnen, Brücken in allen Formen und Größen, die Wasser und Land zu einer großen Einheit verbinden. Ich wusste nie genau, ob ich von einer Insel zur anderen ging, ich wusste nicht, wo das Meer beginnt und wo es endet – und dann noch die Kanäle… mit ihren vielen Booten und Schiffen sind sie wirkliche Wasseralleen.

 

Und dann wurde Stockholm 2010 auch noch der Titel der ersten grünen Hauptstadt Europas verliehen! Warum das so ist, verstehe ich sofort, ich muss nur an die immer wiederkehrenden Worte denken, die man in Stockholm überall sieht: umweltfreundlich, Öko, organisch, grün usw. Für viele Länder ist das ein Ziel, das sie erreichen wollen, doch in Schweden ist das eine Lebenseinstellung, eine grünere. Und eine ziemlich teure, wenn Sie mich fragen.

 

Schwedens Hauptstadt in Stichworten: es gibt nicht nur ABBA und IKEA, sondern in Stockholm öffnen einem die Taxifahrer die Tür (für 60 Euro allerdings fast selbstverständlich); die Leute sind ziemlich groß (manchmal habe ich mich gefühlt wie Gulliver im Land der Riesen); alles ist sauber und die Straßen sind eng; viele Araber und Asiaten leben in Stockholm; jeder spricht Englisch (was phantastisch ist); die Autofahrer lassen einen auch bei Rot über die Strasse gehen (und hupen nicht einmal!); die Leute sind direkt und positiv (zumindest meiner Erfahrung nach); allerdings wollte ich noch etwas anderes erwähnen, denn all das können Sie leicht im Reiseführer nachlesen.


Die Altstadt, Gamla Stan, bildet ein kompaktes Gewirr enger Strassen,
die offensichtlich für dünne Leute mit robusten Knöcheln gebaut wurden!

 


Das Rathaus, das am 31. Dezember, unserem spielfreien Tag, eider nicht besichtigt werden konnte.


 


Rechts sieht man das Nobel-Museum, das Sylvester ebenfalls geschlossen war.

 


Vorsicht vor dem Troll!

 


Sonnenlicht auf Wasser

 

 


Fischmarkt

 

 

 

Geschichte, Tradition, Architektur, das zeichnet jede Nation aus und macht sie einzigartig. Man fährt nicht nach Stockholm, um Adidas oder Mc zu sehen, das findet man überall. Was habe ich bei meinen Spaziergängen durch Stockholm gesucht? Irgendetwas Neues. Und die Architektur dort ist einfach erstaunlich! Ich wusste gar nicht, was ich fotografieren sollte, alles ist so anders, so originell, so alt, so hübsch – so habe ich Schwedens Hauptstadt in den zehn Tagen des Rilton Cups erlebt.

 

Schach und Schachturniere bieten einem so viel, ob das nun direkt mit dem Spiel zu tun hat oder nicht. Und mir wurde oft gesagt, dass Stockholm im Sommer sogar noch schöner ist. Das können Sie im Juni selbst herausfinden, denn dann organisiert der Stockholmer Schachverband zur Erinnerung an die Olympiade 1912 ein weiteres Schachturnier. In genau der Stadt, die Sie in den Bildern oben gesehen haben.



Alina L'Ami

 

Ich wünsche Ihnen ein phantastisches 2012! Wir sehen uns beim nächsten Turnier!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



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