13.02.2017 – Das idyllische Fredrikstad in Südostnorwegen fühlt sich der Tradition verpflichtet. So lädt die 1903 gegründete örtliche Schachkselskap von Zeit zu Zeit starke Schachgroßmeister zum Simultan ein. Nach Rudolf Spielmann (1909), Aaron Nimzowitsch und Richard Reti, David Bronstein und Simen Agdestein holte man sich kürzlich Alexey Shirov in die Clubräume. Der lettische Großmeister bewies in seinem Uhrensimultan, dass Schach Sport ist - so wie er es spielt. Mehr...
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Mit Shirov an der Tradition festhalten
Schon der Name des Schachvereins in Fredrikstad, im Südosten Norwegens gelegen, deutet auf die Wertschätzung von Traditionen hin. Der Klub Fredriksstad Schakselskap wurde im Januar 1903 gegründet und heißt heute immer noch so, auch wenn man den Städtenamen nur noch mit einem s schreibt und Schach in Norwegen nun "sjakk" und nicht mehr "schak" heißt.
Frederikstad (Foto: Visit Norway)
Rudolf Spielmann war der erste Weltklassespieler, der von der Schachgesellschaft eingeladen wurde. Im Jahre 1919 spielte er an drei Abenden hintereinander je 20 Partien. In den 1920er Jahren folgten Nimzowitsch und Reti und ein Jahrzehnt später waren Bogoljubow und erneut Spielmann zu Gast. Danach verging einige Zeit bis mit Bronstein und Agdestein wieder Großmeister in Fredrikstad Simultan spielten.
Im vergangenen Jahr war der norwegische GM Ringdal Hansen, in Norwegen bekannt als der erste Trainer Magnus Carlsens, zu Gast. Nach einer Schachlektion spielte er ein Uhrensimultan: 20 Partien mit 45 min pro Spieler.
Am vergangenen Donnerstag wurde die Tradition mit einem Besuch Alexei Shirovs fortgesetzt. Passend zur DVD "How to crack the Berlin Wall with 5.Re1" zeigte er vier seiner aktuellen Spanischsiege und erklärte Berliner Ideen im Endspiel.
Shirov demonstriert Gewinnpartien gegen die Berliner Verteidigung
Anschließend spielte er ein Uhrensimultan unter wirklich harten Bedingungen. Während die Bedenkzeit lediglich um 3 Sekunden pro Zug verlängert wurde (45 min + 3 sek/Zug), hatten sich nun 25 Spieler angemeldet und Alexei Shirov hatte auch nichts dagegen weitere sechs Interessenten mitspielen zu lassen.
Schach ist Sport...
Bereits nach den ersten Runden des Großmeisters war klar, dass seine Bedenkzeit viel zu kurz war. Physisch stark und mit unglaublichem athletischen Einsatz gewann er das Simultan trotzdem klar. Neben 22 Siegen, spielte er viermal remis und verlor fünf Partien auf Zeit, teilweise in gewonnener Stellung.
Ein toller Abend mit einem sympathischen Großmeister, der Lust auf mehr macht und so freue ich mich schon auf 2018 wenn der Schachklub in Fredrikstad seine Tradition fortsetzen wird.
Wer Alexei Shirov selber erleben möchte, kann das Anfang März bei einem seiner Turniere tun, die er in Jurmala/Lettland organisiert.
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