Viva Argentina!

14.10.2005 – In der argentinischen Provinz stellen sich oft Hindernisse in den Weg, mit denen man eigentlich nicht gerechnet hat. Trotzdem funktioniert die Organisation der WM recht ordentlich und weitaus besser als im landesüblichen Durchschnitt. Manche vermuten, dass dies an der Wahl liegen könnte, die in Kürze auf der Tagesordnung steht und so gerät das Schach in den Wahlkampf: "Schachmatt der Regierung", lässt die Opposition plakatieren. Am Ort des Geschehens sorgen Einfallsreichtum und Improvisationskunst für reibungslosen Ablauf. Und manchmal muss man einfach mit dem Kopf oder dem Kabel durch die Wand. Olaf Heinzel weiß mehr. Mehr...

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Viva Argentina!
Welche Hindernisse hat man als Journalist zu bewältigen um über Schach zu berichten?
Von Olaf Heinzel

Bei einem Openbericht sind i.d.R. nur kleine Hürden zu bewältigen. Bei den TOP-Turnieren, erhält man sogar noch Dienstleistungen, welche man mittlerweile als Standard voraussetzt. Zu diesen Zählen u.a. PC-Plätze mit Internetanschluss, Runden-Bulletin, Getränke und Hilfe bei der Reservierung der Unterkunft. Für diese Standards ist bei der Fide-WM in San Luis Senor Reuben ( Bild 1) zuständig.


Mittig Senor Reuben bei einer Pressekonferenz

Ohne Spanischkenntnisse kommt man bei Senor Reuben aber nicht weiter. Bulletin gibt es nicht. Für den Zuschauer ist auch nirgends ersichtlich wie der aktuelle Tabellenstand ist. Dieses kann man schließlich im Internet erfahren (Bild 2).


Wo ist der 8 Spieler? Fehlt nicht, nur falsch durchnummeriert

Getränke bekommt man an der Hotelbar. Natürlich gegen Peso. Dirk Poldauf von der Zeitschrift Schach könnte einen ganzen Roman über seine Zimmerreservierung im Spielerhotel schreiben. Selbstverständlich ist er 20 km entfernt von Potrero de los Funes in San Luis untergebracht. Ich dagegen habe mich bei einem ausgewanderten Deutschen auf seinem Campo La Sierra (Bild 3) in El Volcan, was in der Mitte von San Luis und dem Spielort Funes liegt, eingenistet.


Campochef Bernd – mit den besten Lomos – und sein Thronfolger Franz

Auf dem Weg zum Spielort kann sich auch mal ein natürliches Hindernis in den Weg stellen. (Bild 4)


Steaks

Aber zurück zu den Dienstleistungen. PC-Plätze mit Internetanschüsse sind ausreichend vorhanden. Das Benutzen ist aber kostenpflichtig. Und da man hier richtige Umsätze machen will, dürfen auch die Kids ihre Spiele zocken (Bild 5).


Die Nachwuchsjournalisten im Pressezentrum

Die Lautstärke der Kids wird aber vom Kollegen, GM Kaidanov (2608), der für ICC tätig ist, getopt. Bis zum letzten Zug wird per Handy Live übertragen (Bild 6). Die Handynetze hier sind nicht die Besten, was dem Geräuschpegel vielleicht erklärt.


Aber warum steht der Laptop hochkant?

 

Alle Schachfreunde erinnern sich sicher noch, mit welcher technischer Finesse seinerzeit in New York bei den Wettkämpfen zwischen Kasparov und Deep Junior bzw. Deep Fritz das Internet verlegt wurde:

Hier ist man in Argentinien ohne Zweifel bereits auf Augenhöhe mit den Nordamerikanern:

Nicht nur die schreibende Zunft hat Ihre Probleme. Funktioniert eine Fernsehübertragung ohne Kabel? Die Antwort lautet Nein (Bild 7)!


Ü-Wagen vor der Schachbox

Also wurde kurzer Hand die Scheibe in der Schachbox – Spielort – eingeschlagen, damit die Kabel zum Übertragungswagen gelangen (Bild 8).


Aussichtfenster in der Schachbox

Schluss mit dem typischen deutschen Gemeckere! Erstens mögen die Argentinos keine Quertreter (Bild 9) und zweitens helfen einen die hübschen Hostessen immer weiter (Bild 10).


Terrasse im Hotel – Ihr Fotograf war es nicht!


Fredericka aus Hessen

Leider machen sich die Damen von Tag rarer. Zum Einem weil die Bezahlung bisher nicht erfolgte, zum Anderen, weil wie im Falle Fredericka, ein Huster reicht, um ein Rezept über Antibiotika verpasst zu bekommen und man somit auf die Krankenliste kommt (Bild 11).


Rezept vom Hotelarzt ausgestellt
 

Im Foyer des Spielerhotels findet eine kleine Ausstellung statt mit verschiedenen künstlerischen Schachmotiven (Bild 12). Dort hat man auch die Möglichkeit, selbst die Figuren zu bewegen und trotzdem das Gesehen im Saal zu verfolgen (Bild 13). Die Präsentation im Hotel ist einer WM würdig (Bild 14)!


Eines der zahlreichen Ausstellungsstücke


 „Blitzsaal“


Werbeplakat im Hotel

Der Werbemanager für diese WM hat auf alle Fälle gute Arbeit geleistet. Auch die kleinen Details – und dies ist für Argentinien atypisch! – wurden bedacht. Der Transferbus für die Hostessen nach San Luis ist passend beklebt (Bild 15).


Transferbus

Die Quittung der Mautgebühren hat man mit dem Logo der WM versehen (Bild 16).


Kassenbon

Allerdings ist die Meinung der Bevölkerung, dass dies nur wegen der Wahlen, welche am 23.10.05 in Argentinien stattfinden, so gut klappt – Ausrichter der WM ist die Regierung von San Luis.

Aus diesem Grunde gibt es hier natürlich auch Anti-WM-Plakate (Bild 17).


"Schachmatt der Freiheit und Demokratie“, „Schachmatt der Gerechtigkeit“

Bei der Eröffnungsveranstaltung konnte ich den Eindruck der Bevölkerung nachvollziehen, da dies mehr eine Wahlkampfveranstaltung war. Ob die Abschlusszeremonie ähnlich verläuft bleibt abzuwarten. Bis jetzt weiß man weder Ort, noch Uhrzeit. Die Hostessen witzeln schon, dass sie es 15 min. nach Beendung der Veranstaltung erfahren. Dies ist Argentinien!



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