Sinquefield Cup, Runde 5: Siege für MVL und Xiong

von Klaus Besenthal
22.08.2021 – Auch nach der 5. Runde des Sinquefield Cups in Saint Louis stehen drei Spieler punktgleich an der Tabellenspitze, jedoch musste Fabiano Caruana aufgrund einer Niederlage gegen Jeffery Xiong seinen Platz in diesem Trio an Maxime Vachier-Lagrave abtreten. Der Franzose konnte seinen eine Runde zuvor erlittenen Rückstand dank eines Sieges gegen Dariusz Swiercz wieder wettmachen. Ihren Platz in der Führungsgruppe behalten haben Wesley So nach einem Remis gegen Richard Rapport und Leinier Dominguez, der gegen Shakhriyar Mamedyarov ebenfalls unentschieden gespielt hat. Fortgesetzt wird das Turnier am Montag (22 Uhr) mit der 6. Runde. | Foto: Lennart Ootes

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Sinquefield Cup 2021

In der Partie gegen Jeffery Xiong stand Caruana als Schwarzer zunächst sehr gut, beging dann aber eine Reihe von Fehlern, wie man sie eigentlich nicht von ihm kennt. Xiong seinerseits benötigte mehrere Anläufe, bevor er endlich von den Problemen seines Gegners profitieren konnte:

 

Der 20-jährige Jeffery Xiong hat einen der ganz Großen bezwungen | Foto: Lennart Ootes 

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Für Dariusz Swiercz wurde die Partie gegen Maxime Vachier-Lagrave schwierig, als der Turm des Franzosen auf die 7. Reihe eingedrungen war:

 

Maxime Vachier-Lagrave hat sich an der Tabellenspitze zurückgemeldet | Foto: Lennart Ootes

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Drei (schnelle) Remisen

Die interessanteste dieser drei Remispartien war die zwischen Shakhriyar Mamedyarov und Leinier Dominguez. Im angenommenen Damengambit spielte Mamedyarov zunächst den ungewöhnlichen Zug 7.Te1 und opferte kurze Zeit später den Isolani auf d4. Dominguez war daraufhin längere Zeit in der Defensive - bis er den Mehrbauern zurückgab, um endlich seinen Lc8 entwickeln zu können. Es entstand ein vollkommen ausgeglichenes Turmendspiel, das die Spieler durch eine dreimalige Stellungswiederholung beendeten, weil Remisen bei der Grand Chess Tour nicht vereinbart werden dürfen. 

Leinier Dominguez ist mit 3,5/5 weiterhin Teil des Führungstrios | Foto: Lennart Ootes

Die Partie zwischen Wesley So und Richard Rapport dauerte nur 17 Züge. Beendet wurde sie durch eine dreimalige Stellungswiederholung: Ein schwarzer Springer attackierte die weiße Dame, diese wich aus, wurde erneut vom Springer angegriffen usw.

Wesley So hatte sich nicht hundertprozentig fit gefühlt - "too much coffee" | Foto: Bryan Adams

Ganz ähnlich endete auch die Partie von Peter Svidler gegen Sam Shankland, nur dass hier, kurz nach dem 20. Zug, die schwarze Dame dauerhaft von einem weißen Springer behelligt wurde.

Peter Svidler bleibt nach dem Remis gegen Sam Shankland am Tabellenende | Foto: Lennart Ootes

Ergebnisse der 5. Runde

 

Tabelle

 

Partien

 

Turnierseite


Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.
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schachkwak schachkwak 23.08.2021 06:11
Ich vermute, dass hier manche die Kommentare von Klaus Besenthal allgemein nicht mögen? Geht es nicht nur um diesen Kommentar, sondern allgemein, dass ein "Amateur" zu Profizügen seine Meinung sagt? Z.B. "Aber nach diesem Zug verflüchtigt sich der Vorteil. Er lässt die schwarze Struktur recht statisch werden." ist ganz klar eine Meinung (der 2. Satz).

Ich möchte mich dem ganz explizit nicht anschließen und finde das gut. Natürlich - wer sich so weit aus dem Fenster lehnt, der muss auch mal mit Kritik leben. Der Artikel muss nach endlicher Zeit raus. Irgendwo wird man einen Kommentar finden, wo statt "... hält die Remisbreite", was weniger erzählt, aber garantiert richtig ist, ein "... bleibt ... alles gedeckt" steht, was in so einer dynamischen Stellung etwas unglücklich ist. Aber ich mag es, wenn Computerstellungen eine menschliche Interpretation bekommen. Und wer sich mit seinen Kommentaren mutig aus dem Fenster lehnt, wird auch mal daneben liegen.

Fehlkommentare können übrigens auch Supergroßmeistern passieren. Niemand weiß, was sich ein Spieler bei Zügen wirklich gedacht hat, außer er selbst. Die Wahrheit über Züge wird heutzutage am besten durch Engines ermittelt. Auch ein sehr guter Spieler kann mit seiner menschlichen Interpretation daneben liegen. Der Spielstärke-Abstand ist auch bei einem Supergroßmeister immens. Wichtiger finde ich, dass eben versucht wird, die Stellungen zu interpretieren und menschlich verständlich zu beschreiben. Egal bei wem - das wird regelmäßig auch anders zu interpretieren sein. Naja - so ist das halt.

Für mich ganz klar - danke, Klaus Besenthal. Mir bringen solche Kommentare etwas, auch wenn natürlich geschaut werden muss, dass du (im Forum wird geduzt) nicht übertreibst.
LionJo LionJo 23.08.2021 05:09
Ich glaube, nicht nur die Top 10 haben ein gutes Schachverständnis. Da gibt es weit mehr, die eine Partie angemessen kommentieren könnten, aber da sie es wohl nicht ohne Honorar tun würden, verstehe ich, dass man das nicht immer machen kann. Mir geht es auch nicht um eine persönliche Kritik an jemandem, sondern um die rein computerorientierten Berichte, die ich hier seit einiger Zeit lese und die dann zu solchen berechtigten Anmerkungen wie der ersten in dieser Diskussion führen. Der Computer kann in einer Variante + 2 anzeigen und in der anderen -2. Der Weltklassespieler wirkt dann wie ein kompletter Vollidiot, wenn er die falsche Variante wählt. Aber die Unterschiede sind manchmal sehr fein und schwer zu entdecken. Deswegen entsteht beim nicht ganz so kundigen Leser ein völlig falsches Bild, wenn man bei der besseren Variante einfach banale Sätze schreibt wie: "Hier ist alles gedeckt.", obwohl es in der fraglichen Stellung auch um die Themen Fesselung und Abzug geht. Deswegen mein Vorschlag: entweder eine richtige Analyse oder die bloße Wiedergabe der Computeranzeigen, garniert mit ein paar Hervorhebungen der zentralen Züge. Letzteres ist ja OK, aber dann sollte man es auch dabei belassen.
Peter Heil Peter Heil 23.08.2021 01:36
@LionJo: Ich halte Ihre Kritik an Herrn Besenthal für zu hart.

Es liegt in der Natur des Schachs, dass je höher die Spieltärke, umso mehr/besser gesehen wird. Letztlich sollte man jede Analyse überprüfen/hinterfragen.

Nach Ihrer Logik dürften dann nur Analysen von den Top 10 der Weltrangliste etwas wert sein.
LionJo LionJo 23.08.2021 01:40
Naja, es ist für viele Leser sicher verwirrend, wenn ein Autor, der selbst nur mäßig begabter Schachspieler ist, versucht, die Computerbewertungen zu kommentieren. Da kommt dann meistens nichts Vernünftiges raus. Deswegen sollte man das vielleicht lassen und einfach nur die Bewertungen der Engine übermitteln. Wenn man eine Partie wirklich analysieren will, muss man auch auf Varianten eingehen, die der Computer nicht anzeigt, aber in den Gedanken der Spieler sind. Sonst versteht es der Leser nicht. Warum ist denn die Stellung für Caruana nach 34. ... Td8?? verloren? Weil in der Schlussstellung nach 36. Tf6 die Deckung des Sf7 weder mit dem König noch mit dem Turm funktioniert. Denn dann kommt 37. Txf7 und ein tödlicher Springerabzug nach g5 oder d2 (letzteres übrigens auch nach dem Zwischenschach auf b1, so sehe ich es hoffentlich richtig ohne Hilfe eines Engines). Irgendwas in der Variante hat Caruana im 34. Zug übersehen, sonst hätte er sicher die andere Variante mit ...Txd3 und e4 gespielt, denn viele weitere Optionen hatte er ja nicht. So, das ist die Geschichte des Partieendes, aber das kommt natürlich nicht richtig raus, wenn einfach irgendein Kommentar anhand einer Enginebewertung veröffentlicht wird. Dann eben lieber nur die Enginebewertung, und der Leser muss sich seine eigenen Gedanken machen.
schachkwak schachkwak 23.08.2021 12:41
Klar kann man eventuell noch genauer erzählen, warum es kaputtgeht und wie man das erkennen kann. Ich habe auch nie geschrieben, dass die Varianten einfach zu finden sind. Aber schaut mal in die Chessbase-Videos. Auch Super-GMs erklären das teilweise nicht genauer.

Ja, man gibt einen Springer und bekommt alle Bauern. Es ist auch die Frage, ob man als Mensch den Zug 36. ... e4 als so stark einschätzen kann, dass man da genug Energie in die Überprüfung steckt. Ich habe auf Lichess manchmal eine Taktikwertung von bis zu 2500 (ziehe aber teilweise auch recht schnell - das mache ich nicht im Turniermodus, auch mit anderen Accounts -- und außerdem: Blitz und Bullet kann ich nicht spielen, weil ich gerade keine Maus anschließe). Kann man zur Nahschachtaktikstärke mal locker über 500 Punkte abziehen. Also ich hätte den e4 glaube ich nicht gefunden, auch wenn Tf6 schon dasteht.

Trotzdem - Elisabeth Pähtz erzählt etwas, dass Bauernendspiele nicht intuitiv spielbar sind. Ich würde behaupten, das gilt auch für diese Stellung. Deshalb finde ich es komplett daneben, hier Schachverständnis vom Autor zu fordern und gleichzeitig nichts konstruktives zu erzählen, wie das denn aussehen sollte.

Ganz objektiv hat der Autor recht. Und auf der Topebene muss man genau das verlangen. Von einem Fußballreporter verlangt man auch nicht, dass er den auch reinmacht, auch wenn er sagt, dass das ganz schön blöd verstolpert war. Und das hat der Autor hier nicht mal gemacht. Objektiv hätte er 34. ... Td8?? schreiben müssen, weil der Zug die Wertung ändert. Hat er aber nicht.
LionJo LionJo 22.08.2021 08:21
Der Kommentator hat selbst ein Rating von um die 2000. Man kann hier kein tiefgreifendes Schachverständnis erwarten. Er kann nur die Bewertung der Engine wiedergeben. Um die Hintergründe muss man sich selbst kümmern, und da gab es in der Tat eine Menge Taktik in der einfach aussehenden Stellung. Diese Taktikmotive, die im Kopf des menschlichen Spielers herumgehen, zeigt der Computer leider nicht an, wenn das Ergebnis zu eindeutig ist, und das ist immer das Problem bei reinen Computeranalysen. Die Variante von schachkwak mag objektiv betrachtet remis halten, aber Caruana hätte da erstmal eine Figur geben müssen, und natürlich sucht man da was Besseres. Bei der Variante, die er gespielt hat, muss er was übersehen haben. Wahrscheinlich die Gefährlichkeit der Turmschaukel g6 und f6.
schachkwak schachkwak 22.08.2021 02:29
Ab einem gewissen Niveau geht es um Objektivität. Es müssen ein paar einzige Züge gefunden werden und danach ist es Remis. Es muss hier einfach korrekt gerechnet werden. Das kannst du gerne überprüfen, indem du auf den Lüfter drückst. Das aktiviert den Lüfter deines Laptops (indem recht bekannter und teilweise gern geklauter Open-Source-Code in deinem Browser ausgeführt wird).

Natürlich wird sich Caruana auch fragen, wie er eine solche Drucksituation in Zukunft vermeidet, aber er wird sich auch genau ansehen, warum er hier nicht den korrekten Zug gespielt hat.

34...Txd3= 35.Tg6+
(35.Tf6 e4 36.Sxg5 Txg3+ 37.Tg2 Txg2+)
(35.Kg2 Txd5)
35...Kh7 36.Tf6 Hier bleibt, anders als in der Partie, alles gedeckt.
e4 wohl mit Abstand bester Zug
z.B. 37.Se1 Txg3+ 38.Kh2 Te3 39.Txf7+ Txf7 40.Txf7+ Kg6 41.Tf1 Te2+ 42.Sg2 Td2 43.Kg3 Txd5
BayerischerSchweizer BayerischerSchweizer 22.08.2021 12:14
Ich will ja nichts sagen, aber der Kommentar in der Caruana Partie 36.Rf6 "es bleibt alles gedeckt" zeigt sehr geringen/keinerlei Schachverständnis. Die schwarze Stellung steht sehr unter Druck. HIer auf die Engine zu schauen und zu sagen "es ist alles gedeckt" naja... das ist einfach kompletter Unsinn.
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