Was machen Schachspieler
nach den Turnierrunden ? Natürlich Schach spielen.
Hier in Graz gibt es für
Schachspieler die Möglichkeit, täglich ihrem Hobby zu frönen. Mitten in der City
gibt es den Spielertreff "Brot + Spiele", in dem man jederzeit Schachpartner
findet. In dem Lokal werden alle möglichen Spiele gepflegt. Billard, Backgammon,
Go, Kartenspiele und natürlich auch Schach.

Turnierteilnehmer in entspannter Atmosphäre

Mayer (re.) gegen Wells
Durch Zufall ist der
Berichterstatter bei einem nächtlichen Rundgang durch Graz auf das Lokal
gestoßen. Prompt wurde der Abend noch länger. Mittlerweile hat sich der
"Zockertreff" zu einem beliebten Treff der Teilnehmer entwickelt. GM Wells war
ebenfalls anwesend und demonstrierte den Teilnehmern nachhaltig, wo Barthel den
Most hernimmt.


Boris Alterman, immer für ein Experiment zu haben
Nach dem frühen Remis von
Junior hatte GM Alterman entsprechend Zeit und unterzog sich einer Hirnmessung
am Stand der Universität Graz. Die Hirnstrommessung fand während einer
Blitzpartie (5 Minuten) gegen Junior statt. Die Partie wurde von Junior nach
Zeitüberschreitung gewonnen. Die Messung ergab, dass GM Alterman über eine
außergewöhnliche Fähigkeit zur kortikalen Entspannung (Reduktion der
Gehirnaktivierung) verfügt. Des Weiteren fand man heraus, dass die rechte
Hirnhälfte während des Spiels leicht stärker aktiv war als die linke Hirnhälfte.
Über das Ergebnis bei der Messung am eigenen Hirn schweigt sich der
Berichterstatter lieber aus .......
Für Insider war es etwas
überraschend, Quark-Programmierer und Mr. Winboard Thomas Mayer in einem
ChessBase T-Shirt anzutreffen. Die Spekulationen waren sofort angeheizt. Soll
dies etwa bedeuten, dass Quark in Kürze Fritz, Shredder, Hiarcs und Junior
firmenintern Konkurrenz macht ??? Wir beantworten diese Frage noch nicht und
lassen damit Raum für die in der Szene so beliebten Spekulationen ....

Thomas Mayer in ChessBase-Wear
Nun zum Turniergeschehen.
Die mit Spannung erwartete Spitzenpaarung Junior - Shredder verlief für die
Zuschauer enttäuschend. Shredder spielte fast die komplette Partie aus dem Buch,
während Junior immerhin 10 Züge lang die theoretisch korrekte Variante
berechnete. Fazit: Die Programme landeten in einer Remisstellung.

Junior gegen Shredder
Für Shredder als
Nachziehender war das sicher ein günstiges Ergebnis gegen einen Mitfavoriten.
Nachdem Shredder gegen alle Mitfavoriten gespielt hat, wird sich zeigen, wie
sicher Shredder seine Punkte gegen die vermeintlich schwächeren Teilnehmer holt.
Fritz demonstrierte in
seiner Partie ein überlegenes positionelles Spielverständnis. Nachdem beide
Programme mit einer relativ ausgeglichenen Stellung aus dem Buch kamen,
überspielte Fritz seiner Gegner souverän und strich ungefährdet den Punkt ein.
Nach dem guten
Turnierstart kommt ist die Maschine Brutus ins Stocken gekommen. Gegen das
deutsche Amateurprogramm List wurde allgemein ein deutlicher Sieg erwartet.

List gegen Brutus
Gut, dass List nicht
wusste gegen wen er da antreten musste. List kam mit einer ausgeglichenen
Stellung ausgezeichnet ins Mittelspiel. Sicher ein Verdienst von Erdogan Günes,
der mir im Vorfeld erklärte, das man gegen Brutus unbedingt scharfe forcierte
Systeme vermeiden muss. Obwohl erwartet wurde, dass Brutus List ausmanövriert,
konnte List seinen geringen Vorteil festhalten und im weiteren Partieverlauf
nach einigen merkwürdigen Manövern von Brutus ausbauen. Letztendlich gab die
Position nicht mehr als ein Remis her und Brutus verlor im Titelrennen einen
wertvollen halben Punkt.
Fritz und
Shredder führen momentan das Turnier ungefährdet an und es läuft wohl auf ein
direktes Duell zwischen den beiden Programmen hinaus. Entscheidend wird für den
Turnierausgang sein, wer am sichersten die Punkte gegen die vermeintlich
schwächeren Programme macht.
Fritz-Autor
Frans Morsch stand mir freundlicherweise für ein kurzes Interview zur Verfügung.
Frage: Frans.
Wie gefällt es Dir hier in Graz ?
Antwort: Graz
ist wunderschön. Bisher hatten wir tolles Wetter, am meisten fasziniert mich
aber die hervorragende steirische Küche.

Die gute Küche
Frage: Du
nimmst seit 1986 in Köln regelmässig an Weltmeisterschaften teil und kannst Dir
ein Urteil über die Organisation erlauben. Wie findest Du die Ausrichtung des
Turniers in Graz ?
Antwort: Ich
habe noch nie ein solch gut durchorganisiertes Turnier erlebt. Es gibt keinen
Grund, etwas zu bemängeln. Die Spielbedingungen sind so hervorragend, daß ich
mich als Teil von der Weltkulturstadt Graz 2003 fühle.
Frage:
Nach dieser Runde liegst Du zusammen
mit Shredder in Führung und
es sieht danach aus, dass der Titel zwischen Euch beiden ausgespielt wird. Wie
beurteilst Du den Turnierverlauf für Fritz ?
Antwort: In
den vergangenen Jahren haben wir immer versucht, die Amateurprogramme mit
taktischen Mitteln zu schlagen. Diese Strategie war uns für dieses Jahr zu
gefährlich, weil man damit erhebliche Risiken eingeht. In den vergangenen
Turnieren hat uns diese Methode einige Punkte gekostet. Die neue Version spielt
jetzt hervorragendes positionelles Schach, wie z.B. der konsequent umgesetzte
Sieg gegen Shredder bewiesen hat.
Frage:
Resultieren die offensichtlich deutlich verbesserten strategischen Leistungen
auch aus der Vorbereitung von dem Match gegen Kasparov ?
Antwort: Ja,
das ist richtig. Ich strebe jetzt konsequent danach, das Programm in
strategischer Hinsicht auf das gleiche Niveau wie im taktischen Bereich zu
bringen. Ich bin davon überzeugt, daß nur über Verbesserungen im positionellen
Spiel weitere Leistungssteigerungen möglich sind. Mit den beim Turnier
gezeigten Leistungen bin ich sehr zufrieden.
Frage:
Welches Gefühl ist es für einen Schachprogrammierer, wenn das eigene Geisteskind
gegen den stärksten Schachspieler der Welt, eben Kasparov, antritt ?
Antwort: Was
soll ich sagen ? Gegen Kasparov zu spielen war einfach das Größte !!!

Zuschauer im Dom im Berg