Vertrauter Feind

16.08.2005 – Anatoly Karpov und Viktor Kortschnoj begleiten einander seit bald 40 Jahren. Zeitweise waren sie Nummer Eins und Zwei der Weltrangliste und lieferten sich insgesamt drei Wettkämpfe um die Weltmeisterschaft, die Karpov alle mehr oder weniger knapp für sich entscheiden konnte. Nachdem Kortschnoj 1976 nicht mehr in die UdSSR zurück gekehrt war, fand der Wettkampf 1978 in Baguio City  unter heftigen politischen Begleitumständen statt und artete in einen Psychokrieg aus. Nun trafen die beiden Kontrahenten bei den Chess Classic Mainz erneut aufeinander und mit einem kleinen Accessoire erinnerte Kortschnoj an die alten Zeiten. Die Neue Westfälische Zeitung veröffentlichte dazu einen Artikel von Conrad Schorman. Zur Neuen Westfälischen...Nachdruck...

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Der folgende Beitrag erschien im original in der Neuen Westfälischen Zeitung. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Feinde seit 27 Jahren
Karpow gegen Kortschnoi: In Mainz entflammt der kalte Krieg erneut

Mainz (cos). Als sie 1978 auf den Philippinen um die Weltmeisterschaft spielten, waren der KGB, Parapsychologen und indische Gurus mit von der Partie. Um jeden Preis sollte Titelverteidiger Anatoli Karpow die Überlegenheit sozialistischen Denkens demonstrieren - gegen den Auswanderer und Regimefeind Viktor Kortschnoi, der sich mit einer Sonnenbrille vor den bösen Blicken von Karpows Parapsychologen Wladimir Suchar schützte.
 
Jetzt saßen sich Karpow und Kortschnoi in Mainz wieder gegenüber, pflegten ihre Feindschaft und drängten die Hauptperson an den Rand des Geschehens. Zum 80. Geburtstag des Rekordnationalspielers Wolfgang Unzicker (386-mal für Deutschland am Brett) hatten die Organisatoren der "Chess Classics" ein Turnier der lebenden Legenden organisiert. Ex-Weltmeister Anatoli Karpow (54) gab den Benjamin bei der "Unzicker-Gala" mit Ex-Weltmeister Boris Spassky (68), Viktor Kortschnoi (74) und Wolfgang Unzicker (80).



Das Duell Karpow-Kortschnoi 1978 war die Vorlage für das Musical "Chess". Wer als erster sechs Partien gewonnen hat, sollte das Match gewinnen. 5:2 führte Regimegünstling Karpow, dann drehte Dissident Kortschnoi auf. Karpows Parapsychologen begegnete er mit indischen Gurus, die die bösen Blicke abfingen. Die Sorge um seine Familie in der UdSSR verdrängte und auf dem Brett gewann er, bis es 5:5 stand.

Vielleicht ist Kortschnoi heute froh, 5:6 verloren zu haben. Der russische Geheimdienst KGB hatte geplant, Kortschnoi zu ermorden, sollte er Karpow entthronen. Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde obendrein der Plan bekannt, Kortschnois Sohn in ein Arbeitslager zu verbannen.

Als Karpow vor der Auftaktpressekonferenz in Mainz entdeckte, dass er neben Kortschnoi sitzen sollte, stellte er die Namensschilder um. Kortschnoi wollte seine extradunkle Brille von 1978 für die Partien gegen Karpow mit nach Mainz bringen, vergaß sie aber. In einem Brillenladen kaufte er ein Modell, das dem Psychologenschutz von damals ähnelte. Die Brille mit blauem Rand trug er über seiner regulären, nicht verdunkelten Sehhilfe. Karpow fand's "lächerlich".



Bei der Siegerehrung der Unzicker-Gala mussten die Feinde gemeinsam die Bühne erklimmen.
Mit 3,5 Punkten aus sechs Partien hatten Karpow und Kortschnoi punktgleich das Turnier zu Ehren des Deutschen gewonnen.



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