Viktor Kortschnoj gegen "Atze" Brauner

31.01.2007 – Am Montag nach dem kommenden Bundesliga-Wochenende, an dem Viktor Kortschnoj in der Zweiten Liga für den Glückauf Rüdersdorf antreten wird, gibt der amtierende Seniorenweltmeister und zweifache Vizeweltmeister eine Simultanvorstellung an 25 Brettern. Der Glückauf Rüdersdorf ist für seine ausgezeichnete Jugendarbeit bekannt und im Rahmen der Nachwuchsförderung sieht der Veteran auch sein Engagement im Simultan: "Jeder Meister hat die moralische Verpflichtung, sein Wissen an die nachfolgende Generation weiterzugeben“, sieht Kortschnoj seine Aufgabe. Seinem eigenen Anspruch wird der charismatische Großmeister in Fredersdorf, wo das Simultan stattfindet, sicher leicht gerecht werden können. Vielleicht wird es ihn jedoch überraschen, dass er sogar Menschen begeistert und zum Schach bringt, die den 75-Jährigen an Lebensjahren noch übertreffen. Mit dem 88 Jahre alten Filmproduzenten Artur Brauner hat sich nämlich ein Simultanspieler angemeldet, der für die Jugendolympiamannschaft eher nicht mehr in Betracht kommt. Dr. René Gralle berichtet für das Neue Deutschland. Artikel im neuen Deutschland...Ungekürzter Nachdruck...

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2008 Partien bis zur Schacholympiade 2008
Von Dr. René Gralla

"/portals/3/files/08 bis 2008“: Das ist kein verschlüsseltes Gebot beim Internetversteigerer eBay, sondern eine spektakuläre Aktion, die das Land fit machen soll für Schacholympia 2008 in Dresden. Kaderkräfte des SV „Glück auf“ Rüdersdorf werden bis zum Völkerfest der Brettartisten, nach den Olympischen Sommerspielen die zweitgrößte Mannschaftssportveranstaltung der Welt, insgesamt 2008 Partien simultan austragen gegen Mattkünstler aller Klassen.

"Nach der Fußball-WM 2006 kommt Schlau-Olympia nach Deutschland“, sagt Gustav Salffner von der Berliner Agentur MN, die das ehrgeizige Projekt betreut. „Da setzt Rüdersdorf ein Zeichen.“ Und das gleich mit einem Paukenschlag: „Viktor der Schreckliche“ persönlich wird am kommenden Montag, 5. Februar, die Rüdersdorfer unterstützen und 25 Mutige simultan und schön der Reihe nach abfertigen.

Der Mann mit dem symbolträchtigen Namen ist kein Geringerer als Viktor Kortschnoi, der amtierende Seniorenweltmeister. Auch Laien kennen den gebürtigen Leningrader spätestens seit dramatischen WM-Duellen 1978 und 1981 gegen den damaligen Titelträger und Vorzeigeathleten der einstigen Sowjetunion, Anatoli Karpow. 1976 war Kortschnoi aus der UdSSR emigriert, und als der vermeintliche Dissident auf den Musterwerktätigen Karpow traf, wurde das von den Medien hochstilisiert zum Kräftemessen zwischen den Systemen: quasi als zweimaliges Replay des historischen Matches Bobby Fischer 1972 in Reykjavik gegen Boris Spasski.

Bei seinen beiden Anläufen, international die absolute Nr. 1 zu werden, ist Kortschnoj zwar am Ende knapp gescheitert. Trotzdem zählt der heute 75-jährige mit Wohnsitz in Zürich zu den erfolgreichsten Sportlern der Schachgeschichte. 5500 Kortschnoj-Partien sind in den Datenbanken gespeichert – zum Vergleich: der deutsche Rekordweltmeister Emanuel Lasker, Champ der Champs von 1894 bis 1921, hat bloß 700 geschafft - , und der Haudegen denkt noch lange nicht ans Aufhören. Er setzt immer auf Sieg, nicht umsonst heißt er „Viktor der Schreckliche“. Auch beim Rüdersdorfer Simultan strebt er ein standesgemäßes Ergebnis an, und das kann für einen Kortschnoj „natürlich nur 25:0“ lauten, wie er vorab ankündigt im ND-Interview per Telefon aus Gibraltar, wo er gerade bei den Gibtelecom-Masters mitmischt.

Dass der Weltstar Kortschnoj ins beschauliche Märkisch-Oderland einfliegt und die Aktion „2008 bis 2008“ unterstützt, hat einen besonderen Grund: Der Großmeister ist seit dem Sommer 2006 Ehrenmitglied des SV „Glück auf“ Rüdersdorf. Für den Klub an der östlichen Peripherie von Berlin eine sensationelle Verstärkung, die Teammanager Raymund Stolze eingefädelt hat. „Der hat mich überredet“, verrät Kortschnoj dem ND und lacht. Wobei sich der Neu-Rüdersdorfer gerne hat überreden lassen. Schließlich liegt Kortschnoj der Schachnachwuchs am Herzen – "Jeder Meister hat die moralische Verpflichtung, sein Wissen an die nachfolgende Generation weiterzugeben“, so sein Credo - , und gerade die Jugendarbeit ist eine der Stärken des SV "Glück auf“. Der Verein gehört sowohl prozentual als auch in absoluten Zahlen zu den jüngsten Klubs in Deutschland und trägt seit 2001 das "Grüne Band“ der Dresdner Bank für vorbildliche Talentförderung.

Da klinkt sich künftig auch Kortschnoj ein. Denn der Unverwüstliche macht keine halben Sachen: Am Morgen vor der großen Simultan-Show trainiert er mit der Rüdersdorfer Schachjugend, und warm gespielt hat er sich bereits am Sonntag (4. Februar) während seines ersten regulären Punktspiels für "Glück auf“ Rüdersdorf. Kortschnoj läuft nämlich auf in der Zweitliga-Begegnung gegen den Bundesliga-Absteiger SK Zehlendorf ab 10 Uhr im Hotel "Flora“ in Fredersdorf bei Berlin.

Schlachtenbummler und Fans werden dort den Kortschnoj-Faktor live erleben. Die ideale Einstimmung, um sich am nächsten Tag ab 18 Uhr - und dann wieder im Fredersdorfer Hotel „Flora“ – vielleicht selber einmal mit einer lebenden Schachlegende zu messen. Anmeldungen für den Simultan-Wettkampf gegen Kortschnoj werden entgegengenommen unter der Telefonnummer 030 – 785 90 30 oder per E-Mail an Kortschnoj-simultan@gmx.de (Stichwort: „Simultan“). Ein Platz am Brett kostet 10 Euro, der Erlös fließt an den Landes-Leistungsstützpunkt Schach für die Nachwuchsarbeit in Rüdersdorf.

Eine einmalige Chance, zumal sich für die von der Sparkasse Märkisch-Oderland gesponserte und vom „Neuen Deutschland“ unterstützte Veranstaltung sogar Artur „Atze“ Brauner angemeldet hat. Der berühmte Filmproduzent („Hanussen“, „Hitlerjunge Salomon“) ist erklärter Schachfan. Damit steht in Rüdersdorf nebenbei ein fast schon episches Ringen der alten Recken an – schließlich zählt Artur Brauner, einer der Großen des deutschen Kinos, inzwischen stolze 88 Jahre.



Simultan gegen Viktor Kortschnoj an 25 Brettern:
Termin: Montag, 5. Februar, 18 Uhr.
Ort: Hotel Flora, Fredersdorf b. Berlin, Mittelstraße 13 a.
Anmeldung: per Telefon: (030) 785 90 30, Internet: Kortschnoj-simultan@gmx.de,
Stichwort: Simultan.
Startgeld: 10 Euro. Die Einnahmen gehen an den Landesschachbund für die Nachwuchsarbeit.

www.sv-glueck-auf-ruedersdorf.de/schach


 

 

 

 

 

 



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