Sommerschach auf Korfu

16.09.2009 – Es gibt viele Gründe, im Sommer nach Griechenland zu fahren, nicht zuletzt, um dort Schach zu spielen. Insgesamt 15 Sommer-Open wurden dort in diesem Jahr veranstaltet, als letztes das Schachfestival in Korfu, das in diesem Jahr seine neunte Auflage feierte. Vor dem eigentlichen Turnier, das auf der Bühne des örtlichen Theaters in Szene gesetzt wurde, warben die Veranstalter mit einer großen Simultanparty mitten in der Fußgängerzone der Stadt für das Schach. Neben anderen spielte der einzige auf Korfu geborene Großmeister Spyridon Skembris simultan gegen 40 Teilnehmer. Auch wenn das Turnier selbst in diesem Jahr eher in kleinerem Rahmen stattfand, möchte man wieder an die große Schachtradition der Insel anknüpfen - schließlich wurde hier einst der erste Schachklub Griechenlands gegründet. Bettina Trabert berichtet.Turnierseite...Bericht, Bilder, Partien...

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Schachfestival in Korfu
Von Bettina Trabert

Während alle von der Krise reden, ist das Schachleben in Griechenland noch – oder zum Teil wieder – äußerst lebendig. Als letztes in der Reihe von 15 griechischen Sommer-Opens wurde im September das 9. Schachfestival von Korfu ausgetragen, wie schon vor zwei Jahren in Kooperation mit dem deutschen Chess-Org-Organisator Jürgen Wempe. Auch wenn diesmal noch alles in relativ kleinem Rahmen verlief, soll dies der Beginn einer regelmäßigen Turnierserie sein, um die alte Schachtradition von Korfu wieder aufleben zu lassen – schließlich wurde hier der erste Schachclub Griechenlands gegründet, und vor genau 20 Jahren fand das erste stark besetzte internationale Open von Korfu statt, wonach in den 90er Jahren auch diverse Weltklassespieler – darunter Karpow, Kasparow, Timman und die Polgar-Schwestern – die Insel besuchten.

Ganz so große Namen waren diesmal zwar nicht dabei, aber die Auftaktveranstaltung erregte dennoch einiges Aufsehen und wurde mehrfach im lokalen Fernsehen ausgestrahlt: Ein Simultan mitten in der Fußgängerzone, an einem der belebtesten Plätze der Stadt.



Die erste Mannschaft von Korfu wartet auf das Uhrensimultan gegen Arkadij Rotstein, den Open-Sieger von 2007.

Letzte Besprechungen vor dem Start…



…und die Partien (und Arkadij) laufen. Auch wenn sie hier besonders sorgenvoll dreinschauen, schafften Alexandros Georgiadis (links) und Manos Nathanail (Mitte) beide mit Schwarz ein Remis.

Auf der anderen Seite drehte währenddessen Spyridon Skembris, der einzige auf Korfu geborene Großmeister, seine Runden: Er trat gegen insgesamt 40 Spieler an.

In der Zwischenzeit spielte ich selbst einen Mini-Wettkampf mit zwei Schnellschach-Partien gegen die amtierende griechische Meisterin Marina Makropoulou, der nach zwei ausgekämpften Remisen 1-1 ausging.



Trotz des Wahlkampfes (in Griechenland wird Anfang Oktober gewählt) fanden auch die Politiker Zeit zu kommen. Während Mr. Skourtis als Repräsentant der Präfektur Korfu für mich e2-e4 ausführen wird, erklärt Marina dem Vize-Bürgermeister der Stadt Korfu, Mr. Kouris, gerade ihren Gegenzug: e7-e5.
 



GM Skembris ließ sich beim Simultan nur ein einziges Remis abknöpfen – und das gelang Prof. Döhner aus Siegen! Der 79-jährige hat übrigens ein Stück Schachgeschichte mitgeschrieben: 1970 gehörte er zu den Organisatoren der Schacholympiade in Siegen.



Am nächsten Tag zog man dann um auf die Bühne des städtischen Theaters. Wie man sieht, blieb allerdings der eine oder andere Zuschauerplatz leer – hier ist noch einiges an Werbung zu tun!



Der Beginn der ersten Runde. Viele kamen nach Korfu, um Urlaub zu machen und ein wenig Schach zu spielen, aber ein paar kamen (auch), um das Turnier zu gewinnen:

Arkadij Rotstein aus Köln, der Sieger des Opens von 2007.



Auch Alexander Karpatschew gefällt es gut in Korfu: 2007 gewann er hier das geschlossene GM-Turnier.

Zum ersten Mal in Korfu: Die ukrainische Schachlegende Oleg Romanischin. Einer der hiesigen Schachfreunde fragte ehrfürchtig: Ist das wirklich der Romanischin aus den Büchern?

Und schließlich Hristos Banikas, amtierender griechischer Meister und Nummer 1 der Setzliste. Bei einem relativ schwachen Mittelfeld waren die Partien zwischen den Favoriten natürlich von großer Bedeutung:



Nein, dies ist noch nicht ganz die entscheidende Partie. Aber auch wenn die 11-jährige Eleni Tsolaki mit Elo 1700 hier recht schnell gegen GM Karpatschew verlor, schlug sie im weiteren Verlauf unter anderen einen echten 2200er und kam insgesamt auf 4 Punkte.

Hier nun das passende Bild: Eine der vorentscheidenden Partien, Banikas - Rotstein, die zugunsten des griechischen Meisters ausging. Man beachte auch das (erlaubte) Doping mit „Frappé“ – dem im Sommer sehr beliebten griechischen Eiskaffee.



Nachdem Banikas noch eine etwas wacklige Partie gegen den deutschen IM Dieter Morawietz zum Sieg drehen konnte, kam es zum erwarteten Siegertrio: 1. Banikas (Mitte), 2. Karpatschew (links) und 3. Romanischin.



Alexandra Stiri, Mitglied der griechischen Frauennationalmannschaft, sicherte sich den Damenpreis im Open.



Den Seniorenpreis teilten sich Nikos Skalkotas – ein Urgestein des griechischen Schachs und langjähriger Nationalspieler – sowie der Siegener Prof. Hans-Jürgen Döhner, die beide auf 6 Punkte kamen.

Daneben gab es zahlreiche Rating- und Jugendpreise: Einen davon (einen Ratingpreis) gewann auch Mitorganisator Jürgen Wempe, der sich hier nach getaner Arbeit gemeinsam mit Spiros Skembris im Garten des Hotels Bella Venezia vor dem hoteleigenen Freiluftschach erholt (das bei aller Schachbegeisterung bei dieser Gelegenheit allerdings nicht zum Einsatz kam).
 



Der Turnierdirektor und Präsident des Schachclubs, Ioannis Revithis, spielte zwar nicht im Turnier mit, nutzte aber immerhin jede freie Minute, um die Spieler zum Blitz herauszufordern (hier WGM Marina Makropoulou).
 



Ex-Präsident Alex Koskoros hielt sich dagegen eher im Hintergrund, brachte die Spieler aber mit täglich wechselnder T-Shirt-Philosophie, sowie mit seinen eilends nach Beendigung der Partien angefertigten Rybka-Analysen des Öfteren zum Nachdenken.



Allein der in einer computerfreien Zeit aufgewachsene GM Oleg Romanischin zeigte sich von den Computer-Analysen meist wenig beeindruckt und bestand darauf, dass die Computer nicht verstünden, um was es geht, und zu oft die relevanten Varianten außer Acht ließen. Dafür erklärte er sich jederzeit bereit zu einer ausführlichen Analyse am Brett (hier nach seiner Partie mit Alexandra Stiri).

Dank des relativ späten Partiebeginns um 18 Uhr nahmen die meisten Spieler die Gelegenheit wahr, morgendliche Ausflüge mit dem Auto, Bus, Fahrrad oder auch zu Fuß zu machen. Hier noch ein kleiner Stadtrundgang durch die Altstadt:



Der Spianada-Platz (direkt neben den Arkaden, wo das Simultan stattfand) ist der größte und vielleicht auch schönste Platz Griechenlands. Am Wochenende muss er oft für offizielle Kricket-Turniere herhalten. (Und falls Sie dabei jemand sehen, der wie Nigel Short aussieht, ist er es wahrscheinlich wirklich: Der in Athen lebende GM war schon häufiger als Kricket-Spieler in Korfu aktiv!)

Der ehemalige Palastgarten am Ende des Spianada-Platzes.

Direkt gegenüber der Stadt liegt die alte Festung, in der heute Teile der Universität untergebracht sind.



Auf dem Weg zum Theater kommt man am Rathausplatz vorbei.

Ein Blick auf Korfu in der Abendsonne.

 

 

 

 

 

 

 

Rk.   Name FED Pts.  TB1   TB2 
1 GM Banikas Hristos GRE 7,5 0,5 39,5
2 GM Karpatchev Aleksandr RUS 7,5 0,5 39,0
3 GM Romanishin Oleg M UKR 7,0 0,5 38,5
4 GM Rotstein Arkadij GER 7,0 0,5 37,5
5 GM Skembris Spyridon GRE 6,5 0,0 35,0
6 IM Morawietz Dieter GER 6,0 0,0 33,0
7   Delithanasis Dimitrios GRE 6,0 0,0 32,5
8   Simeonidis Ioannis GRE 6,0 0,0 31,5
9 IM Skalkotas Nikolaos GRE 6,0 0,0 31,0
10 FM Pountzas Hrisanthos GRE 6,0 0,0 31,0
11   Akstinat Sven-Holger GER 6,0 0,0 29,5
12   Doehner Hans-Juergen Prof GER 6,0 0,0 29,0
13 FM Gazis Efstathios GRE 5,5 0,0 33,0
14 WIM Stiri Alexandra GRE 5,5 0,0 31,5
15   Grapsa Georgia GRE 5,5 0,0 28,5
16   Hoffmann Ekkehard GER 5,5 0,0 28,5
17   Wempe Juergen GER 5,5 0,0 28,0
18   Sigkounas Alkis GRE 5,5 0,0 25,5
19   Giahos Gerasimos GRE 5,5 0,0 25,5
20   Georgiadis Alexandros GRE 5,5 0,0 25,5
21   Meertens Martin GER 5,5 0,0 24,0

... 66 Spieler

Quelle: chess-results

 

 

 

 


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