Superbet Chess Classic: Beide Spitzenreiter straucheln

von André Schulz
08.06.2021 – Die Superbet Chess Classic waren bisher noch nicht recht in Fahrt gekommen. Nur drei Siegen in drei Runden. Heute war Kasparov zu Besuch und gleich gab es zwei weitere Entscheidungen. Wesley So besiegte Fabiano Caruana und Bogdan-Daniel unterlag Alexander Grischuk. | Fotos: Lennart Ootes

ChessBase 16 - Megapaket Edition 2021 ChessBase 16 - Megapaket Edition 2021

Dein Schlüssel zu frischen Ideen, präzisen Analysen und zielgenauem Training!
ChessBase ist die persönliche Schach-Datenbank, die weltweit zum Standard geworden ist. Und zwar für alle, die Spaß am Schach haben und auch in Zukunft erfolgreich mitspielen wollen. Das gilt für den Weltmeister ebenso wie für den Vereinsspieler oder den Schachfreund von nebenan.

Mehr...

Die Superbet Chess Classic, Auftakturnier der Grand Chess Tour 2021, steckten bisher in der Remisfalle fest. In den ersten drei Runden gab es gerade einmal drei Gewinnpartien, alle drei mit Beteiligung der beiden Rumänen. Lupulescu verlor in Runde eins gegen Caruana und siegte in Runde drei gegen Giri. Deac schlug in Runde zwei Vachier-Lagrave. Heute war allerdings Kasparov zu Besuch. Vielleicht würde seine Aura etwas bewirken?

Garry Kasparov

Wer glaubte, in der vierten Runde würde sich der Trend ändern, hatte aber hoffentlich nicht bei Wettanbieter Superbet viel Geld auf eine Entscheidung in der Partie der beiden Aseris Mamedyarov gegen Radjabov gewettet oder etwa eine lange Partie erwartet. Nach 21 Zügen war hier Schluss.

Ein paar interessante Fragen gab es vor dem Spieltag aber doch, zum Beispiel ob Maxime Vachier-Lagrave, zur Zeit offenbar nicht recht in Form, oder Anish Giri ihre Minusbilanz würden ausgleichen können.

Maxime Vachier-Lagrave traf auf Constantin Lupulescu, der ihm mit der Klassischen Variante der Französischen Partie kam. Ach ja, die gibt es ja auch noch. Wer zuletzt viel Online-Spitzenschach geguckt hat, der hat vor allem reichlich Modernes Italienisch gesehen. Neue Spieler bringen mit anderen Eröffnungen etwas Abwechslung ins Programm.

The Classical French - Main Line

Nach 1.e4 e6 2.d4 d5 3. Sc3 Sf6 4. e5 Sfd7 5. f4 c5 6. Sf3 Sc6 7. Le3 untersucht der Autor die Hauptvariante mit 7... a6 und b5, das mutige Vorgehen mit 7... cxd4 8. Sd4 Db6 und die ruhigeren Stellungen, die nach 7...cxd4 8. Sd4 Lc5 entstehen.

Mehr...

Lupulescu wählte die Französische Bauernraubvariante. Auch hier kassiert die schwarze Dame einen Bauern auf b2 und muss dann sehen, wie sie wieder "nach Haus" kommt. Die Variante ist durchaus populär und viel gespielt und hat zum Beispiel mit Grischuk, Shirov oder Ivanchuk prominente Anwender. Vachier-Lagrave hat sie allerdings noch nie in einer Turnierpartie auf dem Brett gehabt. Im 14. Zug wich der Franzose von der Hauptvariante ab und erhielt bald danach das Endspiel mit einem guten Springer gegen den schlechten Franzosenläufer auf weißen Felder. Nur war der Läufer hier nicht so schlecht und der Springer nicht so richtig gut. Remis.

Runde vier

Giri hatte mit Aronian die höhere Hürde auf dem Weg zum Ausgleich des Punktekontos. Der Niederländer eröffnete mit einer Modevariante in der Katalanischen Eröffnung und brachte nach frühem Damentausch dann mit 14.a4 einen neuen Zug. Weiß erhielt etwas Druck, doch Schwarz hielt dem stand und konnte seine Stellung schließlich befreien. Auch hier: Remis.

Andere Fragen betrafen die Tabellenspitze: Konnte einer der beiden Spitzenreiter, Caruana oder Deac, punkten oder ließ einer der beiden Federn? Die Antwort lautete zweimal Ja.

Grischuk gegen Deac

Der 19-jährige Bogdan-Daniel Deac konfrontierte Alexander Grischuk mit der So-Variante im Semi-Tarrasch-Damengambit. Die Variante heißt wahrscheinlich anders, aber Wesley So hat sie zuletzt häufig gespielt, mit gutem Erfolg. Schwarz erhielt einen Isolani auf d5 und bekommt dafür gutes Figurenspiel. Grischuk gelang es jedoch, den Isolani zu erobern. Im Tausch erhielt er dann im Schwerfigurenendspiel einen anderen Mehrbauern und versuchte diesen zu verwerten.

 

 

48.g4 Td1 [48...Tb1!?]

49.Df3 Td4 50.Te3 Dc7+ [50...Dxf3 51.Txf3 Kg7 52.Ta3 (52.Tc3 Txa4 53.Tc6 Tb4 54.Txb6 sollte zum Remis reichen.) 52...h5]

51.Dg3 Dd7 52.Db8

 

52... Txa4? [52...Dd5 Idee Td1. 53.De5 Dxe5+ 54.Txe5 Txa4 55.Te7 Kg7 56.Tb7 Tb4 57.Txb6 mit dem gleichen Endspiel wie oben.]

53.Dxb6 Tf4 54.Kg3 g5 55.Tf3 Tb4 [55...Txf3+ 56.Kxf3 Das Damenendspiel ist gewonnen.]

56.Dc6 De6 57.Kg2 Kg8 58.Da8+ Kh7 59.Df8 Tf4 60.Txf4 gxf4 61.Da8 h5 62.Dc6 1–0

Fabiano Caruana musste sich mit den schwarzen Steinen mit Wesley Sos Englischer Eröffnung auseinandersetzten.

So gegen Caruana

Die Partie gelangte bald auf unbekanntes Terrain. Schwarz eroberte einen Bauern, geriet dabei aber in eine sehr unbequeme Stellung. Im Endspiel musste Caruana dann mit zwei Minusbauern ums Remis kämpfen.

 

 

Schwarz hat zwar einen Mehrbauern, aber Weiß hat ein klares Übergewicht am Königsflügel. Die schwarze Damenflügelmehrheit ist zur Zeit wertlos. Und der weißfeldige schwarze Läufer wird bald totgestellt.

20.e4 Lg6 21.Lc3 Sa6 22.h4 h5?! [Die Maschine will mit Tricks arbeiten: 22...Tad8 23.Dc1 Sd5]

23.Dc1 [Droht zweimal Nehmen am Königsflügel und Dh6.]

23...Kh7 24.Td1 Tad8 25.Db2 [f6 ist nicht mehr zu verteidigen.]

25...c4

 

26.Lxf6 gxf6 27.Dxf6 Txd1+ 28.Txd1 Dc5+ [28...cxb3 29.Td7 mit entscheidenden Drohungen.]

29.Kh2 De7 30.Dxe7 Txe7 31.bxc4 [Aus dem Minusbauern wurde ein Plusbauer.]

31...Kg7 32.Lh3 Sc5 33.Td6 f6 34.Se6+ Sxe6 35.Lxe6 Le8 36.c5 Lf7 37.Lc8 Te5 38.Lxb7 Txc5 39.Txc6 Tb5 40.La6 Tb2+

 

41.Kg1 [Das Endspiel ist nicht zu halten. Schwarz machte noch ein paar Züge.]

41...Le8 42.Tc5 Kh6 43.Kf1 Ld7 44.Le2 Le8 45.Kf2 Tb3 46.Td5 Ta3 47.Ld3 Kg7 48.Ke3 Tb3 49.Kf4 Tb4 50.Tc5 Lf7 51.Tc7 Kg6 52.g4 1–0

Ergebnisse

 

Tabelle

 

Partien

 

 

Turnierseiten

Grandchesstour...

Kasparovchess....


André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

Diskutieren

Regeln für Leserkommentare

 
 

Noch kein Benutzer? Registrieren