Tschechische Senioren in Führung

18.02.2008 – Bei der Senioren-Europamannschafts-Meisterschaft liegt nach sieben Runden die tschechische Mannschaft mit GM Jansa (Bild) am ersten Brett an der Tabellenspitze. In der fünften Runde kam es zum Aufeinandertreffen mit Team Deutschland, das remis endete. Team Deutschland gab in der folgenden Runde einen weiteren Punkt gegen die Schweiz ab. Vor den letzten beiden Runden führt Tschechien vor Stiller Don Rostov, Moskau und Deutschland. Turnierseite...Bericht, Partien, Bilder...

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Tschechien marschiert
Von Dagobert Kohlmeyer

Bei der Senioren-Team-EM in Dresden gibt Neuling Tschechien  überraschend den Ton an. Auch am fünften Spieltag gewann das Quartett um Vlastimil Jansa und fegte Titelverteidiger Stiller Don Rostow mit 3:1 von den Brettern.


Vlastimil Jansa

Das hatte vorher kaum einer erwartet. Die Punkte holten Jansa gegen Vitali Zeschkowski, Jiri Lechtynsky gegen Puschkow und Josef Pribyl gegen Sacharow.


Vitali Zeschkowski

Damit haben die Tschechen nach fünf Runden im Ramada Hotel von Dresden als einzige noch eine weiße Weste und führen mit 10:0 Mannschaftspunkten. 

Zweiter ist zu dieser Zeit Deutschland (9:1 Punkte) nach einem hohen 3,5:0,5 über Katalonien. 


Team Deutschland

Am Spitzenbrett nahm Wolfgang Uhlmann erfolgreich Revanche bei Orestes Rodriguez für eine bittere Niederlage im Vorjahr, als er auf Gewinn stand.


Orestes Rodriguez

Auch Hajo Hecht und Burkhard Malich gewannen ihre Partien, während Anatoli Donchenko remisierte.

Finnland gegen Moskau und die Schweiz gegen Salzburg spielten jeweils 2:2. Hinter dem Führungsduo folgen vier Teams mit je 8 Mannschafts-Punkten. Viktor Kortschnoi (76) hat jetzt 4 Punkte aus 5 Partien, nachdem er gestern im Kampf Schweiz – Tschechien (1,5:2,5) seine Partie gegen Jiri Lechtynsky verlor.


Bob Wade


Steward Reuben

In der sechsten Runde kam es dann zum Aufeinandertreffen der Spitzenteams aus Tschechien und Deutschland. Es endete Unentschieden. Im Kampf der Verfolger schlug Moskau St. Petersburg. In der 7. Runde gab Tschechien gegen Moskau einen weiteren Punkt ab. Deutschland trennte sich von der Schweiz ebenfalls 2:2.


Antje Jurke vom Olympiabüro kiebitzt

Aktueller Turnierstand vor den letzten beiden Runden:

1 Tschechien 12
2 Stiller Don Rostov 11
3 Moskau 11
4 Deutschland 11

Partien bis zur 7. Runde (pgn)...

So weit der Turnierstand an der Spitze vor dem Wochenende - Ein Wermutstropfen für viele Teilnehmer ist die Tatsache, dass die zehnte auch die vorläufig letzte Senioren-EM in Dresden sein wird. Die Schach-Oldies haben sich im vergangenen Jahrzehnt an das schöne Ambiente und die perfekte Turnierorganisation gewöhnt, wie die folgende Geschichte zeigt. Unter den 20 Leuten, die diese Veranstaltung stemmen, ist ein Ehepaar, ohne das die Senioren-EM nicht denkbar wäre.

Helga, Gerhard und die Schach-Oldies

Auf Gerhard Schmidts Tisch im Ramada Hotel von Dresden liegt ein kostbarer Stein. Der Turnierdirektor der Senioren-Schach-EM bekam ihn vom holländischen Teamkapitän geschenkt. Ein Dank für seine langjährige erfolgreiche Arbeit bei dem Traditionsturnier. Gerhard Schmidt leitet die Senioren-EM zum achten Mal. Beim ersten Event 1999 setzte er noch selbst die Figuren. „Ich gewann in der letzten Runde und sicherte meinem Team, dem Dresdner SC, die Bronzemedaille.“, blickt der 72-Jährige zurück.


Helga und Gerhard Schmidt

Schmidts Frau Helga organisiert indessen das kulturelle und touristische Rahmenprogramm für die Schach-Oldies. Dazu gehören Besuche in der Semperoper, Staatsoperette und Ausflüge in die Umgebung Dresdens. Von ihnen wird reger Gebrauch gemacht. Damit nicht genug. Als OK-Mitglied der Olympiade lädt Helga Schmidt schon heute Schachspieler aus aller Welt und ihre Begleitung zur Aufführung des Musicals „Chess“ im November in Dresden ein.

„Die Senioren sind eine bedeutende Zielgruppe für unsere Aktivitäten“ betont Gerhard Schmidt. Es geht bei der Altersgruppe ab 60 ja nicht nur darum, schachlich bedeutende Wettbewerbe auszurichten, sondern auch um soziale Unterstützung. Viele Senioren leben allein, finden daher in ihren Schachklubs und bei Turnieren eine Heimat. Besonders für diejenigen, die ihren Partner verloren haben und gesundheitlich nicht mehr so fit sind, ist es ganz wichtig, in einem Kreis von Gleichgesinnten ihre Kräfte messen und sich wohl fühlen zu können.

 „Gerade bei diesem Turnier ist es auch eine wunderschöne Sache, dass alte Bekannte, die sich viele Jahre oder Jahrzehnte nicht gesehen haben, wieder ihre Kräfte messen“, sagt Schmidt. Er verweist darauf, dass Wolfgang Uhlmann hier jedes Mal Wiedersehen mit Willy Rosen aus Essen feiern kann, mit dem er schon 1951 bei der gesamtdeutschen Jugendmeisterschaft spielte. Uhlmann gewann seinerzeit, Rosen wurde Fünfter. Auch Wolfgangs DSB-Teamkamerad Burkhard Malich war damals dabei und wurde Zehnter (siehe Tabelle).

Deutsche Jugend-Einzelmeisterschaft

Leipzig, September 1951

1.

 Uhlmann (Dresden)

 

½

1

½

1

1

1

½

0

1

1

1

1

1

10.5

63.50

2.

 Fuchs (Berlin-Ost)

½

 

½

½

1

0

1

½

1

0

1

1

1

1

9.0

53.25

3.

 Budrich (Berlin-Ost)

0

½

 

1

0

1

1

0

1

½

1

0

1

1

8.0

46.75

4.

 Darga (Berlin-West)

½

½

0

 

1

0

0

1

0

1

1

1

1

1

8.0

46.25

5.

 Rosen (Essen)

0

0

1

0

 

½

0

1

1

1

0

1

1

1

7.5

41.00

6.

 Bialas (Berlin-Ost)

0

1

0

1

½

 

½

0

½

0

1

1

½

1

7.0

42.00

7.

 Richter (Werdau/Sa.)

0

0

0

1

1

½

 

1

1

½

1

0

½

0

6.5

40.50

8.

 Kunze (Meisdorf)

½

½

1

0

0

1

0

 

0

1

0

1

0

1

6.0

38.25

9.

 Schröder (Hamburg)

1

0

0

1

0

½

0

1

 

½

0

½

1

0

5.5

37.75

10.

 Malich (Staßfurt)

0

1

½

0

0

1

½

0

½

 

0

½

½

1

5.5

33.75

11.

 Achatz (Augsburg)

0

0

0

0

1

0

0

1

1

1

 

0

1

0

5.0

29.00

12.

 Stahl (Berlin-Ost)

0

0

1

0

0

0

1

0

½

½

1

 

0

1

5.0

28.00

13.

 Musmann (Herne)

0

0

0

0

0

½

½

1

0

½

0

1

 

1

4.5

23.50

14.

 v. Saldern (Braunschweig)

0

0

0

0

0

0

1

0

1

0

1

0

0

 

3.0

17.00


Die Weltklasseleute Viktor Kortschnoi (Schweiz), Vitali Zeschkowski (Russland) und die 80-jährigen Schachlegende Andreas Dückstein aus Österreich, mit denen der Dresdner Großmeister in seiner Glanzzeit die Klingen kreuzte, sind mittlerweile ebenfalls Stammgäste der Senioren-EM.


Andreas Dückstein

Nachdem die traditionelle Veranstaltung nun zehnmal in Dresden stattgefunden hat, was den Veranstaltern des Schachfrühlings um Dirk Jordan, Gerhard Schmidt, Falk Sempert und anderen viel Lob einbrachte, wurde sie für nächstes Jahr nach Velden in Österreich vergeben. Die Europäische Schachunion und ihr Senior Officer Per Ofstad (Norwegen) wollten es so.


Dirk Jordan

Gerhardt Schmidt, der seit Jahrzehnten Mitorganisator von Schachturnieren ist, darunter der Studenten-WM 1969 in Dresden, hat auch nach dem jetzigen Event keine Langeweile. Er arbeitet intensiv an einem Buchprojekt über die Geschichte des Sächsischen Schachs mit und wird am Rande der Schacholympiade im November wieder ein offenes Turnier leiten. Natürlich das der Senioren.

 

 

 

 

 


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