Sonne, Wein, Schach und Spass

30.07.2010 – Es gibt ein paar Großmeister, die man oft bei Siegerehrungen, aber selten lächeln sieht. Vielleicht sollten sie einmal nach Naujac sur Mer fahren. Dort liegt der Schachcampingplatz La Rochade und dort findet jedes Jahr das Wein-Open statt. Die Weingüter des Médoc sind nicht weit entfernt, das Meer ist ganz nahe und der Sieger des Turniers erhält kein Geld, sondern sein Gewicht in Wein. Beste Voraussetzungen für einen lustigen Schachurlaub. Das findet auch Evi Zickelbein, die beim 13. Wein-Open dabei war und einen Bericht mit vielen Fotos fröhlicher Menschen schickt.Webseite La Rochade...Zum Bericht...

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13. Wein-Open in Naujac sur Mer
Merijn van Delft gewinnt im fünften Anlauf das Wein-Opens in Naujac!

Von Evi Zickelbein


(Quelle: http://naujac2008.canalblog.com/)

In dieser kleinen französischen Gemeinde - Naujac sur Mer - fand nun schon zum 13. Mal das Wein-Open statt. In Naujac wohnen rund 750 Menschen und das Dorf hat alles, was man zum Leben so braucht: Rathaus, Schule, Kirche, Kneipe, Post. Bäcker, Fußballplatz und einen kleinen Lebensmittelladen, den ich allerdings noch nie offen gesehen habe. Das Wichtigste aber natürlich : Naujac hat den berühmtesten und besten Schachcampingplatz der Welt!



Der Camping La Rochade von Rike und Jules Armas liegt ca. 1,5 Kilometer vor dem Dorf in den Pinien- bzw. Birkenwäldern.

Die Familie Armas betreibt den Campingplatz schon seit 1994 und ich kenne eigentlich niemand, der sich bisher dem Charme der Hausherren, des Campingplatzes, des Wein-Opens und des herrlichen Meeres entziehen konnte: Wer einmal da war, kommt in der Regel wieder!


Die Schachfamilie in action: Siegerehrung fürs Schnellschachturnier mit der Familie Armas: Rike, Lara und Jules Armas (es fehlt auf diesem Foto: Lena Armas).

Zum Turnier:

In diesem Jahr gelang es Merijn van Delft endlich, das Wein-Open zu gewinnen!


Nach getaner Arbeit im Strandcafé, Merijn van Delft.

Merijn van Delfts Weg zum Turniersieg führte über eine Niederlage gegen seinen Freund Sebastian Siebrecht in der dritten Runde, drei darauf folgenden Siegen, zwei "Fußball-Remisen" - die Halbfinals Niederlande-Uruguay und Deutschland-Argentinien hatten einfach Priorität - und einem Schlussrundensieg gegen Antoine Favarel zu einem Score von 7 aus 9 und 73 Flaschen feinem Médoc-Wein auf der Waage!

Nach der Niederlage gegen Sebastian Siebrecht kämpfte sich Merijn van Delft mit drei Siegen in Folge an die Spitze zurück. Entscheidend dabei sein Sieg in der 6. Runde gegen den starken französischen Nachwuchsspieler Adrien Demuth (Elo 2397) - nicht zu vergessen natürlich sein Sieg gegen Eva Maria Zickelbein in der fünften Runde - in Naujac gibt es eigentlich fast jedes Jahr ein Familienduell!


Eva Maria Zickelbein gegen Merijn van Delft in der fünften Runde.

In diesem Jahr hatte die Berichterstatterin keine Chance gegen ihren Mann - im letzten Jahr war es durchaus knapp gewesen. Jedoch hatte sie es in der ersten Runde fertig gebracht, den jungen französischen IM Kevin Terrieux (Elo 2429) zu schlagen - die beste Performance in der ersten Runde des Turniers, die natürlich am Folgetag mit einer Flasche Wein bedacht wurde.


Eva Maria Zickelbein und Jules Armas bei der obligatorischen Ehrung für die beste Performance in Runde eins.



Hier spielt die Nummer 1, IM Aleksander Colovic, mit Schwarz gegen Oliver Zierke, der in diesem Jahr zum ersten Mal in Naujac spielte. Er kam gemeinsam mit Josef Roth vom Schachklub König Tegel in Berlin und wir hoffen sehr, dass die beiden nächstes Jahr wieder dabei sind! Oliver spielte solide, verlor nur diese eine Partie gegen Aleksander Colovic, remisierte aber zwischendurch doch das ein oder andere Mal (unter anderem gegen die Berichterstatterin) und endete schließlich mit 6 aus 9. Aleksander Colovic spielte natürlich von der ersten bis zur neunten Runde vorne mit, nur an einigen Tagen musste er das 1. Brett räumen, weil er sich zu friedlich gezeigt hatte. Er versuchte in der letzten Runde mit Schwarz gegen FM Michael Saucey alles, konnte jedoch nicht mehr als ein Remis erreichen, so dass Merijn van Delft mit dem erwähnten halben Punkt Vorsprung einlaufen konnte.



Adrien Demuth gegen IM Aleksander Wohl. Der australische IM, ebenfalls Stammgast in Naujac sur Mer, hatte das Pech, in der letzten Runde mit Schwarz gegen IM Kevin Terrieux spielen zu müssen. Mit einem Sieg wäre er geteilter Erster gewesen. Er riskierte alles und leider zuviel, so dass er zum ersten Mal nicht auf die Wein-Waage bei der Siegerehrung durfte. Auch für Adrien Demuth endete das Turnier mit einer Enttäuschung: Er verlor in der letzten Runde gegen Christian Köpke aus München, der schon sechs IM-Normen hat und sich nur noch über 2400 ELO schieben muss. Auf die Waage in Naujac sur Mer hat er es beim ersten Anlauf schon geschafft.



Auf der Waage bei der Siegerehrung durfte natürlich auch der längste Großmeister der Welt, Sebastian Siebrecht, nicht fehlen.


Sebastian Siebrecht hatte in diesem Jahr das Privileg, der Tradition von GM Eric Prie und IM Alex Wohl zu folgen, und sein Baby mit auf die Waage zu nehmen: Leo Siebrecht wurde am 07. Mai 2010 geboren - herzlichen Glückwunsch natürlich auch an dieser Stelle von einmal an die Eltern Raphaelle und Sebastian!


Merijn van Delft mit Pokal und bereits erfahrener Waagentechnik: 73 Flaschen die Ausbeute.


Gruppenbild der Sieger mit Honoratioren und Organisatoren - und Wein, natürlich!


Diese Damen sorgten in diesem Jahr das leibliche Wohl der Teilnehmer und nicht nur der Naujacer Bürgermeister dankte Ihnen herzlich, sondern alle Teilnehmer und deren Anhang!

Gespielt wurde wie immer in der Salle des Fêtes in Naujac sur Mer.



Der Spielsaal war in diesem Jahr mit 85 Teilnehmern gut gefüllt.



Die Atmosphäre war wie immer familiär und freundschaftlich - von Kindern und Anfängern mit einem Rating um die 1.000 bis zum Großmeister war alles vertreten!


Hier sehen Samuél Roussel und Clara Godart zwar nicht so zufrieden aus - aber gepunktet haben sie auch beide (3 bzw. 2 aus 9).


Hinter diesem talentierten Schach- und Fußballspieler verbirgt sich Dr. Klaus Haverkamp, der 5,5 aus 9 erreichte.

Das Frauenteam aus Naujac wurde übrigens am Wochenende des Turnierbeginns in Châlons-en-Champagne in der Top12 der Frauen in Frankreich französischer Vizemeister! Bis ins Finale schafften es Zaoquin Peng, Lara Armas, Rike Wohlers-Armas und Lena Armas und mussten sich im Finale nur Evry geschlagen geben.


Finale der französischen Frauenmeisterschaft und Pokalfinale der Männer Ende Juni in Châlons-en-Champagne.


Dieser schöne Schnappschuss entstand ebenfalls in Châlons-en-Champagne: Lena Armas kiebitzt bei Weltklassespieler Michael Adams, hat aber natürlich immer noch ein Auge für die Kamera!

Zurück in Naujac sur Mer wurde das Team mit einem Empfang im Rathaus geehrt und die Spielerinnen wurden von Naujacs Bürgermeister Jean-Bernard Dufourd geehrt.


Die Spielerinnen wurden beim Empfang im Rathaus von Naujac zu Ehrenbürgerinnen der Gemeinde ernannt! Von links: Stéphane Bastin, Präsident des Naujacer Schachklubs, Lara Armas, Bürgermeister Jean-Bernard Dufourd, Lena Armas, Rike Wohlers-Armas und Jules Armas. Rike würde es wohl sehr witzig finden, wenn ich an dieser Stelle betonen würde, dass nun alle Frauen der Armas-Familie, Ehrenbürgerinnen von Naujac sind, Jules aber noch nicht. Wird doch aber Zeit, Monsieur le Maire!?

Fußball:

Natürlich war unser Aufenthalt in Naujac im WM Jahr 2010 nicht nur vom Wein-Open geprägt, auch eine weitere wichtige Nebensache nahm einen großen Platz ein: Mit dem deutschen und dem niederländischen Team fieberte der ganze Campingplatz mit und ziemlich schnell juckte es uns in den Füßen, auch selbst einmal aktiv zu werden. Die Franzosen hatten sich ja schon ziemlich unrühmlich aus Südafrika verabschiedet, in Naujac aber stellten sie ein tolles Team auf und traten gegen eine internationale Auswahl an!


Das französische Team kurz vor dem großen Spiel gegen die internationale Auswahl - links Schiedsrichter Stéphane Roussel mit den improvisierten gelben und roten Karten.


Und hier die internationale Auswahl aus England, Spanien, den Niederlanden und natürlich Deutschland, von links, hintere Reihe: Dr. Klaus Haverkamp, Oliver Zierke, Marc Saunders, Jason Kirk, Christian Köpke, Merijn van Delft, Jorge Gonzalez Fernandez und Jorge Gonzalez Santamartin. Vorne: Eva Maria Zickelbein, Ezra Kirk und Benjamin Zickelbein.


Im Spiel ging es heiß her und nach einem klaren Vorsprung des internationalen Teams erkämpften sich die Franzosen plötzlich eine 9:7 Führung. Hier wehrt der französische Verteidiger John Castro einen Distanzschuss von Ezra Kirk ab.

Doch überragende spanische Effektivität,


hier Jorge Gonzalez Fernandez im Einsatz,

niederländische Schusskraft,


Merijn van Delft nach einem schönen Schuss auf der zweiten Reihe,

und deutsche Technik,


Benjamin Zickelbein mit schöner Schusshaltung,

brachten uns wieder zurück ins Spiel und das Endergebnis lautete schließlich 10:9 für die internationale Auswahl. Zumindest also torreich und mit vollem Engagement gingen die Franzosen zu Werke - auch ein Unterschied zu den "Bleus" aus Südafrika. Diese hätten bestimmt auch keine Revanche gefordert, die dann auch am nächsten Tag stattfand.


Das französische Team am Tag der Revanche.


Die Franzosen zeigten die toppmotiviert, scheiterten jedoch ein zweites Mal, nicht zuletzt dank unseres Ausputzers Oliver Zierke (hier getarnt im Trikot von Girondins Bordeaux), der den schnellen IM Kevin Terrieux allzeit im Griff hatte. 6:4 das Endergebnis für die "Équipe internationale".

Natürlich war dieser Fußballvergleich auch Thema beim Schachturnier und regte die französichen Schachfreunde zu allerlei witzigen Kommentaren über die WM und das Abschneiden ihres Teams ans. Geehrt wurde aber ein Deutscher, nämlich Benjamin Zickelbein für das schönste Tor des Spiels, ein wunderbarer Kopfball in den Winkel nach schöner Flanke von Ezra Kirk.



Die Fußball-WM in Südafrika war neben dem Schachgeschehen natürlich DAS Thema der ersten beiden Wochen der diesjährigen Saison.


Bis zum Halbfinale konnten wir jubeln: Eva Maria Zickelbein, Lara Armas und Nathiam Roussell (der bei dieser Gelegenheit das schöne deutsche Lied "Schland oh Schland" lernte, seine ersten deutschen Worte...).

Neben der deutschen war die niederländische Fraktion in diesem Jahr sehr stark und farbenfroh wie immer vertreten:


GM Friso Nijboer und....


GM Zaoquin Peng und ihr Sohn.


Eva Maria Zickelbein und Merijn van Delft.


Das war natürlich noch vor dem Finale gegen Spanien: Niederländische Idylle vor unserem kleinen Häuschen auf dem Campingplatz.

Und was macht man sonst so in Naujac, wenn nicht gerade Schach oder Fußball gespielt wird?


Zum Beispiel: ChessBurger essen am Strand! Dies ist keine Referenz an das internationale Schachturnier im Ort, nein, Cheeseburger wurde jeden Tag anders geschrieben, sehr kreativ die Franzosen!


Oder auch: Fußballspielen am Strand.


Baden gehen bringt auch Spaß (noch mehr natürlich mit Ball).


Man kann aber auch einfach einmal die herrliche Abendstimmung genießen.


...und den Sonnenuntergang am Meer erleben, schöner geht's doch kaum!

Man kann aber auch einfach mal eine Runde Konditionsblitz in der glühenden Mittagssonne spielen:


Das sieht ja noch ganz human aus - allein, die Uhr steht 20 Meter entfernt.


Geruhsamer geht es hier zu.



Natürlich laden die herrlichen Weingüter auf der Médoc-Halbinsel zu ausgedehnten Besichtigungen ein. In diesem Jahr waren wir im Château la Tour de By (http://www.la-tour-de-by.com), einem wunderschönen Weingut mit einem herrlichen Wein.


Das herrliche Château, direkt an der Gironde gelegen.


Der Wein reift nach der Kelterung in diesen Eichenfässern mindestens 12 Monate, bevor er in die Flaschen abgefüllt wird.


Blick in die Schatzkammer: Der Tour de By aus 1919 soll auch wirklich noch zu genießen sein!


Der 2010er Jahrgang wird nach Meinung der Experten ganz hervorragend werden, da es sehr viel Sonne gab! Die Ernte wird Ende September/Anfang Oktober stattfinden.

Naujac, das Wein-Open, der Camping La Rochade, die herrliche Umgebung, Strand und Meer sind immer eine Reise wert! Das Wein-Open findet jedes Jahr in der letzten Juni-Woche statt und wer nicht gerade zu den Campingfreunden gehört, mietet sich einfach ein Mobile-Home auf dem Campingplatz (zwei Schlafzimmer, Küche, Dusche, Toilette, alles da!).

Es verabschieden sich bis zum nächsten Jahr:


Merijn van Delft und Eva Maria Zickelbein

Fotos: Lara und Lena Armas, Eva Maria Zickelbein


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