St.Pauli Open: Feuerstack in Führung

von André Schulz
23.07.2015 – Für Hamburger Schachspieler ist das Sommer Open des FC St. Pauli inzwischen eine feste Größe. In der Südtribüne des neuen St. Pauli Stadions werden vom Hamburger Kiezclub erstklassige Spielbedingungen und viel Atmosphäre geboten. Das Organisationsteam ist eingespielt und nimmt jede organisatorische Hürde mit Leichtigkeit. Im Spitzenspiel gelang Aljoscha Feuerstack gestern ein Sieg über Niclas Huschenbeth. Mehr...

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Zwischen Dom und Reeperbahn

Der Banner des St. Pauli Opens

 

Das Millerntor um 1800, hinten St. Michaelis.

Das Millerntor war das westlichste der Hamburger Stadttore und grenzte die Hamburger Altstadt zur Vorstadt St. Pauli ab. Fuhr man die Reeperbahn, benannt nach den Seilmachern, die hier ansässig waren, hinunter, kam man zum Nobistor, das Hamburg von Altona abgrenzte. Altona gehörte bis 1866 zu Dänemark (1644/45 auch mal kurz zu Schweden) und ist heute Stadtteil von Hamburg. 1591 brach zwischen Hamburg und Altona ein Grenzkrieg über "Weide- und Münzrechte, Zunft- und Glaubensfragen und die Nutzung der Elbe (eigentlich also über alles) aus, der endgültig erst 1740 beigelegt wurde.

 

Gleiche Perspektive heute, im Moment wird auf dem Heiligengeistfeld der Hamburger Dom aufgebaut, so heißt in Hamburg die Kirmes

 

St. Michaelis, kurz: "der Michel", im Hintergrund

 

Es gibt noch viel zu tun, am Samstag geht es los

 

Wer hier steht ist richtig: die Piratenflagge ist eines der Symbole für den FC St. Pauli

 

Das Hamburger Staatswappen ist im offiziellen Vereinswappen integriert

 

 

Das neue Stadion, hier die Südtribüne, in der die Geschäftsstelle sitzt, die Schachabteilung ihren Spielsaal hat und das Open gespielt wird.

 

Hier dreht sich alles, na, fast alles, um Fußball

 

Kunst im Treppenhaus

 

Eingang zum Open. Das Bild oben erinnert an ein Szenelokal auf der Reeperbahn, in dem im Keller auch geboxt wird. Die Kneipe heißt... (Nicht jugendfrei)

 

Das St. Pauli Open gibt es  in diesem Jahr nun zum 6. Mal und es ist inzwischen auch schon das größte Hamburger Schachturnier. Dank der Unterstützung durch den FC St. Pauli hat das Open in den Räumen in der Südtribüne des schönen neuen Stadions eine großartige Heimat gefunden. A- und B- Open mit ca. 200 Teilnehmern sind in zwei Räumen untergebracht. Nebenan gibt es noch einen dritten Raum mit Ausschank, der als Analyseraum genutzt wird. Vom B-Open kann man sich auf einer Terrasse mit Blick auf die anderen Tribüne und den Rasen die Beine vertreten.

Das Organisationsteam der Hamburger Schachfreunde mit Andreas Albers ist nach einigen Jahren gemeinsamer Arbeit bestens eingespielt, hatte die Aufgaben gut in der Hand, stand aber in diesem Jahr vor besonderen Problemen. Nachdem der Termin für das Open festgelegt war, wurde durch Veröffentlichung des Terminplans durch den Fußballbund bekannt, dass in die Zeit des Opens, am Samstag, ein Heimspiel von St. Pauli fallen würde. Das bedeutete, das die Räume an diesem Tag nicht zur Verfügung stehen würden, die Tische (für über 200 Spieler) weggeräumt, am Sonntag vor der Runde aber wieder rechtzeitig aufgestellt werden müssen. "Wir fangen um 7 Uhr morgens damit an," seufzte Andreas Albers. Aber es wird alles klappen. "Ich hoffe nur, dass alle Spieler genug Disziplin und Anstand gegenüber ihren Gegnern haben und nach einem Ruhetag vor der letzten Runde am Sonntag auch antreten."

Mitorganisator Andi Albers im Gespräch mit Björn Bente

 

Das Turnier wird mit 9 Runden nach Schweizer System gespielt. Einer der Favoriten ist GM Niclas Huschenbeth, der zwar in den USA Studiert und dort für eine College-Mannschaft spielt, aber in Hamburg fest verwurzelt ist und seine Semesterferien nutzt, um das Open wieder mitzuspielen. Huschenbeth startete mit 4 aus 4 und gab dann gegen Jose Cuenca im Spitzenspiel der 5. Runde sein erstes Remis ab. In der gestrigen 6. Runde unterlag er allerdings Aljoscha Feuerstack. Huschenbeth fiel dadurch auf Rang acht zurück, währen Feuerstack mit 5,5 Punkten die alleinige Führung übernahm, die er heute in der 7. Runde gegen den polnischen Nationalspieler Bartosz Socko verteidigen muss.

 

Toptisch des A-Opens in der 6. Runde

 

Niclas Huschenbeth

 

Aljoscha Feuerstack gelang ein Sieg über Niclas Huschenbeth

 

Jose Fernandez Cuenca

 

Der nächste Tisch mit dem jungen belgischen GM Tanguy Ringoir, der...

 

... gegen Dusan Nedic spielt.

 

Turnierfavorit Bartosz Socko

 

... gegen Mark Hartikainen

 

Ergebnisse der 6. Runde an den Spitzentischen

Tisch TNr Teilnehmer Tite Punkte - TNr Teilnehmer Tite Punkte Ergebnis At
1 2. Khenkin,Igor GM (4½) - 5. Cuenca Jimenez,J IM (4½) ½ - ½  
2 3. Huschenbeth,Nicl GM (4½) - 8. Feuerstack,Aljos IM (4½) 0 - 1  
3 4. Ringoir,Tanguy GM (4) - 15. Nedic,Dusan   (4½) 1 - 0  
4 1. Socko,Bartosz GM (4) - 21. Hartikainen,Mark FM (4) 1 - 0  
5 17. De Jong,Migchiel IM (4) - 6. Shishkin,Vadim GM (4) 0 - 1  
6 22. Lyell,Mark FM (4) - 9. Stark,Lars IM (4) 1 - 0  
7 42. Uksini,Bardhyl   (4) - 12. Colpe,Malte   (4) ½ - ½  
8 7. Trent,Lawrence IM (3½) - 29. Lenaerts,Lennert FM (3½) 1 - 0  
9 37. Michalczak,Thoma FM (3½) - 10. Souleidis,Georgi IM (3½) ½ - ½  
10 11. Langheinrich,Fer   (3½) - 39. Harder,Clemens   (3½) 1 - 0

...

 

Partien: (Runde 1,2,3 und 5)

 

 

 

Michiel De Jong, vorne

 

IM Lars Stark aus Düsseldorf startete gut ins Turnier, unterlag gestern aber Mark Lyell

 

Der Tische Bardhyl Uksini, Lawrence Trent, Lennert Lenaerts, Malte Colpe

 

Lawrence Trent ist seit kurzer Zeit Manager von Fabiano Caruana, konnte diesen aber nicht zur Teilnahme am St. Pauli Open überreden. Vielleicht beim nächsten Mal.

 

Malte Colpe vom Hamburger SK, der bei seinen Fußballfreunden als "Kopfballungeheuer" gefürchtet ist.

 

Thomas Michalczak, Harder,Clemens und Georgios Souleidis

Übrigens: Bei Problemen mit dem Spielerlexikon in ChessBase 13 (Falschzuordnung der Bilder): Einmal das PlayBase-Verzeichnis löschen. Wird vom Programm dann neu und korrekt angelegt. Der Fehler korrigiert sich allerdings im Laufe der Zeit auch automatisch.

 

Georgios Souleidis, ebenfalls Hamburger SK und "Mr. Bundesliga", als Redakteur der Webseite der Schach-Bundesliga

 

Das Hamburger Original, Hauke Reddmann, mehrfacher Hamburger Meister, hat 4,5 Punkte gesammelt.

 

Stand nach 6 Runden

Rang Teilnehmer Titel TWZ At Verein/Ort Land S R V Punkte Buchh BuSumm
1. Feuerstack,Aljosc IM 2446 M FC ST.Pauli GER 5 1 0 5.5 17.5 99.5
2. Shishkin,Vadim GM 2507 M   UKR 5 0 1 5.0 21.5 96.0
3. Cuenca Jimenez,Jo IM 2510 M Hamburger SK ESP 4 2 0 5.0 21.0 102.5
4. Khenkin,Igor GM 2590 M SG Porz GER 4 2 0 5.0 21.0 98.5
5. Socko,Bartosz GM 2624 M USV TU Dresden POL 4 2 0 5.0 20.0 98.5
6. Ringoir,Tanguy GM 2522 M   BEL 4 2 0 5.0 20.0 96.0
7. Lyell,Mark FM 2259 M   ENG 5 0 1 5.0 19.0 96.0
8. Huschenbeth,Nicla GM 2535 M Hamburger SK GER 4 1 1 4.5 23.5 96.0
9. Nedic,Dusan   2327 M   GER 4 1 1 4.5 22.0 94.5
10. Klenburg,Mikhail IM 2357 M Beer Sheva Ches ISR 4 1 1 4.5 20.0 90.0
11. Uksini,Bardhyl   2181 M Hamburger SK AUT 4 1 1 4.5 19.5 93.5
12. Langheinrich,Fere   2376 M SV Empor Erfurt GER 4 1 1 4.5 19.0 94.5
13. Colpe,Malte   2368 M Hamburger SK GER 3 3 0 4.5 19.0 89.0
14. Trent,Lawrence IM 2459 M SK Norderstedt ENG 4 1 1 4.5 18.5 95.0
15. Reddmann,Hauke,Dr FM 2239 M SK Wilhelmsburg GER 4 1 1 4.5 15.5 92.0
16. Stark,Lars IM 2433 M Düsseldorfer SK GER 3 2 1 4.0 21.0 96.0
17. De Jong,Migchiel IM 2309 M   NED 4 0 2 4.0 20.0 93.0
18. Bente,Bjoern   2296 M Hamburger SK GER 2 4 0 4.0 20.0 90.0
19. Souleidis,Georgio IM 2405 M Hamburger SK GRE 3 2 1 4.0 19.5 90.5
20. Grötzbach,Daniel   1994 M Hamburger SK GER 3 2 1 4.0 19.5 86.0

... 135 Spieler

 

Ellisiv Reppen aus Norwegen

 

Fiona Sieber, vielfache Teilnehmerin bei deutschen und internationalen Jugendmeisterschaften

 

Julian Grötzbach, vielleicht auch sein Zwillingsbruder Daniel. Während ihrer Praktikumszeit bei ChessBase haben beide einen sehr lehrreichen Vidoe-Kurs zum Läuferopfer auf h7 aufgenommen.

 

Klaus Besenthal, der in der Stadtliga am ersten Brett für die "Schachelschweine" spielt, war mit seiner Performance nicht zufrieden, konnte aber trotzdem noch lachen. Allerdings musste er an diesem Tag eine weitere Niederlage hinnehmen.

 

Rechts Teodora Rogozenco, Tochter des Bundestrainer Dorian Rogozenco, hier gegen Gerd Fischer, den sie besiegen konnte.

 

Lisa Truong ist mit 11 Jahren ein Hamburger Talent und spielte schon bei den deutschen Jugendmeisterschaften mit

 

Im B-Open musste sie ausgerechnet gegen einen ihrer Trainer von den "Schachelschweinen" antreten, ...

 

... Maximilian Schrader. Mehr als Remis war für den Trainer aber nicht zu holen. Mit DWZ 1519 ist Lisa Truong Nummer 73 in der Startliste des B-Open. Mit 4 Punkten ist sie aber derzeit 14. in der Tabelle.

 

B-Open, Stand nach 6 Runden

Rang Teilnehmer Titel TWZ At Verein/Ort Land S R V Punkte Buchh BuSumm
1. Gula,Julian   1731   SF Düsseldorf-S GER 5 1 0 5.5 20.5 100.5
2. Rousell, Simon   1772     FRA 5 1 0 5.5 19.0 100.0
3. Cassens,Erhard   1847   SV Lurup Hambur GER 5 0 1 5.0 19.5 88.0
4. Woelk,Tom-Frederi   1798   SC Diogenes GER 4 1 1 4.5 21.5 94.5
5. Pfreundt,Mathis   1812   Königsspr. SC GER 3 3 0 4.5 21.5 89.5
6. Kitze,Lukas   1844   GW Granschütz GER 4 1 1 4.5 21.0 93.0
7. Eichstaedt,Axel   1819   DBSB GER 3 3 0 4.5 19.0 94.0
8. Schwerdtfeger,Wol   1842   Lübecker SV GER 4 1 1 4.5 17.5 94.0
9. Reher,Wolfgang   1820   Segeberger SF GER 4 1 1 4.5 16.0 95.0
10. Floren,Dieter,Dr.   1765   Hamburger SK GER 4 1 1 4.5 15.5 90.0
11. Neumann,Lutz   1880   BSV Ehrenfriede GER 2 4 0 4.0 21.5 93.5
12. Trumpa,Jan   1788   Stader SV GER 3 2 1 4.0 20.5 97.5
13. Flemming,Klaus, D   1772     GER 3 2 1 4.0 20.5 94.0
14. Truong,Lisa   1519 W SC Schachelschw GER 3 2 1 4.0 20.5 88.0
15. Oganessjan,Artur   1846   TuRa Harksheide GER 3 2 1 4.0 20.0 96.5
16. Retzlaff,Wolfgang   1778   Pinneberger SC GER 3 2 1 4.0 19.5 95.5
17. Gröning,Finn Jona   1788   Hamburger SK GER 4 0 2 4.0 19.5 92.0
18. Kaduszkiewicz,Mar   1823     GER 3 2 1 4.0 19.0 95.0
19. Schrader,Maximili   1815   SC Schachelschw GER 3 2 1 4.0 18.5 100.5

... 104 Spieler

 

Junger St. Pauli-Fan mit Biss

 

Hier lockt der Cola-Automat mit falschen Versprechungen

 

Das A-Open

 

Rundenstart im A-Open

 

Das B-Open

 

Vom B-Open kommt man direkt auf die Terrasse im Stadion, mit ausgezeichnetem Blick ins Stadion:

Das neue St. Paulis Stadion ist inzwischen fertig und ein echtes Schmuckstück geworden. Nach und nach wurde eine Tribüne nach der anderen erneuert. Die Veteranen erinnern sich noch an die "Fußballschlachten" im einstigen so genannten "Freudenhaus der Liga". In den Zeiten, als St. Pauli noch in der 1. Bundesliga spielte, war das erste Saisonziel stets der Sieg über den HSV, mit dessen Fans die Fans von St. Pauli ein tiefe Rivalität pflegen. Das Stadion des Hamburger SV liegt zwar nicht in Altona, aber doch ziemlich in der Nähe. Das erklärt manches (s.o.).

Der Klassenerhalt war nachrangig. Das "Freudenhaus" bezieht sich auf die wirklich nahe gelegene Reeperbahn. Das Hamburger Rotlichtviertel ist nur einen Steinwurf entfernt. Auf der Reeperbahn stehen aber andere Dinge im Vordergrund. Zum Steinewerfen geht man in "die Schanze", das Schanzenviertel, mit der berühmten "Roten Flora".

Im Hintergrund sieht man noch einen ganz schmalen Streifen des Hamburger "Flakturms IV". Er ist einer der größten jemals erbauten Bunker, pures Stahlbeton, mit 3,5 Meter dicken Wänden und 5 Meter dicken Decken. Er wird heute als Medienzentrum genutzt. Dahinter sieht man den Fernsehturm, der allerdings in Wirklichkeit eine ganze Ecke entfernt steht.

Am kommenden Samstag ist Saison-Eröffnung gegen Bielefeld. Das wird St. Paulis Torwart-Trainer Matthais Hain freuen, der lange Jahre bei Bielefeld als Torhüter gespielt hat. Auch bei St. Pauli stand Hain noch aktiv im Tor.

St. Pauli legt wert auf soziales Engagement

 

Und Faschisten kommen hier auch nicht rein. Wenn man sich hier daneben benimmt, ruft das ganze Stadion: "Du bist doof!"

 

St. Pauli Open Turnierseite...

St. Pauli Schachabteilung...

 


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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