Und wieder Armenien...

10.09.2012 – Wie machen die das nur? Zum dritten Mal nach 2006 und 2008 gewinnt die armenische Mannschaft die Goldmedaille bei der Schacholympiade. Aber es war ein knappes Rennen. Nur dank bessere Zweitwertung konnten die Armenier die punktgleichen Russen auf Platz zwei verweisen. Kramnik & Co. waren gut gestartet, hatten im Verlauf des Turniers einen Zweipunktevorsprung heraus gearbeitet und stolperten dann über die USA. In der Schlussrunde reicht das 3:1 gegen Deutschland nur zu Silber - wieder einmal. Bei den Frauen ging der Zweikampf zwischen Russland und China zugunsten der Titelverteidiger aus - ebenfalls nur knapp aufgrund der besseren Zweitwertung. Die beiden deutschen Mannschaften spielten gute Turniere. Der organisierende Türkische Verband mit seinem Präsidenten Ali Nihat Yacizi und die FIDE boten den Schachfreunden in aller Welt über die Turnierwebseite einen ausgezeichneten Service. Der deutsche Schachbund mit Chefkommentator Klaus Bischoff ebenso.Turnierseite der Schacholympiade...Ergebnisse...Bericht, Tabellen, alle Partien...

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Armenien und Russland
Von André Schulz

Fotos: David Llada, Arman Karakhanyan, Anastasiya Karlovich für FIDE/ TCF



Die Schacholympiade 2012 bot Spannung bis zum Ende der letzten Runde. China, mit der besten Zweitwertung, Armenien und Russland führten nach der zehnten Runde mit 17 Punkten. Die Ukraine durfte sich mit 16 Punkten ebenfalls berechtigte Hoffnungen auf eine Medaille machen. Die Auslosung ergab, dass China mit der Ukraine den "dicksten Brocken" serviert bekam, Armenien mit Ungarn ebenfalls einen sperrigen Gegner erhielt und Russland mit Deutschland den nominell leichtesten Gegner zugelost bekam.


Grischuk und Kramnik

Die Deutschen sind aber immerhin amtierender Europameister und lagen zu dem Zeitpunkt auf Platz sechs. Das Match zwischen Russland und Deutschland verlief dann aber doch sehr einseitig.


Arkadij Naiditsch


Jan Gustafsson in ausgezeichneter Form

Die beiden deutschen Weißpartien von Khenkin und Gustafsson endeten remis. Kramnik und Karjakin gewannen hingegen ihre Weißpartien gegen Naiditsch und Fridman. Daniel Fridman war vor der Runde aussichtsreichster Kandidat für den Brettpreis an Brett vier. Nach der Niederlage heutigen war er immerhin noch drittbester Spieler des Turniers an diesem Brett. Die deutsche Mannschaft beendete das Turnier auf Platz zwölf - immer noch zwei Plätze über dem Setzlistenrang. Der Platz gibt aber nicht so recht die gute Leistung der deutschen Mannschaft wieder, die zumeist vorne mitspielte und mit Aserbaidschan, den USA, Ungarn, Armenien und zum Schluss Russland einige absolute Topmannschaften als Gegner hatte.

Für China erwies sich hingegen Titelverteidiger Ukraine als unüberwindliche Hürde.

Ein gut aufgelegter Ivanchuk besiegte Wang Hao und Pavel Eljanov holte gegen Bu Xiangzhi den zweiten Sieg zum 3:1. Damit war China im Rennen um die Goldmedaille ausgeschieden. Schließlich gewann Armenien knapp mit 2,5:1,5 gegen Ungarn. Reichte das für die Goldmedaille?


Levon Aronian


Peter Leko

Die Armenier wiesen das beste Brettpunktergebnis auf, aber als Zweitwertung gilt eine modifizierte Wertung nach Sonneborn-Berger, die erst nach Ende aller Wettkämpfe ausgewertet werden konnte. Danach wird die Anzahl der Brettpunkte mit der Anzahl der Mannschaftspunkte der Gegner multipliziert. Damit soll berücksichtigt werden, ob eine Mannschaft mehr gegen starke oder gegen leichte Gegner gespielt hat.

Es reichte. Nach 2006 und 2008 gewinnt Armenien zum dritten Mal Gold. Silber geht an Russland, Bronze an die Ukraine.





Bester Spieler an Brett eins war übrigens Levon Aronian mit einer Eloleistung von 2849. Der Wahlberliner gewann in der Live-Eloliste noch knapp 5 Punkte hinzu und festige seinen zweiten Platz in der Weltrangliste.

Kramnik überholte nach seinem Sieg über Naiditsch wieder Radjabov und Nakamura, die zwischenzeitlich am Exweltmeister vorbei gezogen waren.

Endstand nach 11 Runden

Rg. Snr   Team Team Anz + = - Wtg1 Wtg2 Wtg3 Wtg4
1 3
 
Armenia ARM 11 9 1 1 19 397.0 29.0 155.00
2 1
 
Russia RUS 11 9 1 1 19 388.5 28.5 157.00
3 2
 
Ukraine UKR 11 9 0 2 18 363.0 29.5 147.00
4 6
 
China CHN 11 8 1 2 17 390.5 29.5 157.00
5 5
 
United States Of America USA 11 7 3 1 17 361.0 30.0 142.00
6 9
 
Netherlands NED 11 8 0 3 16 329.0 29.0 133.00
7 27
 
Vietnam VIE 11 6 4 1 16 313.5 29.0 126.00
8 25
 
Romania ROU 11 8 0 3 16 310.0 29.0 128.00
9 4
 
Hungary HUN 11 7 1 3 15 368.0 28.0 151.00
10 7
 
Azerbaijan AZE 11 6 3 2 15 344.0 29.0 144.00
11 15
 
Cuba CUB 11 7 1 3 15 338.5 30.5 130.00
12 14
 
Germany GER 11 6 3 2 15 334.5 26.0 148.00
13 16
 
Poland POL 11 7 1 3 15 313.5 27.5 138.00
14 20
 
Serbia SRB 11 6 3 2 15 307.0 28.5 126.00
15 22
 
Italy ITA 11 7 1 3 15 306.0 28.0 134.00
16 34
 
Sweden SWE 11 7 1 3 15 303.5 28.0 125.00
17 11
 
England ENG 11 6 3 2 15 300.5 26.0 137.00
18 39
 
Denmark DEN 11 7 1 3 15 270.5 27.0 121.00

...


 

 

Ergebnisse der 11. Runde

11. Runde am 09.09.2012 um 11:00
Nr. Snr   Team Team Pkt. MP Erg. : Erg. MP Pkt. Team Team   Snr
1 2
 
UKR Ukraine 26½ 16 3 : 1 17 28½ China CHN
 
6
2 4
 
HUN Hungary 26½ 15 : 17 26½ Armenia ARM
 
3
3 1
 
RUS Russia 25½ 17 3 : 1 15 25 Germany GER
 
14
4 16
 
POL Poland 26 15 : 15 27½ United States Of America USA
 
5
5 29
 
ARG Argentina 24 14 1 : 3 14 26 Netherlands NED
 
9
6 27
 
VIE Vietnam 26 14 3 : 1 14 26 Uzbekistan UZB
 
33
7 25
 
ROU Romania 26 14 3 : 1 14 25 Philippines PHI
 
35
8 15
 
CUB Cuba 28 13 : 14 22½ Slovenia SLO
 
28
9 7
 
AZE Azerbaijan 26½ 13 : 13 24 India IND
 
13
10 11
 
ENG England 23½ 13 : 13 25 Czech Republic CZE
 
17
11 12
 
ISR Israel 23 13 2 : 2 13 25 Belarus BLR
 
32
12 26
 
GEO Georgia 25½ 13 1 : 3 13 24 Denmark DEN
 
39
13 22
 
ITA Italy 24½ 13 : ½ 13 27½ Greece GRE
 
21
14 18
 
ESP Spain 24 13 1 : 3 13 25½ Serbia SRB
 
20
15 34
 
SWE Sweden 25 13 3 : 1 13 23 Brazil BRA
 
24

...




Topscorer für die USA: Hikaru Nakamura und


Gata Kamsky


Italiens Star: Fabiano Caruana


Verpflichtungen eines Superstars

 

Frauenturnier:

Ebenso spannend wie das offene Turnier verlief die Frauenolympiade, auch wenn es hier eher ein Zweikampf zwischen Russland und China war. Vor der Schlussrunde lagen die beiden Teams mit 17 Punkten gleichauf, die Ukraine folgte mit 16 Punkten. Auch hier spielte die deutsche Mannschaft eine Rolle, leider wieder nur als Punktelieferant, diesmal für die Ukraine.

Im Fernduell mit China hatten die Russinnen mit Kasachstan das deutlich leichtere Los gezogen.

China traf auf Bulgarien. Und die russische Mannschaft nutzen ihre Chance und gewann mit 4:0. China besiegte Bulgarien, doch in der Zweitwertung lag Russland nun vorne und gewann erneut Gold vor China und Bulgarien.

Die deutsche Mannschaft wurde mit 15 Punkten und gleichauf mit einer Reihe von weiteren Mannschaften Elfte, was in etwa den Erwartungen entspricht und hatte auf dem Weg dorthin mit Georgien, China, Indien und der Ukraine ebenfalls mehrere Topgegner.

Beste Spielerinnen waren Yifan Hou (Brett 1), Zhao Xue, Nadezha Kosintseva, Huang Quian und Natalija Pogonina.


Zhao Xue

 


Endstand:

Rg. Snr   Team Team Anz + = - Wtg1 Wtg2 Wtg3 Wtg4
1 2
 
Russia RUS 11 8 3 0 19 450.0 33.0 155.00
2 1
 
China CHN 11 8 3 0 19 416.0 31.5 154.00
3 4
 
Ukraine UKR 11 7 4 0 18 408.5 30.5 154.00
4 6
 
India IND 11 8 1 2 17 336.0 28.0 148.00
5 10
 
Romania ROU 11 8 0 3 16 313.5 28.5 129.00
6 8
 
Armenia ARM 11 8 0 3 16 313.0 26.5 140.00
7 14
 
France FRA 11 7 1 3 15 347.5 29.0 147.00
8 3
 
Georgia GEO 11 6 3 2 15 344.0 28.5 144.00
9 26
 
Iran IRI 11 7 1 3 15 339.0 31.0 132.00
10 5
 
United States of America USA 11 6 3 2 15 326.0 29.5 133.00
11 9
 
Germany GER 11 7 1 3 15 316.0 27.0 144.00
12 22
 
Kazakhstan KAZ 11 6 3 2 15 309.0 27.0 138.00
13 21
 
Mongolia MGL 11 7 1 3 15 308.0 28.0 134.00
14 36
 
Belarus BLR 11 6 3 2 15 292.0 28.5 121.00
15 7
 
Poland POL 11 6 2 3 14 336.5 27.5 151.00
16 13
 
Bulgaria BUL 11 6 2 3 14 316.5 27.5 136.00
17 12
 
Hungary HUN 11 6 2 3 14 303.0 27.5 129.00
18 24
 
Latvia LAT 11 6 2 3 14 296.5 28.0 126.00
19 15
 
Cuba CUB 11 5 4 2 14 286.0 25.5 129.00
20 17
 
Netherlands NED 11 6 2 3 14 285.5 27.0 133.00

...


 

 

Ergebnisse der 11. Runde

 

11. Runde am 09.09.2012 um 11:00
Nr. Snr   Team Team Pkt. MP Erg. : Erg. MP Pkt. Team Team   Snr
1 2
 
RUS Russia 29 17 4 : 0 15 27 Kazakhstan KAZ
 
22
2 13
 
BUL Bulgaria 26 14 : 17 29 China CHN
 
1
3 4
 
UKR Ukraine 27 16 : ½ 15 26½ Germany GER
 
9
4 14
 
FRA France 27½ 15 : 15 25½ India IND
 
6
5 7
 
POL Poland 26 14 : 14 24 Armenia ARM
 
8
6 37
 
PER Peru 24½ 14 : 14 26 Romania ROU
 
10
7 35
 
UZB Uzbekistan 24 14 ½ : 13 27½ Iran IRI
 
26
8 11
 
ESP Spain 24 13 : 13 26 Georgia GEO
 
3
9 5
 
USA United States of America 26½ 13 3 : 1 13 25½ Israel ISR
 
25
10 36
 
BLR Belarus 26 13 : 13 24½ Azerbaijan AZE
 
27
11 31
 
ITA Italy 26 13 1 : 3 13 25 Mongolia MGL
 
21
12 34
 
COL Colombia 25 12 2 : 2 13 23½ Cuba CUB
 
15
13 18
 
GRE Greece 24 12 1 : 3 12 23 Indonesia INA
 
54
14 43
 
AUT Austria 21 12 2 : 2 12 23½ Serbia SRB
 
19
15 16
 
SLO Slovenia 23 12 ½ : 12 24½ Latvia LAT
 
24

...






Carina Jørgensen


 

 


Cheforganisator Ali Nihat Yazici

Die zweite Schacholympiade in der Türkei nach 2000 ging nicht ohne Nebengeräusche vonstatten. Gebühren und Aufpreise für Einzelzimmer, sowie Zimmerpreise für Begleitpersonen wurden im Vorfeld von verschiedenen Verbänden als überhöht beklagt. Der türkische Schachverband, bzw. Cheforganisator Ali Nihat Yazici ließ Schiedsrichter aus den Verbänden nicht zu, die vor zwei Jahren gegen die Rechtmäßigkeit der Kandidatur von Ilyumzhinov vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne geklagt hatten. Damit sollten Anatoly Karpov und Garry Kasparov bei der Karpov-Kandidatur unterstützt werden.

Für hohe Wellen sorgte auch die Nichtzulassung von Evgeny Surov von Chess-news.ru zur Schacholympiade. Der russische Journalist hatte zuvor kritisch berichtet, woraufhin ihm die Akkreditierung verweigert wurde. Über 50 Spieler der Schacholympiade und fast 70 weitere Profis hatten in einem offenen Brief gegen diese Maßnahme protestiert.

Für die Schachfreunde in aller Welt lieferten die Organisatoren über die Turnierwebseite einen ausgezeichneten Service.

Eine Vielzahl von Fotos vermittelten einen vielfältigen Eindruck von den Geschehnissen im Spielsaal. Jeden Tag gab es begleitenden Pressekonferenzen und Interviews, die per Video verfolgt werden konnten.


Kema Goryaeva


Anastasiya Karlovich


Robert Fontaine macht Videos

Selbstverständlich wurden die Partien live übertragen und die Notationen zeitnah zur Verfügung gestellt.


Evgeny Bareev, rechts, schaut die Partien seiner Mannschaft im Internet an


 

 

 

 

 

 

 


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