Speed Chess Championship, Viertelfinale: 'MVL' gewinnt gegen Levon Aronian

von Johannes Fischer
03.12.2020 – Im zweiten Viertelfinale der Speed Chess Championship 2020 auf chess.com gewann Maxime Vachier-Lagrave mit 14,5:12,5 knapp gegen Levon Aronian. Die Partien des hart umkämpften und lange Zeit ausgeglichenen Wettkampfs waren trotz einiger Fehler auf hohem Niveau und Vachier-Lagrave konnte sich erst ganz zum Schluss im Bullet durchsetzen.

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Maxime Vachier-Lagrave vs Levon Aronian, 14,5:12,5

Bei der Speed Chess Championship 2020 treten die Spieler in drei verschiedenen Blitzformaten gegeneinander an. Sie spielen 90 Minuten mit einer Bedenkzeit von 5+1, 60 Minuten mit einer Bedenkzeit von 3+1 und 30 Minuten Bullet-Partien mit einer Bedenkzeit von 1+1. Unabhängig von der Bedenkzeit gibt es für eine gewonnene Partie – egal, ob im 5+1 Blitz oder im Bullet – gibt es immer einen Punkt und für ein Remis einen halben. Wer am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt den Wettkampf.

Mit einer Elo-Zahl von 2784 liegt Maxime Vachier-Lagrave im Moment auf Platz 5 der Weltrangliste, Levon Aronian folgt mit drei Punkten Rückstand und einer Elo-Zahl von 2781 auf Platz 6.

Auch der Blitz-Wettkampf zwischen den beiden verlief ausgeglichen. In den 5+1 Partien sicherte sich Vachier-Lagrave mit 4,5:3,5 einen leichten Vorsprung, den Aronian jedoch mit eiem 5,5:4,5 Sieg im 3+1 Mini-Wettkampf wieder ausgleichen konnte.

Doch in den Bullet-Partien hatte "MVL" dieses Mal mehr Glück. Er gewann die ersten beiden Partien des Mini-Wettkampfs und konnte diesen Vorsprung bis zum Ende des Wettkampfs verteidigen.

Im Halbfinale trifft Vachier-Lagrave auf den Sieger des Wettkampfs zwischen Magnus Carlsen und Vladislav Artemiev.

Insgesamt war das Niveau des Wettkampfs hoch, allerdings gab es auch die für Blitzpartien typischen Patzer und Einsteller.

Gleich in der ersten Partie des Wettkampfs kam es zu einem kuriosen Fall doppelter Schachblindheit.

 

In dieser Stellung spielte Aronian 29...Se8, worauf Vachier-Lagrave, der nur noch wenige Sekunden auf der Uhr hatte, ohne lange nachzudenken 30.Tc7?? zog, um den schwachen Bauern auf c6 anzugreifen. Doch auch Aronian hatte nur noch wenige Sekunden und übersah, dass er den Turm auf c7 einfach nehmen konnte. Er spielte stattdessen den 30...Sf8??.und musste sich in einem schlechteren Endspiel lange verteidigen, bis die Partie nach 65 Zügen schließlich mit Remis endete.

Aber generell waren beide Spieler in den meisten Partien taktisch auf der Höhe und überraschten immer wieder mit interessanten Einfällen und umsichtiger Spielweise.

So kam es in der sechsten Partie zu der folgenden Stellung:

 

Hier steht Weiß klar auf Gewinn, aber Vachier-Lagrave probierte es noch mit einem letzten Trick: Er spielte 44...Txf3!?. Wenn Weiß den Turm nimmt, wird er Matt gesetzt, doch Aronian behielt kühlen Kopf und gewann nach 45.b5 axb5 46.cxb5 Le8 47.Dd5+ Tf7 48.Te4 1–0

Taktischen Einfallsreichtum und gute Nerven bewies Maxime Vachier-Lagrave auch in den Bullet-Partien.

 

Auch die entscheidende Bullet-Partie bewies, dass bei knapper Bedenkzeit ein riskanter Angriff oft mehr Erfolg verspricht als objektiv korrekte Züge.

 

Vachier-Lagrave hatte mit Weiß nichts aus der Eröffnung herausgeholt und war allmählich ins Hintertreffen geraten. Um Gegenspiel zu bekommen, hatte er einen Bauern geopfert. Mit Erfolg.

Hier spielte Schwarz 34...Td8? Nach 34...Df7 muss Weiß noch beweisen, dass er genügend Kompensation für den Bauern hat. Aber nach dem Textzug konnte Weiß die Partie mit 35.Sxf6+ sofort für sich entscheiden. Aronian spielte noch 35...Kf7 (nach 35...Kh8 setzt Weiß mit 36.Dh7# Matt), aber gab nach 36.Sxd5 auf. 1-0

Dies war die 25. Partie des Wettkampfs und mit dem Gewinn dieser Partie ging "MVL" mit 13,5:11,5 in Führung und sicherte sich praktisch den Sieg im Wettkampf.

Partien

 

Live-Übertragung und Kommentierung bei chess.com

Kommentar: IM Daniel Rensch und GM Robert Hess

Offizielle Seite


Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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