Tata Steel: Giri übernimmt Führung

23.01.2018 – Vor der heutigen Runde lagen Magnus Carlsen, Shakhriyar Mamedyarov und Anish Giri punkgleich im Masters in Führung. Mamedyarov, gegen Kramnik, und Carlsen, gegen Anand, spielten Remis. Anish Giri nutzte die Chance und setzte sich alleine in Führung. Im Challenger liegen Korobov und Vidit weiter gleichauf. (Foto: Alina l'Ami)

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Giri übernimmt Führung im Masters

Nach dem zweiten Ruhetag begann in Wijk aan Zee heute das letzte Drittel des Tata Steel Chess Festivals. Anish Giri, Shahkriyar Mamedyrov und Magnus Carlsen hatten den Ruhetag als Spitzenreiter des Masters verbracht, alle mit 5,5 Punkten aus bis dato acht Partien. Anish Giri hatte bei seinem Heimturnier in Runde sieben Shakhriyar Mamedyarov enttront. Magnus Carlsen wird  am Ruhetag vielleicht noch über seine denkwürdige Partie gegen Gawain Jones nachgedacht habe. In dieser hatte der Weltmeister in der Drachenvariante bekanntlich eine komplette Figur einfach eingestellt, dann noch ein paar Züge weiter gespielt und irgendwie entwickelte sich dann doch noch eine gewisse Initiative. Die Partie kippte und am Ende hieß der Sieger Magnus Carlsen. Im Interview gab der Norweger ehrlich zu, dass er die Figur eingestellt hatte - das ließ sich auch schwer vertuschen. Magnus Carlsens Schwester hatte das schon gleich während der Partie an der Körpersprache ihres Bruders erkannt und in die Welt getwittert. Warum auch nicht?

Die Zweifler unter den Anhängern der Drachenvariante - so viele Anhänger gibt es ja nicht mehr - fragen sich indes: Ist die Drachen-Variante jetzt schon so schlecht, dass nicht einmal eine Mehrfigur zum Gewinn ausreicht?

Beim Fußball sagt man nach einem schlechten, aber gewonnenen Spiel: Am Ende fragt niemand wie das Spiel gelaufen ist, nur der Sieg zählt. Beim Schach ist das etwas anders. Hier wird man die Partie bis in alle Ewigkeit nachspielen können. Von Capablancas Figureneinsteller gegen Sämisch (war eher noch schlimmer) weiß heute auch noch jeder gebildete Schachfreund. 

Klaus Bischoff kommentierte die 9.Runde live

Neue Runde, neues Glück

Gegen seine zweimaligen WM-Gegner Viswanathan Anand bediente sich Carlsen heute der Spanischen Breyer-Variante. Bis zum 20. Zug gab es noch einen Vorgänger aus einem email-Turnier, dann ging die Partie eigene Wege, endete aber zehn Züge später unspektakulär mit der Punkteteilung. 

Der zweite Spieler des Führungstrios, Shakriyar Mamedyarov, hatte mit Vladimir Kramnik auch einen dicken Brocken zum Gegner. Hier stand die Moderne Variante der Italienischen Partie zur Diskussion. Die junge deutsche Nationalspielerin Josefine Heinemann wird sich vielleicht freuen, dass Mamedyarov eine ihrer Partien aus dem Gibraltar Open zum Vorbild nahm -absichtlich oder zufällig? Allerdings gelang es ihm in der Folge nicht, Kramnik unter Druck zu setzten. Die meisten Steine wurden schnell getauscht und die Partie endete bald ebenfalls remis.

Das nutzte Anish Giri, der mit dem jungen Maxim Matlakov zumindest nominell den leichtesten Gegner hatte. In eine Katalanisch-Struktur opferte Matlakov mit Weiß einen Bauern und erhielt einige Kompensation. Giri verteidigte sich jedoch zäh und gewann in den Verwicklungen am Damenflügel schließlich die Oberhand. Am Ende machte ein schwarzer Freibauer den entscheidenden Unterschied.

 

Damit hat Anish Giri nun die alleinige Tabellenführung übernommen.

Gut unterwegs bei diesem Turnier ist Wesley So. In der aktuellen Ratingliste hat der US-Amerikaner sich mit seinen zwei Siegen bislang auf den dritten Platz vorgespielt und ist mit Elo 2797 auf dem Sprung über die 2800. Gegen Peter Svidlers drohende Grünfeld-Verteidigung reagierte So mit einem Colle-Zukertort-Aufbau, holte dort aber nichts heraus. Kurz vor der Zeitkontrolle forcierte Svidler das Remis durch Stellungswiederholung.

 

Sergey Karjakin und Wei Yi betätigten sich auf dem Gebiet der Bogo-Indischen Verteidigung. Große Spannung wollte in der Partie aber nicht aufkommen und so stand auch hier im 36.Zuge eine Punkteteilung zur Buche.

Die beiden längsten Duelle lieferten sich Fabiano Caruana mit Adhiban Baskaran und Gawain Jones mit Hou Yifan. Caruana und Adhiban spielten auf Königsindischem Gelände und waren schon nach neun Zügen "out of Book".

 

In einer spannenden Partie hatte Caruana lange die Führung, doch nach dem Damentausch verflüchtigte sich sein Vorteil nach und nach und im 61. Zug endete die Partie remis - nicht zu früh, denn es waren nur noch die beiden Könige auf dem Brett. 

In Gawain Jones gegen Hou Yifan stand eine bekannte Variante der Katalanischen Eröffnung auf dem Brett. Die Variante gilt eigentlich als ausgeglichen, doch Hou stellte ihre Steine ungeschickt auf und büßte in der Folge eine Qualität ein.

 

Die Chinesin erhielt jedoch Kompensation auf der langen Diagonalen, die bald so unangenehm wurde, dass Jones die Qualität zurück gab. Zwischenzeitlich musste der Engländer mit einem Bauern weniger ums Remis kämpfen. Am Ende kam es im Turmendspiel zum Friedensschluss.

 
 

Challenger

Im Challenger-Turnier gaben die beiden Führenden je ein Remis ab. Anton Korobov traf mit Schwarz auf Harika Dronavalli und musste in einem Igel in schlechterer Stellung lange um den halben Punkt kämpfen, wurde aber am Ende auch belohnt.

Vidit Gujrathi hatte Weiß gegen Matthias Blübaum, holte aus seiner Katalanischen Eröffnung nichts heraus und gab sich schließlich auch mit einem halben Punkt zufrieden.

Im nachfolgenden Feld gab es jedoch einige Entscheidungen: Bassim Amin punktete gegen Olga Girya. Jorden van Foreest besiegte Michal Krasenkow. Sein Bruder Lucas musste sich jedoch nach langem Kampf Dmitry Gordievsky geschlagen geben. Erwin l'Ami hatte das Nachsehen gegen den jungen US-Amerikaner Jeffrey Xiong. Aryan Tari und Benjamin Bok teilten den Punkt.

Korobov und Vidit machen den Aufstieg in das Masters wohl unter sich aus.

 
 

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