Strahlende Sieger und ein Skandal

04.06.2011 – Die Deutsche Meisterschaft 2011, die vom 26. Mai bis 3. Juni in Bonn ausgetragen wurden, ging am Freitag mit der Siegerehrung zu Ende. Bei den Damen siegte Sarah Hoolt nach beeindruckender Aufholjagd, bei den Herren Igor Khenkin mit geschickter Wahrung seines zu Beginn heraus gespielten Vorsprungs. Für den größten Gesprächsstoff sorgte jedoch ein anderer Spieler: Christoph N. Er zeigte einen großen Hang zur Technik und suchte in der Schlussrunde immer wieder Rat bei seinem Handy, auf dem ein Schachprogramm installiert war. Das sorgte für N.'s Disqualifikation, einen Skandal und wirft einmal mehr die Frage auf, wie man mit ähnlichen Betrugsversuchen bei Schachturnieren umgehen kann und soll. Zum Abschluss eine Kurzbilanz in Bildern.Turnierseite..., DeepChess!!! mit Stimmen zur Meisterschaft...Mehr...

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Fotos: Axel Fritz


Die Siegerehrung: (von links nach rechts) Volker Britt, Geschäftsführer des Sponsors HonorarKonzept, Turnierdirektor Dr. Ralph Alt, die neue Deutsche Meisterin Sarah Hoolt, der neue Deutsche Meister Igor Khenkin und der scheidende DSB-Präsident Prof. Dr. Robert K. Frhr. von Weizsäcker


Igor Khenkin, der neue Deutsche Meister. Er holte 6,5 aus 9 Partien und bewies, wie erfolgreich man mit der Devise "Safety First" sein kann. Khenkin startete mit 3 aus 3, danach drosselte er das Tempo. In den nächsten sechs Runden spielte er fünf Remis und gewann eine Partie. Drei dieser Remispartien dauerten nicht länger als elf Züge. Bei der Deutschen Meisterschaft 2010 hatte Khenkin eine ähnliche Strategie verfolgt und wurde von Niclas Huschenbeth noch abgefangen, dieses Jahr hatte er mehr Erfolg. Er lag nach Punkten am Ende gleichauf mit Jan Gustafsson, aber hatte sowohl den besseren Gegnerschnitt als auch die bessere Buchholz.


Jan Gustafsson holte wie Khenkin 6,5 Punkte, wurde aber nach Wertung Zweiter. Gustafsson gewann fünf Partien und verlor nur eine, allerdings erlaubte er sich auch drei Remispartien, die den 20. Zug nicht erlebten.


Daniel Fridman landete auf dem dritten Platz, er gewann vier Mal, spielte vier Mal Unentschieden (darunter zwei Kurzremis mit weniger als 20 Zügen) und verlor nur gegen Rainer Buhmann.


Rainer Buhmann wurde Vierter und hat eine ähnliche Bilanz wie Daniel Fridman. Er gewann vier Partien, machte vier Remis (ein Kurzremis) und verlor einmal.


Dr. Oswald Gschnitzer holte 6 aus 9, spielte aber nur acht Partien. In der vierten Runde gewann er kampflos gegen Falko Bindrich, der nicht pünktlich zu Rundenbeginn am Brett erschienen war, worauf der Schiedsrichter die Partie als kampflos verloren für Bindrich wertete, der daraufhin vom Turnier zurücktrat.


René Stern landete mit 5,5 Punkten auf dem sechsten Platz. Stern hatte lange Chancen auf eine GM-Norm, die jedoch durch seine Letztrundenniederlage gegen Rainer Buhmann zunichte gemacht wurden. Allerdings ist Stern in zwei anderen Kategorien Spitze: Er hat den höchsten Gegnerschnitt (2498) und die höchste Buchholz (50,00).


Niclas Huschenbeth, der Deutsche Meister von 2010. Er wurde dieses Jahr Siebter, aber zeigte den größten Kampfgeist. Huschenbeth gewann vier Partien, machte drei Remis und verlor zwei. Er kommt auf eine Durchschnittszahl von 55 Zügen pro Partie und hat sich als einziger Spieler auf den Plätzen 1 bis 10 kein Kurzremis erlaubt.


Platz acht mit 5,5 Punkten ging an Sebastian Siebrecht.


(Foto: Wikipedia)
Neunter wurde Christian Seel, der sich in Bonn recht friedlich zeigte. Er gewann zwei Partien und spielte sieben Remis, darunter vier, die nicht einmal 20 Züge dauerten.


Rasmus Svane spielte ein phantastisches Turnier. Er holte 5,0, wurde Zehnter und erzielte eine IM-Norm.


Sarah Hoolt ist die neue Deutsche Frauenmeisterin. Sie startete mit 1,5 aus 3, aber gewann dann die restlichen sechs Partien und war am Ende alleinige Tabellenführerin.


Platz Zwei ging an Alisa Frey. Sie holte 7 Punkte.


Christoph N. sorgte in der letzten Runde für den Skandal des Turniers. Wie sich herausstellte benutzte N. nicht nur Kaffee, um stärker zu spielen, sondern auch ein Schachprogramm auf seinem Smartphone. Das flog auf, weil N. in der letzten Runde verdächtig selten am Brett zu sehen war. Sein Gegner Sebastian Siebrecht machte dieses Verhalten misstrauisch und er wies den Schiedsrichter darauf hin. Im Anschluss wurde N. ertappt, wie er die laufende Partie auf seinem Handy nachspielte. Partieverlust und sofortige Disqualifikation waren die Folge.


 


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