Überleben im "Schweizer Ping-Pong": Interview mit Peter Leko

28.11.2017 – Mit seinen 13 Jahren wagte sich Vincent Keymer ins Haifischbecken der U20-Juniorenweltmeisterschaft und sammelte Erfahrung im "Schweizer Ping-Pong". Unterstützt wurde er von Peter Leko, der im Interview mit Bernd Vökler von seinen Eindrücken berichtet.

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Der Deutsche Schachbund war mit vier Spielern bei der Junioren-Weltmeisterschaft U20 in Traviso vertreten. Rasmus Svane, Alexander Donchenko und Vincent Keymer nahmen bei der Offenen Weltmeisterschaft teil. Josefine Heinemann war die einzige deutsche Teilenehmerin bei der parallel durchgeführten Mädchen-Weltmeisterschaft. 

Weltmeister wurde der Norweger Aryan Tari. Rasmus Svane landete mit 7,5 Punkten, einem Punkt Rückstand auf den Spitzenreiter, im dichten Feld auf Rang 17. Alexander Donchenko wurde 25ter. Vincent Keymer, erst 13 Jahre alt, belegte am Ende Platz 61, was ziemlich genau der Erwartung entspricht. Er hätte vielleicht auch besser abschneiden können, wenn er nicht "Schweizer Ping-Pong" gespielt hätte. Mädchenweltmeisterin wurde Zhansaya Abdumalik. Josefine Heinemann schloss die Mädchen-WM auf Platz 32 ab.

Unterstützt wurde Vincent Keymer von Peter Leko, seinem Mannschaftskollegen der SF Deizisau. Bernd Vökler nutzte die Gelegenheit für ein Interview.

Interview mit Peter Leko zur Junioren-Weltmeisterschaft in Traviso

Wie schätzt Du die diesjährige Junioren-WM U20 ein?

Es macht für mich einen großen Unterschied, ob ich die Partien und Ergebnisse im Netz verfolge oder die Spieler live am Brett arbeiten sehe. Das Turnier begann sehr verheißungsvoll für einige Spieler der „zweiten Reihe“, wie z.B. Kirill Alekseenko oder Pragnanandhaa. Das hatte aus meiner Sicht zwei Ursachen. Zum einen hatten die Topfavoriten van Forest und Svane noch die Mannschaftseuropameisterschaft in den Knochen und zum anderen sind diese Spieler um die 2550 sowieso extrem gefährlich. In der Mitte des Turnieres übernahm Aryan Tari die Führung und verteidigte sie bis zum Ende. Glückwunsch! Wer vermag zu sagen, wie die WM nach den üblichen 13 statt der hier gespielten 11 Runden ausgegangen wäre. Alexander Donchenko schließlich kam krank nach Tarviso und verbesserte sich gegen Ende auch stetig.

Du unterstützt hier deinen Bundesligakollegen aus Deizisau, Vincent Keymer. Vielleicht ein paar Worte zu ihm und seinem Turnier.

Diese Zusammenarbeit kam für uns beide sehr kurzfristig und überraschend zustande. Quasi ohne Vorbereitung wurden wir in das Haifischbecken der besten Spieler U20, garniert mit einigen amtierenden Jugendweltmeistern und diversen Staats-Profis aus Indien geworfen. 
Ich habe Vincent als einen Jungen mit großem Potential kennengelernt, der Schach sehr liebt. Daneben schätze ich seine sympathische Art und sein Feeling für Schach. Er hat das „gewisse Etwas“, was man auch nicht antrainieren kann.
Im Turnier kam er in das Schweizer System Ping Pong und kassierte dabei 4 Niederlagen gegen >2550 Spieler. Diese Jungs sind erfahren, kaltschnäuzig und mit allen Wassern gewaschen. So drehte z.B. Sanal Vahap noch eine komplett verlorene Position. Trotzdem wollte er jede dieser Auseinandersetzungen immer gewinnen und ging stets volles Risiko. Deswegen kann man diesen Niederlagen auch positive Seiten abgewinnen. Die restlichen 7 Partien absolvierte er mit 6 aus 7 sehr souverän.
chön wären zwei Wochen gemeinsamer Vorbereitung gewesen! Das wäre spannend geworden!

Peter Leko beim Tandem (Foto: Bernd Vökler)

Rasmus Svane und Vincent Keymer auf der anderen Seite (Foto: Bernd Vökler)

Kürzlich auf Kreta hast Du am Spitzenbrett der ungarischen Nationalmannschaft brilliert. Wie hältst Du selbst dein Niveau als Spieler? Wo siehst du Dich schachlich?

Für mich ist es immer eine besondere Ehre für die ungarische Nationalmannschaft zu spielen. Mein langjährig durchdachtes und gut aufgebautes Repertoire macht mich zu einem sehr solidem ersten Brett und gefragten Sekundanten für jeden der Top Ten Spieler. Bislang versuche ich auch noch, selbst als Spieler voran zu kommen. Da mir jedoch Open nicht so sehr liegen und gleichzeitig hochkarätige Einladungen ausbleiben, denke ich über die Einzeleuropameisterschaft 2018 als Qualifikation zum Weltcup nach. Die Arbeit mit Vincent ist kein Abschied von der eigenen Schachkarriere.

Noch eine Frage zum Projekt „Deizisau und Bundesliga“!

Mit Unterstützung der Grenke Leasing AG wurde in Deizisau eine Bundesligamannschaft geformt, die hauptsächlich deutschen Spielern die Gelegenheit gibt, sich zu präsentieren. Von der jungen Garde sind Matthias Blübaum, Andreas Heimann und Vincent Keymer zu nennen. Sie werden von aktuellen und ehemaligen Nationalspielern, wie Georg Meier, Alexander Graf und Rustem Dautov ergänzt und verstärkt. Scheinbar passe ich mit über 25 Jahren deutscher Schacherfahrung ganz gut in dieses Konzept! (lacht)

Das Interview führte Bernd Vökler.

  


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