St. Louis: Carlsen startet mit Niederlage

von André Schulz
24.08.2015 – Die Spieler der Grand Chess Tour wollen es wissen: Zum Auftakt des Rex Sinquefield Cups gab es fünf Siege. Magnus Carlsen startete erneut mit einer Niederlage gegen Topalov. Den "Kafeehauszug" 7... g5 beantwortete der Weltmeister mit einem ehrgeizigen Figurenopfer, überschätzte aber später seine Möglichkeiten. Außer Topalov punkteten Nakamura, Giri, Aronian und Vachier-Lagrave. Partien, Analysen, Impressionen...

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Zum Auftakt des 3. Sinquefield Cups, zweite Station der Grand Chess Tour, erwischte Magnus Carlsen mit Veselin Topalov den gleichen Erstrundengegner wie beim ersten Turnier der Serie, dem Norway Chess Turnier. Dort ließ der Weltmeister in Gewinnstellung die Zeit ablaufen, weil er glaubte, es gäbe ein zusätzliches Zeitkontingent nach 60 Zügen, was aber nicht der Fall war. In den nächsten Runden verlor Carlsen gegen Caruana und Anand, startete mit 0,5 aus 4 und wurde schließlich nur Siebter. Topalov stattdessen, der in anderen Partien auch noch etwas Glück hatte, wurde Sieger in Carlsens Heimturnier.

Vor dem Start

Die heutige Partie zwischen Carlsen und Topalov wurde auf Sizilanischem Gelände gespielt, wobei Carlsen wie gewohnt die Offenen Varianten vermied und stattdessen zum Moskauer System mit 3.Lb5 griff. Bis zum 7. Zug folgten die Spieler der Partie Carlsen gegen Nakamura, Zürich 2014, mit dem ungewöhnlichen Zug 6.Ld3, dann wich Topalov mit dem extravaganten und kaffeehausartigen 7... g5 vom Vorbild ab. Carlsen ließ sich nun nicht lumpen und opferte eine Figur, um den in Mitte stehenden schwarzen König zu attackieren.

Das Figurenopfer brachte Weiß Chancen, aber offenbar überschätzte der Weltmeister im weiteren Verlauf seine Möglichkeiten. Topalov verteidigte sich aufmerksam und nach dem erzwungenen Damentausch war die Luft raus aus dem weißen Angriff und Carlsen befand sich bei knapp werdender Bedenkzeit auf dem Rückzug.

 

Mit Anish Giri gegen Alexander Grischuk gab es eine weitere Wiederholung der Auftaktpartie aus dem Norway Chess Turnier. In Stavanger hatte Giri diese Partie für sich entschieden. Die Eröffnung dieser Partie verlief weit aus konventioneller als das, das Carlsen und Anand am Nachbartisch produzierten. In der Katalanischen Eröffnung folgten die beiden Spitzenspieler bis zum 19. Zug einer Vorgängerpartie, die vor sechs Jahren zwischen Anand und Leko gespielt wurde. Auch diesmal hatte Giri das bessere Ende für sich.

Die Katalanische Eröffnung war auch das Thema der Partie zwischen Hikaru Nakamura und Viswanthan Anand und auch hier wurde lange "Theorie" gespielt. In der Variante mit 6...dxc4 und 8.a4 betrat Nakamura erst im 20. Zug mit 20 Lf4 Neuland. Zuvor waren schon die Damen getauscht worden. Im damenlosen Mittelspiel hatte Weiß stets etwas Initiative und Schwarz Probleme mit der Entwicklung seines Damenflügels.

 

 

Levon Aronian und Fabiano Caruana beschäftigten sich im Abgelehnten Damengambit mit der Variante 5.Lf4, wobei Schwarz in der Folge auf c7-c5 verzichtete. Caruana agierte so wie auf früheren Turnieren gegen Anand und Giri. 13...f6 war ein neuer Versuch des Neu-Amerikaners. Anfang des Jahres hatte Caruana in Wijk aan Zee gegen Giri 13...La6 gespielt. Es folgte ein Geplänkel im Zentrum mit beiderseitigen Bauernvorstößen. Caruana jagte dann in schon verdächtiger Stellung einem Qualitätsgewinn nach, übersah dabei aber, dass er im Nu am Königsflügel entscheidend in Nachteil geriet.

 

 

Aronian gibt Interviews nach seinem schnellen Sieg

Wesley So und Maxime Vachier-Lagrave folgte in einer Anti-Grünfeld Variante lange einer alten Partie aus dem Jahr 1977, die Anatoli Karpov mit Schwarz gegen Stefano Tatai gewonnen hatte. 14...Le6 war MVLs Abweichung von diesem Vorbild. An der Bewertung der Stellung änderte das nichts, denn beide Züge halten den vorhandenen schwarzen Vorteil fest, den der Franzose dann auch souverän verwertete.

Runde 1

Anish Giri 1–0 Alexander Grischuk
Wesley So 0–1 Maxime Vachier-Lagrave
Levon Aronian 1–0 Fabiano Caruana
Magnus Carlsen 0–1 Veselin Topalov
Hikaru Nakamura 1–0 Viswanathan Anand

 

Alle Partien

 

 

 

Jennifer Shahade, Yasser Seirawan und Maurice Ashley

Alejandro Ramirez kommentiert ebenfalls

 

Fotos: Grand Chess Tour

Preisfonds:

Die Spieler erhalten für ihre Platzierungen in den Turnieren Prämien. Nach dem Ende der Serie gibt es eine zusätzliche Prämie für die Gesamtwertung.

Preisfonds für die Turniere

Platz Prämie
1. $75, 000
2. $50, 000
3. $40, 000
4. $30, 000
5. $25, 000
6. $20, 000
7. $15, 000
8. $15, 000
9. $15, 000
10. $15, 000


Preisfonds für das Gesamtergebnis

Platz Prämie
1. $75, 000
2. $50, 000
3, $25, 000

 

Gesamtstand nach dem ersten Turnier:

Rank Title Name Rat Fed Grand Tour Points
1 GM Veselin Topalov 2798 BUL 13
2 GM Viswanathan Anand 2804 IND 10
3 GM Hikaru Nakamura 2802 USA 8
4 GM Anish Giri 2773 NED 7
5 GM Fabiano Caruana 2805 USA 6
6 GM Maxime Vachier-Lagrave 2723 FRA 5
7 GM Magnus Carlsen 2876 NOR 4
8 GM Alexander Grischuk 2781 RUS 3
9 GM Levon Aronian 2780 ARM 2
10 GM Jon Ludvig Hammer 2677 NOR 1


 

 

Alle Partien werden live im Fritzserver kommentiert.

Kommentatorplan:

23.08.2015 Runde 1 Thomas Luther Mihail Marin
24.08.2015 Runde 2 Jonathan Carlstedt/ Elisabeth Pähtz Mihail Marin
25.08.2015 Runde 3 Sebastian Siebrecht Simon Williams
26.08.2015 Runde 4 Sebastian Siebrecht Simon Williams
27.08.2015 Runde 5 Sebastian Siebrecht Simon Williams
28.08.2015 Ruhetag    
29.08.2015 Runde 6 Oliver Reeh/ Martin Breutigam Yannick Pelletier
30.08.2015 Runde 7 Oliver Reeh/ Martin Breutigam Yannick Pelletier
31.08.2015 Runde 8 Sebastian Siebrecht Daniel King
01.09.2015 Runde 9 Yannick Pelletier Daniel King

 

Unsere Live-Kommentatoren
 

Thomas Luther

Jonathan Carlstedt

Elisabeth Pähtz

Sebastian Siebrecht

Oliver Reeh

Martin Breutigam

Yannick Pelletier

Mihail Marin

Simon Williams

Daniel King

 

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Spielplan:

Zeitangaben Ortszeit (St. Louis, Missouri). Entspricht plus fünf Stunden in MESZ (1:00 PM ist 18.00 Uhr MESZ)
 

Datum Day  Time CDT (UDT-5) Event Ort
21. Aug Freitag   Anreise  
22. Aug Samstag 12:00 PM (Ortszeit) Autogrammstunde Kingside Diner
23. Aug Sonntag 1:00 PM Runde 1 Chess Club
24. Aug Montag 1:00 PM Runde 2 Chess Club
25. Aug Dienstag 1:00 PM Runde 3 Chess Club
26. Aug Mittwoch 1:00 PM Runde 4 Chess Club
27. Aug Donnerstag 1:00 PM Runde 5 Chess Club
28. Aug Freitag   Ruhetag  
29. Aug Samstag 1:00 PM Runde 6 Chess Club
30. Aug Sonntag 1:00 PM Runde 7 Chess Club
31. Aug Montag 1:00 PM Runde 8 Chess Club
1. Sep Dienstag 1:00 PM Runde 9 Chess Club
2. Sep Mittwoch 12:00 PM Stichkämpfe Chess Club
3. Sep Donnerstag 1:00 PM Ende Chess Club
4. Sep Freitag   Abreise  

 

Turnierseite...

Grand Chess Tour...

 



André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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wowbagger wowbagger 24.08.2015 12:42
Kaffeehaus? Nein. Beide Seiten agieren ehrgeizig, mit Mittelspielideen während der Eröffnung. Wie oft im Sizilianisch: Schwarz zögert mit Entwicklung und Rochade, und macht erst mal Raumgewinn am Damenflügel, mit bemerkenswert intakter Bauernstruktur. Weiss nutzt die Zeit für ein extravagantes Läufermanöver, und nimmt selbst Löcher in Kauf, um die schwarze Struktur gleich zu unterminieren. Schwarz sieht, dass Weiss aktuell etwas unkoordiniert steht, öffnet eine Linie am Königsflügel, und fragt, ob der weisse König am Flügel sicherer ist als der schwarze in der Mitte.

flachspieler flachspieler 24.08.2015 08:59
Meine Meinung zu Carlsen-Topalov: Wenn Kaffehaus-Stil, dann gilt das für 6.Ld3. 7...g5 war eine vorbereitete Neuerung. und alles andere als eine adhoc-Idee.
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