Thüringen holt den Titel

04.06.2002 – "Wer 1:0 führt, der stets verliert." hieß es in Braunfels bei der Deutschen Frauenmeisterschaft. Nach einem furiosen Start von Sachsen-Anhalt mit 6:0 Mannschaftspunkten reichte es am Ende doch "nur" für den 3. Platz. Der Titel ging an das Team aus Thüringen. Mehr...

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Braunfels, eine kleine Stadt mit einer Burg mitten in Hessen, scheint für mich ein Ort zu sein, wo es niemals regnet. Immer wenn die Deutsche Frauen-Mannschaftsmeisterschaft stattfindet, ist es richtig warm und sonnig. Vielleicht liegt es daran, dass sie meistens Ende Mai ausgetragen wird und nicht im Februar.


Herzlicher Empfang in Braunfels

Das Turnier wird jedes Jahr im Haus des Gastes ausgetragen, es ist jedes Jahr sehr gut besucht und organisiert. Die ganze kleine Stadt nimmt Notiz - vom Bürgermeister bis zur Bäckerin. Das Riesenschild „Deutsche Damenmeisterschaft“ ist nicht zu übersehen. Die Schachspielerinnen werden sehr herzlich empfangen. Die Hotelwirte erinnern sich sogar an die Ergebnisse der letzten Jahre und an die Vorlieben der Turnierteilnehmerinnen in Punkto Essen und Trinken. Es ist wirklich eine schöne Tradition geworden, die Meisterschaft seit Jahren hier auszutragen. Diesmal überschnitt sich die Deutsche Meisterschaft mit der Europameisterschaft in Varna, deshalb haben einige Spielerinnen absagen müssen, wie z.B. Elisabeth Pähtz. Auch einige ausländische Spielerinnen, die für die unterschiedlichen Bundesligavereine gemeldet sind, waren dieses Jahr nicht am Start. Daher ist das schachliche Niveau deutlich gesunken (besonders am ersten Brett, was ich gut beurteilen kann, da es mir mit meinem „Können“ gelang, ohne große Mühe 4 Punkte aus 5 Partien zu erzielen). Doch das Turnier selbst hat an seiner Bedeutung nichts verloren. Es ist schön, dort zu sein, man hat genügend Zeit, nicht nur um Schach zu spielen, sondern gleichzeitig auch Freunde zu treffen, unzählige Blitzpartien auszutragen und bei einem Glas Bier in der Sonne zu sitzen. Wo sonst, wenn nicht in Braunfels, bekommt man gleichzeitig fast 150 Schachspielerinnen zu sehen!Viele von uns sind fast jedes Jahr dabei. Manche ziehen im Laufe der Jahre von Bundesland zu Bundesland, spielen dann für ein anderes Team, aber eins bleibt bestehen – die Freude am Schach! Es kommen immer wieder neue Gesichter hinzu, wer weiß, ob aus den unbekannten Talenten nicht in ein oder zwei Jahren Großmeisterinnen werden? Ich selbst spiele dort schon zum siebten oder achten Mal und kann mich noch an Zeiten erinnern, als NRW noch mit zwei Mannschaften angetreten ist. Seit der Wende sind noch die neuen Bundesländer mit ihren starken Spielerin hinzu gekommen, die natürlich immer wieder eine ernsthafte Konkurrenz darstellen.

Sachsen ohne Frauen
Dieses Jahr waren 14 Teams am Start, traurigerweise konnte Sachsen, jedes Jahr einer der Favoriten, keine Mannschaft aufbieten, was ich als bedenkliches Zeichen empfinde. Bei uns in NRW ist es leider seit Jahren so, dass sich die stärksten Spielerinnen hartnäckig weigern, an diesem Turnier teilzunehmen. Bei den Mannschaften aus dem Osten war das bis jetzt kaum der Fall. Die Bereitschaft zu kommen und mitzuspielen hat sich für den neuen deutschen Meister Thüringen bezahlt gemacht.
Da die Gelder im Schach bekanntlich knapp sind und im Frauenschach besonders, mussten die Thüringer ihren Aufenthalt teilweise sogar selbst finanzieren, um überhaupt in Braunfels spielen zu können. Dennoch ist es ihnen gelungen, eine sehr ausgeglichene und starke Mannschaft zusammenzubekommen, die ausschließlich aus eigenen Spielerinnen besteht und schon seit Jahren zusammen hält. Herzlichen Glückwunsch zum verdienten Sieg.

Sachsen-Anhalt mit furiosem Start
Drei Runden lang sah es so aus, dass eine andere Mannschaft aus dem Osten – Sachsen-Anhalt - die Meisterschaft für sich entscheiden würde. Sie stand mit 6 - 0 Punkten unangefochten an der Tabellenspitze, da sie auch nominell die stärkste Mannschaft, mit den beiden starken Großmeisterinnen an Brett 1 und 2 – Ildiko Madl und Anita Gara, an Brett 3 mit Constanze Jahn und an Brett 4 mit Claudia Eckhardt, waren.
Doch die 4. Runde brachte eine Vorentscheidung. In einem spannenden und knappen Kampf gewann Thüringen 4,5 gegen 3,5 gegen Sachsen – Anhalt und übernahm damit die Tabellenführung. Die 5. und letzte Runde konnte daran nichts mehr ändern. Thüringen bezwang auch Bayern (wie gewohnt mit Marina Olbrich am 1. Brett). NRW konnte sich gegen Sachsen-Anhalt durchsetzen. Damit waren die Plätze verteilt - 1. Platz für Thüringen, 2.Platz für NRW und „nur“ der 3. Platz für Sachsen-Anhalt.

Abschied von Braunfels
Bayern belegte den undankbaren 4. Platz vor Schleswig-Holstein, Baden und Berlin. Berlin mit einer sehr jungen Mannschaft kann mit seinem 7. Platz bestimmt sehr zufrieden sein. Hamburg (besonders in dieser Mannschaft habe ich einige Gesichter vermisst - Vera Jürgens, Eva-Maria Zickelbein, Leonie Helm – alle waren sie dieses Jahr leider nicht dabei) und Hessen dagegen werden im nächsten Jahr einiges zulegen müssen, um wieder für die ersten drei Plätze in Frage zu kommen.
Es wird gemunkelt, dass die Meisterschaft im nächsten Jahr in den Osten vergeben wird, damit diese Mannschaften auch mal eine relativ kurze Anreise haben. Die Entscheidung darüber liegt in den Händen des Deutsche Schachbund, doch ich persönlich würde diesen Ort sehr vermissen.

Anna Dergatscheva-Daus



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