Taubenschlag Olympiade

20.10.2004 – Alle zwei Jahre findet die Schacholympiade statt. Dann trifft sich der gesamte Schachzirkus, Spitzenspieler, Amateure, Betreuer und Funktionäre, sonst in alle Kontinente zerstreut, an einem Ort und sorgt für die zweitgrößte Sportveranstaltung der Welt. 129 Mannschaften im Männerturnier und 87 Frauenteams ringen um gute Züge und kämpfen um Medaillen. Manche haben sich viel vorgenommen und sogar ihre "Krallen" in Kriegsbemalung lackiert (Foto: Alexandra Kosteniuk). Zwei Wochen lang steht Schach zwar im Mittelpunkt, aber natürlich hat man sich noch viel mehr zu erzählen. Andreas Albers, Hamburger Weltreisender in Sachen Schach - neulich noch in Dubai -,ist im Gran Casino von Mallorca und schickt seine Eindrücke. Hochsicherheitstrakt Gran Casino de Mallorca...

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Hochsicherheitstrakt Gran Casino de Mallorca
Von Andreas Albers


Palma de Mallorca



Normalerweise ist der kleine Ort Magaluf westlich von Palma fest in der Hand britischer Touristen, ein Irish Pub, mit Live-Fussball jeden Abend, neben dem anderen und "Special offers for english breakfast" überall.

In 10Minuten bringt einen der Bus aus dem Zentrum von Magaluf zum edlen Gran Casino.

Die Zeiten haben sich wohl geändert, zumindest kann sich GM Sune Berg Hansen (Dänemark) nicht an solche Sicherheitsvorkehrungen erinnern "ein bisschen schon, aber so fühlt man sich schon ein wenig komisch".

Uniformierte Sicherheitsbeamte begrüßen jeden Gast am Casino freundlich, aber ernst. Sämtliches Gepäck wird täglich durchleuchtet, man geht durch die Metalldetektoren wie am Flughafen, hier wird mit Sicherheit nichts passieren. Aber zuvorkommend sind die Spanier auch, eine verloren gegangene ID/Card wird schnell ersetzt und mit einem herzlichen "Buenas Dias" beim Empfang im Pressezentrum vergisst man den ganzen Reisestress schnell.

128 Herren- und 87 Damenmannschaften kämpfen seit letztem Freitag um olympisches Gold, Silber und Bronze. Ein großes Treffen der (bis auf wenige Ausnahmen) gesamten Weltelite und vieler nicht ganz so großer Schachnationen.


trés chic


Bob Marley? Nein, Duane Rowe, aber aus Jamaica.


WIM Karen Zapata aus Peru




Regina Pokorna

Das junge ambitionierte Team der Faröer-Inseln hat zum Beispiel IM Sergey Kayumov als Coach verpflichtet. Die beiden Spitzenbretter, Martin Poulsen und Hans Kristian Simonsen, hatten im April mit dem jungen Usbeken beim Dubai-Open Freundschaft geschlossen und unterstrichen ihre Ambitionen mit einem deutlichen 4:0 in Runde 4 gegen San Marino!

Vor der Runde herrscht noch konzentrierte Ruhe, aber nach ca. 3 Stunden (natürlich wird mal wieder mit der vieldiskutierten FIDE-Bedenkzeit gespielt), ähnelt das Foyer des Gran Casino einem Taubenschlag. Viele internationale Freundschaften werden geschlossen oder wieder aufgefrischt.



Ein unglaubliches Sprachgemisch und auch modisch ist wirklich alles vertreten, was man sich so vorstellen kann. Nach der Niederlage der Topfavoriten aus Russland gegen die Ukraine muss nun schon eine große Aufholjagd gestartet werden, um den fest eingeplanten 1.Platz doch noch zu erreichen.


Andrei Volokitin, der ukrainische Landesmeister

Im Spitzenduell der 5.Runde kämpften die Ukrainer um Vassili Ivanchuk und Ex-WM Ruslan Ponomariov gegen die starken Israelis, die bisher nur einen Brettpunkt Rückstand haben.


Ukraine gegen Israel, vorne: Ivanchuk und Gelfand

Die deutschen Herren haben sich von ihrem "Lettland-Schock" noch nicht so ganz erholt und müssen nach einem 2:2 gegen die Schweiz gestern ein ebensolches gegen Kroatien antreten.


Die Letten besiegten überraschend das stärker eingeschätzte deutsche Team


Kroatien gegen Deutschland

Einen starken Eindruck hinterließen die jungen Aserbeidschaner. Teimour Radjabov und Shakryar Mamedyrov sind derzeit die beiden besten Junioren der Welt und nehmen in der Weltrangliste der Junioren die ersten Plätze ein. Heute müssen sie sich im Spitzenspiel gegen die Ukraine behaupten. Shakryar Mamedyarov stammt aus einer Schachfamilie, seine beiden Schwestern spielen in der Frauenmannschaft des Landes.


links: Radjabov (Azerbeidschan)


Sasikiran und Anand bilden sind das kampfstarke Rückgrat des indischen Teams


Jonathan Rowson 8Schottland), geistreicher Buchautor


Dominguez und Bruzon (Kuba)


Zwei Generationen: Van Wely und Timman (Niederlande)


Zviad Izoria (Georgien) mag Mützen


ChessBase-Mitarbeiter Lubo Ftacnik spielt für die Slowakei

Bei den Damen durften die Deutschen vorgestern noch einmal Tisch 1 genießen, wurden dort aber von stark und konzentriert aufspielenden Chinesinnen mit 2,5: 0,5 geschlagen.

Gestern kamen noch die starken Französinnen um Almira Skriptschenko! Am Ende verlor Jessica Nill gegen Sophie Millet zum 2:1 gegen die deutsche Mannschaft. Dennoch behaupteten die Deutschen Platz sechs.


Jessica Nill, Ketino Kachiani-Gersinska (Deutschland) und Almira Skripchenko (Frankreich) spielen in einer Mannschaft in der Frauenbundesliga bei Baden-Oos.

An der Spitze haben sich die Chinesinnern nach einem 3:0 gestern gegen England etwas abgesetzt. Im Duell der weiteren Favoriten hatten die russischen Frauen, eigentlich Mädchen, denn kaum eine ist über 20 Jahre alt, die USA besiegen können.


USA gegen Russland

In sehr viel früheren Zeiten hätte der Kampf USA gegen Russland sicher für Schlagzeilen gesorgt. Heute ist das anders.


Tatiana Kosintseva und Alexandra Kosteniuk

Alexandra Kosteniuk hat sich für die Olympiade die Fingernägel in den Farben der russischen Fahne lackiert. Auch so kann man seine Einstellung zeigen!


Fingernägel in Landesfarben: (Kosteniuk)


An den nächsten Brettern spielen die beiden Schwestern aus Archangelsk, Tatiana und Nadezhda Kosintseva.


Heute spielen die deutschen Männer gegen Moldawien, die mit Viktor Bologan an Brett Eins antreten. Die deutschen Frauen treffen auf Schweden.


Im Casino werden die Partien übertragen


Immer freundlich: Das Helfer Team im Casino


Hier, i Sol Magaluf Park, sind viele Spieler untergebracht


Mit dem Chess-Bus geht es zum Casino


Parken scheint hier im Moment verboten zu sein


Zum Strand ist es nicht weit




Heute findet hier eine Party für die Spieler statt, auf die sich schon alle freuen




 

 

 


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