Tata Steel Chess: Schach macht Spaß!

von André Schulz
21.01.2022 – Schach macht Spaß, wie man bei Erwin l'Ami sieht. Spaß hatte auch Magnus Carlsen, der mit seinem Sieg über Richard Rapport an der Tabellenspitze gleichzog. Siege feierten zudem Anish Giri und Sergey Karjakin. Im Challengers war Erigaisi erneut siegreich. | Fotos: Lennart Ootes, Jurriaan Hoefsmit (Tata Steel Chess Tournament 2022)

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Langsam aber sicher steuert das Tata Steel Turnier auf seine Halbzeit zu. Heute wurde die sechste Runde gespielt, am Ende werden es 13 Runden sein. Die 2x14 Teilnehmer des Masters und des Challengers werden schließlich 182 Partien gespielt haben, 91 Partien im Masters und 91 Partien im Challengers.

Die Tradition der Turniere in Wijk aan Zee und Beverwijk (bis 1967) geht bis auf das Jahr 1938 zurück. Nur im letzten Kriegsjahr 1945 wurde das Turnier nicht ausgetragen, sonst wurde ohne Unterbrechung in jedem Jahr gespielt. Nach und nach entwickelte sich das Turnier zum großen internationalen Turnier und die Weltelite gab sich hier jedes Jahr die Klinke in die Hand.

Heute sind Rundenturniere mit 14 Teilnehmern eher eine Seltenheit. Andernorts wird meist mit acht oder zehn Spielern gespielt, manchmal nur mit sechs, die dann doppelrundig antreten. In früheren Jahren war das noch anders. Bis tief in die 1970er Jahre waren selbst Rundenturniere mit 20 Teilnehmern keine Seltenheit. Danach nahm die Anzahl der Spieler in den Rundenturnieren sukzessive ab. In dieser Hinsicht nimmt das Turnier in Wijk aan Zee heute eine Sonderrolle ein und sorgt mit der Vielzahl von erstklassigen Teilnehmern auch für eine Vielzahl von neuen erstklassigen Partien.

In Wijk aan Zee spielte man die damals "Hoogovens" genannten Turniere in den späten 1960er Jahren bis 1975 sogar mit 16 Teilnehmern. Im Jahr danach wurde auf 12 Teilnehmer reduziert, Anfang der 1980er Jahre auf 14 Spieler in A-Turnier erhöht. Im B-Turnier spielten zu der Zeit weniger Teilnehmer. Im Laufe der Jahre gab es immer einmal Änderungen und im Hintergrund spielten natürlich finanzielle Gründe eine Rolle. Trotzdem ist es die große Konstanz, die dem "Wimbledon des Schachs" seine Sonderrolle zuweist. 

Drehen wir einmal das Rad der Geschichte "nur" (eine lange Zeit!) um zehn Jahre zurück: Von den 14 Spielern, die jetzt im Masters mitspielen, waren vor zehn Jahren immerhin schon vier dabei: Magnus Carlsen, Sergey Karjakin, Fabiano Caruana und Anish Giri. Einige andere sind hier nicht dabei, aber im Turnierschach noch sehr aktiv. 

Magnus Carlsen führte damals die Weltrangliste mit 2835 auch schon an, war aber noch nicht Weltmeister. Er holte 2012 immerhin 8 Punkte, wurde aber noch von Levon Aronian übertrumpft, der auf 8,5 Punkte kam. Im nächsten Jahr tauschten Carlsen und Aronian die Plätze: Carlsen gewann das Turnier mit satten 10 aus 13. Inzwischen ist er Rekordsieger mit sieben Turniersiegen im A-Turnier (Masters).

Zehn Jahre später kämpft der 31 Jahre junge Magnus Carlsen wieder um den Turniersieg, aber der fällt auch dem Weltmeister nicht in den Schoß.

Vor der sechsten Runde führten Shakhriyar Mamedyarov, Vidit und Richard Rapport mit 3,5 Punkten. Magnus Carlsen, Andrey Esipenko und Jan-Krzysztof Duda lagen mit einem halben Punkt auf der Lauer.

Mit Richard Rapport als Gegner der sechsten Runde konnte Magnus Carlsen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: selber um einen Punkt vorrücken und einem Konkurrenten Punkte wegnehmen.

Carlsen,Magnus (2856) - Rapport,Richard (2763) [E04]

84th Tata Steel Masters 2022 Wijk aan Zee (6.1), 21.01.2022

1.Sf3 d5 2.d4 Sf6 3.c4 e6 4.g3 [Katalanisch: Carlsens neue Lieblingseröffnung.]

4...dxc4 5.Lg2 Sc6 6.0–0 [Ein anderer Weg ist 6.Da4 Lb4+ 7.Ld2 Sd5]

6...Tb8 7.Le3 [Ein ganz neue Herangehensweise in dieser Variante der Katalanischen Eröffnung. Es gibt nur ganz wenige Vorgängerpartien. Weiß will seinen Bauern mit Dc1 zurückholen und macht das Feld frei. Üblich sind 7.Sc3 oder 7.e3]

7...Ld6 [7...b5 8.a4]

8.Dc1 b5 9.b3 [Schwarz kann nicht auf b3 nehmen, weil der Sc6 nicht gedeckt ist.]

9...Lb7 10.bxc4 bxc4 11.Dxc4 [Weiß hat nun einfach eine spielbare und unerforschte Stellung bekommen.]

11...Sb4 12.a3 Sbd5 13.Lg5 0–0 14.Sbd2 h6 15.Lxf6 Sxf6 16.Tfc1 Sd7 17.Da4

 

[Schaut sich den a7 an. Wie deckt man den am besten?]

17...c5 [Rapports Antwort: Gar nicht. 17...a6 18.Tab1 mit weißer Initiative.; 17...Sb6 18.Da5 Weiß hat Druck.]

18.Dxa7 Lxf3 19.Lxf3 [19.Sxf3 Ta8 20.Db7 cxd4 21.Sxd4 Txa3 mit Gegenspiel.]

19...cxd4 20.Ta2 De7?! [In Betracht kam 20...Se5!? 21.Lg2 (21.Dxd4 Lxa3 22.Dxd8 Tfxd8=) 21...d3=]

21.a4 [Schon bringt sich der a-Freibauer ins Gespräch. Der Lf3 kontrolliert das Feld a8, was lästig für Schwarz ist. In wenigen Zügen gerät Schwarz auf der Verliererstraße.]

21...Tfd8? [Mit der Idee Lc5. 21...e5 22.a5 f5 23.Lc6 Tfd8 24.a6 mit weißem Vorteil, aber Schwarz kann noch kämpfen.; 21...Lc5? 22.Txc5 Dxc5 23.Dxd7+–]

22.Dxd4 Tb4 23.Dc3 Sb6 24.a5 Da7

 

25.De3 [Gegenfesselung. Die Schlacht ist schon geschlagen.]

25...Le7 [25...Td7 26.Tc6+–]

26.Tcc2 Lg5 27.Dc5 Le7 28.axb6 Dxa2 29.Dxe7 Dxc2 30.Dxd8+ Kh7 31.b7 1–0

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Magnus Carlsen hat nun an der Spitze nach Punkten mit Vidit und Mamedyarov gleichgezogen.

In der Partie zwischen Sergey Karjakin und Jorden van Foreest hatte sich eine Italienische Partie nach und nach in eine Altindische Struktur verwandelt. Bei festgefahrenen Formationen brach Karjakin schließlich durch, benötigte aber die Hilfe seines Gegners für seinen Sieg.

Anish Giri

Den dritten Sieg des Tages erzielte Anish Giri mit den schwarzen Steinen gegen Fabiano Caruana. In einer scharfen Kampfpartie, die Caruana mit einem Doppelfianchetto begonnen hatte, behielt Giri am Ende die Oberhand.

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Eine recht frühe Punkteteilung vereinbarten Sam Shankland und Praggnanandhaa. Nach 28 Zügen im Sveshnikov-Sizilianer mit vielen Theoriezügen war hier schon Schluss. Praggnanandhaa gibt sein Wijk-Debüt, spielt aber mit Handicap, weil sein mitgereister Trainer Rameshbabu nicht krank, aber Corona-positiv ist und sich in seinem Hotelzimmer in Quarantäne befindet.

Überraschend schnell endete die Partie zwischen Shakhriyar Mamedyarov und Nils Grandelius. Dem Aseri war mit den weißen Steinen der Panov-Angriff etwas misslungen und der Vorteilszeiger bewegte sich schon in Richtung Schwarz. Mit einem rechtzeitigen Remisangebot löste Mamedyarov alle kommenden Probleme. Nils Grandelius befindet sich am Tabellenende und war wohl froh gegen einen starken Gegner einen weiteren halben Punkt bekommen zu haben.

Vidit und Duda (mit Schwarz) lieferten sich ein interessantes Gefecht in der Semi-Tarrsch Variante, das kurz vor der Zeitkontrolle mit Dauerschach und einem Remis endete.

Auch das russische Derby zwischen Daniil Dubov und Andrey Esipenko endete mit der Punkteteilung.

Masters

Ergebnisse

 

Tabelle

 

Partien

 

 

Challengers

Im Challengers führte Arjun Erigaisi nach der fünften Runde alleine und mit einem ganzen Punkt Vorsprung.

In Runde 6 traf er auf seinen Landsmann Ganguly.

 

21...Df3? [Ein unbedachter Zug. Richtig war 21...Sc4]

22.Dh3 g6 23.Le2 Df5 [23...Df6 24.Lh6+–]

24.Lg4 Df6 25.Lf4 [Fast aus dem Nichts heraus hat Weiß mächtigen Angriff.]

25...h5 26.Ld7 Txe1 27.Txe1 Kh7 28.Te6 Df7 29.Td6 De7 30.Le6 [Weiß ist auf den weißen und auf den schwarzen Feldern am Königsflügel Chef.]

30...Txf4 31.Td7 Tf6 32.Txe7+ Lxe7 33.Lc8 [Droht Dd7.]

33...Td6 34.g4 Sc4 35.gxh5 gxh5 36.Le6 Kg7 37.f4 Sd2 38.f5 [Oder 38.Dg3+ Kh6 39.Lf7]

38...Txe6 39.fxe6 Se4 40.Dxh5 Sg5 41.De8 Kf6 42.Dd7 1–0

Erigaisi pflügt geradezu druchs Feld und hat fünf seiner sechs Partien gewonnen.

Max Warmerdam besiegte Zhu Jiner und Lucas von Foreest kam gegen Polina Shuvalova ebenfalls zu einem ganzen Punkt.

Roven Vogel spielte remis gegen Rinat Jumayaev.

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Ergebnisse

 

Tabelle

 

Partien

 

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André Schulz, seit 1991 bei ChessBase, ist seit 1997 der Redakteur der deutschsprachigen ChessBase Schachnachrichten-Seite.

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