Sindarov triumphiert mit Glanzpartie in Saint Louis

von Johannes Fischer
30.10.2026 – Der vielleicht nächste Weltmeister Javokhir Sindarov präsentierte sich vor seinem WM-Kampf gegen Gukesh im November in glänzender Form: Er gewann das Clutch Chess-Turnier in Saint Louis mit einem starken Endspurt und einer Glanzpartie im Königsinder, die das Zeug zu einem Klassiker hat. | Foto: Lennart Ootes / Saint Louis Chess Club

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Glanzpartie im Königsinder

"Eine der besten Königsindisch-Partien, die ich je gespielt habe", meinte Sindarov anschließend im Interview mit Maurice Ashley. Im Angriff opferte Sindarov rechts, links und in der Mitte und gewann mit typisch königsindischen Motiven.height="1"

Sindarov im Interview mit Maurice Ashley

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Die Königsindische Verteidigung ist seit Jahrzehnten eine der dynamischsten und beliebtesten Antworten auf 1.d4. Spieler wie Garri Kasparow, Bobby Fischer oder Hikaru Nakamura haben sie auf höchstem Niveau eingesetzt – und sie begeistert bis heute, weil sie Schwarz nicht nur solides Spiel, sondern auch reiche Angriffs- und Gegenspielmöglichkeiten bietet. Der besondere Vorteil: Königsindisch ist ein universelles System, das sich gegen 1.d4, 1.c4 und 1.Sf3 gleichermaßen anwenden lässt. Großmeister Felix Blohberger, mehrfacher österreichischer Meister und erfahrener Sekundant, präsentiert in dieser zweiteiligen Reihe ein vollständiges Repertoire für Schwarz. Sein Ansatz: praxisnah, verständlich, flexibel – statt seitenlanger Theoriewüsten gibt es klare Konzepte und leicht erlernbare Strategien.
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Den Turniersieg verdankt Sindarov einem starken Schlussspurt, guten Nerven und dem besonderen Clutch Chess Wertungssystem. Bekanntlich gibt es beim Clutch Chess am dritten und letzten Tag für einen Sieg drei Punkte, für ein Remis einen Punkt – und das half Sindarov. Vor dem letzten Turniertag lag er zweieinhalb Punkte hinter dem führenden Praggnanandhaa, doch am dritten Tag spielte er mit drei Siegen und drei Remis erfolgreicher als an den beiden Tagen zuvor und lag am Ende anderthalb Punkte vor Praggnanandhaa.

Allerdings blieb das Turnier bis zur Schlussrunde spannend. Vor der letzten Runde lag Sindarov einen halben Punkt vor Praggnanandhaa und musste mit Weiß gegen Nakamura spielen. Praggnanandhaa hatte Schwarz gegen Caruana. Mit einem Sieg gegen Nakamura hätte Sindarov das Turnier aus eigener Kraft gewinnen können, doch er verzichtete darauf, mit Weiß krampfhaft auf Gewinn zu spielen, und hatte nichts gegen ein ungefährdetes Remis in der Berliner Verteidigung.

Eine riskante Strategie, denn damit konnte Praggnanandhaa mit einem Sieg gegen Caruana noch an ihm vorbeiziehen und das Turnier gewinnen.

Praggnanandhaa Rameshbabu

Praggnanandhaa hatte bis zum Schluss gute Chancen auf den Turniersieg | Foto: Lennart Ootes

Und zunächst schien Praggnanandhaa auch auf einem guten Weg zu sein, denn in einer zweischneidigen Stellung hatte er mit Schwarz durchaus Angriffschancen. Doch dann übersah er eine taktische Möglichkeit und verlor seine Dame.

Fabiano Caruana

Mit seinem Sieg gegen Praggnanandhaa sicherte Caruana Sindarov den Turniersieg | Foto: Lennart Ootes

Praggnanandhaa spielte nach dem Damenverlust noch ein paar Züge weiter, konnte die Partie aber nicht mehr retten – Sindarov hatte das Turnier gewonnen!

Für Sindarov war es das letzte Turnier vor seinem WM-Kampf gegen Gukesh, der am 24. November in Genf beginnt. In Saint Louis landete er vor drei der besten Spieler der Welt, gewann 168.000 Dollar an Preisgeldern und Prämien, zeigte Nervenstärke, beeindruckendes Schach und sammelte Selbstvertrauen für das wichtigste Match seines Lebens. "Saint Louis war fantastisch", sagte Sindarov zum Abschied.

Endstand

Platz Spieler Punkte
1 Javokhir Sindarov 20½
2 Praggnanandhaa Rameshbabu 19
3 Fabiano Caruana 16½
4 Hikaru Nakamura 12

Javokhir Sindarov mit einem Schachfan

Selfie mit dem Turniersieger | Foto: Lennart Ootes

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Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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