Vorschlag zur Reform der 2. Bundesliga

von ChessBase
03.01.2022 – Die Bundesliga mit 16 Mannschaften und die vier Zweiten Ligen mit 40 Mannschaften sind die obersten Spielkassen im Spielbetrieb des Deutschen Schachs. Nun strebt der Deutsche Schachbund eine Reform der Zweiten Ligen an, mit weniger Mannschaften und einer strafferen Organisation. Hier ist der Reformentwurf und ein Interview mit Michael S. Langer.

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Der Reformentwurf:

Reform der 2. Schach-Bundesliga

Die Bundesspielkommission des Deutschen Schachbundes hat in ihrer Videokonferenz am 10. November 2021 beschossen, einen neuen Anlauf zu einer Strukturreform der 2. Schach-Bundesliga zu nehmen. Zur Vorbereitung von Vorschlägen wurde ein Ausschuss mit folgenden Mitgliedern eingesetzt: Michael S. Langer (Präsident des Niedersächsischen Schachverbandes), Dr. Jürgen Klüners (DSB-Schiedsrichterkommission), Jürgen Kohlstädt (zentraler Leiter der Schach-Bundesliga), Frank Strozewski (Landesspielleiter NRW und Staffelleiter 2. BL West), Thomas Wiedmann (Landesspielleiter Württemberg und Staffelleiter 2. BL Süd), Gregor Johann (Landesspielleiter Rheinland-Pfalz und Bundesturnierdirektor).

Zielsetzung der Reform:

- Steigerung der Attraktivität der 2. Schach-Bundesliga
- Vermeiden von Konstellationen, in der nicht alle Aufstiegsplätze in die 1. Schach-Bundesliga besetzt werden können, wie z.B. letzte Saison in der 2. Schach-Bundesliga-Süd
Verkleinerung der Unterschiede zwischen 1. und 2. Schach-Bundesliga (in Bezug auf Spielstärke und Organisationskapazitäten)
- Schaffung von verbesserten Möglichkeiten zur Erzielung von Spielernomen in der 2. Schach-Bundesliga und Möglichkeit zur Erzielung von Spielernomen in der Spielklasse darunter.

Struktur der 2. Schach-Bundesliga:

Um die Liga attraktiver zu machen und Leistungsstärke zu erhöhen, schlagen wir eine zweigeteilte 2. Schach-Bundesliga vor, die in Doppelrunden spielt. Jede der beiden Staffeln soll mit 12 Mannschaften nach geographischen Gesichtspunkten eingeteilt ein Rundenturnier spielen. Dadurch ergibt sich im Gegensatz zu 10er-Gruppen, die in Doppelrundenspielen, nach jedem Spieltag ein „gerades Tabellenbild“. Frank Strozewski hat die letzten drei Spielzeiten aufbereitet und hierbei nicht die gemeldeten, sondern die eingesetzten Spieler*innen nach Anzahl der Einsätze ausgewertet, Die stärksten 24 Teams wären die folgenden. Dies soll nicht die Grundlage der Qualifikation für die neue 2. Schach-Bundesliga sein, sondern nur verdeutlichen, wie sich die Spielstärke nach der neuen Einteilung darstellen könnte.

Aktuell liegt in den Staffeln der 2. Schach-Bundesliga eine deutlich (100-150 ELO-Punkte) höhere Differenz zwischen der stärksten und der schwächsten Mannschaft vor.

Struktur der 3. Schach-Bundesliga:

Für die 3. Schach-Bundesliga stellen wir zwei Varianten zur Diskussion:

  • 4 Staffeln á 12 Mannschaften
  • 6 Staffeln á 10 Mannschaften

Für die erste Variante spricht, dass

  • die Struktur in 2./3. Liga gleich ist
  • durch 11 Partien eine verbesserte Normenmöglichkeit besteht

Für die zweite Variante spricht, dass

  • kürzere Fahrtstrecken entstehen und zumindest bei der Austragung in Einzelrunden oftmals eine Übernachtung nicht erforderlich sein wird.

Weitere Details werden wir ausarbeiten, wenn die grundsätzliche Idee der Umstrukturierung Zustimmung findet.


Interview mit Michael S. Langer zum Reformentwurf

Warum braucht die Zweite Bundesliga eine Reform?

Sie ist überfällig. 40 Mannschaften in der zweithöchsten Spielklasse sind im Sinne eines ausgewogenen und spannenden Wettbewerbs einfach nicht mehr vermittelbar.

Man hat eigentlich den Eindruck, dass manche Vereine in der Zweiten Bundesliga mit den Kosten und der Organisation überfordert sind. Wird dieser Effekt nicht durch den Reformvorschlag mit nur zwei Gruppen verstärkt, durch höhere Reisekosten?

Das passiert nicht, wenn die "richtigen" Mannschaften zukünftig dabei sind. Wir möchten deutlich mehr Intensität in die Liga bringen.

Die Mannschaftskämpfe der ersten und zweiten Liga werden von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Die zentrale Bundesligarunde aber schon. Sollte man daraus nicht Lehren ziehen und die Liga in zentralen Runden zusammenfassen?

Ich selbst bin ein Fan von zentral ausgerichteten Veranstaltungen. Wir werden am Samstag sehen, welchen Weg die Bundesspielkommission nehmen möchte.

Manche Teams der Ersten Liga, zum Teil auch der zweiten Liga haben mit dem Vereinsleben und den Vereinen, für die sie spielen, nur wenig Verbindung, zum Beispiel wegen einer hohen Anzahl von vereinsfremden Profis. Wenn die finanzierenden Mäzene wegfallen oder der einzige Organisator im Verein, zerfallen diese Mannschaften plötzlich und verschwinden. Die Bundesliga-Geschichte kennt viele Beispiele. Müsste man nicht hier einmal ansetzen?

Ich würde es gern sehen und forcieren, dass sich alle Ebenen des deutschen Schachs unter besonderer Einbeziehung des Schachbundesliga e.V. diesem seit Jahren gärenden Thema nachhaltig stellen. Mit ihrem frisch verabschiedeten Zulassungskonzept hat sich die Bundesliga ja bereits auf den Weg gemacht.

Wenn man an Reformen denkt, müsste man nicht auch über eine Reform des ganzen Spielbetriebs, auch in den unteren Ligen nachdenken und alles auf den Prüfstand stellen: Anzahl der Bretter pro Team, Integration von Frauen und Jugendlichen, Bedenkzeiten, Termine, etc.. Sind Partien auf Amateurebene mit fünf Stunden Länge am Wochenende oder am Abend nach der Arbeit, mit langen Anreisen und über Monate verteilt heute noch zeitgemäß? Viele Vereine haben Probleme acht Leute zusammenzubekommen…

So viele Fragen ;-) Entweder halte ich jetzt einen mehrstündigen Monolog oder ich antworte mit Ja, wir müssen alles und das fortwährend auf den Prüfstand stellen. Ich nehme Antwort 2. Du zeigst hier eines der Kernthemen des Schachs schlechthin auf und das will und muss bearbeitet werden.

Können Hybridformate eine zeitgemäße Antwort auf die Probleme bieten: Die Mannschaften spielen zusammen, aber jede an ihrem Ort, unter Aufsicht eines Schiedsrichters über das Internet.

Ich bin der festen Ansicht, dass Hybridformate ebenso wie "reines" Onlineschach eine Ergänzung sein können. Es setzt sich aber sicher nicht von der Basis her durch. Es bedarf gut organisierter Veranstaltungen, mit denen das Thema erst mal sukzessive in die Fläche getragen und promotet wird. Wir werden als Niedersächsischer Schachverband mit einer Mannschaft am Millenium Hybrid Masters dabei sein und so unseren Anteil an einer gestaltenden Entwicklung des Themas einbringen.

Vielen Dank für die Antworten.

Die Fragen stellte André Schulz.

 


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Porzellanladen Porzellanladen 05.01.2022 07:35
Zitat: "Ab Liga 3 es ganz allein den Landesverbänden überlassen?"
Ja !
schachkwak schachkwak 05.01.2022 03:09
@Rubin_Stein
Ab Liga 3 es ganz allein den Landesverbänden überlassen? Es sollte zumindest sichergestellt sein, dass alle Staffelsieger aufsteigen. Deshalb wird für die 3. Ligen schon ein überregionales Konzept nötig sein. Es können also nicht die 10 Oberligen wie bisher bestehen bleiben. Es ergeben sich die beiden Vorschläge mit den 4 oder 6 Oberligen.

Wie es darunter abgefangen werden kann, das könnte man tatsächlich den Landesverbänden überlassen.
Schablone Schablone 04.01.2022 10:45
Ich denke eine zweigleisige zweite Liga und die Aufstockung auf zwölf Mannschaften ist eine gute Idee. Bei den Doppelrunden, die inzwischen sowieso gespielt werden, sind 10 Mannschaften unnatürlich.
Allerdings wird dieser Modus nichts an den regelmäßigen Verzichtserklärungen auf den Aufstieg in die erste Liga ändern. Hier wurden die finanziellen Hürden einfach zu hoch gesetzt.
Rubin_Stein Rubin_Stein 04.01.2022 04:58
Das sind aus meiner Sicht nicht die einzigen Dinge, die nicht beachtet wurden. Ich will jetzt keine Ossi-Wessi-Diskussion aufmachen, aber es fällt auf, dass in der genannten Kommission mit immerhin 6 Mitgliedern kein einziger Vertreter aus dem Osten dabei ist, warum eigentlich?

Die 2 x 12er-Lösung in der 2.BL fände ich diskutabel, so hatte man damals im Fußball den Regionalliga-Unterbau ja auch auf zwei 2.Bundesligen komprimiert. Allerdings sollte man dann auch die Regelung übernehmen, dass in der 2.Bundesliga keine IIer-Mannschaften spielen, diese höchstens in der 3.Liga spielen können.

Bei der genannten Einteilung wären 6 (!) IIer-Mannschaften dabei, d.h. 25% der Mannschaften wären IIer-Mannschaften. Wo soll darin der Reiz liegen? Das gibt doch nur eine ungesunde Aufkonzentration auf wenige Vereine, das Spitzenschach verschwindet aus der Fläche, regionale Talente können sich nur noch entfalten, wenn sie wechseln, das ist sicherlich nicht im Sinne der allgemeinen Wettbewerbsfähigkeit.

Etwaige Reformen des Spielbetriebs sollten aus meiner Sicht den jeweiligen Landesverbänden überlassen bleiben. In den Stadtverbänden z.B. gibt es ganz andere Bedingungen als in den Flächenländern, da kann man nicht alles über einen Kamm scheren. Wir haben Blitz- und Schnellschach, aus meiner Sicht sollte es bei den bisherigen Bedenkzeiten bei den Mannschaftskämpfen bleiben. Der Reiz am Schach ist doch das Überlegen oder nicht?

Hybrid- oder Onlineschach soll spielen wer will, ich wäre da raus und nach meiner Einschätzung bei weitem nicht der Einzige, denkt bitte auch an die Altersstruktur bei den aktiven Schachspielern.

Insgesamt sollte man Reformen auf Folge- und Nebenwirkungen wohl durchdenken und nach Möglichkeit so dezentral wie möglich durchführen. Schnell ist ein eigentlich relativ gut funktionierendes System totreformiert, was sich dann aber schwerlich wieder zum Leben erwecken lässt.
Lt Marseille Lt Marseille 03.01.2022 09:48
Eine Sache scheint entweder nicht durchdacht - oder sie ist pure Absicht (und da werden sich jetzt einige Teams nicht gerade freuen):
Status Quo jetzt ist: 40 Teams in der 2. Bundesliga, 104 Teams in den 10 Oberligen (OLOst spielt mit 12er-Staffeln, den 11. TN im Südwesten habe ich nicht eingerechnet), macht in Summa z.Zt. 144 Mannschaften. Das vorgeschlagene System weist noch 72 bzw. 84 Mannschaften aus. Da werden Teams in die Viertklassigkeit zurückgedrängt, und das sind je nach Sichtweise eine ganze Menge. Oder rechne ich falsch?
Naja, mich betrifft es nicht mehr, und Vereine, für die ich spiele(n könnte), vermutlich auch nicht mehr.
Aber im Ernst, Michael, habt ihr daran gedacht?`Viele omikronfreie Grüße,

Lothar
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