Urkedal gewinnt Nordische Meisterschaft

von Holger Blauhut
02.07.2019 – Alle zwei Jahre wird mit Teilnehmern aus Dänemark, Island, Norwegen, Schweden und Finnland die Nordische Meisterschaft ausgetragen. Diesmal war Norwegen der Gastgeber und Frode Urkedal gewann. Holger Blauhut berichtet über das Turnier, aber auch die Norweger an sich. | Fotos: Bjørn Berg Johansen

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Frode Urkedal ist Meister im Norden

Die nordische Meisterschaft wird, abhängig vom WM-Zyklus, alle zwei Jahre ausgetragen und wurde bis zum Jahr 2016 als Rundenturnier mit je zwei Teilnehmern aus den Ländern Dänemark, Finnland, Island, Norwegen und Schweden gespielt. Der Sieger bekommt einen Platz im FIDE World Cup.

Die erste nordische Meisterschaft wurde im Jahr 1897 in Stockholm ausgetragen und von Sven Otto Svensson gewonnen. Zu den prominenteren Siegern im Laufe der Jahre zählen u.a. Vidmar, Aljechin, Spielmann, Nimzowitsch und Ståhlberg. Für die Norweger gewannen zuletzt Simen Agdestein (1985, 1989, 1992) und Jon Ludvig Hammer (2011).

Vor zwei Jahren wurde die nordische Meisterschaft in Växjö/Schweden zum ersten Mal als offenes Turnier gespielt. Neben dem Hauptturnier mit 73 Teilnehmern gab es Turniere für Frauen, und Senioren. Der Isländer Johann Hjartarson wurde nordischer Meister.

In diesem Jahr wurde die nordische Meisterschaft quasi als offene norwegische Meisterschaft gespielt. Im Hauptturnier waren unter den 66 Teilnehmern nur eine Handvoll Schweden, ein Däne und zwei Teilnehmer aus Island. Der einzige finnische Teilnehmer spielte im Seniorenturnier. Dass die Teilnehmerzahl hinter den Erwartungen zurückblieb, hat vermutlich verschiedene Ursachen. Ein Grund ist sicher der Spieltermin vom 21. bis 27. Juni, denn am 23. Juni wird in Skandinavien Mittsommer gefeiert und dieses Fest ist besonders in Schweden und Finnland sehr wichtig. Der Schwede Max Wahlund nannte auf dem Blog „Inte bara schack“ noch einen anderen Grund: Norwegen ist teuer. Zudem wurde das Turnier ziemlich spät angekündigt, und wichtige Informationen fehlten auf der Turnierhomepage bis kurz vor Beginn. Vom Kongress, der parallel zur Meisterschaft stattfand, war auch nichts zu hören oder zu lesen.

Vielleicht liegt den Norwegern Kommunikation einfach nicht. Odd Børretzen (ein Norweger) beschreibt das in seinem Buch „Wie man einen Norweger versteht und benutzt“. Er erklärt zunächst, dass der Norweger 8.000 Jahre einsam und damit vollkommen stumm war. Dann schreibt er:

Natürlich war er im Laufe dieser Zeit nicht frei von einem gewissen Mitteilungsbedürfnis. Wenn dieses Bedürfnis zu stark wurde, ging er hinaus, suchte sich einen glatten Stein und meißelte eine Mitteilung hinein. Mit den damaligen Werkzeugen war es jedoch ziemlich schwer und zeitraubend, Buchstaben – Runen – in Stein zu meißeln. Die Mitteilungen wurden deshalb verhältnismäßig kurz: „Ich, Halgrim, habe in diesen Stein gemeißelt“ oder „Ich, Halgrim“ oder nur „Ich“. Oder so ähnlich.

Nach 8.000 Jahren sah der Norweger zum ersten Mal andere Menschen (Nachbarn), aber in sehr großer Entfernung – auf dem nächsten Berg oder auf der anderen Seite des Fjords. Da begann er, sich ihnen mitzuteilen, aber auch das musste wegen der Entfernung sehr kurzgefasst geschehen: „Hau ab!“

Das Turnier selber war dann perfekt.

Der Spielsaal

Dafür sorgten neben sehr guten Spielbedingungen auch ein unauffällig arbeitendes Schiedsrichterteam, welches jederzeit Kontrolle hatte und alle Runden pünktlich startete. Die beiden Seniorklassen wurden zu einem Turnier mit 24 Teilnehmern vereint. Turniersieger und damit bester S65-Spieler wurde FM Jarl Ulrichsen (NOR), während der zweitplatzierte Kristian Eriksson (SWE) die S50-Klasse gewann. Da nur fünf weibliche Teilnehmer angetreten waren, spielten diese im Hauptturnier mit. Beste Frau wurde WIM Sheila Barth Sahl (NOR).

Favorit im Hauptturnier war Jon Ludvig Hammer, der in den ersten acht Runden drei Remis abgab ehe er in der letzten Runde GM Benjamin Arvola Notkevich unterlag und damit auf dem dritten Platz hinter Notkevich landete.

Jon Ludvig Hammer

Der auf Rang zwei gesetzte schwedische IM Jonathan Westerberg war angetreten, um seine dritte GM-Norm zu erfüllen. Aber Magenprobleme mitten im Turnier machten ihm einen Strich durch die Rechnung. Immerhin reichte es noch zu Platz vier. Der Autor dieser Zeilen durfte in der ersten Runde Westerberg fünf Stunden lang testen.

Blauhut-Westerberg

Der Norweger Frode Urkedal spielte ein sehr starkes Turnier und wurde mit einem Platz im FIDE World Cup belohnt. Vor der letzten Runde hatte er 7,5 Punkte aus acht Partien, und seine Performance lag über 2800. Es folgte ein Kurzremis, welches den Sieg sicherte.

Frode Urkedal

Da die nordische Meisterschaft (Hauptturnier) ein Zonenturnier ist, gelten spezielle Regeln für die Vergabe von FM- und CM-Titeln. Für den FM-Titel benötigt man 65 % der Punkte, wobei mindestens 9 Runden gespielt werden müssen. Die eigene Elozahl muss nur mindestens 2100 betragen. Für den CM-Titel reichen 50 % der Punkte und eine Zahl von 2000. Zwei junge Spieler, die ohnehin bald die 2300 passieren, werden nun FIDE-Meister: Noam Aviv Vitenberg und Elham Abdrlauf.

40 der insgesamt 66 Teilnehmer holten mindestens 4,5 Punkte. Damit werden bei diesem Turnier einige CM-Titel ausgeschüttet. Der Autor erwischte auch einen.

Partien Open

 

Partien Senior

 

Endstand

Pl. Name FIDE-Elo Verein Punkte Med.Buchh Buchholz Leistung
GM Frode Olav Olsen Urkedal SK 1911
8.0
43.0
54.5
 2746 (+21.10)
GM Benjamin Arvola Notkevich Tromsø SK
7.0
39.0
51.5
 2568 (+10.20)
GM Jon Ludvig Hammer OSS
6.5
42.5
55.0
 2564 (-6.20)
IM Jonathan Westerberg  
6.5
39.5
52.0
 2535 (+1.20)
GM Boris Chatalbashev Køge Skakklub
6.5
38.5
49.0
 2427 (-8.50)
IM Kristian Stuvik Holm Vålerenga SK
6.5
38.0
50.0
 2492 (+4.90)
GM Helgi Ass Gretarsson  
6.0
39.5
52.0
 2408 (+0.10)
FM Jens E Ingebretsen OSS
6.0
38.5
49.5
 2429 (+36.60)
FM Andreas G Tryggestad Nordstrand SK
6.0
38.5
49.5
 2416 (+24.40)
10 
Noam Aviv Vitenberg SK 1911
6.0
36.0
48.0
 2315 (+37.20)
11 
FM Anders Hobber Akademisk SK
6.0
34.5
45.0
 2313 (+12.00)
12 
Elham Abdrlauf OSS
6.0
34.0
43.0
 2333 (+63.20)
13 
IM Nicolai Getz OSS
5.5
37.5
48.5
 2355 (-0.90)
14 
FM Drazen Dragicevic  
5.5
37.5
48.5
 2309 (-7.40)
15 
FM Carl Cederstam Barsk Stockholms SS
5.5
36.0
46.0
 2262 (-9.00)
16 
IM Petter Haugli Moss SK
5.5
36.0
46.0
 2202 (+0.70)
17 
Isak Sjøberg Nordstrand SK
5.5
34.0
42.5
 2222 (+7.20)
18 
WIM Sheila Barth Sahl Black Knights
5.5
31.5
40.0
 2193 (+17.80)
19 
GM Thomas Ernst  
5.0
37.5
48.5
 2272 (-6.60)
20 
Holger Blauhut Fredriksstad SS
5.0
36.5
45.0
 2214 (+39.20)

67 Spieler

 

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Autor, Verleger und Büroarbeiter, lebt in Fredrikstad/Norwegen.
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adalthor23 adalthor23 02.07.2019 10:12
"Vor zwei Jahren wurde die nordische Meisterschaft in Växjö/Schweden zum ersten Mal als offenes Turnier gespielt." Soweit ich weiss, war das Reykjavik open 2011 auch die nordische Meisterschaft dieses genannte Jahr, also 2011. Jon Ludwig Hammer wurde 1. -6. in diesem Turnier mit 7/9 und wurde nordischer Meister: http://chess-results.com/tnr41690.aspx?lan=1&art=1&rd=9&flag=30 Das Turnier war, soweit ich weiss, ganz offen.

Auch hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Nordic_Chess_Championship
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