Stavanger: Caruana gewinnt Norway Chess Turnier

von André Schulz
07.06.2018 – Spannung bis zum Schluss! Während Carlsen und Vachier-Lagrave früh remis machten und Nakamura und Aronian dem Beispiel etwas später folgten, musste die Entscheidung über den Turniersieg beim Norway Chess Turnier am Brett von Caruana und So fallen. So griff beherzt an, doch in den wilden Verwicklungen behielt Caruana die Oberhand und wurde damit Turniersieger.| Fotos: Lennart Ootes / Norway Chess

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Gleich vier Spieler waren vor der heutigen Schlussrunde beim Norway Chess Turnier punkgleich an der Spitze: Wesley So, Magnus Carlsen, Fabiano Caruana und Hikaru Nakamura. Caruana und So trafen aufeinander. Magnus Carlsen hatte es mit Maxime Vachier-Lagrave zu tun und spielte mit den schwarzen Steinen. Nakamura hatte ebenfalls Schwarz gegen Aronian. Anand mit 3,5 Punkten hatte ebenfalls noch Chancen, an der Spitze gleichzuziehen. Auch der 15. Weltmeister spielte mit Schwarz, gegen Sergey Karjakin.

Großer Rummel vor der Bühne

Carlsen war jedoch nicht in der Stimmung gegen Vachier-Lagrave noch grpßes Risiko einzugehen. Bei vollem Brett wurde die Partie im schon 17. Zug remis gegeben. Dabei könnte wohl auch eine Rolle gespielt haben, dass die beiden Spieler inzwischen zusammen trainieren. Der Weltmeister kassierte den halben Punkt und schaute dann zu, was an den übrigen Brettern passierte.

Levon Aronian und Hikaru Nakamura zitierten sich selbst und spielte die gleiche Variante im Damengambit, die sie schon einmal, im letzten Jahr in London, auf dem Brett hatten - und das sogar bis zum 20. Zug.

 

Mit 20.Sge6 wich Schwarz schließlich vom eigenen Vorbild ab. Die Partie ging nun zwar noch über 20 Züge weiter, doch große Spannung kam nicht auf. Nach und nach verschwanden die meisten Steine und am Ende machte das Weiterspielen im Turmendspiel keinen Sinn mehr. Remis.

 

Ebenso wie Aronian und Nakamura fochten auch Karjakin und Anand ihre Partie auf dem Gelände der Lf4-Variante im Abgelehnten Damengambit aus. Karjakin wählte eine Variante mit langer Rochade und Anand antworte mit einem Abspiel, das Karjakin selber im letzten Jahr gegen Ivanchuk gespielt hatte. Karjakin orientierte sich im Unterschied zu Ivanchuk an der Stammpartie Kasparov-Vaganjan, 1992, und hier hatte Anand eine kleine Neuerung in petto.

 

In einer munteren Partie waren die Chancen einige Zeit gleich, bis Karjakin einen Blackout hatte.

Karjakin und Anand

 

Hier spielte Weiß 26.h4? und musste nach 26.Se5 feststllen, dass neben 27...Sxc4 auch hässlich 27...Sg4 drohte. Die Partie dauerte noch ein paar Züge, doch von dem Schlag erholte sich Weiß nicht mehr. 0-1.

Fabiano Caruana und Wesley So übten sich in einer zunächst ruhigen Variante der Spanischen Partie, dann nahm der Amerikaner sich seinen Gegner zum Vorbild und rückten mit seinem g-Bauern am Königsflügel vor, so wie Caruana das gestern gegen Anand erfolgreich vorgemacht hatte. Allerdings rochierte So lang.

 

Im 32. Zug nahm die Partie dann rasant an Fahrt auf. So opferte mit e5-e4 einen Bauern und griff mit De5 und Sg4 den weißen König an. 

Die kritische Phase der Partie

 

Statt 38...Sg4 war objektiv vielleicht 38...Td2 besser. Caruana verteidigte sich zumeist nervenstark, ließ zwischendurch aber auch mal ein ewiges Schach zu (41...Td2 statt 41...Td3) . Am Ende wilder Verwicklungen stand eine Endspiel, in dem So mit Dame gegen zwei Türme und Läufer und Bauernplus auf der Gegenseite übrig blieb. Zuwenig zum Weiterspielen. So gab auf und Caruana wurde mit diesem Sieg Turniersieger. 

Partien

 

Tabelle

 

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.
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RevTiberius RevTiberius 07.06.2018 10:43
Interessanter Turnierausgang. Caruana gewinnt, aber verliert ausgerechnet gegen Carlsen. Gleichzeitig findet sich Karjakin, der letzte Herausforderer des Weltmeisters, ausgepeitscht am Tabellenende wieder.
Etwas ueberraschend, wie leicht Carlsen heute in der letzten Runde ins Remis einwilligt. Ich haette gedacht, dass er gegen den in diesem Turnier schwach spielenden Vachier-Lagrave versuchen wuerde, auf Gewinn zu spielen - weil ja durchaus zu vermuten war, dass einer seiner Konkurrenten um den 1. Platz einen vollen Punkt holen wuerde.
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