Thailand vor Österreich in Leipzig

18.06.2008 – Am letzten Wochenenden fanden gleich zwei große Turniere im Rahmen der Partnerschulaktion für die Schacholympiade der Deutschen Schachjugend statt. Neben Hamburg war Leipzig der zweite Schauplatz eines großen "Länderturniers". Im Montessori-Schulzentrum Leipzig traten 22 Grundschulen an und vertraten ihr Partnerland - nicht nur beim Schach, sondern auch durch viele Informationen, die sie in Bastelarbeiten und Schautafeln vermittelten. Schon vor dem Finale in Dresden ist klar, dass die Aktion ein großer Erfolg war. Schulen, Schüler und Lehrer begeisterten sich in den Projektwochen und manche Schule knüpfte neue internationale Kontakte mit "seinem" Land. Das Turnier in Leipzig gewann der Gastgeber - allerdings unter thailändischer Flagge. Jörg Schulz berichtet in Wort und Bild (Foto: So hat Anand Schach gelernt). Schachpartnerschulen...Bericht, Bilder, Endstand...

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Thailand kann sich als Sieger in Leipzig auf die Schacholympiade vorbereiten

Das Partnerschulturnier in Leipzig war bunt und farbenfroh und voller schachlicher Überraschungen. Welcher Fachmann erwartet schon Thailand, eher als Schachzwerg bekannt, auf Platz Eins vor Österreich und Rumänien? Wenn man allerdings weiß, dass hinter Thailand das Bischöfliche Maria-Montessori Schulzentrum in Leipzig steckt, dann fällt die Überraschung geringer aus. Sie dominierten das Turnier, wenn man das in der Altersklasse überhaupt sagen kann.


Bunte Vielfalt im Turniersaal


Das Spitzenspiel: Österreich gegen Thailand

Ein buntes Völkergemisch bot sich den Augen des Zuschauers. Die Spanier waren im Nationaltrikot erschienen, die Jamaikaner hatten selbst gebastelte Hüte auf den Köpfen, die Griechen kamen vielköpfig in den Nationalfarben blau/weiß, wobei die Trikots von der Griechischen Schachföderation zur Verfügung gestellt wurden und die der Schüler von einem griechischen Gastwirt. Und wer kein Nationaltrikot mit hatte, kam zumindest mit einem Schul-T-Shirt auf dem die Fahne des Partnerlandes angebracht war. Rumänien gestaltete ihre weißen Shirts per Hand und malten Fahne und Schriftzug selbst auf die Hemdbrust, was auch nicht schlecht aussah.


Internationales Durcheinader: Die Frauenfigur soll Rumänien Glückbringen, sie stammt
aber aus Weißrussland, der Spieler sitzt für Rumänien am Brett mit der Polenfahne um die
Schultern

 

Die Mannschaftsstärke besteht ja eigentlich aus sechs Spielern. Zwei Ersatzspieler sind zugelassen. Doch diese Begrenzung stieß bei vielen Schulen auf Probleme, denn alle wollten mit nach Leipzig.

Den Vogel schoss die Freiherr-Hünnefeld-Grundschule aus Berlin ab. Als gerade die neue Runde gestartet wurde, sah ich viele Spanier draußen dem Fußball hinterherlaufen. Ich nichts wie hin und die Spieler auf den Rundenbeginn hinweisen. Wie war ich erstaunt, als ich hörte, „wir sind alles Ersatzspieler“. Und nicht nur das, viele mitgereisten Schüler hatten auch noch weitere Aufgaben übernommen, ohne ins Schachgeschehen einzugreifen. „Der da ist der Manager der Mannschaft“, hörte ich. „Was hat der zu tun?! „Weiß nicht, er hat aber ein Handy!“ Wie mir der zuständige Lehrer dann noch erzählte, heißt der Manager Friedrich Engler und ist das Auskunftsbüro für Spanien. Er hatte sich am besten vorbereitet und konnte mir alles über Spanien erzählen. So erfuhr ich, „dass der Kalender in Spanien gefüllt ist mit vielen Feiertagen und die Andalusier am besten leben, lieben und feiern in Spanien. Das erzählte mir aber nicht alles der Manager, das konnte ich auch in den vielen Schrifttafeln der Schule über Spanien nachlesen. Und natürlich stellten sie auch das berühmte Schachbuch von Ruy Lopez de Segura aus dem Jahre 1561 vor, in dem ausführlich die Spanische Eröffnung behandelt wird.

Vielen Schulen war es wichtig, allen zu zeigen, was sie in der mehrmonatigen Projektarbeit über ihr Partnerland herausgefunden hatten, und viele Schulen berichteten begeistert, welchen Schub Schach durch das Partnerschulprojekt bekommen hat. So wird am Ende dieses Projektes auf vielen Schulhöfen ein Großfeldschach stehen, da viele Fördervereine oder Eltern dafür das Geld zur Verfügung stellen, damit Schach einfach zu jeder Zeit und überall gespielt werden kann.

Harald Niesch von der Franz-Mehring-Grundschule erzählte zum Beispiel von einer gewissen Skepsis zu Beginn der Projektarbeit bei den Lehrern, doch jetzt sind alle mit Begeisterung dabei und bauen das Partnerland Indien in alle Schulfächer mit ein, wie man sehr anschaulich an der vielfältigen Präsentation der Schule über ihr Partnerland Indien sehen konnte.


Indien hatte die umfangreichste Länderpräsentation mit der Weizenkornlegende


Ein lebendig gestaltetes Wald- und Tierleben aus Indien


Die Franz-Mehring-Grundschule kämpft für Indien

Wussten sie, dass die Inder Sandbilder gestalten, um zu Ostern ihre Höfe zu schmücken? Dieses und noch viel mehr lernte ich über Indien kennen. Und hörte mit Staunen, dass eine Projektwoche an der Schule nur zum Thema Schach durchgeführt wurde, in der alle Mädchen und Jungen der Grundschule das Schachspiel erlernten! Die Projektwoche endete in einem großen Sommerfest, bei dem die Theater-AG ein Schachstück aufführte und der Schulchor das DSJ-Lied „schwarz oder weiß“ vortrug.

Für die Schule Portitz aus Leipzig brachte das Partnerschulprojekt ebenfalls viel Schwung in die Schacharbeit. Die Schulleiterin stellte jetzt sogar in Aussicht, im nächsten Schuljahr für eine Stunde Matheunterricht lieber eine Stunde Schach unterrichten zu lassen! Das Partnerland Bolivien bereitete den Zuständigen zuerst einiges Kopfzerbrechen. So viel weiß man darüber ja leider nicht. Doch der Zufall wollte es, dass im Fernsehen über eine Dschungelfamilie aus Chemnitz berichtet wurde, die sich mit vielen Projekten in Bolivien engagiert.


Grundschule Portitz präsentiert Bolivien

Demnächst kommt dieses Ehepaar in die Schule Portitz und wird ausführlich über Bolivien berichten. Dann wird ihnen eine Spende von 100 Euro für ein Brunnenprojekt von den Schülern überreicht, die diese durch einen selbst organisierten Flohmarkt aufgebracht haben.

Schachspieler lassen sich – so sagt man ja – durch nichts aus der Ruhe bringen. Dies konnte ich in Leipzig life erleben. In der 5. Runde musste Jordanien hart kämpfen. An Brett sechs war die Spannung zum Greifen nahe. Plötzlich ein Aufschrei. Aaaron Fiedler hielt einen Zahn in den Fingern, den er gerade verloren hatte. „Macht nichts, weiterspielen“, hieß es von der Betreuerin, und so legte Aaron den Zahn neben das Brett und spielte weiter!

Wussten sie, dass man in Georgien 23 Sprachen spricht aus sechs verschiedenen Sprachfamilien?


Eines der starken Schachländer dieser Welt Georgien

Dies fand ich in einer wunderbaren Präsentation der Kurt-Tucholsky Oberschule aus Berlin. Und die freie Schule Fürstenwalde stellte ihr erarbeitetes Wissen über Ägypten aus. Dort wird nach den gleichen Schachregeln wie bei uns gespielt mit einer nicht unwichtigen Ausnahme: „In Ägypten darf nur einer der acht Bauern einen Doppelschritt vollführen, die anderen nicht.“


Wissenswertes aus Ägypten


Ein geschichtsreiches Land Ägypten

Gewusst? Gelernt habe ich auch die ägyptischen Berufe: der Pharao, der Wesir, die Priester, die Schreiber, die Soldaten, die Künstler und Handwerker, die Bauern. Über das Tätigkeitsfeld der Schreiber finde ich: „Die „Schreiber schreiben alles auf, was der Pharao sagt, ohne sie könnte er nicht regieren!“

Die größte und umfangreichste Präsentation hatte die Europäische Grundschule Lichtenstein über Österreich mitgebracht.


Die Europäische Grundschule aus Lichtensein hatte viel zu präsentieren über Österreich

Alleine 4 Stelltafeln waren gefüllt mit vielen Berichten über das Land aber auch die mannigfaltigen Aktivitäten der Grundschule. Besonders auffällig ein mannsgroßes Bild, an dem alle Schüler mitgearbeitet haben und das nach dem Vorbild des Österreichers Hundertwasser gemalt wurde. Am Österreichstand konnte auch, wer sich traute, echte Mozartkugel essen und ein Kostüm aus Mozarts Zeiten hing dort auch, das sich dann zur Siegerehrung ein Schüler überzog.

Das Schach in Namibia ist auf dem Vormarsch, berichtet die Grundschule Machern. Durch eine 60.000 Namibia $ Spende der Bank von Windhoek konnte der Namibische Schachverband vor allem im ländlichen Bereich das Schach an Schulen fördern. Unterdessen spielen dort 3.000 Kinder Schach. Über 1.000 Schachsets konnten durch die Spende an die Schulen verteilt werden.

Welche Bank übernimmt dies für Deutschland?

Wenn man die Lehrer so hört über die positiven Auswirkungen von Schach an ihren Schulen, sollte sich eine solche doch finden lassen. Übereinstimmend berichten mir die Lehrer, dass sie nur positive Erfahrungen gemacht haben. Und das quer durch alle Bundesländer. In Leipzig zum Beispiel war auch die Grundschule Krötenbruch aus Hof dabei. Deren Schulleiter berichtet von dem bayerischen Förderprogramm GribS, mit dessen Hilfe besondere Begabungen von talentierten Schülern an den Grundschulen gefördert werden sollen. Seine Schule nahm in dieses Programm Schach auf. Binnen kurzer Zeit steig die Zahl der Schachspieler an seiner Schule rasant an.

Ingo Goltz von der Evangelischen Schule Charlottenburg kann sich auch kaum noch retten vor dem Zuspruch der Kinder an seinen Schachangeboten. Sie beschäftigen sich mit dem Land Taiwan, dessen ständige Vertretung – eine Botschaft dürfen sie offiziell nicht haben, das verhindert China – kommt am 27.09. zum großen Schulfest in die Schule und wird Taiwan vorstellen. Ingo Goltz berichtet noch von der Hortarbeit an seiner Schule. Wenn dort mal gar nichts mehr geht, dann holt die Hortnerin einfach die Schahbretter aus dem Schrank und sofort sind die Kinder engagiert bei der Sache.

Überall im Turniersaal dominiert neben dem Rot der Spanier das Blau der Griechen.


Vielfältige Ideen der GS Hohenmölsen für Griechenland

Auch sie haben eine große Präsentation aufgebaut und haben viel zu erzählen. Frau Kretzschmar, Lehrerin an der Grundschule Hohenmölsen in Sachsen-Anhalt ist die Leiterin des Schachprojektes. Mit einer Großfeldschachvorführung machte die Grundschule auf ihr Schachprojekt aufmerksam. Aber Großfeldschach wörtlich genommen. Die einzelnen Felder maßen 2x2 m. Die beiden Spielführer saßen auf einem Podest, um den Überblick zu behalten. Gespielt wurde das Nationalmatch Deutschland gegen Griechenland, in selbst geschneiderten Kostümen und richtig mit Action. Wenn Bauern oder Figuren geschlagen wurden, dann wurde das auf dem Brett sichtbar für alle nachvollzogen. Mit Knüppeln gingen die Bauern auf einander los. Nach diesem spektakulären Auftakt, an dem natürlich der Bürgermeister des Ortes und der griechische Generalkonsul aus Leipzig teilnahmen, wurde Schach in jedes Unterrichtsfach eingebaut. Große Schachspiele mit aus Klopapierrollen gefertigten Schachfiguren wurde gebastelt, und vieles mehr.


Ein Schachspiel aus Klopapierrollen gefertigt von Grundschülern für das Partnerland
Griechenland

Mehrere Lehrerinnen ließen sich zu Schachpädagogen ausbilden, um den Kindern ab Klasse 2 das Schachspiel beizubringen. Die dazu gehörende AG gibt es seit 3 Jahren, auch sie wird immer größer. Durch die vielen Aktionen wurde die deutsch-griechische Gesellschaft in Leipzig aufmerksam auf die Partnerschule Hohenmölsen und führt nun zusammen mit der Schule am 27.06. einen griechischen Festtag durch.

Der griechische  Generalkonsul mit Sitz in Leipzig ist richtig begeistert von der Arbeit seiner Partnerschule und ließ es sich deshalb nicht nehmen, das Partnerschulturnier persönlich zu eröffnen, wo durch ein zusätzlicher internationaler Glanzpunkt gesetzt wurde.

Die Kämpfe an den Brettern verliefen hart, aber äußerst fair. Wenn mal ein Problem auftauchte, dann lag das an fehlender Regelkenntnis oder mangelnder Erfahrung, denn für viele Schüler wie Lehrer war dies eines der ersten großen Turniere. Und so dominierte eigentlich bei allen die Freude über das Turnier, und es gab wenige Tränen über Niederlagen, die nahm man mit Fassung und Gelassenheit und beruhigte sich schnell draußen wieder beim Fußballspielen rund um die parkenden Autos.

Die Eltern der Kinder der Montessori Schule versorgten alle Teilnehmer mit Getränken und Kuchen, ein Würstchenwagen kam zur Mittagspause vorbeigefahren und verkaufte Roster, was jeder Teilnehmer nicht sogleich als Bratwurst erkannte. Andere Bundesländer, andere Sitten.

Insgesamt ein tolles Festival des Schulschachs mit vielen tollen Länderpräsentationen und Begeisterung bei allen.


Das ist der Rücken einer Spielerin des Käthe-Kollwitz-Gymn. für Guernsey


Panama kämpft und scheint mit dem Spielverlauf zufrieden zu sein


Ein toll gestaltetes Plakat für Turkmenistan


Endstand Partnerschulturnier Leipzig

1. Thailand 14:0 34,5
2. Österreich 11:3 28,0
3. Rumänien 9:5 26,5
4. Griechenland 9:5 23,0
5. Bahrein 9:5 22,0
6. Bolivien 8:6 24,0
7. Guernsey Inseln 8:6 23,5
8. Panama 8:6 21,5
8. Libanon 8:6 21,5
10. Polen 8:6 19,5
11. Spanien 7:7 23,5
12. Jordanien 7:7 22,0
13. Georgien 7:7 20,0
14. Indien 6:8 21,0
14. Ägypten 6:8 21,0
16. Jamaika 6:8 19,5
17. Sri Lanka 6:8 19,0
18. Namibia 6:8 18,0
19. Botswana 5:9 18,0
20. Aserbaidschan 4:10 14,0
21. Taiwan 2:12 10,0
22. Turkmenistan 0:14 12,0
 


Die Sieger von der Montessori Schule für Thailand


Feiernde Österreicher mit Mozartkostüm
 

 

Jörg Schulz

 


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