Spanisch für Draufgänger

22.04.2021 – Das ChessBase Magazin #200 bietet mit seinen 11 Eröffnungsartikeln Repertoireideen zu verschiedensten Theoriebereichen: Vom Kasparow-Gambit in der Englischen Eröffnung über Sizilianisch Richter-Rauser bis zu Grünfeld-Indisch. GM Adrien Demuth stellt Ihnen in seinem Beitrag das Verzögerte Jänisch-Gambit (1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 f5) vor und geht dabei der Frage nach, ob heute dank der Computer wirklich "alles ausgeglichen" ist.

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Jubiläumsausgabe mit diversen Extras! "Meine Lieblingspartie des jungen Carlsen": 22 Autoren kommentieren. Perlen aus Wijk: Jorden van Foreest und Anish Giri analysieren. Plus 11 Eröffnungsartikel, 3 Eröffnungsvideos, "Carlens Strategie" und vieles mehr!

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Ein ganz heißer Spanier

Adrien Demuth beäugt 1.e4 e5 2.Sf3 Sc6 3.Lb5 a6 4.La4 f5

 

Die Ausgangsstellung unserer aktuellen Übersicht. Das Verzögerte Jänisch-Gambit wurde nie besonders ernstgenommen. Aber mit aktueller Theorie und dem Computer ist ja angeblich "alles ausgeglichen"... Wir werden versuchen festzustellen, ob dies auch für diese provokante Eröffnung zutrifft, die als weniger genau gilt als die Version mit dem sofortigem 3...f5 (dem original Jänisch-Gambit).

Im obigen Diagramm werden wir diverse Züge betrachten. Machen wir eine Tour durch die Varianten!

A) 5.Lxc6?! ist ziemlich harmlos. In unserer Musterpartie werden wir uns außerdem den Zug 5.Sc3 ansehen, der gegen das Jänisch-Gambit stark ist, hier aber nicht mehr wegen sofortigen b7-b5-Optionen (ermöglicht durch 3..a6!). Nach 5...dxc6 6.Sxe5 Dd4 7.Sf3 Dxe4+

 

steht Schwarz bereits besser wie in Adams,M - Piket,J 0-1.

B) 5.d3 Dieser logische Zug ist weniger kritisch als unsere Hauptvariante. Wir haben zwar keine hochrangigen Partien dazu, aber es scheint, dass Schwarz seine Eröffnungsprobleme überzeugend meistern kann.

 

Nach 5...fxe4 6.dxe4 Sf6 7.0–0 d6 8.Sc3 Le7 hat Weiß eine breite Palette an Möglichkeiten, alle analysiert in den Anmerkungen zu der Begegnung Kobalia,M - Narayanan,S 0-1.

C) Letztlich ist der kritische Zug offenbar 5.d4.

 

Den d-Bauern am Leben zu lassen, ist eindeutig keine Option, daher setzt Schwarz mit 5...exd4 fort, was dann auch das Thema der vier verbleibenden Partien in dieser Übersicht ist. Danach hat Weiß zwei Wege:

 

C1) Zunächst betrachten wir 6.exf5.

 

Nach 6...De7+ 7.Kf1 b5 8.Lb3 Lb7 ist die Stellung grundsätzlich in Ordnung für Schwarz, wenngleich beide Seiten auf Gewinn spielen können, wie in Torosyan,N - Mikaelyan,A 0-1.

C2) Ich bevorzuge für Weiß allerdings selbstredend den Hauptzug 6.e5, und genau hier braucht die Theorie frischen Wind seitens des Schwarzen. In der Vergangenheit wählte er fast immer 6...Lc5, aber man kann nicht behaupten, mit guten Resultaten. Stattdessen wurde in letzter Zeit ein paar Mal 6...b5 7.Lb3 Lb7 erprobt, und genau auf diese Fortsetzung werden wir uns auch fokussieren.

 

Ich glaube, dass uns aus dieser Stellung heraus noch eine Menge weiterer Partien ins Haus stehen. Alle Welt wählt hier 8.0–0, wobei ich denke, dass 8.a4 ein Zug sein könnte, den wir von vorbereiteten Weißspielern bald zu sehen bekommen. Wie dem auch sei, unsere Hauptvariante geht mit 8...Sa5 weiter, wonach Weiß wieder zwei Wege hat:

C2a) Wir beginnen mit 9.c3 Sxb3! 10.axb3 Se7!?

 

aus der Partie David,A - Van Foreest,L 1-0, was mir gut für Schwarz gefällt.

C2b) Nach dem prinzipiellen 9.Sxd4 c5 gilt es erst einmal zu verstehen, dass der Versuch, mit 10.Lxg8? den Läufer zu retten, nicht stark ist wegen 10...cxd4

 

wie in Ter Sahakyan,S - Mikaelyan,A 1-0. Weiß gewann zwar in der Folge, aber nicht dank der Eröffnung.

Schließlich kommen wir zur wichtigsten Partie unserer Untersuchung, in der 10.Sxf5 c4 geschah.

 

Die Stellung ist bereits ziemlich spannungsvoll. Weiß steht davor, den Läufer zu verlieren (auch wenn Schwarz ihn eigentlich nicht sofort nehmen will, da dies die a-Linie öffnen würde), hat aber großartiges Spiel, und Schwarz muss wirklich große Genauigkeit walten lassen. Alles wird tiefgehend analysiert in Duda,J - Tari,A 1-0.

Fazit: Diese frische Herangehensweise an das Verzögerte Jänisch-Gambit scheint mir interessant. Nach tiefer Analyse kann ich sagen, dass sie auch aus Computersicht standhält. Außerdem ist die Variante ziemlich selten, daher bezweifle ich, dass Weiß in den nächsten Monaten darauf gut vorbereitet sein wird. Letzterer sollte das kritische 5.d4 wählen, andernfalls steht Schwarz grundsätzlich okay. Und im Hauptabspiel nach 5...exd4 6.e5 b5 7.Lb3 Lb7 hält sich der Nachziehende offenbar ebenfalls, wenngleich er wahrscheinlich nicht die einfachste Aufgabe hat (etwas, was der Computer nicht versteht). Ich glaube, Draufgänger werden diese Variante lieben!

Den kompletten Artikel mit allen Analysen und kommentierten Partien finden Sie im ChessBase Magazin #200 (März/April 2021)

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