Tata Steel, Runde 10: Ein Trio an der Spitze

von Johannes Fischer
24.01.2018 – Die zehnte Runde des Tata Steel Turniers in Wijk aan Zee war spannend. Vier Partien endeten mit einer Entscheidung: Mamedyarov gewann mit Schwarz in 21 Zügen gegen Peter Svidler und auch Vishy Anand überspielte Gawain Jones mit Schwarz. Vladimir Kramnik gewann eine hübsche Angriffspartie gegen Matlakov und Carlsen zeigte eine strategische Meisterleistung und gewohnt gutes Endspiel. Nach zehn von dreizehn Runden teilen sich Mamedyarov, Carlsen und Giri mit je 7,0/10 die Führung. Im Challengers liegen Korobov und Vidit an der Spitze. (Foto: Alina l'Ami)

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Runde 10

Magnus Carlsen spielte eine inhaltsreiche Partie gegen Wesley. Sie begann mit dem als ruhig geltenden Londoner System, aber als Carlsen So die Möglichkeit gab, den weißen König in der Mitte fest zu halten, ergaben sich ungewöhnliche Stellungen. Die Lage für Weiß schien kritisch zu sein, als Schwarz die Stellung öffnen wollte, um den weißen König anzugreifen. Doch Carlsen reagierte mit einem Bauernopfer, das ihm in einer Stellung mit ungleichfarbigen Läufern ausreichend Kompensation gab - vielleicht sogar mehr. Bald darauf eroberte Carlsen den Bauern zurück, aber hielt den Druck auf die schwarze Stellung aufrecht. Schließlich opferte Carlsen seinen Läufer für drei gegnerische Bauern und als er noch einen vierten Bauern für den Läufer gewann, konnte So das Endspiel nicht mehr halten.

 

Shakhriyar Mamedyarov zeigte sich von seiner Schwarz-Niederlage gegen Anish Giri in Runde 8 gut erholt. Er spielte mit Schwarz gegen Peter Svidler, der sich im der scharfen Ragosin-Verteidigung eine Ungenauigkeit erlaubte und dann von Mamedyarov förmlich überrannt wurde. Nach 21 Zügen war es vorbei.

 

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Auch Anand spielte energisch. Er hatte Schwarz gegen Gawain Jones, der mit einem c3-Sizilianer unter die Räder kam. Wie Anand nach der Partie sagte, versuchten Jones und er sich an ihre Vorbereitung zu erinnern, aber Jones unterlief dabei vermutlich ein Versehen. Das gab Anand die Möglichkeit zu einem Qualitätsopfer im 17. Zug, nach dem die schwarze Initiative schnell überwältigend wurde.

 

Da wollte Vladimir Kramnik nicht nachstehen - er setzte Maxim Matlakov mit energischem und zweischneidigem Spiel unter Druck und wurde dafür belohnt. In einem Italiener verschärfte Kramnik mit der langen Rochade früh die Gangart und konnte nach einer Reihe beidseitiger Ungenauigkeiten am Ende auch gewinnen.

 

Die Begegnungen zwischen Anish Giri und Sergey Karjakin und Wei Yi und Fabiano Caruana waren in der Eröffnung interessant, aber endeten dann beide recht schnell mit Remis. Unentschieden endete auch die längste Partie der Runde, die Begegnung zwischen Hou Yifan und Adhiban Baskaran. Allerdings musste Hou Yifan mehr als einen bangen Moment überstehen, bis sie den halben Punkt retten konnte.

Ergebnisse der 10. Runde

Hou, Yifan - Adhiban, B.  ½-½
Wei, Yi - Caruana, Fabiano  ½-½
Giri, Anish - Karjakin, Sergey  ½-½
Kramnik, Vladimir - Matlakov, Maxim  1-0
Svidler, Peter - Mamedyarov, Shakhriyar  0-1
Carlsen, Magnus - So, Wesley  1-0
Jones, Gawain C B - Anand, Viswanathan  0-1

Stand nach 10 Runden

 

Partien der Runden 1 bis 10

 

 

Klaus Bischoff kommentierte die 10.Runde live

Challengers

Im Challengers liegen Vidit Gujrathi und Anton Korobov weiter mit großem Vorsprung gleichauf an der Spitze. In Runde zehn spielten beide Remis, Vidit mit Schwarz gegen Jefferey Xiong, Korobov mit Weiß gegen Erwin l'Ami. Matthias Blübaum kommt hingegen immer mehr in Schwung und besiegte Lucas Van Foreest in einer hübschen taktisch betonten Partie.

 

Blübaum startete mit 0 aus 2 ins Turnier, jetzt liegt er mit 5,5/10 bereits in der vorderen Tabellenhälfte.

Bok, Benjamin - Gordievsky, Dmitry  0-1
Bluebaum, Matthias - Van Foreest, Lucas  1-0
Xiong, Jeffery - Vidit, Santosh Gujrathi  ½-½
Korobov, Anton - L'Ami, Erwin  ½-½
Girya, Olga - Harika, Dronavalli  ½-½
Van Foreest, Jorden - Amin, Bassem  ½-½
Tari, Aryan - Krasenkow, Michal  ½-½

Stand nach 10 Runden

 

Partien der Runden 1 bis 10

 

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Johannes Fischer, Jahrgang 1963, ist FIDE-Meister und hat in Frankfurt am Main Literaturwissenschaft studiert. Er lebt und arbeitet in Nürnberg als Übersetzer, Redakteur und Autor. Er schreibt regelmäßig für KARL und veröffentlicht auf seinem eigenen Blog Schöner Schein "Notizen über Film, Literatur und Schach".
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