Viktor Kortschnojs Biografie bei Edition Olms

09.12.2004 – In zwei Bänden hatte Viktor Kortschnoj zuvor bereits die besten Partien seiner Schachkarriere veröffentlicht und kommentiert ("Meine besten Kämpfe 1952-2000", Band 1 und 2 bei Edition Olms). Nun hat der zweimalige Vizeweltmeister mit "Mein Leben für das Schach" auch seine Biografie vorgelegt. Mit Kortschnojs Erinnerungen kann der Leser eine Zeitreise bis tief in das letzte Jahrhundert unternehmen und erfährt dabei u.a. auch viele interessante Details aus dem Leben der Menschen in der kommunistischen Sowjetunion. Zu Edition Olms... Bücher bei Niggemann kaufen...Mehr...

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Zu denen, die sich mit ihren Erfolgen im Schach schon zu Lebzeiten unsterblich gemacht haben, gehört ohne Zweifel Viktor Kortschnoj. Am 23.3.1931 geboren, musste er als Kind mit erleben, wie seine Heimatstadt Leningrad von der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg eingeschlossen und ausgehungert wurde. In dieser Zeit begann er sich mit Schach zu beschäftigen. Heute gehört er der inzwischen 73-Jährige immer noch zur erweiterten Weltspitze und eilt von Turnier zu Turnier. Dazwischen liegt eine beispiellose Karriere mit zahlreichen Turniererfolgen und zwei Vizeweltmeisterschaften. 1974 und 1978 unterlag er jeweils knapp Anatoly Karpov im Kampf um den Titel. Der Wettkampf  in Baguio City 1978 übertraf an politischer Brisanz noch den berühmten Kampf zwischen Fischer und Spasski 1972.

Im Jahr 1976 war Kortschnoj aus der Sowjetunion geflohen und sah sich nun als Dissident von seinem früheren Heimatland verfolgt. Üblicherweise hätte die Öffentlichkeit nicht viel von dem erfahren, was sich hinter den Kulissen abgespielt hatte, doch Kortschnoj veröffentlichte in seinem seit Langem vergriffenen Buch Antischach die Details, wofür er sich den erneuten Zorn der Sowjetführung zuzog. Während des Wettkampfes hatte die Sowjetführung seine Familie in der UdSSR als Geiseln in Haft nehmen lassen. Angeblich soll Tal, der im Wettkampf auf Seiten von Karpov hatte helfen müssen, später gesagt haben, dass der KGB geplant habe Kortschnoj im Falle eines Sieges umbringen zu lassen.

Nach den beiden Partiebänden: "Meine besten Kämpf 1952-2000", ebenfalls bei Edition Olms erschienen hat Viktor Kortschnoj nun mit "Mein Leben für das Schach" einen rein biographisches Buch mit seinen Erinnerungen vorgelegt. Der Leser unternimmt mit ihm eine Schachzeitreise weit in die Vergangenheit.

In lakonischem, fast Ton berichtet der der Autor über die teils sehr elenden und unsicheren Lebensumstände in der Sowjetunion der dreißiger und frühen Vierziger Jahre, die der Leser im Westen sich heute kaum vorstellen kann. In den Kriegsjahren litten besonders die eingeschlossenen Leningrader schlimmste Not oder verhungerten.

Man erfährt, wie das System der sowjetischen Staats"amateure" organisiert war - auch wie Partien verschoben wurden -, begleitet Kortschnoj bei seinen ersten Turniererfolgen und spürt dabei fast die Angst, die Bürger im Willkürstaat der UdSSR ständige erfuhren. In seinen Beschreibungen bestimmter Vorgänge nimmt Kortschnoj dabei kein Blatt vor den Mund und nennt Ross und Reiter.

1965 hatte Kortschnoj eine Einladung ausgeschlagen, im Westen zu bleiben. Nach seinem ersten Wettkampf gegen Karpov sah er sich Repressalien ausgesetzt und entschloss sich in den Westen zu gehen. Zur Fluch nutzte er ein Turnier 1976 in Amsterdam. Die Zeit danach gehört wohl zur kritischsten seines Lebens überhaupt. Während er befürchtete, vom KGB umgebracht zu werden, hatten die Leute im Westen keinerlei Ahnung von der Realität, die in der UdSSR herrschte. In einem besonders ergreifenden Kapitel beschreibt Kortschnojs Sohn Igor, was ihm und seiner Mutter widerfuhr, nachdem der Vater geflüchtet war.

Einen großen Raum nehmen die Beschreibungen der Umstände des Wettkampfes gegen Karpov 1978 in Baguio City ein. Die ganze Weltöffentlichkeit schaute zu, als die beiden Widersacher sich abseits des Brettes einen heftigen Psycho- und Nervenkrieg lieferten. Am Ende siegte Karpov ganz knapp. Heute, angesichts der Aussage von Tal, ist Kortschnoj sehr froh, dass er damals nicht gewann.

Viktor Kortschnojs "Mein Leben für das Schach" ist ein lebendig und spannend geschriebenes Buch voller interessanter Details aus der Schachgeschichte. Beigefügt ist eine CD mit einer ChessBase-Datenbank, die 4250 Partien von Kortschnoj enthält, davon viele als Erstveröffentlichung. Sehr empfehlenswert.
 

Viktor Kortschnoj. Mein Leben für das Schach. 248 Seiten. Edition Olms, 2004.
29,95 Euro


 

André Schulz
 




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