
Die Vorrunde der Frauen-Mannschaftsweltmeisterschaft endete am Donnerstag in Linares. das FIDE-Team und Georgien belegten in ihren jeweiligen Gruppen den ersten Platz, und acht Teams qualifizierten sich für die K.-o.-Phase. Die letzte Runde brachte in beiden Gruppen klare Ergebnisse, aber auch einige bemerkenswerte Überraschungen, darunter die Qualifikation Indiens mit einer Ersatzmannschaft und das frühe Ausscheiden der Ukraine nach zwei schmerzhaften Niederlagen. Im Viertelfinale stehen spannende Begegnungen an, allen voran China gegen die USA.
Die finale Runde der Gruppenphase in Linares bot alles, was ein Weltklasseturnier auszeichnet: druckvolle Angriffe, nervenaufreibende Zeitnotschlachten und Nachwuchsspielerinnen, die eindrucksvoll bewiesen, warum ihnen die Zukunft des Frauenschachs gehört. Der Tag wurde traditionell mit dem Gong (siehe Titelfoto) eröffnet, diesmal von Javier Ochoa de Echagüen, Präsident des Spanischen Schachverbands und Berater der FIDE – ein Zeremoniell, das den feierlichen Charakter des Turniers unterstreicht.

Blick in den Spielsaal der Teamweltmeisterschaft. | Fotos: FIDE/Raul Martinez, Pavel Dvorkovich
Pool A: Aserbaidschan setzt ein Ausrufezeichen – Fataliyeva brilliert
Das wichtigste Duell des Tages entschied über das direkte Weiterkommen: Aserbaidschan gegen Gastgeber Spanien. Am Ende stand ein deutlicher 3,5:0,5-Erfolg, der den Weg der Aserbaidschanerinnen ins Viertelfinale ebnete und Spanien gleichzeitig aus dem Wettbewerb warf.

Besonders herausragend war die Glanzleistung von IM Ulviyya Fataliyeva, die an Brett eins ein taktisches Meisterwerk aufs Brett zauberte – GM Karsten Müller analysiert:
Mit dem präzisen 28.Df7+ erzwang Fataliyeva schließlich die sofortige Aufgabe – „ein fantastisches Angriffskunstwerk“, wie es später beschrieben wurde.

Ein wichtiger und noch dazu ausgesprochen schöner Sieg gelang Ulviyya Fataliyeva im entscheidenden Match gegen Spanien. | Fotos: FIDE/Raul Martinez, Pavel Dvorkovich
Parallel dazu blieb Team FIDE ungeschlagen und beendete die Gruppenphase mit einer makellosen 100-Prozent-Bilanz. Die USA dagegen erlebten eine bittere Überraschung: Eine klarer 0,5:3,5-Niederlage gegen Kasachstan warf sie hinter die Kasachinnen zurück, die sich damit den zweiten Platz sicherten.
Pool B: Indien kämpft, China überzeugt – Lu Miaoyi zeigt ihr Talent
In Pool B stand das Duell zwischen Indien und Usbekistan im Mittelpunkt. Ein 2:2 hätte beiden Teams gereicht, doch die Inderinnen spielten kompromisslos auf Sieg. Den entscheidenden Punkt lieferte Brett vier: WGM Srija Seshadri sicherte mit einem sauber herausgespielten Sieg das 2,5:1,5 und den dritten Platz in der Gruppe.

China setzte sich gleichzeitig klar mit 3:1 gegen die Ukraine durch. Im Fokus stand dabei ein junger Shooting Star: IM Lu Miaoyi, Jahrgang 2010, galt schon vor dem Turnier als eines der größten Talente des Frauenschachs – und bestätigte diesen Ruf eindrucksvoll:

Unter starkem Zeitdruck brach IM Nataliya Buksa (2400) schließlich ein und spielte 18.De1? (der richtige Zug wäre 18.De2 gewesen, was Ausgleich gehalten hätte), wodurch sich eine schöne taktische Gelegenheit bot:
Lu Miaoyi dachte sieben Minuten lang nach, um die Varianten zu berechnen, und spielte dann 18…Sxe3! Nach 19.Txe3 folgte 19…Dd5!, was Matt auf g2 androhte. An dieser Stelle hätte 20.Sf3 zu 20…Dxd3 geführt, während 20.Lf1 zu 20…Lxe3+ 21.Dxe3 Tc2! führt, was sofort zum Sieg führt. Buksa entschied sich für 20.Df1 und gab nach 20…Lxe3 den Qualitätsvorteil auf. Obwohl die Partie bis zum 37. Zug weiterging, stand das Ergebnis nie infrage, da Lu Miaoyi die Partie fest im Griff hatte.

China belegt nach der Vorrunde Rang 2 und trifft im Viertelfinale auf die USA. | Fotos: FIDE/Raul Martinez, Pavel Dvorkovich
Georgien, bereits vor der Schlussrunde sicher Gruppenerster, nutzte den Tag, um rotieren zu lassen und zwei Reservespielerinnen einzusetzen. Trotz guter Gegenwehr mussten sie sich 1:3 gegen Frankreich geschlagen geben – ein Erfolg, der den Französinnen zwar ein positives Ende, aber keine Qualifikation bescherte.

Das Duell Letzter gegen Erster gewannen die Französinnen – die Georgierinnen traten mit Ersatzspielerinnen an, standen aber bereits als Gruppenerster fest. Frankreich scheidet aus. | Fotos: FIDE/Raul Martinez, Pavel Dvorkovich
Mit Abschluss der Gruppenphase stehen nun die acht qualifizierten Teams fest. Die K.-o.-Runden bestehen aus zwei Partien im gleichen Zeitmodus wie zuvor (45’ + 30”). Kommt es zu einem unentschiedenen Duell, entscheiden – ohne Berücksichtigung der Brettpunkte – Blitzpartien (3’ + 2”) über den Einzug ins Halbfinale.
Die ersten Begegnungen stehen am 21. November, 13:30 Uhr, auf dem Programm.

Partien:
Play-offs mit den besten acht Mannschaften der Vorrunde. Aus jeder Vorrundengruppe zogen die vier bestplatzierten Mannschaften in diese K.o.-Phase mit folgenden Terminen ein:
21. November
13:30 Uhr Viertelfinale, Spiel 1 45’ + 30”
17:30 Uhr Viertelfinale, Spiel 2 45’ + 30”
21:30 Uhr Tie-Breaks 3’ + 2”
22. November
13:30 Uhr Halbfinale, Spiel 1 45’ + 30”
17:30 Uhr Halbfinale, Spiel 2 45’ + 30”
21:30 Uhr Tie-Breaks 3’ + 2”
23. November
11:30 Uhr Kleines Finale & Finale, Spiel 1 45’ + 30”
15:30 Uhr Kleines Finale & Finale, Spiel 2 45’ + 30”
19:30 Uhr Tie-Break 3’ + 2”
Abschlusszeremonie