Spielst Du Blitz, Mischa?

28.11.2006 – Mikhail Tal spielte leidenschaftlich gern Blitzschach, oft die ganze Nacht, umhüllt von Rauchschwaden, neben sich den vollen Aschenbecher. So war es nur logisch, dass ein großes Blitzturnier den Abschluss des Tal-Gedenkturniers bildete, das letzte Woche in Moskau zu Ende ging. Zustande kam so das vielleicht beste Blitzturnier aller Zeiten, aber mit Sicherheit das beste Blitzturnier des allerdings noch jungen Jahrhunderts. Im Finale spielten 18 Teilnehmer mit einem Elo-Durchschnitt von 2708 doppelrundig jeder gegen jeden. Doch man muss nicht rauchen, um gut Blitz zu spielen: Am Ende gewann Nichtraucher und Vegetarier Vishy Anand souverän mit 23 Punkten und legte so ganze zwei Punkte Vorsprung zwischen sich und den Zweitplatzierten Levon Aronian, der auf 21 Punkte kam. Peter Svidler und Teimour Radjabov teilten sich mit je 20,5 Punkten den dritten und vierten Platz. Misha Savinov hat das Geschehen in Wort und Bild festgehalten.Zur Turnierseite...Turnierbericht Tal Blitz-Cup...

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Der Tal Blitz-Cup

Von Misha Savinov

Der Tal Blitz-Cup 2006 ist mit Abstand das eindrucksvollste Blitzturnier nicht nur des Jahres, sondern auch des Jahrhunderts. Eine Reihe von Weltklassespielern schied bereits während des Qualifikationsturniers aus. Meiner Ansicht nach wäre Rustam Kasimdzhanov eine gute Ergänzung der Finalteilnehmer gewesen, aber er verlor ein Mini-Match gegen Bologan, wonach er nicht mehr zu den besten sechs gehörte. Alexey Dreev führte nach Tag 1, aber die Blitzstärke wechselt von Tag zu Tag und Dreev bildete in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Sergey Karjakin startete hingegen langsam und hatte nach acht Runden nur bescheidene 50% auf dem Konto, aber legte dafür an Tag 2 gewaltig zu.

Die selbstbewussteste Vorstellung lieferte Baadur Jobava ab. Der Georgier erzählte mir vor Beginn des Turniers, dass er nur wenig Blitzerfahrung hat und machte sich Sorgen, dass ihm besondere Blitzfähigkeiten fehlen. Nun gut, er versuchte das zu kompensieren, indem er extrem schnell zog und so schnell wie möglich auf die Uhr hämmerte, weshalb es kein ungewöhnlicher Anblick war, wenn Jobava nicht nur Zeitvorteil, sondern auch bessere Stellungen hatte…

Der Elo-Favorit des Qualifikationsturniers, Teimour Radjabov, wirkte ein wenig unsicher. Er war den meisten seiner Gegner deutlich voraus, sowohl an schachlichem Können als auch an Blitzerfahrung, aber seine Nervosität war offensichtlich. Zum Glück für den Großmeister aus Aserbaidschan behielt er während der kritischen Momente des Kampfes seine Nerven im Griff und schaffte es schließlich ins Finale.

Keiner der drei anderen drei qualifizierten Spieler stellte eine besonders eindrucksvolle Kraft im Blitzen dar. Natürlich sind Bologan, Jakovenko und Timofeev sehr starke Spieler, aber ihr Erfolg im Blitzschach kam etwas überraschend. Wahrscheinlich lag die Zeitkontrolle mit dem Zuschlag von zwei Sekunden pro Zug Schachspielern mehr als den Blitzhaien. Ich sollte hier enttäuscht ergänzen, dass sich Jakovenko qualifiziert hat, indem er in den letzten vier Runden vier vorher vereinbarte Remis spielte. Stolz teile ich meine Enttäuschung mit Vishy Anand, der im Spielsaal vorbeischaute, weil er ein paar wirkliche Kämpfe in den Schlussrunden erwartete. Doch wer sich die begehrten Plätze ohne Kampf sichern konnte, dachte nicht zwei Mal darüber nach.

Hier nun ein paar Beobachtungen, die während der zwei Tage des Qualifikationsturniers entstanden sind.


Karjakin und Sutovsky treffen in der ersten Runde aufeinander. Ihnen erging es im Turnier gänzlich unterschiedlich: Ersterer wurde geteilter Erster, Letzterer geteilter Letzter.



Rustam Kasimdzhanov spielte den Großteil des Turniers an den Spitzenbrettern, aber… (beim Spiel gegen Korotylev)



Max Dlugy und Kiril Georgiev - unter den Besten im ICC zu sein ist nicht genug


Ich war überrascht zu sehen, dass Teimour Radjabov während seiner Blitzpartien bis zu 10 Sekunden über einen Zug nachdachte!




Potkin gegen Eljanov - dieses Foto muss mit einer Geschichte ergänzt werden! Auf dem Foto sehen wir die Stellung, in der in ihrer ersten Partie Remis vereinbart wurde. Potkin, Freund und Sekundant von Aronian, prüfte Eljanov, den Sohn des Verlegers der Bücher von Mark Dvoretsky, in einer Standardstellung Turm + Bauer gegen Turm, die ein paar Tage zuvor in der Partie Aronian-Carlsen auf dem Brett gestanden hatte. Eljanov verteidigte sich natürlich leicht. Dann brachten die Spieler die Figuren wieder in die Grundstellung und wechselten die Plätze. Potkin stellte den weißen König nach d1 und die weiße Dame nach e1 und spielte mit Schwarz. Es ist schwer zu sagen, ob das mit Absicht geschah, aber die Eröffnung, die er wählte, war definitiv darauf ausgerichtet, diese ungewöhnliche Aufstellung der Figuren auszunutzen. Nach …cxd4 berührte Eljanov seine Figur auf d1 und - 'König muss ziehen!' Der Ukrainer musste Kc2 spielen und sein Springer auf c3 fiel. Die Partie war vorbei. Danach erinnerte der Schiedsrichter die Spieler stets daran, die Ausgangsstellung zu prüfen, bevor sie die Uhr in Gang setzten.


Joel Lautier ist nach Moskau gezogen, um für ein französisches Unternehmen zu arbeiten und hat Schach eigentlich aufgegeben - aber nicht Blitz! Bis zur allerletzten Minute der letzten Runde war er dabei …


Vlad Tkachievs Form war nicht die allerbeste


Bologan und Volkov machen von ihren Königen regen Gebrauch


Bu erreichte eine theoretisch gewonnene Stellung in einem Endspiel T+L gegen T, aber verbrauchte dafür zu viel Zeit und Radjabovs Remisreklamation wurde angenommen


Anand ist über Jakovenkos Einstellung überrascht


Schließlich noch ein Fall, wo alle sich wie Gentlemen verhielten - niemand reklamierte unmöglichen Zug, als die mysteriöse Figur von c8 nach g4 zog


Diese Jungs haben etwas zu besprechen - Dlugy, Karjakin, Anand


Ein wilde Mischung aus Ex-Weltmeistern, Großmeistern, Trainern, Amateurzuschauern und sogar Polizisten


Karjakin schlägt Lautier, weil er es muss, um sich zu qualifizieren

Der Tal Blitz Cup war ein beeindruckendes 34-rundiges Jeder-gegen-Jeden Turnier. Der Elo-Durchschnitt dieses Turniers nach Berücksichtung der qualifizierten Spieler betrug 2708! Vishy Anand und Judit Polgar waren die am wenigsten erschöpften der Teilnehmer. Natürlich erhielt auch Anatoly Karpov eine Einladung, aber heutzutage ist sein Tagesplan extrem straff organisiert, so dass er sich weder vorbereiten noch ausruhen konnte. Die anderen 15 Spieler hatten entweder am Gedenkturnier teilgenommen, sich qualifiziert oder waren ziemlich erschöpft.

Shakriyar Mamedyarov, der im Tal Memorial 9 Remis gemacht hatte, war zum Auftakt nicht zu stoppen. Acht Siege in Folge, darunter ein sehr leichter gegen Anand - das war schon etwas! In der zweiten Hälfte ging Shakh jedoch die Puste aus und er trudelte zu unserer großen Überraschung in der Tabelle immer weiter nach unten.

Ein relativ schlechter Start von of Judit Polgar, Alexander Morozevich und Anatoly Karpov warf sie aus dem Rennen. Bald bildete sich eine Favoritengruppe: Anand, Mamedyarov und Aronian lagen vorne, Svidler und Radjabov folgten mit etwas Abstand. Magnus Carlsen und Sergey Karjakin hatten ebenfalls einen guten Start.

Die Fortschrittstabelle Tag 1:

Mamedyarov, S 2728 1.0 2.0 3.0 4.0 5.0 6.0 7.0 8.0 8.0 8.5 9.5 9.5 9.5 10.5 10.5 11.5 12.0
Karjakin, Sergey 2672 1.0 1.0 1.0 1.0 2.0 2.5 2.5 3.0 4.0 5.0 6.0 6.0 7.0 8.0 8.5 9.0 10.0
Morozevich, Alexander 2747 1.0 1.0 1.0 2.0 2.0 2.0 2.5 2.5 3.5 4.5 5.0 5.0 5.0 6.0 6.0 6.5 7.0
Aronian, Levon 2741 1.0 2.0 3.0 3.0 3.0 4.0 5.0 6.0 7.0 8.0 9.0 9.5 10.0 10.5 10.5 11.5 12.0
Grischuk, Alexander 2710 1.0 1.5 2.0 3.0 3.0 3.5 4.0 4.0 5.0 5.0 6.0 7.0 8.0 8.0 8.0 8.0 8.0
Bologan, Viktor 2659 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 0.0 1.0 2.0 2.0 3.0 3.5 4.0 4.5 5.0 5.5 6.0 6.5
Ponomariov, Ruslan 2703 0.5 0.5 1.5 2.0 2.0 3.0 3.0 3.5 3.5 3.5 3.5 4.0 5.0 5.5 6.5 7.5 7.5
Timofeev, Artyom 2662 0.0 0.5 1.5 1.5 2.0 2.0 2.5 2.5 2.5 2.5 2.5 2.5 3.0 3.5 3.5 3.5 4.0
Svidler, Peter 2750 0.5 0.5 1.5 2.0 2.5 3.5 4.5 5.5 6.5 6.5 7.0 7.5 7.5 8.0 8.0 9.0 9.5
Carlsen, Magnus 2698 0.5 1.0 1.5 1.5 2.0 3.0 4.0 4.5 5.5 6.0 6.0 7.0 7.5 8.5 9.0 9.0 9.5
Anand, Viswanathan 2779 1.0 2.0 2.5 3.0 4.0 5.0 6.0 6.5 7.0 8.0 8.0 9.0 10.0 10.5 11.5 12.0 13.0
Karpov, Anatoly 2668 0.5 1.0 1.0 2.0 2.0 2.0 2.5 2.5 3.0 3.0 3.5 4.5 4.5 4.5 5.5 6.5 7.0
Leko, Peter 2741 1.0 2.0 2.0 2.5 3.0 3.0 3.5 3.5 4.0 5.0 5.5 5.5 6.5 6.5 7.5 7.5 8.5
Polgar, Judit 2710 0.0 1.0 1.0 2.0 2.5 2.5 2.5 3.5 4.0 4.0 4.0 5.0 5.0 5.0 5.5 6.0 6.5
Jakovenko, Dmitry 2671 0.0 0.5 1.5 2.0 2.5 2.5 2.5 3.0 3.5 3.5 4.5 4.5 4.5 5.5 6.5 7.0 7.5
Gelfand, Boris 2733 0.0 0.0 0.5 1.5 2.5 3.5 3.5 4.0 4.5 5.5 6.0 6.0 7.0 7.5 8.5 8.5 8.5
Jobava, Baadur 2650 0.0 1.0 1.0 1.0 2.0 2.0 2.5 2.5 2.5 2.5 3.0 4.0 5.0 5.0 5.0 5.0 5.5
Radjabov, Teimour 2729 0.0 0.5 1.5 2.0 3.0 4.0 4.0 5.0 5.0 6.0 6.5 7.5 7.5 8.0 9.0 10.0 10.5

Am zweiten Tag baute Vishy seine Führung in Ruhe aus, während Levon sich abmühte, um das Tempo des Inders halten zu können. Shakhriyar fiel hoffnungslos zurück. Der Endstand kristallisierte sich schon ein paar Runden vor Schluss heraus. Anand hätte den Sieg schon eher sicherstellen können, wenn er gegen Karjakin nicht die Dame eingestellt hätte. Peter Svidler hätte den dritten Platz nicht mit Teimour Radjabov teilen müssen, aber war der Leidtragende eines "Berührt-Geführt" Vorfalls gegen Ponomariov. Der Ukrainer nahm einen seiner Züge zurück und Peter beschwerte sich vergeblich. Tatsächlich wurde die Partie von einer Webcam aufgezeichnet, aber Svidler war so enttäuscht, dass er die Möglichkeit eines offiziellen Protests ausschloss.

Ich muss zugeben, dass es unmöglich ist, die Spannung zu vermitteln, die man als Zuschauer eines solch hochkarätigen Blitzturniers miterlebt. Jeder von Ihnen, für den sich Schach nicht nur auf die subtile Analyse und andere Formen der Nalimov Tablebases beschränkt, versteht, was es heißt, zwischen, sagen wir, Anand-Svidler und Morozevich-Grischuk wählen zu müssen, von Karjakin-Karpov am nächsten Tisch gar nicht zu reden. Spieler mit außerirdischen Fähigkeiten stellen ihre Figuren ein, teilen hübsche taktische Schläge aus, zeigen ausgezeichnetes technisches Können und wenden ein paar Washington Square-Zockertricks an. Zum Beispiel zog Grischuk in seiner Partie gegen Radjabov seine Dame nach d5, bot dort Damentausch an, doch ohne dass er sie aus der Hand gelassen hätte, landete sie auf h6, wo sie einzügig Matt drohte! Ich habe versucht, ein paar Partien mit meiner Kamera aufzunehmen und werde sie irgendwann irgendwo veröffentlichen, wahrscheinlich auf der Webseite des Russischen Schachverbands (oder auf YouTube). Diese wackligen Amateuraufnahmen können einen vagen Eindruck davon vermitteln, was im Zentralen Schachklub während des Tal Blitz Cups geschah. Allerdings ist das selbst für mich nur ein schwacher Trost. Solche Turniere müssen professionell aufgenommen werden. Wenn wir die Spannung zeigen wollen, die Schach erzeugen kann, dann müssen wir einen professionellen Regisseur anstellen und daraus einen Film machen. Ich kann Ihnen versichern, dass dies die Mühe wert ist.



Anatoly Karpov war vor der Auslosung angespannt, aber nachdem er seine Lieblingszahl 12 zog, entspannte er sich


Vishy wird hier noch viele 'Einser' mehr haben…


Das Duell der Aserbaidschaner in der ersten Runde endete zugunsten Mamedyarovs


Der sanfte Händedruck und die eiserne Faust von Peter Svidler


Routine-Blitz, nichts Besonderes


Anand und Aronian waren die konstantesten Spieler


Mamedyarovs Stärke ist die Fähigkeit, Komplikationen herbeizuführen


Das Treffen der Generationen


Trockener Ponomariov


Gelfands Einstellung im Blitz war die gleiche wie im klassischen Schach - die Suche nach dem besten Zug!


Mann, war das ein Durcheinander!


In der zweiten Hälfte fing Mamedyarov an, taktische Tricks zu übersehen


Beobachter sind überrascht, den Vize-Premierminister in der zweiten Reihe zu sehen


Anatoly Karpov wirkte am Ende des Turniers beinahe erschöpft


Eine kaukasische Ecke


Die Mädchen drückten Judit die Daumen und fragten sie nach einem Autogramm


Peter Svidler tut nichts, was seinem Karma schaden könnte


Vishy Anand mit dem ersten Preis


Und es ist klar, welche Gesellschaft er am liebsten mag!



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