Bundesligawochenende voller Überraschungen
Fabian Döttling
Eigentlich sollte man denken, dass beim Schach elf Brettpunkte in zwei
Mannschaftskämpfen für mindestens drei, eher vier Mannschaftspunkte gut sein
sollten. Dass dem nicht immer so ist, sollte das vergangene Bundesligawochenende
in Köln zeigen.
Köln. Das Bundesligawochenende hätte eigentlich nicht besser
für den OSC beginnen können. Nach der Anreise am Freitagabend konnten die
Baden-Badener die noch laufenden Partien der vorgezogenen siebten Runde zwischen
der SG Porz und ihrem Reisepartner, dem SC Remagen, verfolgen. Dabei zeichnete
sich ein Sieg für die Außenseiter ab, die ohne ihren Spitzenmann Ivanchuk
angetreten waren. Zudem erfuhren wir, dass auch Werder Bremen gegen
Hamburg eine derbe Schlappe mit 6-2 hinnehmen musste. Die Stimmung in der
Mannschaft am Freitagabend war bei diesen Neuigkeiten natürlich blendend, da
bereits zwei ernste Konkurrenten um den Meistertitel Federn gelassen hatten.
Der Überschwang hielt sich allerdings in Grenzen, da am
nächsten Tag der OSC selbst gegen Porz zu spielen hatte und diese Kämpfe
erfahrungsgemäß immer sehr knapp sind. Zudem konnte Mannschaftsführer Sven
Noppes bei der Aufstellung des OSC nicht aus dem Vollen schöpfen, da das Tal
Memorial in Moskau erst dieses Wochenende durch ein mit 100.000 Dollar dotierten
Blitzturnier endete. Dort anwesend und somit für die Bundesliga verhindert waren
nicht nur Peter Svidler und Magnus Carlsen die beide außerdem im regulären
Turnier mitspielten, sondern auch das Spitzenbrett des OSC, der
Weltranglistenzweite Viswanathan Anand, der extra für das Blitzturnier nach
Moskau gereist war (er gewann dieses übrigens).
Trotz dieser Ausfälle gelang es Mannschaftsführer Noppes ein
schlagkräftiges Team für das Wochenende zu rekrutieren. So kamen die beiden
Neuzugänge Liviu-Dieter Nisipeanu und Pentela Harikrishna heuer erstmals zum
Einsatz. Das Spitzenbrett wurde mit Alexei Shirov besetzt, der zwar auch beim
Tal-Memorial mitspielte, auf das Blitzturnier allerdings verzichtete um die
Mannschaft des OSC für diesen wichtigen Kampf zu verstärken. Dieser
mannschaftsdienlichen Einstellung des „Hexers von Riga“ sei an dieser Stelle
besonders gedankt. Komplettiert wurde die Mannschaftsaufstellung durch Etienne
Bacrot, Francesco Vallejo Pons, Peter Heine Nielsen, Sergei Movsesian und
Philipp Schlosser.
Porz dagegen trat nahezu in Bestbesetzung an, was einen
spannenden Kampf erwarten ließ.
Leider geriet der OSC durch zwei nicht ganz unverdiente
Niederlagen von Vallejo gegen Kobalia und Bacrot gegen van Wely früh in
Rückstand. Diesem Rückstand sollte die Mannschaft bis zum Ende hinterherlaufen.
Zwischenzeitlich verringerte Alexei Shirov mit einem schönen positionellen Sieg
über Rafael Vaganian den Ooser Rückstand zwar auf einen Punkt, die restlichen
Partien gingen aber allesamt ausgekämpft remis aus.
Die Entscheidung brachte die letzte laufende Partie Movsesian
– van den Doel an Brett 7. Sergei besaß zwar seit geraumer Zeit einen Mehrbauern
in einem Endspiel, welches allerdings aufgrund von ungleichfarbigen Läufern
starke Remistendenz besaß. Dennoch erarbeitete Sergei sich Zug um Zug
immer bessere Gewinnchancen. Auch wenn die Stellung wohl objektiv betrachtet
remis blieb, so waren Sergeis praktische Gewinnchancen im Anbetracht der knapper
werdenden Restbedenkzeit seines Gegners durchaus realistisch. Leider verlor er
einen Moment lang die Konzentration, entwich mit seinem König auf ein Turmschach
seines Gegners auf das falsche Feld was den für van den Doel rettenden
Turmtausch und somit Remis zur Folge hatte. Damit stand die knappe
Niederlage des OSC mit 3,5-4,5 fest.
Tags darauf ging es gegen den SC Remagen. Obwohl die Remagener
das ganze Wochenende ohne ihren Topmann Ivanchuk bestritten, schien dies bis zum
Sonntag keine negativen Auswirkungen zu haben, besiegten sie doch am Samstag den
SC Bann mit 5-3 und am Freitag gar die SG Porz mit dem gleichen Ergebnis.
Sonntags war für Remagen allerdings kein Blumentopf zu gewinnen. Der OSC spielte
im Vergleich zum Vortag wie ausgewechselt und deklassierte seinen Gegner mit
7,5:0,5. Einzig Liviu-Dieter Nisipeanu kam über ein Remis gegen seinen Gegner
Goloshchapov nicht hinaus. Da der Baden-Badener Sieg zu keinem Zeitpunkt
gefährdet war und kein Spieler ernsthaft in Verlustgefahr geriet, war dieser
Sonntag wahrlich Balsam.
Insgesamt liegt ein erlebnisreiches Wochenende hinter uns.
Auch wenn der OSC die Chance zur alleinigen Tabellenführung nicht nutzen konnte,
so sind doch alle Chancen aus eigener Kraft Deutscher Meister zu werden gegeben,
zumal keine Mannschaft noch verlustpunktfrei dasteht, da auch Bindlach am
Sonntag gegen Kreuzberg mit 5-3 verlor. Die Bundesliga bleibt somit spannend und
eine Entscheidung um die Meisterschaft ist erst an den letzten Spieltagen zu
erwarten.