Spitzenschachförderung: ja, nein, und wenn, wie?

28.03.2011 – Anlässlich eines Interviews mit DSV-Vize Michael Langer fragten wir die Schachfreunde, ob sie eine starke Förderung des Spitzenschachs für sinnvoll erachten und ob sie bereits wären, dafür auch Beitragserhöhungen in Kauf zu nehmen. Die Stellungsnahmen zeigen auf vielschichtige Weise, wie die Befindlichkeiten "an der Basis" sind. Viele Schachfreunde sehen die Spitzenschachförderung als sinnvoll und positiv an und würden dafür sogar Beitragserhöhungen in Kauf nehmen. Eine Reihe von Schachfreunden betonen aber auch die Schwierigkeiten, mit denen das Breitenschach, die Vereine zu kämpfen haben. Hier ist mancherorts der Mitgliederschwund eklatant und unmittelbar. Es wurde zurecht darauf hingewiesen, dass es nicht "entweder Spitzenschach oder Breitenschach" heißen muss - in beiden Bereichen herrscht Handlungsbedarf. Herbert Bastian hatte in seiner Stellungnahme eine Lanze für die Funktionäre gebrochen und auch hier auf den Mangel an Kräften hingewiesen. Michael S. Langer ist nun in einer Stellungnahme auf einige Beiträge eingegangen. Zudem erreichten uns einige weitere Stellungnahmen. So weist Manfred Franz daraufhin, dass sich der gesellschaftliche Rahmen, in dem das Schach sich heute bewegt, gegenüber früher stark verändert ist, und dass die Medien heute nur noch eine äußerst selektive Auswahl bei ihrer Berichterstattung, auch von Sportereignissen, vornehmen.Ergebnisse der Umfrage Teil 1... Teil 2...Teil 3 (neu)...

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Michael S. Langer, Vizepräsident Finanzen des DSB, wünschte sich anlässlich eines Interviews in Bezug auf die Spitzenschachförderung eine "Volkbefragung". Wie sehen die Leser von Chessbase-News die Unterstützung des Spitzenschachs: Sollen die Spitzensportler finanziell gefördert werden, um als Galionsfiguren Werbung für das Schach zu machen (Boris Becker-Effekt)? Wären die Schachfreunde auch bereit, für diesen Zweck Beitragserhöhungen in Kauf zu nehmen? Oder soll der Schachbund sich mehr auf das Breitenschach konzentrieren? Wie sehen die Schachfreunde die Positionen von Schachbund und Schachprofis? Bitte schicken Sie uns Ihre Meinung an umfrage@chessbase.de . Unter allen Einsendern verlosen wir je eine DVD mit Original-Signatur von Weltmeister Viswanathan Anand My Career Vol. 1, Viswanathan Anand My Career Vol. 2, Vladimir Kramnik, My Path to the Top und Nigel Short, Greatest Hits, Vol 1.). Einsendeschluss: Donnerstag, 31. März 2011. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Veröffentlichung der Meinungen vorbehalten.

 

Bisher erreichten uns folgende Stellungsnahmen von Schachfreunden:



Stellungnahme von Michael S. Langer, Vizepräsident Finanzen des DSB

Liebe Schachfreundinnen und Schachfreunde!

Ich bedanke mich für die zahlreichen Stellungnahmen zu der von mir angestoßenen Diskussion rund um das Thema „Förderung des Spitzenschachs in Deutschland“.

Ihre Beiträge werden vom Präsidium des DSB aufbereitet und in die weiteren Beratungen unserer Gremien einbezogen werden. Die Ergebnisse der zukünftig geführten Diskussionen werden sowohl auf www.schachbund.de als auch auf www.chessbase.de veröffentlicht.

Heute gehe ich auf einige im Rahmen der Diskussion „neu“ aufgeworfene Fragestellungen und Einwände ein.

  • Höhe der Liquiditätsrücklage. Die in den letzten beiden Jahren gelungene Aufstockung derselben war dringend notwendig! Nur mit der jetzt vorhandenen Kapitaldecke ist es dem Deutschen Schachbund möglich, seinen finanziellen Verpflichtungen ohne Verwendung von Fremdkapital nachzukommen. Der erreichte Status Quo wird von mir als Erfolg bewertet. Trotz dieser Aussage ist in den nächsten zwei Jahren eine weitere moderate Aufstockung der Rücklage geplant. Erst wenn dieses Vorhaben umgesetzt werden konnte, ist der DSB in der Lage, auch unvorhergesehene Einnahmenausfälle unbeschadet (will heißen ohne gravierende Kürzungen innerhalb des Haushaltes bzw. kurzfristig notwendig werdende Beitragserhöhungen) zu überstehen. Für dieses vom Prinzip kaufmännischer Vorsicht gelenkte Vorhaben ist die derzeit geltende Beitragsstaffel ausreichend.

  • Kosten für ehrenamtliche Aufwendungen (Präsidium, Hauptausschuss, Kommissionen, Ausschüsse, sonstige Anlässe,…): In diesem Bereich wurde in den vergangenen zwei Jahren nachhaltig gespart. Der Etatansatz 2010 wurde um 20.000,-- € unterschritten. Die in Zeulenroda 2009 im DSB-Kongress beschlossenen strukturellen Veränderungen wirken sich in diesem Zusammenhang positiv aus.

  • Personalkostenvergleich Deutschland / Niederlande: Die Personalkosten in den Niederlanden überschreiten (Stand 2009) die des DSB um 240.000,-- € p.a.

  • Vergleich der Beitragshöhe Deutschland / Niederlande: Auch in den Niederlanden gibt es zusätzlich nach gelagerte beitragspflichtige Verbandsstrukturen. Dieser Sachverhalt erlaubt die Aussage, dass auf Bundesebene in den Niederlanden der Beitrag je Mitglied das Vierfache dessen beträgt, was in Deutschland berechnet wird.


Leider kann ich an dieser Stelle nicht auf alle Beiträge eingehen. Gern biete ich an, dass offene Fragen, auf die (ggf. auch „öffentliche“) Antworten gewünscht werden, per Mail direkt an mich vizepraesident.finanzen@schachbund.de gerichtet werden. Ich freue mich auf Ihre Fragen und Anregungen.

Freundliche Grüße!

Michael S. Langer
Vizepräsident Finanzen Deutscher Schachbund e.V.
 


Meinungsäußerung zum Interview mit DSB-Vize M. Langer und zu den Stellungnahmen

Es ist begrüßenswert, dass dieses Interview zu einer regen Diskussion geführt hat. Leider gleitet diese Debatte jedoch oft in Richtungen ab, die an dem eigentlichen Kern der Problematik ein Stück vorbeiführt. Hervorgerufen werden diese Diskussionsrichtungen auch durch die Fragestellungen. Beantwortet man beispielsweise die Frage: „Soll man den Spitzensport fördern?“ mit einem konsequenten „Ja“, denn Spitzensportförderung ist notwendig, dann führt die Folgefrage: „Sollen Beitragsgelder für diese Förderung verwendet werden?“  in die falsche Richtung. Es ist ja nicht Sinn und Zweck der Sache, dass die Beitragsgelder für die Spitzensportförderung verwendet werden, vielmehr sollten Sponsorengelder für diese Aufgabe beschafft werden. Wenn es nachgewiesenermaßen sehr schwer ist, Sponsoren für Schach zu finden, dann muss als Erstes die Frage beantwortet werden: „Warum lassen sich für Schach so schwer Sponsoren finden und wie kann man an diesem Zustand etwas ändern?“

Eine Reihe von Entwicklungen in der letzten Zeit ist untrennbar verbunden mit den Schwierigkeiten bei der Sponsorensuche, deshalb umschreibt diese Fragestellung das zentrale Problemfeld, dem größte Aufmerksamkeit gewidmet werden sollte. Leider fand die Erörterung der Ursachen für die Probleme bei der Suche nach Sponsoren sowohl im Interview als auch bei den Stellungnahmen meiner Meinung nach zu wenig Beachtung.

Der Schachfreund Brassat hat diesbezüglich einige interessante Standpunkte geäußert, aber auch seine Schlussfolgerungen zeigen keinen Weg auf, damit sich an der Sponsorensituation längerfristig wirklich verbessert.

Ein Sponsor benötigt das Interesse der Öffentlichkeit. Die Rolle, die eine Sportart in der Öffentlichkeit spielt, hängt ab von ihrem gesellschaftlichen  Ansehen in breiten Teilen der Gesellschaft. In der Theorie spricht man in diesem Zusammenhang von einer so genannten „verfestigten Grundhaltung gegenüber den jeweiligen Sportarten“. Akzeptanz, Interessen, Meinungen, Vorurteile usw. gegenüber einer Sportart dokumentieren sich in dieser jeweiligen verfestigten Grundhaltung.

Die Größe der Bereitschaft der Sponsoren, für eine Sportart Sponsorengelder aufzubringen, stellt eine Art Seismograph für diese Grundhaltung dar, denn Werbeerfolge werden von der vorhandenen Grundhaltung entscheidend mitbestimmt. Die Merkmale, die die gegenwärtig existierende Grundhaltung gegenüber Schach charakterisieren, wurden durch eine Reihe von Faktoren  beeinflusst, die keineswegs immer nur als unmittelbare Folge von schachbezogenen Förderungsmaßnahmen bzw. Entscheidungen verstanden werden dürfen.

So haben sportartübergreifende Richtlinien der Sportförderung, z.B. für die Vergabe von finanziellen Mitteln, genau so einen Einfluss auf die Herausbildung der Merkmale, die die Grundhaltung gegenüber Schach charakterisieren, wie die Art der Sportberichterstattung in den Medien, der Kenntnisstand über grundlegende sportliche Zusammenhänge in den Bevölkerungsschichten, sportliche Erfolge usw. Bewertet man die Art der Sportförderung in Deutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten, so waren tendenziell zweifellos die weniger populären Sportarten die großen Verlierer und die Schere zwischen den kleinen und den großen ist immer weiter aufgegangen. Zu den Verlierern gehören damit auch die Anhänger des Schachsports. Diese Entwicklung hat sich auch in einer Verschlechterung in der Grundhaltung bei den weniger populären Sportarten niedergeschlagen, d.h. die Popularitätsunterschiede zwischen den ohnehin bereits populäreren und den anderen haben sich in der Tendenz weiter vergrößert.

Deshalb plädiere ich dafür, dass die Diskussionen eine etwas veränderte Richtung bekommen, indem man die Zusammenhänge, die sich auf die Grundhaltungsproblematik ergeben, mit berücksichtigt werden. Dann müssen Probleme nicht mehr nur aus dem schachspezifischen Blickwinkel betrachtet werden und für Entwicklungen, die nicht zu dem gewünschten Ergebnis führten, brauch man nicht sofort eine Schuldfragedebatte zu eröffnen. Funktionäre, Trainer oder Spieler müssen nicht sofort als Verantwortliche gebrandmarkt werden, wenn bestimme, erhoffte Effekte wie der Mitgliederzuwachs nach der Schacholympiade, der Attraktivitätszuwachs der 1. Bundesliga der Herren oder erwartete Erfolge bei der Öffentlichkeitsarbeit u.ä. nicht eingetreten sind. Man muss einfach akzeptieren können, dass bestimmte Ergebnisse bei der Förderung einer Sportart mit dem bisher üblichen Maßnahmekatalog nicht mehr erreichbar sind, weil sich die  Grundhaltung gegenüber dieser Sportart in der Gesellschaft zum Negativen hin verändert hat. Erst nach einer Verbesserung der Grundhaltung sind bestimmte Fortschritte erreichbar.

Deshalb sollte man mehr Aufmerksamkeit den Faktoren widmen, die diese Grundhaltungen nachhaltig beeinflussen, um auch entsprechend reagieren zu können. Diese Erkenntnis gilt nicht nur für Diskussionen dieser Art sondern für alle Ebenen der Sportförderung. Mit Hilfe von 2 Beispielen soll diese Aussage kurz untermauert werden.

Erstes Beispiel:

Die Beantwortung der Frage: „Ist Schach Sport?“ beinhaltet eine keineswegs unbedeutende Wertaussage im Grundverständnis der Öffentlichkeit. Die Antwort „Ja“ macht Schach zu einer gleichberechtigten Sportart. Die Antwort „Nein“ degradiert Schach zu einem Kuriosum für einige „Verrückte“, dass deutlich weniger Wert hat als eine Sportart. Selbst wenn berücksichtigt wird, dass dieser Positionsvergleich bewusst etwas überzogen wurde, zeigt sich, wie das Infragestellen des Sportstatus für Schach dem Ansehen des Schachs in der Gesellschaft schadet. Da muss die Frage erlaubt sein: „Warum wird nicht gefordert, dass es zum Lehrplan des Schulsports gehört, dass der Begriff Sport und andere sporttheoretische Grundbegriffe im Schulsport definiert werden, denn der Schulsport ist die Stelle, wo derartige Kenntnisse vermittelt werden sollten?“

Zweites Beispiel:

An den  Millionengehältern der Fußballspieler wird sich in absehbarer Zeit nichts ändern. Wenn die Vertreter der weniger populären Sportarten aber zulassen, dass die Höhe der Gehälter der Fußball-Profis mit einer Proportionalität zwischen der Popularität der Sportart Fußball und den Leistungen der Spieler begründet wird, d.h. wenn behauptet wird, dass die Leistungen der Fußball-Profis deutlich höher seien als die Leistungen von Gewichthebern, Kanuten, Skilangläufer, Schachspieler, Billardspieler usw. und dass deshalb die Unterschiede bei den Zuschauerzahlen der verschiedenen Sportarten bestehen, dann entsteht ein Schaden für das Ansehen der weniger populären Sportarten in einer erheblichen Dimension. Genau diese Argumentation prägt die Berichterstattung über Sport in den Medien seit vielen Jahren. Zwar werden diese Begründungen für die Berechtigungen der Gehaltshöhen der Fußballspieler nicht so direkt vorgetragen, sondern in subtilerer Form, aber es läuft auf das Gleiche hinaus. Da muss man fragen: „Warum lassen es sich die Vertreter der weniger populären Sportarten bieten, dass die wirklichen Ursachen und Zusammenhänge über die Popularitätsunterschiede der Sportarten in den Medien zum Tabuthema erklärt wurden und stattdessen immer wieder derartige die Grundhaltung der weniger populären Sportarten schädigende Aussagen kommentarlos hingenommen werden?“

Viele Funktionäre haben die Größe des Diskriminierungspotentials, das häufig in der Sportberichterstattung steckt, noch nicht erkannt.

Diese Ausführungen sollen genügen, um auf ein Problemfeld aufmerksam zu machen, dass bisher kaum beachtet wurde. Natürlich war es nicht möglich, alle Aspekte dieses Problemfeldes hier anzusprechen. Meine kurzen Darstellungen sollten belegen, dass viele Standpunkte, Maßnahmen, Vorgehensweisen, Zielen einer kritischen Prüfung bedürfen, weil sich die Bedingungen für die Schachförderung verändert haben. Das was bisher funktionierte, führt in der Gegenwart oft nicht mehr zu den gleichen Ergebnissen. Deshalb sollte auch ein anderer Blickwinkel auf die Situation mit berücksichtigt werden. Denn eines ist sicher, wenn so weitergemacht wird wie bisher, dann wird das „stille Sterben“ der Schachtradition in Deutschland (Vereinssterben usw.) ungehindert weitergehen.

Manfred Franz  


Ich bin selber schon seit einigen Jahren Funktionär in meinem Verein, sowohl als Jugendleiter als auch als Vorstand.

Ich muss sagen ich finde die Idee der Spitzenschachförderung zwar lobenswert, aber meiner Meinung nach sollte mehr das Breitenschach gefördert werden. Ich komme aus einer Region in der vor 16 Jahren noch eine Kreisliga B und A existiert hat. Mittlerweile haben wir noch vielleicht 5 Vereine im Schachkreis die die Mannschaften für den Ligabetrieb stellen, und von denen werden in den nächsten Jahren wohl noch mindestens drei aussterben. Da wird auch diese Spitzenförderung nichts daran ändern. Für die Zukunft wünsche ich mir mal ein bisschen mehr bodenständiges Gedankengut bei allen Funktionärskreisen sowohl auf Bundes, Landes oder Bezirksebene. Die hochtrabenden Ideen und Vorstellungen die da vorherrschen kann ich nach Rückblick auf meine Funktionärstätigkeit beim besten Willen nicht mehr nachvollziehen. Und wie bei allen "politischen" Dingen wächst der Verdruss der Basis über die da oben. Also, liebe Vorstandsmitglieder auf BSB Ebene, tut was für eure Basis, oder ihr werdet bald keine mehr haben!!

Hans Körber


Die Förderung von einheimischen Spitzenspielern im Schach kann durch die Veranstaltung von attraktiven Turnieren in Deutschland verbessert werden.

Die Dortmunder Schachtage bieten in der gegenwärtigen Form leider nur einem deutschen Spieler die Gelegenheit seine Kräfte mit Supergroßmeistern zu messen.

Ein wünschenswerteres Format wurde z. B. beim SKA Turnier München 1994 durchgeführt: an dem Rundenturnier mit zwölf Spielern (angeführt von Iwantschuk) nahmen vier führende Spieler aus Deutschland teil. Für solche Turniere gilt es im Bereich des DSB Sponsoren zu gewinnen.

Thomas Rüter


Über die Olympiadekonnten keinen neuen Mitglieder gewonnen werden! Schach ist auf dem Abwärtstrend !

Der komplette Verband ist ein Verband von Fachidioten. Alle Spieler lernen stundenlang Theorie auswendig. wie soll das vernünftige Leute anlocken, die neu einsteigen wollen ?

Wie soll das vernünftige Leute halten, die Beruf und Familie haben? Es ist alles einfach realitätsfremd seit dem jede Eröffnung ausgelutscht ist.

Die Zukunft kann nur chess960 sein, nur das ist schwierig zu erkennen, wenn man nur unter Fachidioten ist. des weiteren ist ja klar, wenn es keine guten Turniere und Unterstützung gibt, wie soll es dann Spaß machen? Investiert Geld in chess960 und die Zukunft ist gesichert auch die vom Verband. und auch die Computerbranche wird im Bereich Schach wieder was zu tun kriegen. damit ggf. auch wieder Geld kommen.

Daniel Stephan

 


Ohne Spitzenspieler, die in der Weltspitze mithalten können, wird Schach weiterhin kaum mediale Beachtung finden. Und ohne Medienpräsenz wird es sehr viel schwieriger, den Trend der sinkenden Mitgliederzahlen zu stoppen.

Eigentlich kann man einem Nachwuchstalent in Deutschland nur abraten, eine Profilaufbahn einzuschlagen. Es erfordert einen unglaublichen Aufwand, in die Riege der 2600er vorzudringen. Und dann ist man von der Weltspitze noch sehr weit entfernt. Wenn der Nachwuchsspieler nur einen Bruchteil dieses Aufwands in ein vernünftiges Studium steckt, wird er nach dem Studium ziemlich sicher einen ordentlich bezahlten Job finden, mit dem er auch in Deutschland gut leben kann. Einnahmen in entsprechender Größenordnung lassen sich als einfacher GM ganz sicher nicht erzielen.

Spielern, die außergewöhnliches Talent zeigen, sollte der Deutsche Schachbund über ein Stipendium ermöglichen, sich als junger Erwachsener etwa zwei Jahre vollständig auf's Schach konzentrieren zu können. Wenn dies den Spieler in die Nähe der 2700 bringt, ist zu erwarten, dass der Spieler vom Schach gut wird leben können. Verfehlt er das Ziel, ist für eine Karriere in einem normalen Beruf nicht allzu viel Zeit verloren gegangen. Daneben ist es unabdingbar, dass der Deutsche Schachbund über die Bezahlung für Einsätze in der Nationalmannschaft, den Spitzenspielern eine finanzielle Basis schafft.

Sponsoren sind zur Deckung des Finanzbedarfs natürlich der angenehmste Weg. Andererseits ist Schach ein sehr günstiges Vergnügen. Die meisten Vereine haben recht moderate Mitgliedsbeiträge, so dass es dort Luft nach oben geben sollte. Die meisten Schachspieler sind in ihrem Beruf einigermaßen erfolgreich und hätte sicher kein Problem mit höheren Beiträgen. Allerdings gibt es in jedem Verein eine Reihe weniger erfolgreicher Mitglieder, denen jeder zusätzliche Euro schmerzt. Diesen Mitgliedern durch höhere Beiträge, die Teilnahme am Vereinsleben zu verwehren und sie weiter ins soziale Abseits zu drängen, darf selbstverständlich nicht Ergebnis der Finanzierung des Spitzenschachs sein. Hier gilt es also Wege zu finden, die die Vereine mit dem Problem nicht alleine lassen. Ein Patentrezept habe ich leider auch nicht.

Jörg Harm

 


Dass in Zeiten der Globalisierung ein nationales Zugpferd den gleichen Effekt haben wird wie in den 80er Jahren noch Boris Becker im Tennis, glaube ich nicht.

Man sollte sich lieber ein Beispiel an Ländern wie seit 4-5 Jahren der Türkei nehmen und das Schulschach noch intensiver fördern, dann werden die nächsten Spitzenspieler nach 1,5 Jahrzehnten von selber kommen.

Und man hat den Menschen etwas Gutes getan, denn Schach ist gut für die Schulnoten der Schülerinnen und Schüler. Nur wenn die "breite Masse" an diesem Sport interessiert ist, wird man auch dauerhafte Erfolge erzielen können, alles andere ist Flickschusterei.

Janissa Ry

 

 


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