Und Vincent?

von Conrad Schormann
17.10.2019 – Luis Engel ist mit 17 Jahren derzeit der jüngste deutsche Großmeister. Vincent Keymer ist zwei Jahre jünger und hat seine dritte GM-Norm zuletzt um einen Elopunkt verpasst. Was ist los bei Deutschlands größtem Schachtalent. Conrad Schormann macht sich Gedanken. | Foto: Maria Emelianova/ Chess.com

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Und Vincent?

Nachdruck aus Perlen vom Bodensee...

Luis Engel ist der einzige deutsche Jugendliche, der Vincent Keymer in Sachen Potenzial das Wasser reichen kann. Binnen sechs Monaten hat der 16-jährige Hamburger seinen Elo über 2500 geschraubt und drei Großmeisternormen eingespielt. Fortan heißt er GM Luis Engel.

Allzu wichtig mögen ihm seine jüngsten sportlichen Großtaten nicht sein, Schach ist ja nur ein Hobby. Luis Engel will Jurist werden.

Vincent Keymer (14) nicht. Die Entscheidung, auf die Karte Schach zu setzen, sei im Hause Keymer längst gefallen, hören wir aus seinem Umfeld. Vincent Keymer will Schachprofi werden, genau genommen ist er längst einer. Und als solcher hat er jetzt eine erste Dürreperiode durchlaufen. Seit über einem Jahr steht Keymer mit zwei GM-Normen da. Die erlösende dritte will partout nicht gelingen.

Ein öffentlicher Rüffel

Während Luis Engel Norm um Norm erspielte, waren für IM Vincent Keymer (14) die vergangenen Monate nach dem Grenke Classic weniger erbaulich, sie bargen gar das eine oder andere Alarmsignal. Zuletzt hat er sich einen öffentlichen Rüffel eines Förderers eingehandelt.

Keymers bescheidenes Abschneiden bei der „Masters“ genannten Deutschen Meisterschaft war sportlich noch eine Normalität. Kurz zuvor hatte er in Karlsruhe auf der großen Bühne mit dem Weltmeister die Waffen gekreuzt, umlagert von Fans, im Fokus der Öffentlichkeit. Ein Highlight, dem er monatelang entgegengefieberte, während sein Umfeld einen unnötigen Eiertanz hinsichtlich seiner längst feststehenden Teilnahme aufführte.

Direkt nach dem ersten Kräftemessen mit der Weltklasse auf Mühsal der Ebene umzuschalten, sich in einem Magdeburger Gemäuer mit Gegnern zu messen, die Miller und Meier heißen statt Carlsen und Caruana, war eine übermenschliche Aufgabe – zumal für einen jungen Sportler, der für Leistungsschwankungen viel anfälliger ist als gestandene Recken.

Erstaunlich: von Ärger keine Spur

Nach dem Grenke Classic war ein sportlicher Durchhänger zu erwarten. Und den gab es: zwei Punkte aus sieben Partien gegen Miller, Meier & Co. Geschenkt, normal.

Nicht normal, zumindest erstaunlich war Vincents Reaktion darauf: Er nahm die Schlappe einfach so hin. Diese Gegner seien ja auch sehr, sehr stark, er müsse ja noch so viel lernen, und insofern sei ein solches Resultat vertretbar, erklärte Vincent gleichmütig. Von Ärger keine Spur, auch nicht vom unbedingten Willen, es beim nächsten Mal besser machen zu wollen.

Sollten Profis nicht getrieben sein von der Lust auf Wettkampf, vom Ehrgeiz, vom Gewinnenwollen? Und sollten sie nicht sauer sein, wenn ein Wettkampf misslingt? Wenn der erste Frust verflogen ist, lässt sich Ärger über sportliche Schlappen in Energie für kommende Wettkämpfe kanalisieren. Aber wenn nach der Schlappe der Ärger ausbleibt, wenn die Reihe von Nullen gleichmütig hingenommen wird, kann das ein Zeichen sein, dass die Einstellung nicht stimmt.

„Mit Wattestäbchen kommt man nicht mehr weit“: Hans-Walter Schmitt im Interview zu seinem Rückzug als Schach-Organisator.

Ist es das, was Hans-Walter Schmitt mit „Wattestäbchen“ meint? Wer mit dem Bad Sodener Schachmacher über Schach spricht, der hört eher früher als später einen leidenschaftlichen Vortrag über den akribischen, unermüdlichen Arbeitseifer von Schmitts einstigem Schützling Visvanathan Anand. Dessen Disziplin, Leidenschaft und Trainingseifer sieht Schmitt heute bei Anands potenziellen Nachfolgern Nihal Sarin und Praggnanandhaa.

Bei Keymer sieht er Wattestäbchen.

Und doch schien Keymer beim Meister-Open in Biel wieder in der Spur und auf GM-Kurs zu sein. Den armenischen GM Martirosyan besiegte er in Runde 5 von 9 mit großmeisterlicher Präzision, und als in Runde 7 im Lager des venezolanischen GM Iturrizaga ein Bauer fiel, war das schon fast ein weiterer GM-Titel-Matchball. Nur organisierte Iturrizaga Gegenspiel, hielt die Lage kompliziert, und der junge Deutsche strauchelte. Aus einer schon greifbaren „1“ wurde eine „0“ in der Tabelle, und das Turnier war gelaufen.

Der große Plan von Peter Leko

Schon vor einem Jahr als 13-Jähriger hatte Vincent Keymer auf der Isle of Man GM-Matchball. Zum Abschluss des Turniers nicht gegen den Israeli Sutovsky verlieren, Keymer wäre Großmeister gewesen, der mit Abstand jüngste, den wir je hatten. Aber anstatt den Ball flach zu halten, stürzte sich Keymer in einen messerscharfen Kampf – und verlor.

Keymers Sieg über Boris Gelfand war das Highlight auf der Isle of Man 2018. Dieser Tage läuft das Turnier erneut, dieses Mal noch stärker besetzt, und Keymer hat sich einen guten Start in den Wettbewerb erarbeitet.

Solche Niederlagen seien Teil des großen Plans, hat Keymers Coach Peter Leko seitdem mehrfach öffentlich erklärt. Vincent soll gegen möglichst starke Gegner mit heruntergeklapptem Visier kämpfen, anstatt zu klammern. So wachse er am ehesten als Schachspieler, und der GM-Titel komme dann von allein.

Das Konzept leuchtet ein, vernachlässigt aber den psychologischen Wert des GM-Titels. Die dritte Norm wäre eine schöne Wegmarke, ein Zeichen, dass es weitergeht. So etwas nimmt man gerne mit und macht sich dann zu neuen Ufern auf. Wenn diese dritte Norm sich bei einem außergewöhnlichen, begnadeten, aber eben auch noch nicht stabilen Schachmeister partout nicht einstellen will, dann mag das Zweifel wecken, womöglich Verkrampfung auslösen.

Der große Plan erwies sich als tückisch: Peter Leko und Vincent Keymer vor einem Jahr auf der Isle of Man. (Foto: Maria Emelianova)

Ob Leko das auch so sieht? Nach dem Open in der Schweiz spielte Keymer jedenfalls ein Open in Italien, das eben nicht stärkstmögliche Gegner bereithielt, sondern wie geschaffen für Normambitionen schien: Ein Feld von Fallobst aus der 2000-2400-Kategorie, das sich trefflich würde durchpflügen lassen, dazu einige wenige starke Großmeister, die man besiegen kann, aber nicht muss, so lange man sich am Fallobst schadlos hält.

Gleich zu Beginn setzte es eine Null gegen einen Münchner Schachlehrer im Vorruhestandsalter mit 2223 Elo, dazu gesellten sich zwei weitere Nullen gegen schwächer bewertete Gegenspieler, und am Ende stand ein Desaster, das Vincent 17 Elopunkte kostete. „Was läuft da schief“, fragte nicht nur der einstige Top-50-Großmeister und Nationalspieler Gerald Hertneck.

Hatte sich genau die oben genannte Verkrampfung eingestellt?

„Es ist der Druck“ orakelte stattdessen die Schachgemeinde im Internet – eine Fehldiagnose.

Vincent Keymer spürt keinerlei Druck außer dem, den er sich selbst macht. Während in anderen Sportarten die angehenden Superstars schon im Jugendalter unter der Lupe leben müssen, kann sich Keymer frei von diesem Phänomen und wohlbehütet entfalten. Gelegentlich schaut ein schachfremdes Magazin bei ihm vorbei, stellt ein paar Schmusefragen zu Schule und Fahrradfahren, ansonsten hat Vincent Keymer Ruhe. Ein Privileg, eigentlich.

Samstag, 12. Oktober 2019, Isle of Man: die Wende?

Obwohl aus journalistischer Sicht Hertnecks Frage spätestens nach dem italienischen Desaster-Open öffentlich gestellt und erörtert gehörte, hat die Schachöffentlichkeit diesen Misserfolg schlicht ignoriert. Nicht einmal diese Seite (gemeint ist "Perlen vom Bodensee", Anm. der Redaktion), die als mehr oder weniger einzige gelegentlich Dinge benennt, die nicht gut laufen, hat den Misserfolg registriert, geschweige denn bewertet. „Keymers Krise“ wollten wir erst thematisieren, wenn sich andeutet, dass sie überwunden ist, um dem hoffnungsvollsten deutschen Schachspieler seit 100 Jahren nicht genau dann reinzuquatschen, wenn es schlecht läuft.

Die etwa gleichaltrigen Nihal Sarin und Praggnanandhaa stehen in ihrer Heimat ganz anders im Fokus als hierzulande Vincent Keymer. Sie forcieren das sogar selbst, insbesondere der mit Biomilch-Logos gepflasterte Schachfreund Sarin, der sich mit Macht vermarktet und zugleich in den Sozialen Medien selbst als Marke etabliert. 

Wir haben im deutschen Schach ja nur diesen einen Vincent. So lange er minderjährig ist, müssen wir Außenstehenden hoffen, dass er von Leuten umgeben ist, die wissen, was sie tun, die Alarmsignale einordnen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen können. Die Schachgemeinde beobachtet still und hoffnungsvoll, zuletzt bangend.

Und bald wieder euphorisch? Was Keymer am Samstag auf der Isle of Man abgeliefert hat, war mehr als großmeisterlich.

Auch wenn mal Sand im Getriebe sein mag, auch wenn Hans-Walter Schmitt Wattestäbchen statt Leidenschaft sieht: Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland in naher Zukunft einen Weltklassespieler namens Keymer hat, ist unverändert hoch. Welches Potenzial in diesem Wunderknaben schlummert, war jetzt auf der Isle of Man zu sehen.

Dritte Runde, Keymer mit Weiß gegen GM Sanan Sjugirov, der mit seinen 2662 Elo in Deutschland die Nummer eins wäre. So jemanden kann Keymer schlagen, das ist kein Geheimnis, insofern war der Sieg keine allzu große Überraschung.

Ein Klassenunterschied – aber andersherum

Wie er ihn geschlagen, das war ein Hochgenuss, der uns zuletzt zu oft verwehrt geblieben war. Nicht spektakulär, nicht in wenigen Zügen. Aber wie aus einem Guss, strategisch zielstrebig, taktisch makellos. Vincent Keymer ließ es ganz einfach aussehen.

Zwischen dem 14-jährigen IM aus Deutschland und dem russischen Großmeister klaffte ein Klassenunterschied, der sich Zug für Zug manifestierte. Womöglich mochte Sjugirov selbst nicht glauben, mit welcher Leichtigkeit ihn dieser Bursche auseinandernimmt, sonst hätte er nicht in hoffnungsloser Lage noch weitergekämpft.

Vincent Keymer glaubt an sich, das ist die erleichternde Botschaft, die diese Partie in die Heimat sandte. Könnte sein, dass die Dürrephase nun vorüber ist. Könnte sein, dass Luis Engel als jüngster Großmeister Deutschlands schon in einer Woche von jemand noch jüngerem übertrumpft wird.

Zum Originalbeitrag bei Perlen vom Bodensee...

 



Themen: Vincent Keymer

Conrad Schormann, gelernter Tageszeitungsredakteur, betreibt in Überlingen am Bodensee ein Büro für Redaktion und Kommunikation. Fürs Schachspielen hat er zu wenig Zeit, was auch daran liegt, dass er so gerne darüber schreibt, sei es für Chessbase, im Reddit-Schachforum oder für sein Schach-Lehrblog Perlen vom Bodensee...

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querschlaeger querschlaeger 24.10.2019 11:11
Ich habe mit mir gerungen, noch einen Post zu verfassen. Mir lag keinesfalls daran, diesen Kommentarthread vollzuspammen, so wie er im Nachhinein durch die Entwicklung erscheint.

Allerdings war mir eine weitere (meine) Sichtweise wichtig, die den Artikel nicht als „Teufelswerk“ zum Zerreißen Jugendlicher, sondern als Mahnung in der -jetzt zeitlich überholten- Situation verstand.

Wenn eine Mehrzahl dies anders sieht, d’accord, damit komme ich klar…

@WilliamParcher, wenn ich Ihren Tippfehler falsch aufgefasst habe, dafür auch meine Bitte um Entschuldigung.

Zu guter Letzt darf ich sogar Martin Rieger zustimmen ;-)

„Vincent, viel Glück für die Zukunft!“
WilliamParcher WilliamParcher 23.10.2019 10:25
@peter_bx
Das war in der Tat ein Vertipper und ich entschuldige mich, falls es falsch aufgefasst wurde.
peter_bx peter_bx 23.10.2019 08:50
@querschlaeger
In der Tat habe ich Ihre Bemerkung nicht auf den Ausdruck "Quelschläger" bezogen.
Denn ich habe den Begriff mal gegoogelt und habe nichts Beleidigendes in Zusammenhang mit diesem Begriff gefunden!? Daher hatte ich dies eher als "Vertipper" denn als absichtliche Verunglimpfung verstanden...

Zu allen anderen Punkten kommen wir leider nicht zu einer gemeinsamen Sicht.
Daher wäre es sicherlich angebracht, den Autor selbst zu Wort kommen zu lassen. Er hat ja auf seinem Blog noch zwei weitere Artikel folgen lassen.
Martin Rieger Martin Rieger 23.10.2019 05:21
@schachkwak: Gute Zusammenfassung die wohl alle hier teilen außer vielleicht 2 Personen. Es ist alles gesagt worden dazu. Vincent, viel Glück für die Zukunft!
schachkwak schachkwak 23.10.2019 05:10
Nochmal meine Zusammenfassung:

Im ersten Abschnitt wird anmoderiert, Vincent Keymer wird vorgestellt und einem erfolgreichen Luis Engel gegenübergestellt. Im Abschnitt 2 und 3 wird Vincent Keymer runtergeputzt. Diese Abschnitte sind ausschließlich negativ. Höhepunkt dabei ist, dass sich der Autor des Machwerkes dazu versteigt, Vincent mangelnde Motivation vorzuwerfen: "erklärte Vincent gleichmütig", "Bei Keymer sieht er Wattestäbchen".
Eine absolute Frechheit, nichts worauf man journalistisch stolz sein kann.

In Abschnitt 3 kommt der Trainer Peter Leko dran und es werden Diagnosen aus der Entfernung getroffen.

"Während in anderen Sportarten die angehenden Superstars schon im Jugendalter unter der Lupe leben müssen, kann sich Keymer frei von diesem Phänomen und wohlbehütet entfalten. ... Ein Privileg, eigentlich."
Worauf der Autor ja offensichtlich keinen Bock hat. Wobei mir grad auch nicht einfällt, welche Sportart das sein soll, wo 14-jährige verrissen werden.

Ab Abschnitt 4 schreibt er was von seiner Erwartungshaltung und was es seiner Meinung nach alles geben muss. An einer Partie werden Schlüsse gezogen, die man aus einer Partie so nicht schlussfolgern sollte. Nur weil er mal einen Nahezu-Supergroßmeister auf dem falschen Fuß erwischt hat, ist er ihm noch lange nicht komplett überlegen.

Alles in allem ist das halt ein Artikel auf Boulevardzeitungsniveau. Fast die ganze Zeit schwarz, dann etwas viel zu grelles weiß. Jede Menge Behauptungen ohne jegliche Grundlage. Natürlich mit Tipps, was alles falsch gemacht wird. Incl. was für jeden Sportler Sponsoren kosten kann: Mangelnde Motivation und lasches Training.

Diese Argumente sind hier lang und breit begründet worden, bevor hier querschlaeger alles zugespammt hat.
Wer diese Sachen lesen will, muss den Anfang der Kommentare lesen. Q. wird wahrscheinlich auch weiter spammen und versuchen, sich dabei auf Details zu verzetteln. Nicht schön.

Für mich bleibt der Artikel ein übles Machwerk.
querschlaeger querschlaeger 23.10.2019 04:23
Hmm, ich habe mit Textzitaten meine Sicht belegt, aber Sie betreiben Glaskugel lesen und unterstellen: "Aber die angebliche Hochachtung dient dem Autor doch nur dazu, um fragen zu können: Schaut mal, wieviel Talent er hat, wieso macht er denn nur so wenig draus?"

Ich lese dagegen bei Schormann: "Auch wenn mal Sand im Getriebe sein mag, auch wenn Hans-Walter Schmitt Wattestäbchen statt Leidenschaft sieht: Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland in naher Zukunft einen Weltklassespieler namens Keymer hat, ist unverändert hoch."

Zusammen mit meinen früheren Ausführungen; das klingt nun so gar nicht nach Ihrer Einschätzung...
LionJo LionJo 23.10.2019 04:00
Netter neuer Versuch, Herr Querschlaeger...

Aber die angebliche Hochachtung dient dem Autor doch nur dazu, um fragen zu können: Schaut mal, wieviel Talent er hat, wieso macht er denn nur so wenig draus? Und unter der Maßgabe werden wilde Sachen hervorgebracht. Das ist ein bekanntes Muster aus vielen Berichten über Sportler. So weit, so üblich, aber doch bitte nicht bei einem 14-jährigen.
querschlaeger querschlaeger 23.10.2019 03:19
@LionJo
„@querschlaeger: Ihre Verteidigung des Artikels in allen Ehren, aber ich kann beim besten Willen nicht erkennen, dass sich die Kritik an das Umfeld von Vincent richten soll.“

„Vincent wird die aus meiner Sicht nicht gerechtfertigte allgemeine Erwartungshaltung noch früh genug zu spüren bekommen, (…)“

Wir sind in der Bewertung dicht beieinander… die Erwartungshaltung zu kanalisieren und Vincent gefühlvoll und mit Maß an weitere Ziele heranführen, genau dafür ist Vincents Umfeld gefordert…

Conrad Schormann schrieb: „Wenn diese dritte Norm sich bei einem außergewöhnlichen, begnadeten, aber eben auch noch nicht stabilen Schachmeister partout nicht einstellen will, dann mag das Zweifel wecken, womöglich Verkrampfung auslösen. Ob Leko das auch so sieht?“

Hier liest man doch deutlich, dass Schormann voller Hochachtung vor Vincent und seinen jungen Jahren schreibt, aber auch mahnt…

s.u. „So lange er minderjährig ist, müssen wir Außenstehenden hoffen, dass er von Leuten umgeben ist, die wissen, was sie tun, die Alarmsignale einordnen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen können. Die Schachgemeinde beobachtet still und hoffnungsvoll, zuletzt bangend.“

Nun haben uns die Tatsachen überholt, Vincent hat den Titel, ob der Weg dahin nun Last und zusätzliche Bürde war, das sein dahingestellt…

Wie es weitergeht, lassen wir uns überraschen…in jedem Fall toi, toi, toi auf seinem weiteren Weg!
LionJo LionJo 23.10.2019 02:34
Wenn ich mich mal kurz in die persönlichen Fehden einmischen darf...ich kenne Herrn Schormann nicht, und ich will weder eine weitere Stellungnahme von ihm lesen noch über seine Persönlichkeit spekulieren, mir geht es nur darum, dass sich Menschen mal bewusst machen, was man mit unbedachten Äüßerungen so alles anrichten kann, insbesondere bei Jugendlichen.

@querschlaeger: Ihre Verteidigung des Artikels in allen Ehren, aber ich kann beim besten Willen nicht erkennen, dass sich die Kritik an das Umfeld von Vincent richten soll. Ich glaube, das wird kaum jemand so interpretieren. Und auch wenn der Autor irgendwelche versteckten Motive hatte, so ist alleine entscheidend, wie so etwas beim Betroffenen, in dem Fall einem 14-jährigeren, ankommt. Jetzt, mit der mittlerweile erworbenen 3. GM-Norm, kann man das noch halbwegs entspannt sehen, aber man stelle sich nur mal vor, es hätte nicht geklappt. Hätte objektiv betrachtet kein Drama dargestellt, aber der Artikel auf der wohl bekanntesten deutschen Schachseite wäre für jedermann zu lesen gewesen.

Vincent wird die aus meiner Sicht nicht gerechtfertigte allgemeine Erwartungshaltung noch früh genug zu spüren bekommen, da muss man nicht jetzt schon so kritisch berichten wie über formschwache Fußballprofis. Schachtalente gibt es viele auf der Welt, aber die absolute Spitze besteht nur aus wenigen Spielern. Den schon oft gelesenen Vergeich mit Boris Becker kann ich nicht nachvollziehen. Ob Vincent irgendwann der ganz große Wurf gelingt...vielleicht, aber vielleicht wird er auch "nur" ein weiterer starker deutscher Großmeister, und das wäre auch OK.
querschlaeger querschlaeger 23.10.2019 01:20
@WilliamParcher

Tatsächlich habe ich mich für ein Posting im von mir angegebenen Artikel erstmalig registriert. Was das allerdings mit Partien auf dem CB-Server (ich verfolge dort nur Übertragungen) zu tun hat? Nun, Sie werden es wissen...

btw "WilliamParcher" wird dort gar nicht gelistet, sind Sie selbst etwas ein Fake-Accout... ;-)

In einem Punkt bin ich allerdings auch bei Ihnen; eine Stellungnahme Herrn Schormanns (kam dann später als Interview) könnte bei sehr gegensätzliche Diskussionen etwas "Dampf aus dem Kessel" lassen...aber möchte man jeden Artikel erklären?!
WilliamParcher WilliamParcher 23.10.2019 12:57
@Martin Rieger

Tatsächlich hat der User "querschlaeger" bei Chessbase angemeldet, nachdem sie in dem anderen Artikel kommentiert hatten. Gespielt wurde auf dem Chessbase-Server damit nicht.

Die Vermutung wäre wohl nie entstanden, wenn Herr Schnormann zu den kritischen Kommentaren selbst Stellung bezieht. Durch den gezeigten mangelenden Respekt wird er die kritischen User als Fanboys bsw. Menschen ohne "Intelligenz" betiteln, so dass jede Äußerung zu der Kritik unter seiner Würde erscheint.
querschlaeger querschlaeger 23.10.2019 12:47
@William Parcher

Willkommen im Fake- und Mehrfachaccout-Club! :-)

CB kann sicherlich an Hand meiner für querschlaeger registrierten Produkte bestätigen, dass es sich bei mir nicht um einen entsprechenden Account handelt. Es soll tatsächlich Menschen geben, die andere Meinungen haben.

Der Vollständigkeit halber, ich habe tatsächlich auch in https://de.chessbase.com/post/respekt-magnus-eine-bilanz-des-wm-kampfs-carlsen-vs-caruana Partei für Herrn Schormanns Artikel ergriffen.

Aber ihre Vermutungen und Spekulationen sind natürlich substanziell und belastbar....
WilliamParcher WilliamParcher 23.10.2019 12:14
@Martin Rieger

Danke, für das den Link zu dem Interview mit Herr Schnormann. Ohne jetzt das ganze Interview gelesen zu haben, habe ich mir die Kommentarleiste angesehen und ich kann ihre Vermutung sehr gut nachvollziehen.

Ich vermute mal, dass sich Chessbase nicht die Mühe macht den Verdacht auf Mehrfachaccounts zu überprüfen. In diesem Fall würden sie sich selbst ins eigene Fleisch schneiden, denn sie bezahlen den Herr Schnormann für seine Artikel.
querschlaeger querschlaeger 23.10.2019 10:35
@ Martin Rieger

Ich komme mit meiner Meinung und meinen Aussagen gut klar...danke! :-)
Martin Rieger Martin Rieger 23.10.2019 09:51
@Querschläger Sie diskretitieren sich selbst mit Ihren Aussagen hier, das merken Sie aber schon, oder?
querschlaeger querschlaeger 23.10.2019 09:30
@Martin Rieger
So früh am Morgen schon wieder über Fake-Profile spekulieren? Warum der Versuch, eine andere Meinung als die Eigene als Fake zu diskreditieren?

Ich kenne Conrad Schormann persönlich, verfolge seine Perlen vom Bodensee und bin Chessbase-Kunde. Wenn ich auf Artikel stoße, die mich interessieren, mache ich von meiner Kommentarmöglichkeit (und die ist nicht zwingend Mainstream) Gebrauch. Dabei schreiben Sie/wir im Moment über sagenhafte 2-3 Beiträge von Herrn Schormann… in denen (diesen genannten Artikeln, nicht per se) ich tatsächlich eher seine Sichtweise teile. Bei einigen seiner Formulierungen kann ich durchaus gewisse Reaktionen verstehen, aber deren Gänze und teilweise Vehemenz nicht nachvollziehen…
querschlaeger querschlaeger 23.10.2019 08:36
@LionJo
„Ein verantwortungsvoller Journalist würde niemals die Pressefreiheit über den Schutz eines Jugendlichen stellen.“
„Wer hier mit der Pressefreiheit argumentiert, missbraucht diesen wertvollen Begriff zu Lasten eines Heranwachsenden.“

Wie bereits bei meine Antwort an Peter_bx angesprochen, wirft im Artikel gerade die erwachsene Umgebung von Vincent kritisch beäugt; dies erscheint mir schwierig, ohne ihn selbst zu benennen und auch zu ihm auszuführen.

Ich bin durchaus bei Ihnen, dass einige Formulierungen (der Ton macht schließlich die Musik) anders geschrieben werden können, aber viele Kommentatoren (so in auch Sie) argumentieren, einen Jugendlichen dürfe man in der Form nicht kritisieren, dabei sind der Adressat der Kritik/der Artikels Andere…zumindest nach meinem Empfinden.
querschlaeger querschlaeger 23.10.2019 08:22
Guten Morgen Peter_bx,

wenn Sie tatsächlich "sehr beschränkt kommentiert" und "_das_ ist armselig" als persönliche Schärfe empfinden, dann muss ich dies zurückweisen, da ähnliche Schärfe bereits früher in der Diskussion war.

Wenn Sie allerdings völlig falsch Tatsachen wiedergeben,
„Der Höhepunkt ist, das jemand namens querschlaeger sich abwertend zu anderen Namen äußert!“, dann muss ich energisch widesprechen.

Ich habe mich in keiner Weise abwertend zu anderen Namen geäußert, dies kam ganz eindeutig von WilliamParcher, der mich als „Quelschläger“ tituliert…ist das für Sie ok?!

Ihre Meinung:
„Und ein letztes Zitat: "...aber beleuchtet kritisch..."
Nein, hat er nicht, denn die euphorische … einer Partie zum Schluss rettet nicht den negativen Gesamteindruck des Artikels.“

Nach meiner Meinung nach hat er…und nun? Es gibt einfach zwei Sichtweisen zu diesem Artikel. Leider nehmen ihn viele als einen Angriff auf einen Jugendlichen wahr, der er (Angriff auf einen Jugendlichen) nun wirklich nicht ist, sondern Dinge -kritisch- hinterfragt. Auch das darf er…denn in erster Linie wird nicht Vincent, sondern seine Umgebung kritische beäugt:

„So lange er minderjährig ist, müssen wir Außenstehenden hoffen, dass er von Leuten umgeben ist, die wissen, was sie tun, die Alarmsignale einordnen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen können. Die Schachgemeinde beobachtet still und hoffnungsvoll, zuletzt bangend.“
Martin Rieger Martin Rieger 23.10.2019 05:07
Der Artikel erinnert mich an einen früheren Artikel bei dem es u.a. über Botwinnik und Tal ging. Auch ziemlich despektierlich.Hier der Link dazu:https://de.chessbase.com/post/nachgefragt-ein-interview-mit-conrad-schormann. Damals äußerte ich den Verdacht von Fakekommentaren zu Gunsten des Autors und siehe da, auch damals wurde der Autor von den gleichen Leuten vehemennt verteidigt, genau wie in dieser Diskussion. Davon abgesehen finde ich es persönlich nicht in Ordnung, pauschal über andere Schachfreunde zu urteilen (Fallobst) und auch nicht, dass ein 14 jähriger derart "auseinanderanalysiert", kritisiert und hinterfragt wird. Warum kann man sich nicht einfach freuen, dass es auch bei uns super Nachwuchs gibt der vielleicht (und wenn es nicht klappen sollte, was solls?) irgendwann in den Top 10 mitmischt? Warum muss man sogar das mies machen? Dem Autor wünsche ich ganz ehrlich etwas mehr Respekt vor anderen Menschen und deren Gefühle.
LionJo LionJo 22.10.2019 11:35
Denen, die im Zusammenhang mit diesem Artikel auf die Pressefreiheit abstellen, will ich etwas entgegnen.

Ein verantwortungsvoller Journalist würde niemals die Pressefreiheit über den Schutz eines Jugendlichen stellen.

Neben einigen wenigen positiven Passagen wird in dem Artikel behauptet, dass ein 14-jähriger Schüler eigentlich längst ein Schachprofi sei. Ergebnisse dieses noch in der Entwicklung befindlichen Schülers werden hämisch kommentiert (z.B.: "Gleich zu Beginn setzte es eine Null gegen einen Münchner Schachlehrer im Vorruhestandsalter") und dann wird noch ohne Belege die Einstellung und damit der Charakter des Jugendlichen ausführlich in Frage gestellt.

Wer hier mit der Pressefreiheit argumentiert, missbraucht diesen wertvollen Begriff zu Lasten eines Heranwachsenden.
peter_bx peter_bx 22.10.2019 09:28
Werter Herr Querschlaeger,

zur persönliche Schärfe haben Sie massiv beigetragen, siehe nur: "sehr beschränkt kommentiert" und "_das_ ist armselig" bereits im ersten Beitrag.
Der Höhepunkt ist, das jemand namens querschlaeger sich abwertend zu anderen Namen äußert!
Wir, die wir diesen Artikel nicht gut heißen, sind beileibe keine "Fanboys", sondern wünschen uns einen respektvollen und, vor allem, unterstützenden Umgang mit einem Ausnahmetalent.

Und ein letztes Zitat: "...aber beleuchtet kritisch..."
Nein, hat er nicht, denn die euphorische Besprechung einer Partie zum Schluss rettet nicht den negativen Gesamteindruck des Artikels.
querschlaeger querschlaeger 22.10.2019 01:41
Au weia, Euer Hoheit dürfen also Vergleiche mit mir zu AfD und Trump ziehen...aber wehe, ich bewerte dies als ärmlich...?! Nein, _ich_ bin raus, ohne jeglichen Anspruch Ihnen gegenüber...wer Namen wie im Kindergarten verfremdet, sollte das Wort Anspruch besser nicht benutzen...

An dieser Stelle in die Runde ein großes SORRY für das teilweise offtopic der letzten Beiträge!
WilliamParcher WilliamParcher 22.10.2019 01:33
Sobald es beleidigt und persönlich wird, Herr Quelschläger, haben sie sich für eine weitere Diskussion disqualifiziert. Von "ich bin raus', kann also nicht die Rede sein, sie haben sich durch ihre beleidigende Art keinen Anspruch mehr mit mir zu diskutieren.
querschlaeger querschlaeger 22.10.2019 01:13
@WilliamParcher Meine Argumentationen (zu einzelnen Passagen) einfach umdrehen, Respekt (ich schreibe hier nicht, für welche politische Couleur das typisch ist)!

...und echt jetzt, dabei kommen Sie sogar mit der Populistenkeule (s.o.) aus dem Sack?! Sorry, unterirdischer geht es nicht, was für eine arme Existenz mit einem noch ärmlicheren Meinungsfreiheitsverständnis müssen Sie sein?

Der Artikel von Conrad Schorman ist mitnichten nur negativ, aber beleuchtet kritisch...und das darf er, ob es vielen hier gefällt oder auch nicht! Gerade Presse muss, genau wie z.B. politisches Kabarett, in kritischen Artikeln bissig, unbequem und unabhängig sein, sonst ist sie goldenes Blatt! Forderungen nach Löschung dieses Artikels zeugen von einem sehr tadelnswerten Verständnis von Pressefreiheit!

Ich bin raus aus dieser "Diskussion"…
WilliamParcher WilliamParcher 22.10.2019 11:29
@querschläger Populisten wie die AfD und Trump verwenden die gleichen Argumente: Sie verweisen auf ihre positive Passagen und verlangen alles negative bitte schön zu ignorieren ("man hat mich falsch verstanden").
Daher muss auch negatives angesprochen werden und in diesem speziellen Fall: Der negative Unterton zieht sich durch den ganzen Artikel, also von einzelnen Passagen kann da nicht die Rede sein.
Ganz ehrlich, sehr beschränkt argumentiert!
querschlaeger querschlaeger 22.10.2019 11:06
Es ist schon nicht einfach, da wird ein Artikel geschrieben (und auch noch veröffentlicht, tztz), der nicht die gewohnte und gewünschte Wohlfühlperspektive einnimmt… und schon wird empört, geteert und gefedert. Ganz ehrlich, sehr beschränkt kommentiert! Da werden nur die Passagen seziert zitiert, die in das eigene Weltbild passen…und sämtliche absolut positive geschriebenen Passagen gekonnt unter den Tisch fallen gelassen. Meine Damen und Herren, _das_ ist armselig!!

Davon ab, eigentlich das Wichtigste zum Schluss, herzlichen Glückwunsch und Respekt zum GM-Titel an Vincent Keymer!!
Thimorin Thimorin 21.10.2019 07:50
Man kann nur
MARIO1962 MARIO1962 21.10.2019 01:01
ür Chessbase arbeiten so viele fähige Autoren, da braucht es keine " Schorrmänner " um die Site zu füllen, ist schon wieder Saure-Gurken-Zeit, oder wat ?
Wenn Luis Engel lieber eine juristische Laufbahn anstrebt anstatt Holzklötze zu bewegen ist das aller Ehren wert ................und dass VIncent Keymer in so jungen Jahren weiter gekommen ist als 95 % von uns Lesern.......RESPEKT
WilliamParcher WilliamParcher 20.10.2019 07:11
@WHutter
"Wir brauchen Leute die berichten", aber wir brauchen nicht solche widerlichen Artikel.
Es gibt einen Unterschied zwischen journalistischen Artikeln und "Fallobst". Auf letzteres kann die Schachgemeinde verzichten.
peter_bx peter_bx 20.10.2019 05:42
Ein unfassbar respektloser Artikel.
Auf verschiedene Themen wie z.B. "Fallobst" wurde schon mehrfach hingewiesen und ist immer noch allerunterste "Kajüte".
Als Beispiel für die Willensstärke von Vincent sei noch einmal an ein Rundenturnier erinnert, welches er mit 0 Punkten abschloss. Ich bin mir sicher, danach hätten 99% aller Spieler alles hingeworfen, aber er nicht!

Aber ein weitere Aspekt stößt mir ebenso auf:
Zitat"Wir haben im deutschen Schach ja nur diesen einen Vincent"
Dieses Zitat sehe ich ebenso als herabsetzend gegenüber den anderen starken Jugendlichen an. Das deutsche Schach hat in den letzten Jahren sehr viele Talente, sogar Weltmeister im Jugendbereich hervorgebracht, da muss man gar nicht nur die inzwischen sehr starken Prinzen heranziehen.

Ja, Herr Schormann will provozieren, dass ist auch manchmal nötig, aber hier ist die Grenze überschritten.
LionJo LionJo 20.10.2019 05:39
Ja, Glückwunsch!!!

Und doch ist der GM-Titel in diesem Stadium gar nicht so wichtig. Auch wenn er es jetzt nicht geschafft hätte, wäre alles in Ordnung gewesen. Aber ich will mir gar nicht ausmalen, welche "Gedanken" dann wieder aufgekommen wären.
michanizm michanizm 20.10.2019 04:49
Und Vincent?

Mit 14 Jahren GM geworden.
Glückwunsch!!


Jetzt hat sich ja auch noch das Timing des Artikel als unpässlich erwiesen.
Inhaltlich ja sowieso aus der Schublade von weit unten.
WHutter WHutter 20.10.2019 03:01
So. Jetzt hat Vincent Keymer die im Artikel thematisierte Durststrecke überwunden, Zweifel beseitigt und die GM Norm geschafft. Nicht jedes Turnier verläuft erfolgreich und nicht jeder Artikel trifft den richtigen Ton.
Der Schachgemeinde bleibt nun ein zum Teil überspitzter Artikel mit einigen sprachlichen Aussetzern und ein junger, hochbegabter Schachspieler, der als Zukunftshoffnung für den deutschen Schach-Leistungssport die nächste wichtige Hürde genommen hat. Das letztere ist natürlich viel wichtiger, aber ohne die mediale "Begleitmusik" kommt das Schach in der öffentlichen Wahrnehmung nicht voran. Neben den eigentlichen Leistungsträgern brauchen wir eben auch diejenigen, die darüber berichten und das öffentliche Gespräch noch dazu.
horchi horchi 19.10.2019 08:15
Widerlicher Artikel. Enttäuschend das Chessbase diesem eine Plattform gibt.
WilliamParcher WilliamParcher 19.10.2019 12:47
Acepoint, wie wäre es wenn du dich als Conrad Schnormann outest. Ungeheuerlich sachliche Kritik als "Fanboy'- Gehabe abzustempeln.
Das erinnert mich ein bisschen an die Verschwörungstheoritiker, die auf persönliche Ebene argumentieren müssen, weil sie inhaltlich überhaupt nichts in der Hand haben.

Ein Fanboy bin ich nicht, dafür kenne ich die Person nicht. Ich werde auch nicht glücklicher oder unglücklicher, wenn Keymar Großmeister wird.
Es geht einfach um die Art und Weise (ob minderjährig oder nicht, ist diesem Zusammenhang auch egal), wie man alles schlecht reden muss.
Wirklich allerletzte unterste Schublade! Was sich der Autor einbildet, was alles geschafft werden muss. Wahrscheinlich hat er schachlich nicht mal ansatzweise das erreicht, was Keymar geleistet hat.
Das Anspruchsdenken ist einfach nur lächerlich!

Eine öffentliche Entschuldigung wäre das mindeste! Chessbase macht sich auf jeden Fall durch solchen "Fallobst" den Ruf endgültig kaputt und darf sich über mangelnde Kunden nicht wundern, wenn solche Artikel nicht mal im Nachhinein gelöscht werden.
acepoint acepoint 19.10.2019 04:15
Eieiei, die Empörungskultur von Facebook und anderen sozialen Medien ist nun auch endgültig in die Schachwelt hinübergeschwappt. Ich lese den Artikel und lese dann in den Kommentaren etwas von »Pressekodex«, »verreißt«, »Cybermobbing«, »Klatschbättchen«, »cyber mobbing minderjähriger« (sic)...

»Wie er ihn geschlagen, das war ein Hochgenuss...wie aus einem Guss, strategisch zielstrebig, taktisch makellos. Vincent Keymer ließ es ganz einfach aussehen«. Das klingt für mich nicht gerade nach Verriss, eher nach dem Gegenteil.

Und wüsste ich es nicht besser, ich würde fast annehmen, hier reiht sich gerade eine Riege beleidigter Fanboys auf. Conrad Schormann hat eine persönliche Einschätzung und seine Meinung veröffentlicht und auch begründet. Man mag den Artikel vielleicht an der ein oder anderen Stelle aus eigener, konträrer Sicht kommentieren, aber er hebt sich wenigstens wohltuend von all dem weichgespülten unkritischen Yellowpress-Kram ab, den man sonst oft im schachlichen Journalismus findet. Mit Aunahme vielleicht von den viel zu seltenen Kolumnen in DIE ZEIT, FAZ oder Süddeutsche.

PS. Ich bin ein älteres Semester mit einer ELO um 2100 und habe kein Problem mit dem Begriff »Fallobst«. Weil genau das bin ich, wenn ich in einem offenen Turnier gegen 2500-2600er antrete. Natürlich träumt man als Hobbyspieler von *der* Glanzpartie gegen einen gestandenen Großmeister, aber in neun von zehn Fällen verliert man diese sang- und klanglos.
schachkwak schachkwak 19.10.2019 01:58
Danke, LionJo

Ich habe im Internet nach "Sport", "Pressekodex" und "Junioren" bzw. "minderjährig" gesucht und nichts dazu gefunden (aber auch nicht sehr lange gesucht). Ich bin mir aber fast sicher, dass ein Journalist, der im Fußball irgendeinen Minderjährigen verreißt nie wieder ein offizielles Interview beim DFB bekommt.

Vincent hat sich bisher von den Medien fern gehalten. Das heißt, er ist medial eine weiße Leinwand, kann beliebig dargestellt werden. Ziemlich bescheuert, wenn es wie hier passiert. Und ich denke, man sollte es vor allem respektieren und nicht so einen Unfug verzapfen. Das mag Journalismus sein, aber nicht mit dem Pressekodex vereinbar (minderjährige verreißen) und außerdem noch Boulevard.

Und um das nochmal zu bekräftigen: Wenn jemand in sehr jungen Jahren mal ein paar sehr starke Gegner weg gehauen hat, heißt das doch noch nicht, das das ab jetzt immer klappt. Die Leistungsfähigkeit ist doch nicht streng monoton ansteigend. Es ist ein Sport, bei dem man auch verlieren kann. Das ist normal.

PS:
Nicht für ungut, Conrad Schormann, Schach lebt auch etwas von absonderlichen Gestalten. Suchen Sie sich doch aber bitte Spielkameraden in der eigenen Altersklasse :-P
LionJo LionJo 18.10.2019 11:41
Einigen relativierenden Kommentaren will ich doch noch etwas entgegenhalten.

Wäre ein solcher Bericht über einen Erwachsenen geschrieben worden, hätte ich ihn nur für unfair, stillos und journalistisch schwach gehalten. Letzteres unter anderem deswegen, weil die tatsächlichen Aussagen von Herrn Schmitt nicht richtig dargestellt wurden.

Geht es aber um einen Jugendlichen, dann gebietet die journalistische Sorgfaltspflicht in Zeiten von Cybermobbing und Co. deutlich mehr Achtsamkeit. Vincent Keymer hat es als sogenanntes "Wunderkind" schon schwer genug, und da hätte man einen solch überflüssigen Artikel, der nicht auf Fakten, sondern nur auf Hypothesen beruht, einfach nicht veröffentlichen dürfen.

Wenn bei einem 2500 Elopunkte schweren 14-jährigen wegen zeitweiser Leistungsschwankungen und eines um Haaresbreite vorläufig verpassten GM-Titels öffentlich gefragt wird, wie das sein könne und was da schief laufe, dann läuft tatsächlich etwas schief, aber nicht beim Jugendlichen, sondern in der Gedankenwelt derer, die den Drang haben, so was im Internet zu thematisieren.

Ich kann nur hoffen, dass Vincent aufgrund seiner nüchterenen Art, die im Artikel völlig zu Unrecht problematisiert wird, in der Lage ist, mit unqualifizierten Nebengeräuschen umzugehen. Bei dem von mir sehr geschätzten Peter Leko scheint er auf jeden Fall in guten Händen zu sein.
fischerzet fischerzet 18.10.2019 08:55
Mir hat auch manches am Artikel nicht gefallen, wundere mich aber, dass so viel negative und bösartige Reaktionen auf Schormann niederprasseln.
Er äußerst sich ja auch verzückt darüber, was für wunderbare Partien Vincent spielen kann!
Generell traurig ist, dass der Elozahl und der Performance zu viel Wert eingeräumt wird. Wäre Vincents Schnitt damals um 1 Elopunkt höher gewesen, hätte er schon die dritte Norm gemacht. Und dann würde es tolle, positive Berichte geben, und die Medien könnten unseren deutschen Star feiern, so wie sie es sich`s schon lange wünschen.
Glück und ein guter Lauf gehört eben dazu. Engel hatte bei seinen Normen öfters mal das Glück, dass es gerade vom Schnitt/ der Auslosung her ideal gepasst hat, oder dass er zuweilen schlechte Stellungen gewinnen konnte - er spielt natürlich auch sehr stark und hat sich den Titel verdient.
Eine GM-Norm ist alles andere als einfach zu erzielen, es muss alles passen, und ein Stückweit gehört das Glück dazu. Ich war selbst sehr verblüfft, dass Vincent immer noch 14 ist (knapp einen Monat noch)! Das muss man sich erst mal bewußt machen, um seine Leistung zu ermessen!

Und darauf würde ich wetten: dem macht es eine Menge aus, wenn es nicht läuft! Ich konnte ihn schon ein, zwei Mal aus der Nähe beobachten. Da brennt der Ehrgeiz, und wenn er in einer Simultanpartie einen schlechten Zug macht, kann er sich stundenlang darüber ärgern. Der Ehrgeiz ist massenhaft vorhanden, da darf sich Schormann nicht von einer kurzen Antwort täuschen lassen...
tschukki tschukki 18.10.2019 05:21
Wie ist es eigentlich dem größten deutschen Schachtalent nach seinem ersten Kräftemessen mit der Weltklasse ergangen?

Das allein wäre eine offensichtliche Geschichte. Wenn dann noch der ehemalige Manager des Weltmeisters und ein ehemaliger deutscher Nationalspieler im fraglichen Zeitraum öffentlich kritische Fragen stellen, dann erst recht. Dann erspielt sich auch noch in eben diesem Zeitraum das andere große deutsche Talent mit Leichtigkeit den GM-Titel, der pefekte Aufhänger für die offensichtliche Geschichte.

Gut, dass sich ChessBase an dieser Stelle für Journalismus entschieden hat.