Start des dritten Grand Prix in Berlin

von André Schulz
20.03.2022 – Am Montag beginnt in Berlin offiziell der dritte und letzte Grand Prix. Vincent Keymer ist wieder am Start und hat nach seinem erfolgreichen Abitur den Kopf frei. Seine Gruppe ist allerdings alles andere als leicht. Mit Mamedyarov, Dominguez und Dubov muss Keymer sich gegen drei Weltklassespieler behaupten.

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Für den WM-Zyklus 2022/23 haben die FIDE und Worldchess die Grand Prix-Serie neu gestaltet. Nachdem diese Qualifikationsschiene für das Kandidatenturnier in den Jahren zuvor etwas langatmig und wenig spannend war, wird die aktuelle Serie nun in drei kurz hintereinander folgenden Turnieren gespielt, davon zwei in Berlin und eins in Belgrad. Das Feld der 16 Teilnehmer tritt in vier Gruppen im Modus jeder-gegen-jeden, in zwei Umgängen, an. Die Gruppensieger bestreiten danach eine K.o.-Runde mit Halbfinale und Finale.

An den drei Turnieren nehmen insgesamt 24 Spieler teil. Jeder der Spieler bestreitet zwei der drei Turniere. Für ihre Platzierungen erhalten die Spieler Punkte. Die beiden Punktbesten nehmen am Kandidatenturnier teil, das schon im Juni-Juli in Madrid ausgetragen wird. 

Die Serie ist überschattet vom Angriff Russlands auf die Ukraine. Während des ersten Grand Prix in Berlin nahm der kommende Angriff schon Gestalt an. Am 24. Februar, während des zweiten Grand Prix in Belgrad, begann Russland seine Invasion den Nachbarlandes.

Mit Dmitry Andreikin, Alexander Grischuk, Andrey Esipenko, Nikita Vitiugov, Daniil Dubov, Alexander Predke, Vladimir Fedoseev und Grigoryi Oparin sind auch acht Großmeister aus Russland an der Serie beteiligt.

Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hat das IOC die russischen und weißrussischen Sportler von allen Wettbewerben ausgeschlossen. Die FIDE hat offizielle Veranstaltungen, die in Russland vorgesehen waren, anders vergeben und die russischen und weißrussischen Nationalmannschaften von offiziellen Wettbewerben ausgeschlossen. Die Spieler dürfen in Einzelturnieren teilnehmen, nicht aber unter russische Flagge. Viele russische Schachspieler haben sich in Videos, in den sozialen Medien und mit einer Unterschriftenaktion gegen den Krieg ausgesprochen. Arkady Dvorkovich in einem Interview ebenso. Ukrainische Schachspieler forderten hingegen den generellen Ausschluss der russischen Spieler und auch den Rücktritt des russischen FIDE-Präsidenten Dvorkovich. 

Im zweiten Berliner Grand Prix werden fünf der acht russischen Großmeister aller Voraussicht am Start sein und dort unter der Flagge der FIDE antreten.

Das Turnier wird vom 21. März bis 4. April wieder im World Chess Club in Berlin stattfinden, mit der prominenten Adresse, Unter den Linden 26-30/ Mittelstraße 51-52. Das ist die Adresse der Kaiserhöfe. Der Berliner "World Chess Club" war zum Zeitpunkt des ersten Grand Prix noch wenig einladend. Den wenigen Zuschauer vor Ort wurde ebenso wenig geboten. Das wird sich unter den gegebenen Umständen kaum geändert haben und kann vermuten, dass die Pläne der in England registrierten russischen Firma World Chess angesichts der neuen Realitäten überdacht werden müssen.

Die Präsentation im Internet war hingegen ordentlich. Neben dem englischen Livekommentar des Veranstalters hat der der Deutsche Schachbund auf seinem Schachdeutschlandtv-Twitch-Kanal bei Twitch einen deutschen Kommentar angeboten, in dem auch die Live-Bilder der Spieler zu sehen war. Das wird auch beim dritten Grand Prix so sein. 

Mit Vincent Keymer nimmt erstmals auch ein deutscher Spieler teil. Der inzwischen schon beste deutsche Spieler war während des ersten Grand Prix noch Schüler und mit seinem Abitur beschäftigt. Inzwischen hat er auch die mündliche Prüfung erfolgreich absolviert. Keymer hatte es durch eine tolle Leistung beim Grand Swiss Turniere in die Grand Prix Serie geschafft, ist hier aber der jüngste Spieler und gehört zu den Spielern mit der niedrigsten Elo-Zahl.

Beim ersten Grand Prix-Turnier trat er mutig auf, versteckte sich bei den Partien gegen die weltbesten Spieler nicht, wurde aber nur mit drei Remis belohnt. Drei Partien verlor er. Am Ende war Vincent Keymer Gruppenletzter. Der beste und jüngste deutsche Großmeister sah das aber gelassen: Er sei gekommen, um zu lernen. 

Bei zweiten Berliner Grand Prix, der dem dritten insgesamt, hat es die Auslosung auch nicht besser mit dem Youngster gemeint. In Gruppe B trifft er auf Shakriyar Mamedyarov, Leinier Dominguez und Daniil Dubov. Da sind die Nummer sieben, die Nummer 13 und die Nummer 30 in der Welt.

Die Gruppeneinteilung:

Pool A:

Levon Aronian (USA), 2785
Hikaru Nakamura, (USA), 2750
Dmitry Andreikin (FIDE), 2719*
Grigoriy Oparin (FIDE), 2674

*Dmitry Andreikin hat aus persönlichen Gründen auf eine Teilnahme verzichtet. Für ihn rückt Andrey Esipenko nach.

Pool B:

Shakhriyar Mamedyarov (Aserbaidschan), 2776
Leinier Dominguez (USA), 2756
Daniil Dubov (FIDE), 2711
Vincent Keymer (Deutschland), 2655

Pool C: 

Wesley So (USA), 2778
Maxime Vachier-Lagrave (Frankreich), 2761
Sam Shankland (USA), 2704
Alexandr Predke (FIDE), 2682

Pool D:

Anish Giri (Niederlande), 2771
Nikita Vitiugov (FIDE), 2726
Yu Yangyi (China), 2713
Amin Tabatabaei (Iran), 2623

Terminplan (ohne Gewähr)

22. März: Runde 1
23. März: Runde 2
24. März: Runde 3
25. März: Runde 4
26. März Ruhetag
27. März: Runde 5
28. März: Runde 6
29. März Stichkämpfe

30. März: 1. Halbfinale
31. März: 2. Halbfinale
1. April: Stichkämpfe
2. April: 1. Finalpartie
3. April: 2. Finalpartie
4. April Stichkämpfe

Rundenbeginn täglich 15 Uhr.

Gesamtwertung

In der Gesamtwertung führt nach zwei Turnieren Richard Rapport (20 Punkte) vor Hikaru Nakamura (13), Dmitry Andreikin (10), Levon Aronian (10), Anish Giri, Maxime Vachier-Lafrave und Leinier Dominguez (alle 7 Punkte) . Das sind die Spieler, die noch theoretische Chancen haben, sich für das Kandidatenturnier zu qualifizieren. Außer Rapport können alle anderen Spieler in Berlin noch punkten.

* Andreikin hat inzwischen verzichtet.

Rahmenprogramm

Der deutsche Schachbund bietet ein Rahmenprogramm an, unter anderem ein Familienturnier und ein Frauen-Open.

Stefan Löffler lädt zudem zu einem schachhistorischen Rundgang durch Berlin Mitte ein:

Schachhistorischer Spaziergang durch Mitte 

31. März 12-14 Uhr (Donnerstag) 

Ein Rundgang zu den Orten, wo sich die Schachszene im 19. und frühen 20. Jahrhundert in Berlin-Mitte traf, und zu zwei Drehorten des "Damengambit" wird am 31. März vom Journalisten Stefan Löffler angeboten. Treff- und Ausgangspunkt ist um 12 Uhr im Café im Bode-Museum (Obergeschoss). Endpunkt ist in der Nähe bzw. direkt im World Chess Club Berlin, wo am Nachmittag das Halbfinale des Grand Prix läuft. 

Um Anmeldung wird gebeten: sl@chesstech.org

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.