Vor dem "London Chess Classic": Ist Caruana noch motiviert?

von Klaus Besenthal
02.12.2018 – Für Fabiano Caruana gibt es nach seiner Niederlage im Tiebreak der Schachweltmeisterschaft keine Verschnaufpause: Neben Hikaru Nakamura, Levon Aronian und Maxime Vachier-Lagrave gehört der Amerikaner zu den vier für das "London Chess Classic" qualifizierten Spielern. Caruana könnte beim Finale der diesjährigen Grand Chess Tour nicht nur ein üppiges Preisgeld gewinnen, sondern auch die Führung in der Elo-Weltrangliste übernehmen - jene Position, von der Magnus Carlsen vor einigen Jahren behauptet hat, dass sie ihm mehr bedeute als der Weltmeistertitel. Es ist also gut möglich, dass Caruana ein weiteres Mal hoch motiviert in die britische Hauptstadt reisen wird! Das Turnier beginnt am 11. Dezember.

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Das London Chess Classic beschließt die diesjährige Grand Chess Tour. Dreizehn Spieler sind insgesamt daran beteiligt gewesen; vier von ihnen haben sich für das Turnier in London qualifiziert. Weltmeister Magnus Carlsen hat lediglich beim Sinquefield Cup mitgespielt, die nötigen Punkte für die Teilnahmeberechtigung in London konnte er so nicht erringen.

Die Teilnehmer

Für das London Chess Classic sind Hikaru Nakamura, Levon Aronian, Maxime Vachier-Lagrave und Fabiano Caruana qualifiziert. Caruana hatte sich seinen Platz beim Sinquefield Cup gesichert - im Tiebreak gegen Wesley So. Foto: Turnierseite

Die Spielregeln

Das London Chess Classic wird in einem komplett neuen Format durchgeführt: Jeweils zwei der vier Spieler treten in einem Halbfinale gegeneinander an; die beiden Sieger gehen dann ins Finale. Die Verlierer spielen in einem "kleinen Finale" um den dritten Platz. In den Halbfinals trifft der Führende der Grand Chess Tour auf den Viertplatzierten und der Zweite auf den Dritten. Somit lauten die Paarungen:

Nakamura - Caruana

Aronian - Vachier-Lagrave

Es werden zunächst zwei Partien klassisches Schach gespielt - für einen Sieg gibt es sechs Punkte, für ein Remis drei. Anschließend folgen zwei Rapidpartien, in denen es jeweils vier bzw. zwei Punkte zu gewinnen gibt. Schließlich gibt es vier Blitzpartien, für die zwei bzw. ein Punkt vorgesehen sind. 28 Punkte werden in den drei Disziplinen insgesamt verteilt - 15 reichen, um den Zweier-Wettkampf zu gewinnen. Caruana könnte also beide Partien im klassischen Schach gegen Nakamura gewinnen, bei einem ähnlich desaströsen Rapid- bzw. Blitzergebnis wie bei der Weltmeisterschaft gegen Magnus Carlsen aber trotzdem letztlich verlieren. Vieles ist möglich, auf jeden Fall gibt es in London aber vier Partien klassisches Schach für Caruana, die ihn zur Nummer eins der Elo-Weltrangliste machen könnten.

Die Bedenkzeit ist wie folgt geregelt:

Klassisches Schach: 100 Min. / 40 Züge, 60 Min. für den Rest der Partie, zzgl. 30 Sek. Verzögerung ab dem 1. Zug

Rapid: 25 Min. / Partie, zzgl. 10 Sek. Verzögerung

Blitz: 5 Min. / Partie, zzgl. 3 Sek. Verzögerung

Der Preisfonds

Der Sieger des London Chess Classic erhält 120.000 USD; auf den weiteren Plätzen gibt es USD 80.000, USD 60.000 und USD 40.000.

Zeitplan (Angaben in deutscher Zeit)

Dienstag, 11. Dezember, 15 Uhr: Halbfinale im klassischen Schach (Partie 1) im "Google Head Office"

Mittwoch, 12. Dezember, 15 Uhr: Halbfinale im klassischen Schach (Partie 2) im "Google Head Office"

Donnerstag, 13. Dezember, 15 Uhr: Halbfinale Rapid, Blitz und ggfs. Playoffs im "Google Head Office"

Freitag, 14. Dezember: Ruhetag

Samstag, 15. Dezember, 15 Uhr: Finale im klassischen Schach (Partie 1) im "London Olympia"

Sonntag, 16. Dezember, 15 Uhr:  Finale im klassischen Schach (Partie 2) im "London Olympia"

Montag, 17. Dezember, 15 Uhr: Finale Rapid, Blitz und ggfs. Playoffs im "London Olympia"

Parallel findet eine Vielzahl weiterer Turniere statt (u.a. ein FIDE-Open), die bereits am 8. Dezember beginnen.

Gesamtstand der Grand Chess Tour

Vier Stationen der Grand Chess Tour 2018 sind bereits absolviert: Rapid-/Blitzturniere in Leuven, Paris und Saint Louis sowie der Sinquefield Cup (klassisches Schach) ebenfalls in Saint Louis. Dabei hat sich folgender Stand ergeben:

Turnierseite

Grand Chess Tour




Klaus Besenthal ist ausgebildeter Informatiker und ein begeisterter Hamburger Schachspieler. Die Schachszene verfolgt er schon seit 1972 und nimmt fast ebenso lange regelmäßig selber an Schachturnieren teil.
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preich preich 10.12.2018 08:47
Was ist dies auch für ein komisches Wertungssystem bei dem der amtierende Weltmeister nicht für ein solches Turnier automatisch qualifiziert ist. So etwas gibt es aber wirklich nur im Schach!
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