Sonne über Wijk

16.01.2011 – In Wijk aan Zee ist der Frühling ausgebrochen. Am heutigen Sonntag schien die Sonne, warm war es auch. Einige Einwohner schoben ihre Pferde aus den Ställen und machten einen Ausritt. Im De Moriaan war das Gedränge noch größer als sonst. Ca. 1500 Spieler sind in den verschiedenen Turnieren aktiv. Am freien Tag nutzen viele Schachfreunde die Gelegenheit, einmal selbst als Zuschauer die Atmosphäre beim Tata Steel Chess Tournament zu erleben. Nicht nur aus den Niederlanden, auch aus Deutschland und Belgien waren Schachfans angereist. Wie der Zufall es wollte, war der heutige Tag schachlich nicht so erlebnisreich wie andere Runden. Recht viele Partien endeten bald remis. Doch es gab trotzdem noch genug zu sehen und ein Erlebnis war es allemal. Mehr...

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Sonne über Wijk
Von André Schulz
Fotos: André Schulz, Fabrice Wantiez

Am zweiten Turniertag ist die Sonne über der niederländischen Küste aufgegangen. Sonne - für alle, die es vergessen haben - ist ein großer gelber Ball, der viel Licht gibt und auch etwas Wärme, selbst wenn die Erde, zumindest aus Sicht der Nordhalbkugel nicht ganz optimal steht.


Hotel Zeeduin: Hier wohnen die Spieler der A-Gruppe

Wer ein Pferd hat, nutzte die Gelegenheit für einen kleinen Ausritt zum Strand.

Die Pferdelosen ließen dort wenigstens ihre Drachen im immer noch zackigen Wind steigen.


Im Horse Club kann man sein Pferd tränken


Die Sonne lacht über Wijk. Hinten sieht man Tata Steel






Die Hauptstraße





Eingang zum alten Music Club


Das Gedränge im De Moriaan war am Sonntag noch etwas größer als gestern, denn viele nutzten den freien Tag zu einem Besuch beim Schachturnier.


Die Position auf dem Tisch zeigt eine berühmte Partie, die in Wijk gespielt wurde. Welche?


Yasser Seirawan hat immer viel zu erzählen. Hier geht es um jemanden, der ungespitzt in den Boden gerammt ...


... und dort auch noch fest gedübelt wurde.

In der A-Gruppe traf Alexei Shirov auf Magnus Carlsen. Natürlich hatte Shirov den Zug 22.Ld7, von ihm selbst auf seiner Spanisch-DVD als Verbesserung seiner Partie gegen Ivanschuk aus dem letztjährigen Turnier vorgeschlagen, in seiner gestrigen Partie gegen Jan Smeets nicht vergessen. Allerdings hatte er bei er Berechnung der nachfolgenden Komplikationen die einfache Wendung Tfxb2 übersehen. Heute gegen Magnus Carlsen wählte er als Antwort auf dessen 1...e5 die Schottische Partie, nicht eben Shirovs Hauptwaffe und sicher eine Überraschung für den Norweger.

Oft war Carlsen mit der Schottischen Partie noch nicht konfrontiert, einmal gegen Pavasovic vor sieben Jahren - hier im im Wijk C-Turnier. Shirovs 10.La3 ist nicht gerade die neueste Mode in der Variante. Nach 12...0-0-0 gibt es keine Vorbilder mehr. Carlsen versuchte das Zentrum gegen den unrochierten weißen König zu öffnen, Shirov es geschlossen zu halten. Am Ende wickelte der Weltranglistenerste ins Remis durch Dauerschach ab.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Levon Aronian gegen Hikaru Nakamuras Leningrader Variante schon mit einem Remisangebot die Partie abgeschlossen.

Mit dem seltenen 10.Tb1 konnte der Weltranglistendritte die schwarze Verteidigung nicht vor Probleme stellen.



12...d5=

Eine interessante Variante im Klassischen Nimzoinder spielten Viswanathan Anand und Vladimir Kramnik, wobei sie der Partie Ivanchuk- Morozevich, Reggio Emilia 2010/11 folgten. Anand erzwang zwar vorübergehend Qualitätsgewinn, musste den Materialvorteil aber kurz danach wieder hergeben. Bald danach war die Partie verflacht.

Mit einem raschen Remis in der heute nicht mehr allzu oft gesehenen Hauptvariante des Rubinsteinsystems der Nimzoindischen Verteidigung endete auch die Partie zwischen Ruslan Ponomariov und Erwin L'Ami. Etwas länger dauerte die Partie zwischen Alexander Grischuk und Maxime Vachier-Lagrave in dr Rossolimo-Variante, doch das Ergebnis war das gleiche.

Die spannendste Partie spielten Anish Giri und Jan Smeets auf dem Terrain der Botvinnik-Variante des Halbslawischen Damengambits. Er sei, so Smeets in der nachfolgenden Pressekonferenz, einer von zwei Spielern, die diese Variante noch spielen - der andere ist Shirov. Natürlich hatte der Niederländer die Partie erneut sehr weit vorbereitet - diesmal mit weniger Hilfe seines Sekundanten Jan Gustafsson.

Giri,A (2686) - Smeets,J (2662) [D44]

73rd Tata Steel GMA Wijk aan Zee NED (2), 16.01.2011

1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sf3 Sf6 4.Sc3 e6 5.Lg5 dxc4

[Heute spielen alle 5...h6 6.Lh4 Anti-Moskauer Variante 6...g5 7.Lg3 dxc4 8.e4 b5 usw.]

6.e4 b5 7.e5 h6 8.Lh4 g5 9.Sxg5 hxg5 10.Lxg5 Sbd7 11.exf6 Lb7 12.g3 c5 13.d5 Db6 14.Lg2 0–0–0 15.0–0 b4

Das ist praktisch die Grundstellung der Variante. 16.Sa4

[Die Alternative ist 16.Tb1 und nun z.B.: 16...Da6 17.dxe6 Lxg2 18.e7 Lxf1 19.Kxf1 19.Lxe7 20.fxe7 Tdg8 21.Se4 Txg5 22.Sxg5 Te8 23.De2 Dg6 24.Se4 Txe7 25.Te1 Kd8 26.Dxc4 Dg4 27.Dd5 f5 28.Da8+ Kc7 29.Dxa7+ Kc6 30.Da8+ Kc7 ½–½ Van Wely,L (2625)-Smeets,J (2601)/Wijk aan Zee 2009/CBM 129/[Krasenkow]]

bzw. 19.Dd5 Lh6 20.Lxh6 Ld3 21.Da8+ Sb8 22.exd8D+ Txd8 23.Te1 bxc3 24.Lf4 Db6 25.bxc3 Lf5 26.f3 Le6 27.g4 Ld5 28.Dxb8+ Dxb8 29.Lxb8 Kxb8 30.Kf2 Kc7 31.h4 Td6 32.Te7+ Td7 33.h5
1–0 Van Wely,L (2655)-Smeets,J (2537)/Leeuwarden 2005/CBM 110/[Lutz])  

16...Db5 17.a3 exd5 18.axb4 cxb4


 

19.Lf4 Ein neuer Versuch.

[19.Le3 Sc5 20.Dg4+ Td7 21.Dg7 Lxg7 22.fxg7 Tg8 23.Sxc5 Txg7 24.Ld4 Tc7 25.Sxb7 Tg6 26.Ta5 Dxb7 27.Lxd5 Db8 28.Le5 Db6 29.Lxc7 Dxc7 30.Tfa1 a6 31.Txa6 Txa6 32.Txa6 c3 33.bxc3 bxc3 34.Le4 Dc4 35.Lf5+ Kd8 36.Ta1 De2 37.Kg2 De5 38.Td1+ Ke7 39.Lb1 f5 40.h3 Kf6 41.Td3 De4+ 42.Kh2 De1 43.Tf3 Dxb1 44.Txc3 Df1 45.Tf3 Ke5 46.Tf4 ½–½ Bacrot,E (2721)-Carlsen,M (2772)/Dortmund 2009/CBM 131]

19...Lh6 20.Ld6!? Lf8 21.Le7 Lxe7 22.fxe7 Tde8 23.Dd4 Th6 Bis hier hatte Smeets nur ein paar Minuten verbracht, während Giri schon nicht mehr viel Zeit auf der Uhr hatte.

24.b3 Txe7 25.Tfc1 Se5 26.Sc5 c3 27.Txa7 Sc6 28.Dg4+ The6 "Danach hatte ich das Gefühl, dass etwas schief gelaufen war." (Giri)

29.Sxe6 fxe6 30.Ta4 Dc5 "Schwarz steht wohl schon besser", meinte Giri-Trainer Chuchelov. "Auf jeden Fall ist es sehr gefährlich".

31.Dg8+ Kd7 32.Lf1 d4 33.Lc4 Für die letzten Züge hat Smeets nun seinerseits viel Zeit investiert. Hier gab es eine Reihe von attraktiven Möglichkeiten, besonders, da Giri doch einigermaßen in Zeitnot war.

33...Sa5 [33...Se5!? 34.La6 Einziger Zug, von beiden gesehen, mit unklarer Situation.; 33...d3!? 34.Lxd3 Sd4 35.Ta8 ebenfalls mit unklaren Folgen.; 33...Dd6 "Am besten", Gustafsson]

34.Db8 Dc6 35.f3 Sxc4 [35...Dxf3 36.Lb5+ Lc6 37.Lxc6+ Sxc6 38.Ta7+ Sxa7 39.Dxa7+ Ke8 40.Db8+ Kd7=] 36.Txb4 [36.bxc4? Dxf3–+] 36...Sb6 37.Txd4+ Sd5 38.De5 Dc7 ½–½

In der A-Gruppe gab es eine einzige Entscheidung. Ian Nepomniachtchi besiegt Wang Hao mit den schwarzen Steinen in einer Anti-Grünfeld-Variante (3.f3), die schnell in eine Art Altindisch mündete.



Nach frühem Damentausch entschied am Ende ein schwarzer Damenflügelfreibauer die Partie.

In der B-Gruppe kam Luke McShane zum zweiten vollen Punkt und führt die Tabelle nun an. Shekhar Ganguly sorgte gegen Jon Ludvig Hammer für die zweite Entscheidung.

Lebendiger, zumindest was die Ergebnisse angeht, ging es in der C-Gruppe zu. Tania Sachdev, glückliche Siegerin der ersten Runde, zog diesmal gegen Kateryna Lahno den Kürzeren, obwohl die Inderin zwischendurch sehr aussichtsreich stand.


Vor der Partie


Vor zwei Jahren lief die Inderin auf der Fashion Week auf dem Catwalk


Kateryna Lahno hatte das bessere ende für sich

Sebastian Siebrecht, der gestern den vollen Punkt verschenkt, kam heute zum ersten Sieg gegen Mark van der Werf.


Sebastian Siebrecht

Schließlich kamen Mark Bluvshtein und Murtas Kashgaleyev gegen Darius Swiercz und Robin van Kampen zu ganzen Punkten.


Mark Bluvshtein


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