Glanzpartie im Königsinder
"Eine der besten Königsindisch-Partien, die ich je gespielt habe", meinte Sindarov anschließend im Interview mit Maurice Ashley. Im Angriff opferte Sindarov rechts, links und in der Mitte und gewann mit typisch königsindischen Motiven.
Sindarov im Interview mit Maurice Ashley
Den Turniersieg verdankt Sindarov einem starken Schlussspurt, guten Nerven und dem besonderen Clutch Chess Wertungssystem. Bekanntlich gibt es beim Clutch Chess am dritten und letzten Tag für einen Sieg drei Punkte, für ein Remis einen Punkt – und das half Sindarov. Vor dem letzten Turniertag lag er zweieinhalb Punkte hinter dem führenden Praggnanandhaa, doch am dritten Tag spielte er mit drei Siegen und drei Remis erfolgreicher als an den beiden Tagen zuvor und lag am Ende anderthalb Punkte vor Praggnanandhaa.
Allerdings blieb das Turnier bis zur Schlussrunde spannend. Vor der letzten Runde lag Sindarov einen halben Punkt vor Praggnanandhaa und musste mit Weiß gegen Nakamura spielen. Praggnanandhaa hatte Schwarz gegen Caruana. Mit einem Sieg gegen Nakamura hätte Sindarov das Turnier aus eigener Kraft gewinnen können, doch er verzichtete darauf, mit Weiß krampfhaft auf Gewinn zu spielen, und hatte nichts gegen ein ungefährdetes Remis in der Berliner Verteidigung.
Eine riskante Strategie, denn damit konnte Praggnanandhaa mit einem Sieg gegen Caruana noch an ihm vorbeiziehen und das Turnier gewinnen.

Praggnanandhaa hatte bis zum Schluss gute Chancen auf den Turniersieg | Foto: Lennart Ootes
Und zunächst schien Praggnanandhaa auch auf einem guten Weg zu sein, denn in einer zweischneidigen Stellung hatte er mit Schwarz durchaus Angriffschancen. Doch dann übersah er eine taktische Möglichkeit und verlor seine Dame.

Mit seinem Sieg gegen Praggnanandhaa sicherte Caruana Sindarov den Turniersieg | Foto: Lennart Ootes
Praggnanandhaa spielte nach dem Damenverlust noch ein paar Züge weiter, konnte die Partie aber nicht mehr retten – Sindarov hatte das Turnier gewonnen!
Für Sindarov war es das letzte Turnier vor seinem WM-Kampf gegen Gukesh, der am 24. November in Genf beginnt. In Saint Louis landete er vor drei der besten Spieler der Welt, gewann 168.000 Dollar an Preisgeldern und Prämien, zeigte Nervenstärke, beeindruckendes Schach und sammelte Selbstvertrauen für das wichtigste Match seines Lebens. "Saint Louis war fantastisch", sagte Sindarov zum Abschied.
| Platz | Spieler | Punkte |
|---|---|---|
| 1 | Javokhir Sindarov | 20½ |
| 2 | Praggnanandhaa Rameshbabu | 19 |
| 3 | Fabiano Caruana | 16½ |
| 4 | Hikaru Nakamura | 12 |

Selfie mit dem Turniersieger | Foto: Lennart Ootes